Mouad starrte ihn entsetzt an.
Ruhig und beinahe schon gelassen fuhr Ahmad fort:
„Du denkst bestimmt immer noch, ich habe mit der drohenden politischen Auseinandersetzung zwischen den Spielern in dieser Region etwas zu tun oder bin vielleicht doch ein Geheimdienstler der NSA oder irgendein sonstiges subversives Element?”
Sein Gegenüber nickte unmerklich, während er Ahmad unverwandt anblickte.
„Mouad, ich schwöre dir abermals: Nichts läge mir ferner, als euren schönen Libanon zu zerstören. Aber du musst es mir einfach glauben: Ich bin bei keiner der Parteien in irgendeiner Weise involviert, die an dem sich abzeichnenden politischen Komplott beteiligt sind. Ich gehöre auch nicht zu Assads Anhängerschaft an, bin auch kein Mossad-Agent oder einer der zum Radikalislam konvertierten europäisch-amerikanischen Attentäter. Und erst recht keiner dieser religiösen Massenmörder aus Bagdad, die Schwulen bei lebendigem Leibe Hoden und Schwanz und Lesben die Brüste mit geschmolzenem Kunststoff brennender Plastiktüten verstümmeln und schließlich irgendwann abschneiden!”
Mouad war völlig geschockt.
„Du weißt davon?...” stammelte er.
„Nur soviel verrate ich dir jetzt: Durch reinen Zufall habe ich von Informanden erfahren, wo diese einem qualvollen Tod ausgesetzten Menschen im Grenzbereich zwischen Irak und Syrien zu finden waren. Immerhin 15 von ihnen konnten gerettet werden. Aber tausende weitere sind vermutlich elendig zu Grunde gegangen...”
Ahmads Stimme versagte. Er wischte sich mit seinem Handrücken durch sein Gesicht.
Mouad ergriff tief bewegt eine Hand seines Freundes. Dennoch erschien auf seinem Gesicht ein fragender Ausdruck.
,Alles ist so rätselhaft. Was hat Ahmad bloß zu verbergen?’
Er konnte sich auf all dies hier keinen Reim machen.
„Aber, wenn du für eine Hilfsorganisation arbeitest...”, versuchte es Mouad ein letztes Mal.
Ahmad schüttelte energisch den Kopf.
„Mouad, ich hänge sehr an dir. Ich möchte genau so wenig wie du, dass wir uns trennen. Ich kann auch ebenso gut deine berechtigte Neugierde nachvollziehen. In diesem Moment will ich dir jedoch nur Folgendes versprechen: Du wirst mich in den nächsten Wochen, vielleicht aber auch erst in Monaten, sehr genau kennen lernen und mit Sicherheit am Schluss dieser Entwicklung begreifen, warum ich dir nicht sofort reinen Wein eingeschenkt habe. Bitte, lass uns doch erst einmal Schritt für Schritt vorangehen. Ich denke, dass es sinnvoll wäre, wenn wir zunächst einmal das Studium energisch vorantreiben und dabei auf unsere fachlichen Qualitäten das Hauptaugenmerk legen. Unsere Gemeinsamkeiten oder auch Diskrepanzen in Bezug von Weltanschauungen sowie Sichtweisen zu vielen Problemen auf dieser Welt könnten wir doch auch zu Beginn austauschen. Dabei wirst du mich peu á peu zu schätzen wissen, aber auch meine Fehler erkennen und sie zu lieben oder zu hassen lernen.”
Mouad wiegte seinen Kopf zugleich abwartend und unsicher hin und her, erwiderte aber zunächst erst einmal nichts.
Nach einer Weile ergänzte Ahmad, wobei seine Nervosität deutlich aus dem Tonfall heraus zu hören war:
„Kannst du dich mit diesem Vorschlag anfreunden?”
Mouad blickte unablässig auf das Meer. Er fragte sich, ob dieses seltsame Zusammentreffen mit diesem Ahmad ein gutes Ende nehmen würde:
„Das muss ich wohl”, seufzte Mouad nach einer Weile, während er sich eingestand, dass er ohne Ahmads Eingreifen nun nicht mehr am Leben wäre und er daher die neu gewonnene Zeit mit diesem rätselhaften Menschen probeweise verbringen wollte. Tief in seinem Inneren wuchs auch seine Neugierde immer mehr, hinter das verborgene Leben Ahmads zu kommen.
„Aber vielleicht ist es so wirklich das Beste”, ergänzte er daher - nach einer mehrminütigen weiteren Denkpause - wobei er Ahmad abwartend-neugierig betrachtete.
„Komm”, forderte Ahmad ihn schließlich auf, „wir sollten an diesem Ort nicht mehr allzu lange verweilen. Ich besitze ein Motorrad und bringe dich damit noch rasch nach Alayh. Ich setze dich dann vor der Eingangstür deines elterlichen Hauses ab. Aber bitte keine libanesische Höflichkeit, ich werde nicht mit hineinkommen. Heute Abend muss ich nämlich noch einiges in verschiedenen Datenbanken im Internet recherchieren.”
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.