Bargeld, oft auch Cash genannt, spielt zu gewissen Zeiten eine Sonderrolle. Es im heimischen Safe oder an einem anderen vermeintlich sicheren Ort zu lagern, ist das sinnvoll? Unter Umständen ja, zum Beispiel in begrenztem Umfang für den Fall, dass man keine EC- oder Kreditkarte bei sich hat, etwas kaufen will, bevor es zu teuer wird, und die Bank gerade geschlossen ist. Oder wenn die Hausbank als Opfer einer Finanzkrise wochenlang nur geringe Beträge aus Geldautomaten ausspucken lässt und im schlimmsten Fall keinen Cent herausrückt – Griechenland und Zypern lassen aus der Zeit vor der Eurokrise grüßen. Seit Jahren sinkt die Zahl der Bankschließfächer; Ursache ist in erster Linie wohl das zunehmende Sterben von Bank- und Sparkassenfilialen, die sich nicht mehr rentieren.
Das Thema Bargeld wird seit geraumer Zeit besonders heiß diskutiert. Im Mittelpunkt: die – speziell in Deutschland weit verbreitete – Furcht vor der Bargeldabschaffung. Deren Befürworter sprechen oft mit gespaltener Zunge, um einen Begriff von Karl May zu verwenden: Sie behaupten beispielsweise, wegen des Bargelds werde die Terrorismusbekämpfung erschwert, mit Bargeld würden Keime an den Händen übertragen. Elektronisch zu zahlen, sei viel sicherer, es käme zu weniger Diebstählen und Einbrüchen. Mit EC- und Kreditkarten oder seit geraumer mit Smartphones lasse sich das alles vermeiden.
Die gespaltene Zunge rührt daher, dass die Bargeldgegner gern so manches Argument unter den Tisch fallen lassen: Etwa dass die Bargeldabschaffung den Banken, Sparkassen, Kreditkarten- und Softwarekonzernen große finanzielle Vorteile bescheren würde. Oder dass der Staat es dank Bargeldabschaffung leicht hätte, uns alle zu überwachen. Etwas Bargeld in einem sicheren Safe oder an anderer sicherer Stelle zu horten, empfiehlt sich allemal. Am besten nicht nur in Euro, sondern auch in anderen gängigen Währungen, wie Schweizer Franken und US-Dollar – sowie in international gängigen Goldmünzen, zum Beispiel Krügerrand, Maple Leaf, Wiener Philharmoniker, Känguru und American Eagle.
Geht es um die Geldanlage, unterscheidet man zwischen Geld- und Sachwerten. Zu Ersteren gehören Giro-, Tages- und Festgeldkonten, Sparbücher und -briefe, Bundesanleihen, Geldmarkt- und Rentenfonds, Kapitallebens- und private Rentenversicherungen. Einige von ihnen, etwa Tagesgeldkonten und Bundesanleihen mit kurzen Restlaufzeiten, eignen sich in Zeiten mit moderater Inflation als Reservepolster. Zieht die Inflationsrate an, sollte man sich von den meisten Geldwerten trennen, als liquide Reserve primär etwas Tagesgeld vorhalten und Sachwerte bevorzugen. Dazu gehören im Wesentlichen Immobilien, Gold und Aktien, Letztere allerdings unter dem Vorbehalt, dass das Geschäftsmodell der betreffenden Unternehmen krisenfest ist und dass ihre Aktienkurse nicht ins Bodenlose sinken.
Die Laufzeiten der Geldwerte erstrecken sich von einem Tag bis zu mehreren Jahrzehnten. Faustregel: Steigt die Inflationsrate, sind Kurzläufer die bessere Wahl, von denen es unter den Bundesanleihen recht viele gibt. Fällt die Inflationsrate dagegen, schneiden Langläufer besser ab. Diese waren über dreieinhalb Jahrzehnte begehrt, jetzt sind sie weniger gefragt. Ihre weitere Entwicklung hängt in erster Linie von der Geldpolitik der Notenbanken ab, im Euroraum speziell von der EZB.
Anleihen passen sich über ihre Kurse dem allgemeinen Zinsniveau an, während ihre Nominalzinsen in der Regel einen von vornherein festgelegten Zinssatz haben. Ein Spezialfall sind Zerobonds, auch Nullkupon-Anleihen genannt. Sie basieren auf dem Versprechen des Emittenten auf Rückzahlung zum Nominalwert. Ein weiterer Spezialfall sind inflationsindexierte Anleihen, von denen auch der Bund einige ausgegeben hat. Ihre Funktionsweise ist kompliziert, deshalb hier nur dieser Hinweis: Solche Bundesanleihen gibt es derzeit mit verschiedenen Restlaufzeiten, die sich von 2020 bis 2046 erstrecken. Je länger sie laufen, desto stärker schwanken ihre Kurse. Wer mit inflationsindexierten Anleihen spekuliert, sollte sich über den folgenden Zusammenhang im Klaren sein: Die Inflationsrate muss eine bestimmte Höhe erreichen, damit sich diese Anleihen im Vergleich zu den gängigen Anleihen ohne Inflationsindexierung rechnen. Dann spricht man von der Break-even-Inflationsrate.
