» Du, nehmen wir doch gleich mehr - so für jeden einen - macht insgesamt fünf - wie wärs? «, meint drauf der Andi ganz gewitzt.
» Ich glaube Du spinnst! «, kontert der Sepp, der die Sprüche von seinem Bruder als ernst gemeint auffasst. » Wenn wir so viele Christbäume in der Hütte stehen haben, hat doch das Christkind gar keinen Platz mehr, um die ganzen Päckchen zum drunter stellen! « - » Du mit Deinem blöden Christkind. Wie oft soll ich es Dir noch sagen: Es gibt keins! « - » Doch, das gibt es schon, weil... «
» Jetzt ist Ruhe! «, schimpft der Vater. » Wir sind da zum Aussuchen und nicht zum Streiten. Übrigens, wie gefällt Euch denn der Baum, den ich gerade in der Hand halte? «.
Beide Kinder erblicken die schöne wuchtige Tanne in den Händen ihres Vaters und sofort ist auch ihr Streit vergessen. Ohne lange zu zögern wird der Baum gekauft und im Wagen verstaut - oder besser gesagt in das Auto »hinein gequetscht«.
Nachdem der Vater noch schnell eine Tasse Glühwein getrunken hat, steigen alle drei hoch vergnügt ins Auto ein.
Beim Zurückfahren zur Hütte fängt es leicht an zu schneien. Die Kinder schauen freudig aus dem Autofenster und beschließen, so bald als möglich, mit ihrer Schwester einen Schneemann zu bauen.
Kaum oben angekommen, wird der Tannenbaum aus dem Auto gezerrt und ins Haus verfrachtet, um ihn sofort in der Stube drin aufstellen zu können.
Als sich die erste Aufregung endlich gelegt hat und alle anderen Arbeiten erledigt sind, fängt es draußen langsam an zu dämmern. Der Radio wird eingeschaltet und beim Klang der Weihnachtslieder - natürlich nicht ohne Zuhilfenahme der selbst gebackenen Plätzchen - gemeinsam der Baum geschmückt.
Die Ehre, die Spitze aufzusetzen hat dieses Jahr die kleine Rosl. Voller Stolz und mit natürlich viel zu kurzen Armen liefert sie den krönenden Abschluss.
Völlig erschöpft von der Anstrengung des Tages beschließen die drei Kleinen heute schon etwas eher ins Bett zu gehen, um damit dem Christkind zu zeigen, wie brav sie sein können. Vielleicht, so denken sie, hilft es etwas, um noch mehr Geschenke einzuheimsen.
Endlich ist der große Tag da und alle sind sehr aufgeregt. Die Kinder machen ihr letztes Türchen vom Adventskalender auf und sind sehr erfreut darüber, dass es in der Nacht gut einen halben Meter geschneit hat.
Ohne lange zu zögern schlüpfen sie in ihre warmen Sachen und springen freudig aus dem Haus, um sofort mit einer Schneeballschlacht zu beginnen.
Auch die Eltern haben nun alle Hände voll zu tun. Sie stehen in der Küche und bereiten alle Zutaten für den Braten vor.
Gegen Mittag zu fällt Andi plötzlich wieder seine »Geheimsache« ein und er setzt sich stillschweigend von seinen Geschwistern ab.
Als er sich sicher ist, das ihn niemand beobachtet, holt er seine schwarze Tasche unter dem Bett hervor und kramt aus dieser eine Filmkamera, ein Netzteil und eine Zeitschaltuhr hervor.
Auf leisen Sohlen schleicht er sich in die Stube und sucht für seine Kamera einen versteckten Platz, damit sie auch keiner sieht - vor allem nicht das Christkind. Als letzte Tat wird alles richtig eingestellt - Blickwinkel auf den Christbaum und die Schaltuhr auf zwei Stunden vor der Bescherung.
» Sodala. Vier Uhr muss reichen. Jetzt kann`s kommen. Das wollen wir doch mal sehen, wie das mit dem Christkind ist! «, denkt sich der Kleine und macht sich stillschweigend wieder aus dem Staub.
Als er zu seinen Geschwistern nach draußen kommt, haben diese bereits mit dem Bau eines Schneemannes begonnen. Freudig über das bevorstehende Ereignis - die Aufklärung im Fall `Weihnachtsmann` - packt er fleißig bei einer großen Kugel aus Schnee, für den Bauch des Schneemannes, mit an.
