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Nachdem ich mein Leben nach verbissenem Kampf und mithilfe der aufopfernden Unterstützung einiger ganz besonders wertvoller Menschen in geordnete Bahnen gelenkt hatte, mir das Leben von Tag zu Tag wieder weniger schwer fiel und ich schließlich auch wieder die wunderbaren Seiten des Seins entdeckt habe, kam ich nach langem Hin- und Herüberlegen zu dem Entschluss, diese Geschichte, meine ganz persönliche Geschichte, in Worten auf Papier festzuhalten.
Es ist nicht so, dass ich mich nach dem noch größeren Ruhm sehne, Bewunderung erwarte oder als leuchtendes Vorbild gesehen werden möchte. Nein, ganz und gar nicht! Im Gegenteil, bis vor einiger Zeit mied ich es, im Mittelpunkt zu stehen, erwiderte Komplimente nur mit einem schwachen Lächeln und sah überhaupt keinerlei Grund, mich jemals wieder derart zu engagieren, dass ich auch nur annähernd als Vorbild gesehen werden könnte. Zur Erleichterung aller, habe ich mittlerweile jene gewisse Scheu verloren und neuen Mut gefasst, sodass ich keine Hemmungen mehr habe, auch ab und an ein Lob oder konstruktive Kritik anzunehmen. Aufgrund nahezu unglaublicher Geschehnisse, musste ich von einem Tag auf den anderen lernen, dass das Schicksal sowohl sehr positive als auch grauenvoll negative Überraschungen für einen bereithält. Dennoch strebe ich mit der Veröffentlichung meiner bisherigen Lebensgeschichte nicht danach, Everybody's Darling zu werden. Mir liegt nur daran zu beweisen, dass es möglich und nötig ist, auch aus dem tiefsten Tal der Tränen wieder emporzusteigen, sich von den engsten Ketten der Verzweiflung zu befreien sowie den unüberwindbar scheinenden Mauern der Einsamkeit zu entkommen, um zurück in das aufgeweckte, kostbare Getümmel des Lebens zu finden.
Das Schreiben war, neben der grenzenlose Liebe meiner Familie und Freunde, die beste und wirkungsvollste Medizin! Das Schreiben war mein Heilmittel, das mir half die schmerzenden Wunden allmählich zu schließen. Das Schreiben ist noch immer mein Geheimrezept gegen die wiederkehrende Melancholie, die ich wohl nie vollkommen hinter mir lassen werde. Inzwischen ist das Festhalten meiner Gedanken, Erinnerungen und Zukunftspläne wie zu einer Droge geworden, der ich nicht mehr entkommen kann, in diesem Fall auch nicht mehr vollständig entkommen möchte. Papier ist geduldig! Und Geduld war das einzige Mittel, das mir anfangs zu helfen vermochte. Auf diese Weise konnte ich meine Verzweiflung offenbaren, meine Wut bändigen, meine Hoffnungen schüren oder diese unbeschreibliche Leere füllen. Ich habe, solange ich denken kann, schon immer gern ein zweites Leben zwischen den Seiten dicker und spannender Wälzer und selbst geschrieben Abenteuer geführt, aber dieses zweite Leben wurde zeitweise zu meinem Einzigen. Mein Tagebuch war für mich wie ein Freund; besser noch, wie meine Schwester, der ich meine Gedanken anvertrauen kann; oder wie meine Mum, die stets ein offenes Ohr für meine Ängste hat; oder wie mein Daddy, mit dem ich die ver- rücktesten Ideen aushecken kann!
Wenn man sein Leben in einem Tagebuch festhält, ist man in der Lage, seinen Emotionen freien Lauf zu lassen und in einer eigenen Traumwelt zu leben. Man muss sich für seine geäußerten Gedanken nicht rechtfertigen, muss nicht jedes Wort in die Waagschale legen, sondern kann sich frei fühlen. Wenn man allerdings nur noch in einer solchen Traumwelt lebt, wird dies gefährlich und nimmt längerfristig kein glückliches Ende. Aus heutiger Sicht bin ich froh, noch rechtzeitig zu dieser Erkenntnis gefunden zu haben. Jedoch möchte ich meinem imaginären Tagebuchfreund dafür danken, stets für mein Wohl gesorgt zu haben und mein Antrieb gewesen zu sein!
Doch so geduldig eine Seite Papier sein mag, so wenig wahren Zuspruch kann sie einem geben. Nur echte Menschen aus Fleisch und Blut, mit Herz und Seele sind dazu in der Lage.
Auch das zu erkennen und zu akzeptieren war ein langer, steiniger Weg für mich! Aber ich ging diesen Weg nicht allein!
Isabella und Mickey, danke, dass ihr mich in den düstersten Momenten meines Daseins in den Arm genommen habt und mir durch eure pure Anwesenheit, euer unerschöpfliches Verständnis und eure unerschütterliche Freundschaft Stück für Stück den Weg zurück in ein lebenswertes Leben gezeigt habt.
