Alles in allem kann man jedoch sagen, dass sich diese Erfahrung gelohnt hat und es insgesamt ein sehr schöner Tag war. Pinguine in freier Wildbahn bekommt man immerhin nicht jeden Tag zu Gesicht. Unser Bus macht sich nun wieder auf den Weg zurück nach Melbourne und setzt uns um 23.30 Uhr in der Nachbarsstraße ab. Noch schnell bei strömenden Regen heimlaufen und dann endlich schlafen.
Heute haben wir unser erstes Treffen mit einem Aussie (Australier) um ein Auto anzuschauen, einen roten Mitsubishi Pajero mit Allrad, für Offroadtracks und den Strand. Eine Probefahrt - er fährt natürlich, da wir noch keinerlei Erfahrungen mit Linksverkehr und Geländewagen haben - zeigt, dass es sich gut fahren lässt und für seine 21 Jahre noch gut erhalten ist. Leider ist uns der Preis mit 4.500$ zu hoch, und das obwohl nicht mal „Backpacker-Innenausstattung“ vorhanden ist, sprich keine Matratze oder Campingausrüstung im Preis mitinbegriffen ist. Außerdem besitzt das Auto keine gültige Zulassung und hat nicht einmal das „roadworthy“ Zertifikat - eine Art TÜV, das bei jedem Eigentumswechsel eines Autos gemacht werden muss. Es kostet zwischen 80-200$ zuzüglich Reparaturen und es wird immer etwas gefunden. Chris sagt, dass wir es uns trotzdem noch einmal überlegen und ihm dann in ein paar Tagen Bescheid geben. Anschließend schauen wir uns noch nach einem Fahrrad um, in Geschäften und bei einem Privatverkäufer, mit dem wir uns auf der Straße treffen. Er führt uns in eine Gasse, in der circa zehn Fahrräder stehen, die alle so ausschauen, als hätte er sie geklaut und will diese jetzt verkaufen. Wir lehnen also dankend ab und machen uns wieder auf den Weg zur Tram, mit der wir dann ins Viertel St. Kilda fahren. Dort ist an der Strandpromenade entlang zufälligerweise ein Markt aufgebaut, mit Souvenirs- und Essensständen. Des Weiteren gibt es dort den Luna Park, eine Art Jahrmarkt mit Fahrgeschäften, Schießständen und einer Spielhalle, in der wir einen kleinen Teil unseres Geldes lassen. Davon haben Backpacker ja genügend… natürlich nicht! Anschließend gehen wir circa 100 Meter weiter an den Strand, aber leider ist es zu windig um baden zu gehen oder sich zu sonnen. Wir entschließen uns also dazu, noch einkaufen zu gehen und uns daheim etwas zu kochen. Auf dem Heimweg gehen wir wieder bei Les vorbei, der uns jedoch sagt, dass wir seinen Kumpel, der uns mit dem Autokauf helfen kann, um ein paar Minuten verpasst haben, wir sollen also morgen nochmals früher kommen.
Heute wird mal wieder etwas Sinnvolles getan, wir gehen zur „nab“ (National Australian Bank), um ein Bankkonto zu errichten. Wir haben uns für diese Bank entschieden, da es hier keine Kontoführungsgebühren gibt und es daher ideal für Backpacker ist. Das Errichten dauert in etwa 1,5 Stunden (mit Wartezeit) und die Karten werden einem innerhalb der nächsten Tage per Post zugesendet. Man muss alle erdenklichen Angaben machen und kann sich entscheiden, ob man eine schwarze oder eine pinke Karte haben will. Gestern habe ich diese pinke Karte noch auf einem Werbeplakat an der Tram gesehen und gesagt, dass ich so eine gerne hätte, und jetzt krieg ich sie sogar! Christian nimmt auch die pinke, da unsere Kreditkarten von Deutschland bereits schwarz sind und wir dann nicht so leicht durcheinanderkommen. Anschließend gehen wir noch in den Telstra-Laden, da mein Handy sich weigert, SMS auf eine deutsche Nummer zu versenden - meine Oma hat immerhin kein internetfähiges Handy. Leider können weder die Mitarbeiter des Ladens, noch die des Kundenservice nach 120-minütigem Ausprobieren das Problem beheben und ich beschließe daher, meine SMS nach Deutschland einfach von Christians Handy zu schreiben! Wir gehen also wieder und machen uns auf den Weg zu Les. Sein Kumpel ist dieses Mal zum Glück noch da, Chris und ich setzen uns also und reden ein bisschen über unsere Vorstellungen von unserem zukünftigen Auto. Wir bemerken jedoch schnell, dass die Autos, die er uns anbieten könnte, weit über unserem Budget liegen! Er zeigt uns trotzdem noch anhand seines Gefährts, was wir alles im Motorraum oder an den Reifen beachten sollen, wenn wir eins kaufen. Sehr hilfsbereit also, diese Australier, dass muss man wirklich sagen.
Chris und ich gehen jetzt aber mal einkaufen, da wir am Abend mit Analiese ein „Willkommens-Barbecue“ am Yarra Fluss haben werden. Dort sind überall Barbecues (Grillstände) aufgebaut, die zur öffentlichen Nutzung dienen und von Stadtarbeitern jeden Tag gereinigt werden. Warum gibt es so etwas bei uns in Deutschland eigentlich nicht?!
