„Du hast es so geplant, Paul, nicht ich!“ Sie sah ihn aus kalten Augen an.
„Nein, das waren auch deine Pläne!“
„Dann hab ich meine Pläne eben geändert. Sowas kommt vor und ist auch erlaubt, verdammt noch mal!“ Sie sprang auf und ging wütend im Zimmer auf und ab.
„Wir wollten dort unser Glück finden, Olivia!“
„Als Schreiner und Physiotherapeutin!“ Sie lachte laut auf. „Träum weiter, Paul!“
Er stand mit geballten Händen vor ihr und wurde zunehmend wütender. „Ja, ich als Schreiner und du als Physiotherapeutin. Das ist doch eine gute Idee. Das kann gut ankommen, gerade auf dem Land!“
Sie lachte nur und nahm ihm die Zeitschrift aus der Hand. „Du bist ein Träumer, Paul, ein hoffnungsloser Träumer.“
Er sah sie ungläubig an.
Sie zeigte auf das Titelblatt der Zeitschrift. „Das Girl auf der Titelseite verdient an einem Tag mehr, als wir beide als Schreiner und Physiotherapeutin in einem Monat. Und ohne jede Investition und ohne jedes Risiko. Begreifst du das, Paul. Begreifst du das?“
Sie sahen sich lange schweigend in die Augen. Dann tat Paul einen Schritt zurück und betrachtete sie. „Das heißt, du willst jetzt voll auf diese Karte setzen und unsere Idee von der Farm ist passé.“ Er fiel in sich zusammen und setzte sich auf das Sofa. „Und das mit uns. Ist das jetzt auch vorbei?“
Sie spürte, dass sie wenig liebevoll mit ihm umgegangen war. Deswegen setzte sie sich schnell zu ihm, legte den Arm um ihn, sah ihn aus strahlenden Augen an und küsste ihn auf die Wange. „Da musst du keine Angst haben. Ich bin doch total in dich verliebt!“
Er sah sie vorsichtig an. „Kann ich das glauben?“
„Das kannst du glauben, Paul. Ich bin total in dich verliebt, total, total, total in dich verliebt!“
Ein Lächeln kam auf sein Gesicht zurück und er war wieder zufrieden.
„Und deine Idee von der Farm muss ja auch nicht gestorben sein. Sie ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben!“
Er atmete auf, lächelte sie liebevoll an und begann sie zu küssen.
Sie stieß ihn sanft zurück. „Aber jetzt muss ich meine Agentur anrufen, ob sie ein Casting oder einen neuen Job für mich haben. Die Fitness-Girl-Fotostrecke ist ja geschossen und in den Magazinen. Und der Scheck dafür ist nicht ohne, das kann ich dir sagen.“
Er verzog beleidigt die Miene.
„Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist und von nichts kommt nichts!“, vertröstete sie ihn.
Damit schwang sie sich an ihr Handy und hatte keine Zeit mehr für Paul.
14
„Versteh mich doch, versteh mich doch bitte!“, flehte Olivia ihn an. „Das ist die Chance meines Lebens. Ich kann mir diese Chance nicht entgehen lassen. Ich kann sie mir nicht entgehen lassen!“ Sie sah ihn aus aufgerissenen Augen an.
Er blickte sie verzweifelt an. Dann schüttelte er den Kopf. „Ich erkenne dich einfach nicht mehr wieder, Olivia!“, stammelte er hilflos. „Ich weiß nicht mehr, wer du bist!“ Er ergriff ihre Arme.
Sie schüttelte heftig den Kopf. „Lass das Gelaber!“ Sie riss sich los. „Ich bin immer noch die gleiche.“ Sie holte tief Luft. „Ich habe nur eine Chance in meinem Leben erkannt, die ich nutzen will.“
Er stand sprachlos vor ihr und rang nach Worten.