Auch der Vater trifft jetzt die letzten Vorbereitungen in der Stube. Nichtsahnend von der Kamera, welche der Andi gut versteckt hat, verteilt er die Päckchen unter dem Tannenbaum. Selbst wenn er vom Vorhaben seines Ältesten gewusst hätte, wäre das nicht weiter schlimm gewesen, da sich das Gerät sowieso erst später - laut Programmierung um vier Uhr - einschaltet.
Der Bau des Schneemannes ist endlich abgeschlossen und immer öfters gehen die Blicke der Kinder nun in den Himmel, in Erwartung, das Christkind zu sehen - aber vergeblich.
Als sich die gesamte Familie langsam wieder in der Küche einfindet, ist der Braten drin im Rohr auch schon fertig. Ganz gespannt schaut Andi auf die Uhr. » Nur noch fünf Minuten «, so denkt er sich, » dann schaltet sich endlich die Kamera ein und ich bin gescheiter. «
Der Tisch wird gedeckt und allen läuft beim Anblick des Essens schon das Wasser im Mund zusammen, als es plötzlich einen lauten Schnalzer macht, die Lichter ausgehen und das Radio verstummt.
» Sowas «, meint der Vater, » ich glaube, jetzt hat`s die Sicherung geschmissen! Ich schau sofort nach! «.
Sogleich macht er sich auf den Weg in den Keller, um nach dem Rechten zu sehen. Der Sicherungskasten ist auch bald gefunden, nur als er den Strom wieder anstellen will, löst der Schalter erneut aus und ist nicht willig, sich auch nach mehreren Versuchen wieder einschalten zu lassen.
» So ein Mist - verflucht noch mal! «, schimpft der Vater und kommt wieder herauf in die Küche. » Da geht gar nichts mehr! «
» Was willst Du denn jetzt machen? «, fragt die Mutter mit einem leicht verärgertem Ton in der Stimme.
» Ich kann gar nichts machen! Ein Telefon haben wir hier keines und ins Dorf hinunter brauch ich um diese Zeit erst recht nicht mehr fahren, um einen Elektriker zu holen. «
» Nur gut, dass der Braten schon fertig ist und wir einen Holzofen haben! Frieren müssen wir Gott sei dank nicht! «, schnauft die Mutter erleichtert auf. » Und Kerzen haben wir ja auch genug dabei. «
Auf einmal schrecken alle auf, als es an der Türe klopft.
» Mutti, wer kann das sein? «, fragt die Rosl erschrocken.
» Ich weiß es nicht! Vater, mach Du die Türe auf und schau nach! «
Als der Vater die Türe öffnet steht draußen ein älterer gut gebauter Mann mit einem langen weißen Bart.
» Grüß Gott. Mein Name ist Schmidl. «, stellt sich dieser vor. - » Angenehm! Was können wir für Sie tun? « - » Es schneit draußen ganz fürchterlich und mein Weg ist noch weit. Somit hab ich mir gedacht, ich könnte mich vielleicht bei Euch ein bisschen aufwärmen, bevor ich wieder weiter geh. Ich falle Euch auch ganz gewiss nicht zur Last. «
» Naja. Von mir aus gern. Vroni, was meinst Du? «. Auch die Mutter und die Kinder willigen ein.
» Dann kommen`s doch erst mal rein «, lädt der Vater den Fremden ein. » Leider haben wir keinen Strom hier. Die Sicherungen lassen sich nicht mehr schalten! « - » Das macht mir nichts aus. Hauptsache, es ist warm bei Euch in der Stube. «
» Du «, sagt Sepp spontan in die Runde, » der schaut aus wie der Nikolaus! «
» Jetzt fängt der schon wieder mit seinem Schmarrn an! «, konntert der Andi. » Wie oft soll ich Dir noch sagen... «.
» Vor mir braucht ihr keine Angst zu haben. Ich bin nicht der Nikolaus «, fällt der Alte dem Andi ins Wort. » Aber wenn ihr wollt, kann ich Euch ein paar nette Geschichten über den Weihnachtsmann erzählen. «
Als das Wort »Geschichte« fiel, waren die zwei Buben auf der Stelle leise und nicken hocherfreut mit ihren Köpfen.
Ein bisschen später dann, als sie mit dem Abendessen fertig waren und der alte Schmidl ihnen viele schöne Märchen über den Weihnachtsmann erzählt hat, ist es draußen schon Nacht geworden. Gemütlich züngeln die Flammen im Holzofen drin, der Schnee fällt behaglich am Fenster vorbei und die Kerzen am Adventskranz geben der Atmosphäre einen besonderen Glanz. Von der Ferne her hört man leises Glockenläuten und ein jeder ist nun ganz aufgeregt, weil bald schon die Bescherung ist.
Читать дальше