Wir zwei treffen uns also mit Analiese in der Wohnung und fahren mit ihrem Auto zum Fluss. Jeder bringt etwas Anderes mit und wir grillen Fleisch, Scampi und Gemüse, während Analiese einen Salat macht und uns wieder von ihren interessanten Dingen des Lebens berichtet. Nach dem Essen ratschen wir noch etwas, räumen dann wieder auf und packen zusammen. Christian und ich entscheiden uns, zu zweit noch ein bisschen am Fluss zu entspannen und Analiese allein heimfahren zu lassen. Als es nach kurzer Zeit dunkel wird, gehen wir dann auch heim. Durch den Park, indem wir Eichhörnchen sehen, und ein paar Straßen entlang ist es ein nicht einmal 15-minütiger Fußmarsch. Zurück in der Wohnung wollen wir eigentlich noch unsere Taxfilenumber beantragen, eine Nummer, die man hier zum Arbeiten benötigt - wie Steuernummer - und die bis zu sechs Wochen brauchen kann, bis sie einem per Post zugeschickt wird. Ich bin aber so müde, dass ich sofort einschlafe und Christian das noch alleine für uns beide erledigt, damit sie hoffentlich noch rechtzeitig ankommen, bevor wir weiterreisen wollen.
Heute Nachmittag treffen wir uns mit zwei deutschen Mädchen, die ihren Mitsubishi Pajero loshaben wollen, da sie nach Neuseeland fliegen. Das Auto haben wir, ebenso wie das andere, auch auf Gumtree entdeckt, das ist so etwas wie Ebay, eine Plattform, auf der man so ziemlich alles verkaufen kann. Wir haben sowieso heute vorerst nichts zu tun und warten in der Wohnung, bis sie uns schreiben, da wir nicht genau wissen, wann sie zu uns kommen. Gegen 15 Uhr kommen die beiden endlich und wir schauen uns das Auto genau an. Es kostet 4.900$, ist Baujahr 1994, hat 259.660 Kilometer auf dem Buckel (für Australien sehr wenig!), eine gültige Zulassung bis Januar 2016 und „Backpacker-Innenausstattung“! Man muss nur die Rücksitzbänke umklappen und dann kann man die sich selbst aufblasbare Matratze darauflegen. Außerdem ist hinter den Rücksitzbänken ein Holzgestell eingebaut, um darauf den hinteren Teil der Matratze zu legen. Darunter ist Platz für Lebensmittel und viele andere Dinge. Die Verkäuferinnen Bella und Anne sagen, dass sie noch nie Probleme mit dem Auto hatten und wir entscheiden uns sofort, ihn für 4.800$ zu kaufen. Leider fällt uns dann noch auf, dass das Auto wieder keine roadworthy besitzt, die wir aber zum Ummelden benötigen. Wir entschließen uns, diese gemeinsam am nächsten Tag in einer von der Regierung empfohlenen Werkstatt zu machen und entscheiden schweren Herzens, uns die Kosten zu teilen, obwohl der Verkäufer eigentlich komplett dafür aufkommen müsste! Die beiden Mädels werden also morgen wiederkommen, um uns abzuholen! Wir beide gehen jetzt noch in den Park zum Frisbee spielen und anschließend wieder italienisch essen bei Les, mit dem wir uns mittlerweile sogar schon so gut verstehen, dass er uns umsonst Pizza macht.
Heute kommen die zwei deutschen Mädels mit dem Pajero wieder und wir fahren in die Werkstatt, die dem Auto eine roadworthy verleihen soll. Der Chef dort sagt uns, dass allein die Untersuchung, ob das Auto noch zulässig für die Straße ist, circa zwei Stunden dauern wird. Wir vier gehen währenddessen essen, erledigen den Papierkram für die Übergabe und hoffen alle, dass dem Auto nichts Größeres fehlt. Doch als wir wieder zurückkommen, blicken wir in nicht so erfreute Gesichter. Der Werkstattbesitzer erklärt uns, was alles repariert werden muss: 1. das Auto braucht eine neue Frontscheibe, weil zwei Schmierer auf der Fahrerseite sind und diese erheblich die Sicht einschränken können, 2. vier neue Stoßdämpfer, 3. alle Scheinwerfergehäuse müssen ersetzt werden, weil sie gebrochen sind und Wasser reinlaufen könnte, 4. einen neuen Seitenspiegel, weil er nicht mehr verstellbar ist und 5. sollte das Getriebe erneuert werden, weil es komische Geräusche von sich gibt. Na toll! Super Neuigkeiten, das können wir nicht so stehen lassen. Wir diskutieren mit dem Werkstattbesitzer und einigen uns darauf, dass er wirklich nur das Allernötigste austauschen soll. Die Mädels werden das Auto morgen Vormittag wieder vorbeibringen und es wird dann schnellstmöglich repariert. Zu viert entscheiden wir bei der Heimfahrt, dass die beiden Mädels doch einen größeren Betrag zahlen werden als wir, da keiner mit so vielen Problemen am Auto gerechnet hat und es wie schon gesagt, eigentlich die Aufgabe des Verkäufers ist. Doch wir wollen das Auto unbedingt haben und wissen, dass sie einen neuen Käufer finden werden, wenn wir uns nicht an den Kosten der Reparaturen beteiligen. Unfair, aber so ist das Leben - manchmal. Am Abend gehen wir erneut zu Les, erzählen ihm von unserem Tag und dass wir in ein bis zwei Tagen stolze Besitzer eines Mitsubishi Pajero sein werden, mit dem unser Abenteuer Australien dann endlich richtig starten kann.
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