Es störte sie einerseits schon, dass Nehmala sich an sie hängte, andererseits schmeichelte es ihr. Ilahja hatte zugestimmt, ihr Nachhilfe zu geben, was sie nicht wirklich fantastisch fand, aber kein Myragone verweigerte einem anderen die Hilfe. Dies war eine der Millionen Eigenschaften, die sie von den barbarischen Völkern jenseits des Schildes unterschied.
Ilahja hatte einmal gehört, dass anderswo Heiler an Tieren übten, denen sie erst Verletzungen zufügten, um sie dann zu heilen. Auf der einen Seite war dies einer der zahllosen Beweise für die Primitivität dieser Menschen, auf der anderen musste sich die junge Frau eingestehen, dass dies sicherlich einen höheren Lernerfolg erzielte als theoretisches Fachsimpeln. Wiederum andererseits waren sie Myragonen und brauchten keine einfachen Lernmethoden wie diese ungewaschenen Ur-Menschen.
Die Gläubige
Im Jahr nach dem Tod des Einen 9338
Es war nicht leicht leise zu sein und gleichzeitig Kampfübungen durchzuführen, doch mittlerweile war sie gut darin. Devora spähte aus der Luke im Dachboden auf die übenden Glaubenskrieger-Anwärter und machte es ihnen nach.
Da sie kein Schwert besaß, benutzte sie eine Eisenstange, die sie sich ‚geborgt‘ hatte. Die Stange war zwar kein Schwert, aber wenigstens in etwa so schwer, was sich an ihrer Oberarmmuskulatur bemerkbar machte. Sie war mittlerweile wesentlich stärker als die anderen Frauen im Kloster.
Dieses Doppelleben war nicht leicht. Alle Arbeit, die sie eigentlich verrichten sollte, musste sie vorher oder nachher erledigen. In gewisser Weise durchlief sie die Ausbildung zur Priesterin und zum Glaubenskrieger. Doch mit der Zeit hatte sie gelernt mit dieser Belastung zu leben, mit weniger Schlaf pro Nacht auszukommen und ihre Nacht noch strikter zu organisieren, als es das Kloster ohnehin schon tat. Sie hatte ein Ziel und nichts würde sie davon abbringen.
Der Nekromant
Im Jahr nach dem Tod des Einen 9340
„Es gibt drei Arten von Untoten: Beseelte, unbeseelte und Geister. Unbeseelte Untote sind die einfachste Form. Ein Nekromant kann einen Kadaver entweder wie eine Marionette lenken oder den Kadaver mit der Macht Amals erfüllen und losschicken. Der Vorteil dieser Untoten ist, dass sie keinerlei Organe brauchen. Sie kämpfen auch ohne Kopf, ohne Beine kriechen sie und ohne Arme treten sie. Ohne Arme und Beine beißen sie. Nur wenn dann noch der Kopf fehlt, sind sie recht nutzlos geworden.“
Iallyn hing an den Lippen seines Meisters.
„Der Nachteil dieser Untoten ist, dass sie ständige Kontrolle brauchen oder nur für sehr simple Aufgaben zur Verfügung stehen. In einer Schlacht hob ich den Leichnam eines Feindes, erfüllte ihn mit der Macht Amals und schickte ihn auf seine ehemaligen Kameraden. Vor Furcht sprangen sie zur Seite und er stapfte einfach durch ihr Reihen durch. Nach der Schlacht fand ich ihn zappelnd in einem kleinen Bachlauf.“
Iallyn lachte.
„Beseelte Untote sind sehr vielseitiger einsetzbar. Bei diesen wird der Kadaver mit einem Geist aus dem Totenreich beseelt und dieser Geist während des Prozesses an den Nekromanten gebunden. Dieser Untote kann dann, je nach Grad, es gibt große Unterschiede, unter Umständen sehr komplexe Aufgaben erfüllen und steht einem lebenden Menschen in nichts nach. Allerdings sind viele dieser Untoten recht anfällig gegen Enthauptung.“
Iallyn lachte erneut und Sollos schien seinen so erfrischenden Vortrag zu genießen.