Ein Lächeln sagt mehr als tausend Worte! Dank euch entdeckte ich jenes Lächeln und sogar das herzliche Lachen neu! Ich bin unheimlich stolz auf euch! Ihr habt mehr Stärke bewiesen, mehr Einfühlungsvermögen gezeigt und mir mehr Liebe entgegengebracht, als ich je hätte erwarten dürfen! Ihr seid meine wahren Helden!
Meinen vier Schätzen, die mich stets geliebt und mir vertraut haben, die mir immer Wärme und Geborgenheit entgegengebracht haben und die mir den dringend notwendigen Lebensmut zurückgegeben haben, möchte ich an dieser Stelle genauso viel und noch viel mehr Liebe und Kraft zurückgeben!
Oma Louisa und Opa Otto, Granny Ava und Gramps Allister, ich liebe euch, umarme euch, bewundere euch! Das Schicksal erschütterte die Grundmauern eures Lebens nicht weniger, dennoch habt ihr nie daran gezweifelt, gemeinsam mit mir und Finn, etwas Wunderbares und Einmaliges im Leben wiederzufinden.
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Im Grunde wünschte ich, jene Geschichte, würde auf diese bestimmte Art und Weise überhaupt nicht existieren, denn sie ist gekennzeichnet von Leid und Tragik, Verzweiflung und Trauer. Jedoch ist es nun einmal so, dass man sich seine Geschichte nicht aussuchen, geschweige denn selbst bestimmen kann. Ich würde alles, absolut alles dafür geben, dass ich nur ein einziges Mal mit dem Schicksal einen Pakt hätte aushandeln können! Doch wir leben in einer unvorhersehbaren Welt! Eine entweder grausame oder wunderbare Tatsache. Für mich traf damals einzig ersteres Attribut zu.
Allerdings habe ich über die letzten Jahre, die ohne Zweifel die schwersten, zugleich rasantesten meines Lebens und offenbar von einer unsichtbaren Macht gelenkt waren, gelernt, das Schicksal zu akzeptieren und es ebenso auszukosten. Ich habe noch nicht gelernt, es zu verstehen, aber das will ich eigentlich auch nicht!
Man muss sein Schicksal akzeptieren und die Hoffnung haben, es müsse ein tieferer Sinn hinter all denen uns widerfahrenden Dingen stecken. Denn Hoffnung ist einer der tragenden Eckpfeiler, der die Brücke unseres Lebens aufrechterhält!
Ich bin nun nichtsdestotrotz dankbar dafür, dass diese Geschichte so zu lesen ist wie sie es ist, denn sie zeigt, wie viel Stärke man aufbringen kann, nur weil es Menschen gibt, die an einen glauben, wenn man es selbst schon lange nicht mehr tut, und für die es sich lohnt zu leben.
Meine Geschichte habe ich in erster Linie geschrieben, um Erinnerungen am Leben zu erhalten und wie in einem Schatzkästchen aufzubewahren. Mit Erinnerungen ist dies möglich!
Erinnerungen erhalten uns ebenso am Leben wie die Hoffnung, denn sie bringen uns die positiven, freudigsten und aufregendsten Momente, die das Sein lebenswert machen, zurück!
Ich widme meine Geschichte den drei Menschen, denen es vom Schicksal nicht mehr gestattet wurde, ihre eigene zu schreiben!
Mum, Daddy, Emily! Ich vermisse euch! Ich liebe euch! Ich lebe für euch!
Finn und ich hatten das fantastische, nicht in Worte zu fassende Glück, euch unsere Familie nennen zu können! Unaussprechlich wertvoll waren die gemeinsamen Jahre, kostbar sind unsere Erinnerungen an euch!
Wir wissen, ihr seid noch immer da für uns. Wir fühlen, ihr leitet uns täglich aufs Neue. Ohne euch zu leben ist unsagbar schwer, aber in Wirklichkeit sind wir niemals ohne euch, denn ihr bleibt auf ewig ein Teil von uns!
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Ich war ein glücklicher und ausgeglichener, zufriedener und aufgeschlossener Mensch, dessen Leben eine grandiose Familie und unzählige Abenteuer ausmachte!
Gemeinsam mit meinen Eltern, Klara und Joe Haywood Swan, und meinen Geschwistern, Emily und Finn Swan, erlebte ich wunderbare und unvergessliche Monate während unserer Reisen rund um den Globus sowie frohe und normal chaotische Momente, wenn wir daheim einen Ruhepol fanden. Ich kann ohne eine Sekunde zu zögern sagen, dass ich eine Kindheit hatte, die ich mir nicht schöner, bunter und aufregender hätte wünschen können! Oftmals wurden Emily, Finn und ich um unser freies und außergewöhnliches Leben beneidet. Es gab nur wenige, die uns jene Unbeschwertheit nicht recht zu gönnen vermochten, uns für nicht zu zähmende Zappelphilippe hielten und unseren Eltern einen zu antiautoritären Erziehungsstil vorwarfen. Manchmal höre ich noch die Worte unserer runzligen und verbittert scheinenden Nachbarin, die uns Kleinen mit erhobenem Zeigefinger einmal in unnachahmlicher Lehrmeistermanier ermahnte: „Aus solch kleinen Vagabunden wie euch kann später auch nichts als ein großer Vagabund werden, und große Vagabunden bringen es zu einem großen Nichts!”
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