Apsara schloss die Augen. Sie spürte das Glied ihres Bruders, dass sich zwischen ihren Schamlippen rieb. Vergessen wir Vater. Er will mich doch nur selbst ficken. Davon war sie überzeugt. Und deshalb hörte sie nicht auf seine Moralpredigten. Sie liebte die Vereinigung mit ihrem Bruder.
«Du bist so der Hammer!», stöhnte ihr Bruder. Schweiß bildete sich auf seiner Stirn. Es war früh am Morgen.
Und dann war da dieses Geräusch. Ein Krächzen oder Brüllen. Ein unheimlicher, angsteinflößender langgezogener Laut, der von irgendwoher kam.
«Hörst du das?», fragte sie. Panik erfüllte ihren Körper und verdrängte jegliche Lust.
Er schaute auf: «Ja! Bei den Göttern, was war das?»
«Ich weiß es nicht, aber es hörte sich furchtbar an!»
Bei ihm war es anders. Seine Lust war größer. Seine männliche Gier warf ihn nicht so schnell aus der Bahn. Rhythmisch bewegte er seine Hüfte auf ihr.
«Murali!», sagte sie leise: «Hör auf!»
Doch er hörte nicht auf sie. Er ließ seinem Trieb freien Lauf.
«Murali!», sagte sie nun deutlich lauter.
«Was, verdammt?»
«Oh, mein Gott!», schrie sie.
Murali schaute in ihr Gesicht. Sie starrte an ihm vorbei. Und ihr Blick war voller Panik. So einen Ausdruck der Angst hatte er in ihr noch nie gesehen. Und dann spürte er den Luftzug. Ein kühler, immer wieder kehrender Strom. Als würde jemand hinter ihm stehen und ihm zufächeln: «Was ist?»
«Bei den Göttern!», sagte sie erschrocken. Sie zitterte am ganzen Leib. Ja, sie sah die Gefahr. Und in ihren Augen spiegelte sie sich wieder.
Murali traute sich nicht sich umzudrehen. Er wusste, dass etwas hinter ihm war. Etwas so angsteinflößendes, dass der Blick seiner Schwester ihm Angst machte. Er drückte sich dicht an sie. Sein Glied war längst nicht mehr steif, aber war noch immer in ihr: «Apsara, sag mir. Was ist da hinter mir?»
«Ein Drache!» flüsterte sie fast unhörbar.
Apsara schrie. Sie schrie, so laut sie konnte. Aber es war zu spät. Das schreckliche Monster stürzte sich herab und seine Krallen vergruben sich in ihrem Bruder. Panisch versuchte sich dieser zu wehren. Schlug um sich. Blickte zu seiner Schwester. Für einen Moment lang schwebte der riesige Drache über Murali. Ein unglaublich heftiger Geruch nach einem wilden Tier stieg ihr in die Nase. Mit jedem Flügelschlag, mit dem er sich in der Luft hielt, wehte er ein wenig mehr von seinem Geruch in ihre Richtung.
Apsara sah den Blick ihres Bruders. Voller Panik und Furcht. Das Monster hatte ihn fest in den Krallen. In Angesicht des Todes kämpfte Murali gegen den Griff. Versuchte die Krallen, die sich in sein Fleisch gebohrt hatten, zu öffnen. Aber es gelang ihm nicht. Blut floss aus den offenen Wunden und tropfte auf seine Schwester.
Sie schrie. Noch immer. Sie hörte nicht auf zu schreien und für einen Moment lang sah es so aus, als würde der Drache sie fixieren. Aber dann, mit kräftigen Flügelschlägen, flog er davon. In der Gewalt seiner Fänge war der junge Shiva-Bauernsohn Murali.
Apsara rappelte sich auf. Nackt wie sie war. Sie konnte froh sein, dass ihr Geist sich in diesem Augenblick vollkommen abgeschaltet hatte. Dass sie nicht wirklich kapierte, was gerade geschehen war. Weil es so surreal, so unglaublich war. Der Schock saß viel zu tief. Und so sah sie auch nicht den zweiten Drachen. Der plötzlich da war und auch sie packte ...
Zwei Tage danach ...
Die Welt würde nie wieder so sein, wie sie einmal war. Das wusste Richard. Der Priesterlord von Galava ahnte schon lange, dass harte Zeiten bevorstanden. Aus den Bergen kündigte sich Unheil an. Schon immer hatte er gewusst, dass seltsame Wesen dort oben lebten. Bergleute hatten immer wieder von Zwischenfällen berichtet. Aber noch nie waren irgendwelche unheimlichen Gestalten aus den Bergen herabgekommen. Aber nun war es soweit. Hödur hatte von den Bergdämonen gesprochen, die den Bauernhof überfallen und damit etliche Kilometer zurückgelegt hatten.