„Zuletzt gibt es Geister. Geister sind die Seelen der Toten, die wir aus dem Totenreich holen. Sie sind körperlos und können daher auch nichts Materielles bewegen, können aber Leiden und Qualen hervorrufen oder eben zur Beseelung eines Kadavers dienen. Wenn du sie in diese Welt holst, sind sie entweder gänzlich unsichtbar oder als durchscheinende Schemen wahrzunehmen, abhängig davon wie weit du den entsprechenden Geist in diese Welt gezogen hast.“
Bei diesem Satz musste Iallyn wieder an seinen Ausflug ins Totenreich denken und fröstelte.
„Du wirst dich in nächster Zeit erst einmal mit dem Tod selbst beschäftigen. Du wirst dir alle möglichen Kreaturen fangen und ihnen beim Sterben und Verwesen zusehen. Dann wirst du diese Kadaver als unbeseelte Untote erheben.
Und danach werden wir uns darum kümmern, dass du lernst, wie man ohne Gifttrank ins Totenreich gelangt, aber dazu muss deine Verbindung zu unserem Herrn Amal Hasrath noch etwas gefestigter sein. Noch irgendwelche Fragen?“
„Gibt es auch Untote, die nicht von einem Nekromanten erschaffen wurden?“
Sollos nickte.
„Die kalten Jäger, auch Kinder Melahnas genannt. Es gibt sie nur auf der Nachtseite. Ihre Entstehung ist ein Rätsel, aber es gibt sie schon sehr lange.
Manchmal geschieht es auch, dass Geister aus ungeklärten Gründen in die Welt der Lebenden zurückkehren oder gleich dortbleiben, anstatt ins Totenreich zu reisen. Manche behaupten, diese Geister hätten etwas unerledigt zurückgelassen, aber diese Theorie halte ich für Humbug.
Solche Geister können manchmal tatsächlich auch in Kadaver fahren, ihre eigenen zum Beispiel und enden als unkontrollierte beseelte Untote.“
„Was war das für eine Kreatur, die mich ins Totenreich gezogen hat?“
„Das war ein Herold Amal Hasraths. Normalerweise werden die Toten von den Herolden Sehls ins Totenreich geführt. Durch den Trank und meine Fürbitten, geleitete dich ein Herold unseres Herrn ins Totenreich und wieder zurück. Er ist der einzige, der unbemerkt ins Reich seiner Mutter gelangen kann.“
Iallyn saß mit offenem Mund da und versuchte das Gehörte zu verstehen.
„So und nun ins Bett mit dir, du hast morgen viel zu tun.“
Iallyn lag in seinem Bett. Er hatte die ganze Nacht Tiere gefangen und ihnen beim Sterben zugesehen. Das hatte ihn so hungrig gemacht, dass er vor dem Schlafen noch Brot und Wurst vertilgt hatte. Die Kerze in seinem Zimmer brannte noch und er blickte auf die ganzen Glasgefäße, in denen er seine Studienobjekte aufbewahrte. Zwei Ratten, einen kleinen Vogel, diverse Insekten und eine Katze. Er hätte gern einen Hund gefangen, aber das war ihm heute nicht gelungen.
Er wollte gerne einschlafen, doch das fiel ihm noch immer schwer. Die Geister des Totenreichs verfolgten ihn in seinem Schlaf, auch noch zwei Monate nach seiner Reise in ihre Welt.
Die Tür zu seinem Zimmer öffnete sich plötzlich und Ahlim stand im Raum. Sein Blick troff vor Hass.
„Du glaubst wohl du kannst mich hier rauskriegen? Aber da irrst du dich. Ich werde Sollos einziger Schüler sein und du wirst wieder auf der Straße enden, du kleine stinkende Ratte.“
„Verpiss dich Ahlim, du würdest sowieso verrecken, bei deiner ersten Reise ins Totenreich.“
„Vielleicht, aber wenigstens würde ich mir nicht jede Nacht in die Hose pissen, wenn ich dran denke, so wie du kleiner Schisser. Du wirst dich sowieso nie wieder zurück trauen.“
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