Eine Taube die nicht nur Brutalität aufzeigt sondern auch mit sich bringt, denn je höher diese Taube fliegt, desto höher steigt auch das Leiden der Gegenseite. (vgl. Z. 35: „das Grauen um [die Taube] herum“). Denn klar ist, wenn am Markt ein Gewinn erzielt wird, muss dieses Geld irgendwoher gekommen sein. Und meist kommt das Geld von dem Kleineren, Unerfahreneren, Schwächeren. So erhalten wir eine Taube, ein Wachstum symbolisierend, dass an sich zwar immer weiter wächst und steigt, dies allerdings nur tun kann, wenn auf der Gegenseite etwas abgegeben wird. Und irgendwann, dann wenn mehr abgegeben wird als abgegeben werden kann, einfach weil abgegeben werden muss, dann fängt die eine Seite an zu leiden und die andere an zu steigen. „Durch Nebel in die Sonne“ heißt es des Weiteren in Zeile 49, bezogen auf die Taube. Egal was ist, sei der Nebel um die Wirtschaft noch so dicht, die Wirtschaft fliegt, ganz klar ins Klare, eben 'in die Sonne'. Und wenn dafür gesorgt werden muss, dass der Himmel zumindest mal nach Sonne aussieht, dann wird das eben so gemacht. So schafft man Transparenz des Wirtschaftshimmels, die es eigentlich gar nicht gibt; und zeigt ein Bild des Wirtschaftshimmels, dass es eigentlich so gar nicht gibt.
Progressiv dazu gibt es einen Mann der anfangs unbeteiligt, später mitfühlend und letztlich wieder unbeteiligt versucht, der Frau und ihrer Taube einen Gefallen tun zu können, wobei er nicht wirklich verstehen will, was eigentlich gemeint ist (Z.30: „Ich lüpfe die Achseln. Nichts, sage ich“). Er ist und bleibt ein Bestandteil einer anonymen Masse, die umso anonymer wird, je mehr Personen ihr bewohnen. Denn wer ein Bestandteil derer ist, der legt ab jegliches Auffassung-und Reaktionsvermögen, zumindest in der Einbildung.
Um nach langer Zeit des Denkens, Lesens und parallel Schreibens, schließlich zu einer Art Ende zu kommen, wo es ironischerweise doch darum geht, eine Situation zu beschrieben, die schier unendlich und gar ausweglos scheint, möchte ich nun auf meine anfängliche Deutungshypothese zurückkommen. Ich schrieb von Glanz, Alltag und Problematiken. Und ich schrieb von einer Gesellschaft, die ignorierte. Eine Gesellschaft, die in ihrem Alltag nichts außer dem reinen Glanz sehen kann, möchte und eventuell auch darf, und somit gezwungen wird oder sich schlicht selber zwingt, der Einfachheit halber, die negativen, belastenden, hartnäckig schwierigen Dinge, einfach zu ignorieren. Und so pendelt das Pendel der, Tag für Tag einpendelten, Gesellschaft immerzu. Und wenn es schließlich aufhört zu pendeln, dann hört auch die Gesellschaft auf zu pendeln. Und wenn die Gesellschaft einmal still steht, und mit ihr all ihre Kraft, wer soll dann kommen und helfen, wer soll eine anonyme Masse voller kraftloser, lustloser Leute dann noch motivieren, das Pendel erneut in Gang zu bringen? Niemand, denn es gibt niemanden mehr, der nicht auch Teil der Gesellschaft ist. Denn jeder, der sich nicht freiwillig einpendeln lässt, der wird einfach Teil der Einpendlung, bewusst oder unbewusst. Abstrakt gedacht, lässt sich meine Hypothese nur bestätigen. Der Autor stellt ein Problem dar, zeigt wie die alltägliche Gesellschaft damit umgeht und darauf reagiert und macht an genau der Stelle bewusst, wie einfach es ist zu ignorieren, und wie gern dies auch getan wird. Ferner lässt sich diese These um die Thematik der Wirtschaft, des damit verbundenen Wachstums und aller daran beteiligten Personen, ergänzen. Eine Taube, im Volksmund eigentlich den Frieden symbolisierend, wird hier benutzt um ein Stück extravagant zu zeigen, dass nicht alles was glänzt auch automatisch Silber ist. Eine alltägliche Situation, verbunden mit einer Thematik, über die man zwar nicht tagtäglich debattiert, dennoch aber unseren Alltag in seiner allumfassenden Form beeinflusst. Und vielleicht ist es das, was man in erster Linie verbessern sollte – den Dialog zwischen Mensch und anderem Mensch. Ein Dialog der nicht nur mal die positiven, einfach abzuhandelnden Themen des Alltags fasst – sondern vielmehr ein Dialog, der den Mensch wieder Mensch sein lässt, der die Taube wieder Taube sein lässt und schließlich ein Dialog, der den Mensch wieder leben lässt.