«Du willst also behaupten, dass du einen Drachen gesehen hast?», fragte der Vizelord den Bauersmann, der vor ihm stand.
«Ja, Herr. Ich schwör bei dem einen Göttervater und seinen sieben Göttern. Ich habe ihn gesehen! Und meine beiden Kinder sind verschwunden.»
«Du bist ein Narr!», sagte der Vizelord mit harten Worten. Er glaubte ihm nicht: «Drachen sind nur Legenden. Und das weißt du!»
«Bei meiner Familie und all meinen Ahnen. Ich habe ihn gesehen! Ich schwöre es!»
Priesterlord Richard stand auf und hob die Hand um seinen Vizelord aufzufordern nicht mehr zu antworten. Er ging näher an den Bauern heran und legte seine Hände auf dessen Schultern: «Du darfst niemandem verraten, was du gesehen hast!»
«Ihr glaubt mir also?», fragte der Farmer unsicher.
«Ich glaube dir!»
Der Vizelord war außer sich: «Was? Die Legende spricht von Drachen, die in den Bergen südlich der Wüste leben. Und es sind nur Legenden. Aber noch nie sprach jemand von Drachen in den Bergen hier bei uns!»
«Sie kommen!», sagte Richard ohne auf die Worte seines Vizelords einzugehen: «Sie kommen alle. Allesamt. Und sie werden Chaos, Schutt und Asche hinterlassen. Es wird Zeit, dass die Götteropfer den Tempel von Deux erreichen!»
«Ihr glaubt doch diesen Unsinn nicht?», fragte der Vizelord: «Wir sind die Hüter des alten Wissens. Wir versuchen Dinge mit Sachverstand zu klären. Nicht mit Legenden!»
«Unsere Geschichte ist die eine Sache. Vieles können wir erklären. Und viele Legenden und Sagen über unsere Herkunft können wir als Märchen getrost in Bücher verschließen. Weil wir die Wahrheit kennen. Aber kennen wir die Wahrheit über diesen Planeten auf dem wir leben? Unser altes Wissen, das wir in unserer Bibliothek hüten, als wäre es ein großer Schatz, beschäftigt sich mit unserer Vergangenheit und unserer Herkunft. Nicht aber mit diesem Planeten. Nicht mit dem, was wir aktuell als unsere Heimat ansehen!»
«Weil es für uns irrelevant ist. Uns interessiert das, was in den Büchern des alten Wissens steht!»
«Wir leben im Jetzt und Hier. Ja, wir sind die Hüter des alten Wissens. Aber unser Wissen wird es nicht mehr lange geben, wenn wir uns nicht dem Stellen, was auf uns zukommt.»
«Was denn? Was kommt auf uns zu?»
«Kannst du uns alleine lassen?», fragte Richard den Farmer.
Dieser schaute den Priester an: «Was ist mit meinen Kindern? Ich finde sie nicht ...»
«Wir werden dir Männer schicken. Sie werden dir helfen sie zu suchen!»
«Danke, Herr!», meinte der Bauersmann und ging dann hinaus.
«Es kommen düstere Zeiten auf uns zu!», sagte der Priesterlord leise: «Erkennt die Zeichen der Zeit. Aus den Bergen kommt das Unheil.»
«Ich habe die Geschichten über die Bergdämonen gehört. Man erzählt sie den Kindern um ihnen Angst zu machen. Sie sind falsch und widersprechen jeglicher Logik. Aber Drachen? Das ist noch viel verrückter. Ernsthaft. Daran glaubt Ihr doch nicht, oder?», der Vizelord schüttelte den Kopf: «Ich jedenfalls nicht!»
«Ihr habt es nicht verstanden. Wir berufen uns auf das alte Wissen. Und ich wiederhole noch einmal. Das ist das Wissen unserer Vergangenheit. Es ist nicht einmal das Wissen dieser Welt, sondern aus einer anderen, unserer früheren Welt. Nichts, aber auch gar nichts, hat unser Wissen mit dem zu tun, was hier geschieht. Wollt Ihr das leugnen?»
«Das leugne ich nicht!», sagte der Vizelord: «Aber wir müssen unserer Linie treu bleiben. Wir glauben nicht wirklich an die sieben Götter und an Regnator, den Göttervater. Weil sie nicht unsere Götter sind.»
«Was sind dann unsere Götter?», fragte Richard: «Der, den unsere Vorfahren Jesus nannten? Oder Odin? Oder Zeus? Vielleicht Allah oder Jahwe? Das alte Wissen hat keine klare Linie und das wisst Ihr!»
«Es ist unsere Aufgabe Ordnung rein zu bringen!»
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