„Die Zeugen wissen ja alle erstaunlich gut Bescheid.“
„Sie leben alle in dem selben Dorf“, zuckte Zimmermann die Achseln.
„Ist die Mutter oder der Bruder der Toten hier?“
Zimmermann schüttelte den Kopf.
„Merkwürdiges Verhalten“, meinte Hellberg. „Das halbe Dorf scheint hier zu sein, aber nicht die Familienangehörigen.“
„Möglicherweise hat sich noch niemand getraut, es ihnen zu sagen. Du überbringst ja schließlich auch nicht gerne Todesnachrichten.“
In dem Moment sah Hellberg zufällig zu mir und unsere Blicke trafen sich für einen Sekundenbruchteil. Da ich als einziger immer noch neben den Autos nur wenige Schritte von ihm entfernt stand, vermutete er wohl richtig, dass ich die Unterhaltung mitgehört hatte. Dabei war es gar nicht meine Absicht gewesen, denn ich war nach wie vor fest entschlossen, mich aus der Sache raus zu halten.
Der Hauptkommissar musterte mich misstrauisch, dann drehte er sich um und ging zu seinen Kollegen von der Spurensicherung. Zimmermann hatte mich ebenfalls bemerkt und kam nun auf mich zu, um meine Personalien aufzunehmen. Ich gab sie ihm.
„Haben Sie irgendetwas Auffälliges gesehen oder gehört?“, fragte er anschließend.
Ich verneinte.
Er blickte mich strafend an. „Herr Junker, ein Herr ...“, er blätterte kurz in seinen Notizen, „Herr Overich hat mir eben erzählt, dass er nach dem Leichenfund durch Herrn Rodder mit Ihnen zusammen als erster am Fundort eingetroffen ist und sie beide sich der Leiche genähert haben.“
„Ja“, gab ich nur knapp zurück.
„Warum haben Sie das getan?“
„Um zu prüfen, ob sie noch lebt.“
„Haben Sie sie angefasst?“
„Nur den Puls gesucht.“
„Und?“
„Und, was?“
„Na, hatte sie noch einen Puls?“
„Dann würde sie jetzt nicht mehr hier, sondern im Krankenhaus liegen.“
Zimmermann erfror für einen Augenblick in der Bewegung. Ich dachte schon, dass er gleich über die Zurechtweisung explodieren würde, aber stattdessen steckte er den Stift ein und grummelte: „Sie hören noch von uns.“
Dann stapfte er schlecht gelaunt zurück zu den Dorfbewohnern.
Ich wollte hier weg und wartete deshalb nicht weiter auf Hannes, sondern begab mich zu Fuß auf den Weg nach Hause. Merkwürdigerweise dachte ich während der ganzen Zeit weniger an Melanie, sondern viel mehr an Chris, ihren jüngeren Bruder. Wie würde er die Nachricht vom Tod seiner Schwester verkraften?
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