„Ich werde mir diese Chance nicht entgehen lassen, hörst du. Ich werde mir diese Chance nicht zerstören lassen, von niemandem auch nicht von dir, begreifst du das?“
Er sah sie ratlos an. „Aber wir sind kaum noch zusammen. Ständig bist du unterwegs. Und jetzt auch noch ein paar Wochen ins Ausland! Was ist mit uns? Ist das noch was mit uns?“
Sie war von der Agentur nach einigen Engagements in London und der näheren Umgebung für einige Jobs in Paris gebucht worden.
„Was soll mit uns sein? Da ändert sich doch nichts, was soll sich da ändern?“
„Ich weiß nicht, du bist mir so fremd geworden in letzter Zeit. Wir verbringen kaum noch Zeit miteinander. Es geht nur noch um deine blöde Modelkarriere!“
Sie sah ihn entgeistert an. „Blöd findest du das also. Na danke!“
„Ja blöd. Ein einziges blödes Getue!“ Er holte tief Luft. „Ständig das Gerede von Castings und Fotoshootings. Ständig das Blabla von Verträgen und dem großen Geld!“
„Blabla? Denk doch nach! Du hast doch auch etwas davon, wenn das klappt!“
„Ich will gar nichts davon. Ich will, dass du bei mir bist, ich will mit dir leben, ich will, dass du da bist, wenn ich dich brauche. Ich will, dass du dich in der Nacht an mich kuschelst, wenn ich mich nach einem Menschen sehne. Ich will, dass jemand da ist, mich versteht und mir hilft, wenn ich Probleme habe. Und jetzt auch noch ins Ausland. Und ohne mich zu fragen!“
Sie hatte das Angebot von der Agentur bekommen und ohne ihm Bescheid zu sagen, zugesagt.
„Wozu hätte ich dich fragen sollen? Ich habe einen Vertrag unterschrieben, an den bin ich gebunden!“
„Auch ohne mich zu fragen!“
Sie schwiegen.
„Ich liebe dich!“ Er sah sie traurig an. „Ich sehne mich nach dir und möchte mit dir zusammen sein!“
„Das kommt ja alles noch. Das ist doch nur verschoben. Ein paar Jahre erfolgreich in diesem Geschäft und wir haben ausgesorgt!“
„Und dann lebe ich von deinem Geld oder was?“
„Wäre das so schlimm für dich?“, wollte Olivia wissen.
Er nickte nur.
„Da bist du ja ziemlich von gestern!“
„Mag sein. Aber so fühle ich eben.“
Sie sah ihn lange schweigend an. Dann holte sie tief Luft. „Also gut, dann eben so!“ Sie atmete tief durch. „Ich habe schon gesagt, dass ich mir die Modelkarriere von niemandem zerstören lasse, auch nicht von dir!“
Er sah sie gespannt an.
„Nachdem ich hier einige Jobs erledigt habe und alle zufrieden war, war es klar, dass ich bald neue Aufträge kriege. Das heißt, dass ich in wenigen Tagen abreisen werde, um meinen nächsten Job zu erfüllen. Bist du damit einverstanden?“
Er schüttelte den Kopf. „Das ist nicht das, was ich möchte. Das ist überhaupt nicht das, was ich möchte!“
„O.K.!“, fuhr sie analysierend fort. „Du willst es nicht und ich will es unbedingt. Das kann nicht gut gehen. Deshalb schlage ich vor, dass wir für unsere Beziehung eine Auszeit nehmen!“
„Auszeit, was soll denn das sein?“, fragte er enttäuscht. „Du meinst doch Schluss, das meinst du!“
„Auszeit heißt Auszeit und nicht Schluss!“
„Das ist doch nur Wortklauberei, sonst nichts. Auszeit bedeutet, dass du andere Männer treffen und mich vergessen wirst!“
Sie sah ihn nachdenklich an. „Vielleicht!“
„Sicher, da bin ich ganz sicher!“
„Gut!“, schnaubte sie auf. „Dann eben Schluss, wenn du das so siehst!“
„Schade!“, meinte er. „Das tut mir sehr weh!“
„Mir auch, aber du willst es ja so!“ Sie wandte sich ab und ging. Dann drehte sie sich nochmals um. „Lebwohl!“, meinte sie dann kühl. „Lebwohl und nicht auf wiedersehen!“
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