7. Rede zum Tag der Nachhaltigkeit
Fr, 11.12.15
Folgender Text entstand im Zuge einiger Überlegungen für den „Dialog Nachhaltigkeit“, organisiert von der Bundesregierung. Dieser sollte an eben jenem 11. Dezember in Stuttgart stattfinden, einfach um den Dialog zwischen Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft und sonstigen Persönlichkeiten anzuheizen. Somit entschloss auch ich mich, dort teilzunehmen – um zu lernen, um Kontakte zu knüpfen und eventuell, um auch meinen Senf dazuzugeben. Im Laufe der Woche setzte ich mich gleich mehrmals hin, um irgendeine Form der Rede zu entwickeln, die ich dann eventuell dort halten könnte – folgendes Schriftstück entstand: (Anmerkung: nein, die Rede hielt ich letztlich nicht. Wieso? Weil die Zeit knapp war und das irgendwie auch das war, was die Leute schon wussten)
Planen, entscheiden, rechnen, denken, diskutieren, etc. Das hier ist jetzt der dritte Versuch, ein paar Gedanken für den heutigen Tag zu ordnen. Worum geht es? Nachhaltigkeit. Wir wollen nachhaltiger wirtschaften, nachhaltiger denken. Oder sollten es zumindest.
Erster Punkt! Unser erstes Ziel muss die Einsicht des Einzelnen sein. Wenn der Mensch nicht anfängt zu verstehen, und sich für sein Handeln selbst verantwortlich zu machen, kann er seinen Planeten auch nicht retten – und dafür ist es allerhöchste Eisenbahn. Der Mensch muss anfangen zu verstehen, anfangen, Einsicht zu zeigen – und anfangen, Willen zu zeigen.
Zweiter Punkt, bevor ich ihn vergesse, lasst uns vor allem auf die jungen Leute zugehen. Warum die Jungen, Unerfahrenen? Ganz einfach, weil ihnen die Zukunft gehört, weil sie die Zukunft sind. Lasst uns junge Leute ansprechen und vor allem ihnen klarmachen, dass es wichtig ist, für sein Handeln selbst verantwortlich zu sein. Und dass ja(!) jede einzelne Plastiktüte, die sie entsorgen oder gar falsch entsorgen, einen „Schaden“ darstellt.
Später mehr dazu, bevor auch Punkt drei wieder aus meinem Gehirn verschwindet… Was für mich zum intelligenten Wirtschaften (→Nachhaltigkeit) gehört, ist auch das Recycling. Lasst uns somit doch einfach diesen „Schaden“ nutzen, der sich manchmal leider eh nicht vermeiden lässt, um ihn für Neues zu verwenden. Beispiel dazu: Mein Papa hat eine IT-Firma, wir heißen Keno mit Nachnamen und entsprechend heißt seine Firma 'Keno IT-Solutions'. Nun hat es mir das Recycling des Papiers irgendwie besonders angetan, weshalb ich von meinen Freunden oft die gute alte „Keno Papier-Solutions“ genannt werde. Wieso? Weil ich der bin, der annimmt, wenn jemand ein Blatt nicht mehr braucht (was in der Schule häufig vorkommt) und gleichzeitig dazu derjenige, der Blätter ausgibt, wenn mal jemand einen Schmierzettel oder schlicht `ne Rückseite zum Kritzeln braucht. Die Leute verstehen das, den Leuten hilft es – der Menschheit hilft es. Manchmal sind es eben auch die kleinen Dinge, vielleicht vor allem auch die kleinen Dinge, die entscheidend sind.
Ich denke mir immer, was wenn das, was ich gerade Schlechtes oder Gutes tue, doch nur mal alle 7 Milliarden Menschen auf der Welt tun würden? Klar, „Oh Gott das wäre schrecklich“ oder eben „Wow, das wäre cool!“, ist dann meistens das Ergebnis. „Was will einer alleine dagegen bloß tun?“, fragte die halbe Menschheit...
Und das ist, weshalb ich heute hier bin. Konversation, das denke ich kann uns ein sehr großes Stück weiterbringen. Vielleicht können wir das als Punkt vier festhalten: Konversation, Dialog – einfach ein wenig zusammen reden. Klar, man sagt immer, die Politiker reden nur und machen nichts – aber vielleicht reden dort auch die Falschen. Ich finde, in der Politik fehlen die jungen Leute. Und die Armen. Vor allem um die Jungen geht es mir. Diie jungen Leute sind die Zukunft, beziehen wir sie doch in unsere Überlegungen mit ein. Denn meist sind es die jüngeren, die es leicht haben, einen frischen, kreativen Kopf für Neues zu haben. Junge Leute sind toll, ihr Bild ist formbar, sie sind formbar, ihre Welt ist noch offen. Und die Offenheit gilt es anzusteuern, an sie anzuknüpfen, sie zu nutzen. Mit der Jugend, für die Jugend!
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