Als wir wieder am Auto angelangen, beginnen wir zu kochen. Campingequipment wie Campingstühle, Topf und Gasgrill inklusive drei Gasflaschen waren beim Autokauf dabei, also beginnen wir unser Wasser für die Nudeln zu kochen. Dummerweise geht nach ein paar Minuten bereits die erste Gasflasche leer, aber zum Glück haben wir ja noch zwei andere. Als Nächstes beginnt sich ein Teil der Plastikhalterung für die Gasflasche am Grill zu verformen, bis letztendlich alles miteinander verschmilzt und wir die Gasflasche per Hand an den Grill drücken müssen, um nicht harte Nudeln essen zu müssen. Diese Gasflasche und die letzte gehen leider auch viel zu schnell leer und wir haben am Ende mittelharte Nudeln mit kalter Tomatensoße. Guten Appetit! Für das nächste Mal campen, müssen wir uns wohl noch besser ausrüsten.
Nach dem Essen gehen wir auch schon bald schlafen. Um im Auto schlafen zu können, müssen wir nur unsere Rucksäcke und alles andere, was hinten drin liegt, auf die Vordersitze räumen. Unsere erste Nacht im Auto, wie aufregend! Von allen Seiten hören wir gruselige und uns unbekannte Geräusche, aber letztendlich können wir dennoch einschlafen. Und das sogar trotz nichtvorhandener Kissen, die haben wir beim Einkauf nämlich völlig vergessen.
„Autsch.“ Das denken wir uns leider beide, als wir aufwachen. „Ist die Luft aus der Matratze gegangen?“, frage ich Chris. „Nö, die ist einfach so hart“, jammert er zurück. Na super, der Tag startet also schon mal gut, nämlich mit Rückenschmerzen. Zum Frühstück gibt es ungetoasteten Toast mit Marmelade, anschließend begeben wir uns sofort wieder zurück auf die Great Ocean Road. Nach kurzer Zeit erreichen wir bereits die zwölf Apostel. Woher die Bezeichnung kommt, weiß ich auch nicht, es waren nämlich ursprünglich nur neun Stück. Nach dem Einsturz einer der Felsen im Jahr 2005 sind es mittlerweile sogar nur noch acht. Leider ist es heute an der Küste sehr windig und kalt und wir gehen deshalb nur zu dem extra dafür errichteten Aussichtspunkt und schießen das typische Foto mit den Aposteln im Hintergrund. Die Felsen im Meer sollen sogar die am zweithäufigsten fotografierte Sehenswürdigkeit in Australien sein… Wir finden zwar, es gibt faszinierendere Naturereignisse, aber gut. Einen Rundflug mit einem Helikopter über die Felsen kann man auch buchen, der allerdings pro Person mehrere hundert Dollar kostet. Das ist es uns dann doch nicht wert, immerhin sind es eigentlich nur Gesteinsbrocken im Meer.
Die Great Ocean Road neigt sich nun dem Ende zu und wir fahren weiter Richtung Norden, ein Stück ins Landesinnere, denn wir wollen den Grampians Nationalpark auf dem Heimweg auch noch mitnehmen. Auf dem Weg dorthin kommen wir an mehreren Geschäften mit Campingausrüstung vorbei und rüsten uns dort aus. Eine Angel mit Zubehör, Kissen, eine Kühltasche, Boxen für Lebensmittel, um für Ordnung im Auto zu sorgen und einen kleinen Kohlegrill inklusive Holzkohle und Anzünder. Beim Durchstöbern vergeht die Zeit so schnell, dass wir uns langsam schon wieder einen Schlafplatz suchen müssen.
Auf dem Weg zum Schlafplatz bildet Christian sich ein, an einem See stehen bleiben zu müssen, um die neue Angel zu testen. Als Köder verwenden wir Dosenwurst, die wir gestern extra für unseren Ausflug gekauft hatten. Diese riecht und schmeckt jedoch sowieso nach Katzenfutter, sodass es für uns kein wirklicher Verlust ist. Erfolg haben wir trotzdem keinen, und so fahren wir kurz vor Dunkelheit weiter. Wir finden dann einen Platz am Rande des Grampians Nationalparks in einer Waldlichtung, in der drei weitere Autos stehen. Erst einmal muss jetzt der Grill zusammengebaut werden. Es erweist sich jedoch als nicht ganz so einfach, da die Anleitung im Wind ständig davonfliegt und ich mit der Taschenlampe lieber im Wald herumleuchte um herauszufinden, woher die Geräusche kommen, anstatt auf den Grill zu leuchten. Als er dann endlich zusammengebaut ist und die Kohle nach einer gefühlten Ewigkeit glüht, können wir endlich kochen und dann essen. Wir sitzen bereits im Stockdunkeln, Christian genießt es und beobachtet den unendlichen Sternenhimmel und ich, Schisser, will nur noch ins Bett. „Schließlich könnte jeden Moment ein Känguru zwischen den Bäumen hervorkommen und uns töten wollen“, denkt sich mein Hirn wahrscheinlich. Keine Ahnung, wovor ich wirklich Angst habe, aber beunruhigend ist das Zusammenspiel der Dunkelheit und der unbekannten Geräusche auf jeden Fall.
