Während die Mutter und die Kinder zu einem Weihnachtslied anstimmen - diesmal ganz ohne Begleitung des Radios - schleicht der Vater in die Stube und zündet eine Kerze nach der anderen am Christbaum an, bis dieser im hellen Glanz erstrahlt.
Kaum fertig geworden, können es die Kinder auch schon nicht mehr erwarten. Im Schnellverfahren wird noch »Stille Nacht« angestimmt, bevor das große Ereignis beginnen soll.
Die letzten Töne sind noch nicht verhallt, als die Rosl voller Neugier auch schon die Türe aufreißt und alle in die Stube hinein eilen.
Mit einem kräftigen » Ui - ist der Baum aber diesmal schön !« und einen sofortigen Ansturm auf die Geschenke beginnt nun der schönste Teil dieses Abends.
Als der Sepp plötzlich einen wunderbaren großen Bagger in den Händen hält und ihn mit den Worten » Mensch ist der toll, so einen wollte ich schon immer haben! « voller Stolz in der Runde umher zeigt, kommen der Mutter langsam Zweifel.
Mit einem flüchtigen Blick auf alle Geschenke wendet sie sich skeptisch und flüsternd an den Vater. » Du sag mal, da sind ja viel mehr Päckchen unterm Baum, als wir drunter gestellt haben. Das gibts doch gar nicht! «
» Ich weiß auch nicht, von wem die sind! «, erwidert dieser.
Suchend in die Menge erblicken die beiden auf einmal das heimliche Lächeln ihres Gastes. Sichtlich erfreut und schmunzelnd hält auch er einen Teller voll Plätzchen in den Händen und genießt den Jubel der Kinder.
Als er den fragenden Blick der Eltern sieht meint er nur ganz freundlich und leise, so das es die Kinder nicht hören können: » Glaubt an die Geschichten, die ich Euch vorher über den Weihnachtsmann erzählt habe, die erklären alles .«
Eine Zeitlang später, nachdem alle Geschenke ausgepackt und einer gründlichen Inspektion unterzogen sind, kommt dem Schmidl plötzlich eine Frage. » Du Andi, glaubst Du nicht, dass der Stromausfall im Haus vielleicht auf Dein Konto geht? « - » Wieso? «, meint der Kleine ganz erschrocken. - » Denk mal scharf nach, dann weißt Du vielleicht, was ich meine! «.
Alle möglichen Gedanken schießen dem Lauser nun durch den Kopf und sein Blick schweift wie ferngesteuert auf die Kamera und die Zeitschaltuhr. Auch der Vater bemerkt auf einmal das Gerät in der Steckdose und wendet sich an seinen Ältesten: » Sag mal, hast Du etwa die kaputte Zeitschaltuhr da eingesteckt? Dann wundert es mich nicht, dass wir keinen Strom mehr haben. Das Teil ist doch kaputt. Sag Andi, was wolltest Du denn bloß damit bezwecken? «
» Das Christkind filmen, wie es die Päckchen verteilt! «, jammert dieser zu seiner Verteidigung. Woher wusste das der alte Schmidl, wo er doch ein Fremder war und keine Ahnung von seinem Vorhaben hatte? Mit einer gehörigen Portion Unsicherheit rückt er nun voller Unbehagen mit der ganzen Wahrheit raus: » Ihr müsst wissen, ich habe nämlich eine Kamera aufgestellt und wollte die mit der Schaltuhr los laufen lassen, um mir damit endlich Klarheit zu verschaffen, wie das mit dem Christkind so ist - ob es das auch wirklich gibt. Und jetzt ist mein ganzes Geheimprojekt in die Hose gegangen. «
Nach dieser Beichte herrscht allgemeines Geschmunzel bei den Eltern. Auch der Sepp hat nun endlich wieder etwas, womit er seinen Bruder aufziehen kann und nützt die Situation natürlich sofort aus.
Mit einem Lächeln auf den Lippen entfernt der Vater die kaputte Zeitschaltuhr aus der Steckdose und macht sich auf den Weg in den Keller, um die Sicherung wieder einzuschalten.
Als es dann für die Kinder langsam Zeit wird, ins Bett zu gehen, verabschiedet sich auch der alte Schmidl.
Das Angebot des Vaters, ihn mit dem Auto ins Dorf zu fahren, lehnt dieser dankend ab. » Ich bin mit meinem Schlitten hier, den kann ich doch nicht einfach stehen lassen! Dankeschön für alles. Ich wünsche Euch noch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch! Vielleicht sehen wir uns mal wieder. Es würde mich freuen. Behüte Euch Gott. «
Mit diesen Worten springt er auf und ist auch sogleich bei der Türe draußen, um seinen Weg fortzusetzen.