Ein Begriff, der uns in den kommenden Jahren wegen der anziehenden Inflation immer häufiger begegnen wird, heißt Realzins. Darunter versteht man das, was vom Zins- oder sonstigen Ertrag übrig bleibt, wenn die Inflationsrate mit dem Nominalzins verrechnet wird. In Zeiten hoher Inflationsraten ist der Realzins negativ. Da uns diese Entwicklung droht, sollten Sie sich darauf einstellen, indem Sie Langläufer meiden und stattdessen lieber auf Kurzläufer oder gleich auf Tagesgeldkonten setzen.
Zum Schluss dieses Kapitels noch einige kritische Anmerkungen zu Zertifikaten einschließlich Aktienanleihen. Hierbei handelt es sich um komplex konstruierte, mit allerlei Kosten durchsetzte Inhaberschuldverschreibungen, die im Fall der Pleite eines Emittenten wertlos werden. Ihre Popularität ist nur vordergründig gerechtfertigt: Die Konstruktion kann zwar an alle Börsentrends angepasst werden, aber niemand vermag Börsentrends genau vorherzusagen. Alles in allem: Eine Spielwiese für Profis, von der Anlagelaien sich lieber fernhalten sollten.
Donald Trump: „Wer Gold hat, bestimmt die Regeln“
Die Inflation, so scheint es zumindest, ist derzeit kein Thema, das die Menschen besonders aufregen könnte. In Europa – außerhalb Deutschlands – und in den USA schon mal gar nicht. Und wenn man die Inflationsprognosen der EZB-Denkfabrik mit dem klangvollen Namen „Survey of Professional Forecasters“ Revue passieren lässt, ist Inflation offenbar von gestern. Denn deren aktuelle Prognose für den Euroraum, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex HVPI, geht von lediglich 1,5 Prozent für 2018 aus und steigt bis 2022 nur auf 1,9 Prozent. Dass sie dort landet, oh Wunder, entspricht dem durch die EZB vorgegebenen Inflationsziel von etwas unter 2 Prozent.
Wird die hier zitierte EZB-Denkfabrik mit ihren Inflationsprognosen recht behalten? Diese Frage lässt sich unmöglich beantworten. Das heißt, 1,5 HVPI-Prozent für 2018 oder 1,9 Prozent für 2022 werden sich irgendwann während der nächsten Jahre in Luft auflösen und anderen Zahlen Platz machen. Dies allein schon deshalb, weil Inflation als dynamischer Prozess von mehreren Faktoren abhängt, die sich zum Teil gegenseitig beeinflussen. Ein paar Beispiele: Entwicklung der Konjunktur und speziell der Kosten der Unternehmen, Konsumverhalten der Verbraucher, Fiskalpolitik, Geldpolitik, Entwicklung der Währungen, speziell des Verhältnisses Euro/Dollar, Inflationserwartungen, direkte und indirekte Steuern, Zölle, Krieg und Frieden.
Derzeit stehen die zuletzt genannten Faktoren im Vordergrund, also der von den USA so gewollte Handelsstreit, der zeitweise zum Handelskrieg auszuarten droht, und das Atom-Abkommen mit dem Iran, von dem die USA sich verabschieden, Ende offen. Nun mag man über die wirtschaftlichen Folgen trefflich spekulieren – mehr als die Erkenntnis, dass der ganze Nahe Osten ein einziges Pulverfass ist und dass dies über kurz oder lang mit Konsequenzen für uns alle ausgehen kann, kommt dabei kaum heraus.
Nähern wir uns dem Thema Inflation deshalb von einer weiteren Seite. Bekanntlich leben die meisten Staaten, immer mehr Unternehmen und zunehmend auch Verbraucher auf Pump. Zu ihren Gläubigern gehören in erster Linie Banken mit unterschiedlich ausgestattetem Kapital. Die positive Entwicklung der Konjunktur während der vergangenen Jahre ließ die Banken bei der Kreditvergabe immer leichtsinniger werden, sodass es zu einer riesigen Schuldenblase kam. Früher hatten die Notenbanken ähnliche Entwicklungen mit einer restriktiven Geldpolitik bekämpft, also den Leitzins erhöht. So etwas ist heute nur noch bedingt möglich. Pech, dass ausgerechnet in dieser Situation die Konjunktur zu schwächeln beginnt.
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