Wir fahren nach dem Frühstück - erneut ungetoasteter Toast mit Marmelade - in eine kleine Stadt am Rande des Nationalparks, um uns in einem Infocenter Karten geben zu lassen, sodass wir nicht noch einmal planlos umherirren. Nächstes Mal hätten wir vielleicht nicht das Glück, rechtzeitig eine Tankstelle zu finden. Wie es dann weitergehen würde, will ich mir gar nicht vorstellen… Also fahren wir brav nach den Beschilderungen und kommen dann auch endlich zu den Offroad-Tracks. Schmale, hügelige, mit Löchern durchzogene Kiesstraßen. „Just for 4WDs – Nur für Allradautos!“ steht vor uns auf der Straße auf einem Warnschild. Chris fährt also weiter, da wir ja genau deshalb dieses Auto gekauft haben, weil wir etwas erleben wollen. Bei den meisten Löchern fliegt unsere Matratze samt Rucksäcken bis zur Decke hoch und der Grill klimpert die ganze Zeit über. Es ist ein riesen Spaß, der aber nach ein paar Stunden ziemlich anstrengend wird, auch weil der Rücken aufgrund der Holperei bereits schmerzt. Leider bemerken wir auf der Karte, dass es noch ein bisschen dauern wird, und freuen uns letztendlich nach fünf Stunden wie ein Schnitzel auf die erste geteerte Straße. Christian und ich beschließen also, uns auf den Weg zurück nach Melbourne zu machen, denn wir haben noch 250 Kilometer vor uns. Essen gibt es für uns an einer kleinen Tankstelle, denn es ist schon spät und in Melbourne angelangt, wollen wir nur noch heim und ins Bett. Endlich wieder eine bequeme, weiche Matratze, denn die vom Auto ist nicht recht viel besser als eine Holzplatte. Morgen wird erst einmal ausgeschlafen.
Von Geräuschen und Stimmen, die aus dem Wohnzimmer kommen, werde ich aufgeweckt. Wer ist das? Kurz nachdenken…Oh Mann, wir haben total vergessen, dass ab heute zwei andere Deutsche bei Analiese übernachten, da dieses Wochenende Formel 1 in Melbourne ist. Christian und ich machen uns also im Zimmer fertig und lernen dann Ole und Jess kennen, die etwa im selben Alter wie wir sind. Analiese bringt den Vorschlag, dass jeder etwas einkauft und wir dann am Abend zu fünft ein Barbecue am Fluss machen, um uns kennenlernen und austauschen zu können. Im Moment hat sie keine Zeit mit uns zu reden, denn der Abgabeschluss ihrer Bachelorarbeit ist in ein paar Stunden, und sie ist natürlich noch nicht fertig. Christian und ich frühstücken und fahren dann mit der Tram in die Innenstadt. Es ist unser vorletzter Tag in Melbourne und wir wollten von Anfang an auf den Eureka Tower gehen, von dem man eine grandiose Sicht über die ganze Stadt haben soll. Also machen wir das heute. Man fährt mit den schnellsten Aufzügen der Südhalbkugel in den 88. Stock und hat dann eine Panorama Aussicht durch eine Glasscheibe über das CBD und die Vororte. Es gibt sogar einen Art Gitterkäfig im Freien und einen anderen Bereich - für den man leider extra zahlen muss - bei dem man auf Knopfdruck einen Glasboden unter den Füßen hat und unter sich 285 Meter in die Tiefe schauen kann. Aufgrund meiner Höhenangst und der Extrakosten machen wir das aber nicht. Anschließend fahren wir mit der Tram Richtung Zoo und steigen beim Queen Victoria Market aus, bei dem wir vor zwei Wochen schon einmal waren. Gekauft wird Fleisch, Scampi und Mais für das Barbecue und ein paar haltbare Dinge für die Weiterreise, wie Kartoffeln und Chilischoten. Danach fahren wir wieder in die Wohnung, weil wir nochmal waschen wollen, bevor wir Melbourne verlassen. Es ist keiner daheim und daraus schließen wir, dass sich das Barbecue nach hinten verschieben wird, und das, obwohl wir schon so einen Hunger haben. Aber Analiese ist in diesem Punkt einfach eine typische Australierin, chaotisch und unorganisiert. Nach dem Waschen und Aufhängen der Wäsche rufen wir sie mal an. Jess und Ole sind mittlerweile auch in der Wohnung angelangt, gewartet wird also nur noch auf Analiese. Als sie dann auch endlich da ist, der Salat gemacht und der Rest eingepackt ist, können wir nach zwei Stunden Verspätung endlich los. Bei unserer Ankunft müssen wir erst einmal eine funktionierende und einigermaßen saubere Grillplatte finden, schließlich waren die meisten Leute um diese Zeit schon hier. Außerdem fängt es jetzt auch noch zu tröpfeln an, doch es wird zum Glück nicht schlimmer. Das Essen schmeckt fantastisch und die Stimmung ist auch gut, Analiese erzählt mal wieder relativ viel und wir hören einfach nur zu. Wieder zuhause angelangt, möchten wir noch mit ihr ausmachen, wann wir morgen starten, denn es geht für alle fünf ins Formel 1. Selbstverständlich wollen Deutsche wissen, wann sie aufstehen müssen, um noch in Ruhe frühstücken und duschen zu können, aber so etwas wird nicht schon am Tag zuvor ausgemacht. Na dann, gute Nacht Australien.
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