» Ein komischer alter Mann «, meint Sepp drauf. » Komisch vielleicht, aber lieb und ein guter Geschichtenerzähler «, antwortet Rosl.
» Woher der das mit der Kamera bloß gewusst hat? «, fällt dem Andi kopfschüttelnd ein, » das gibt es doch gar nicht. « - » Wer weiß «, lächelt die Mutter ganz keck. » Es gibt mehr Dinge auf dieser Welt, als wir uns vorstellen können. «
Jetzt ist sich der Andi aber sehr unsicher, zumal sich sein Geheimprojekt ja als großer Reinfall erwiesen hat. Ganz genau weiß er es halt immer noch nicht.
War das vielleicht doch der Weihnachtsmann, der ihm nur eine Lehre erteilen wollte? Naja, die Statur und den langen weißen Bart hat er ja gehabt. Und überhaupt - wie war die Geschichte noch einmal mit dem Christkind?
Wie das Christkind entstanden ist oder Wie Weihnachten beinahe ausgefallen wäre!
Man merkt halt langsam, dass es auf Weihnachten zugeht. Wenn man sich die Leute so ansieht, wie sie geschäftig in den Geschäften umher rennen, um mit großen Paketen unterm Arm und natürlich auch mit leerem Geldbeutel wieder heraus kommen, oder auch die Tannenbäume, welche von oben bis unten mit vielen weißen und bunten Lichterketten geschmückt sind, dann weiß man, dass der Heilige Abend nicht mehr weit sein kann.
Am Christkindlmarkt ist ein jeder Stand hell beleuchtet von Kerzen- und von Lichterschein und ein Duft von Glühwein und Jagertee liegt über der ganzen Stadt. In jedem Schaufenster stehen Weihnachtsmänner und Christkindl und bei der Untermalung von Weihnachtsliedern könnte man fast meinen, dass man diese zuzwinkern sieht.
Und gerade von diesen beiden, vom Christkind und vom Weihnachtsmann, möchte ich euch heute eine Geschichte erzählen, um euch aufzuklären, was es mit denen so auf sich hat.
Ein paar Jahre zurück, ich glaub so an die 200 herum, gerade an einem Tag so wie heute - der Wind wehte recht kalt den Schnee von den Bergen herunter und obwohl es erst Mittag war, war es doch schon sehr dunkel und trüb - kurz gesagt: ein Wetter, wo man nicht einmal seinen Hund auf die Straße hinaus schicken wollte.
Aber nachdem sich das alles hoch droben am Nordpol abgespielte, war so ein Wetter an der üblichen Tagesordnung, obwohl es an diesem Tag doch schon, auch für so eine Region, ganz besonders kalt war.
Und überhaupt stand da im ewigen Eis ja eh nur ein Haus, welches man sich allerdings besser als Fabrik vorstellen sollte und das gehörte dem Weihnachtsmann - im speziellen auch Santa Claus genannt.
Und gerade in diesem besonderen Haus ging es diese Tage recht hektisch zu, denn vom Himmelspostamt her stapelten sich immer noch viele Briefe mit lauter Kinderwünsche für Weihnachten, die alle noch zu erfüllen waren.
Die Spielzeugmaschinen liefen auf Hochtouren und alle Engel, Wichteln und Elfen waren eifrig mit dem Einpacken beschäftigt. Es wurde gelacht und gesungen, gerade so, dass es eine wahre Freude zum Zuhören war. Und wenn man auf den großen Kalender über der Haustür schaute, konnte man erkennen, dass es bis zur großen Bescherung am Heiligen Abend nur noch zwei Tage waren.
Voller Eifer inspizierte der Oberzwerg die Lagerhallen mit den fertigen Paketen und klebte auf jedes den richtigen Namen der Kinder drauf, weil man ja schließlich wissen musste, an wen die Geschenke ausgeliefert werden sollten.
Am aufgeregtesten aber von allen war der große Chef, unser Weihnachtsmann, schon selbst, denn er musste ja schließlich alles managen, was bei so vielen verschiedenen Wünschen gar nicht so einfach war.
Ganz durcheinander lief er von einem Eck ins Andere, schaute den Engeln auf die Finger, ob auch wirklich alles schön eingepackt wurde, inspizierte immer wieder seine Rentiere im Stall und drückte jeden, der ihm über den Weg lief, einen guten Ratschlag auf.
Читать дальше