Einer der zentralen Begriffe bei der Geldanlage heißt Risiko. Doch oh weh, was haben Professoren und vermeintliche Anlagestrategen mit ihm schon alles angerichtet! Formeln über Formeln, absolut praxisuntauglich. Dabei lässt sich Risiko in Bezug auf die Geldanlage einfach definieren: Gefahr, Geld falsch anzulegen. Da aus den Formeln und Kennzahlen weder das Gefahrenrisiko im Allgemeinen noch das Inflationsrisiko im Besonderen hervorgeht, brauchen Sie ihnen keine Beachtung zu schenken. Übrigens: Wer zu Risiken von Unternehmen mehr erfahren will, sollte deren Geschäftsberichte lesen. In denen werden alle jeweils gängigen Risiken aufgeführt. Oft kommt da sogar mehr als ein Dutzend zustande.
Streuung ist eine bewährte Methode, um das Risiko der Geldanlage zu minimieren. Sie wird auch gern als Diversifikation bezeichnet. Streuung kann sich über mehrere Anlageklassen erstrecken, was – am besten auch unter Berücksichtigung des Timings – besonders sinnvoll sein kann. Das heißt, mit einer Mischung aus Aktien, Gold und Tagesgeld, gegebenenfalls ergänzt um eine selbst genutzte Immobilie, ist man auf der sicheren Seite. Die Streuung macht auch innerhalb einer Anlageklasse Sinn, indem man Geld zum Beispiel in fünf bis zehn Aktien anlegt statt nur in einer.
Spekulation ist ein schillernder Begriff, jedenfalls im Volksmund. Dann entsteht schnell der Eindruck, es handle sich um Spiel mit Geld, zumal auf Kosten anderer. Dagegen bedeutet Spekulation nichts anderes als „diejenige geistige Tätigkeit, welche aus der Erfahrung der Vergangenheit und der Beobachtung der Gegenwart einen Schluss auf die Zukunft zieht.“ Dieses Zitat trifft den Nagel auf den Kopf. Es stammt vom deutschen Nationalökonomen Adolf Weber. Im Grunde spekulieren wir alle, ohne uns dessen allerdings immer bewusst zu sein. Wir spekulieren auf steigende Aktienkurse, auf den nächsten Karrieresprung, auf schönes Wetter oder einfach nur darauf, dass die Schlange im Supermarkt vor der linken Kasse, für die wir uns entschieden haben, schneller zum Ziel führen möge als die rechte.
Währungen sind sensible Seismografen, nicht zuletzt auch für die Geldwertstabilität in einem Land. Ihre Höhe und ihre Schwankungen zeigen an, ob es der jeweiligen Wirtschaft gut geht und ob eine Währung allgemeines Vertrauen genießt oder nicht. Das derzeitige Währungssystem als solches zu bezeichnen, ist eher irreführend, denn es besteht aus täglichen Auf- und Abwertungen. Damit müssen alle Länder leben. Historische Ereignisse wie der Brexit in Großbritannien und der Wahlsieg von Donald Trump in den USA tragen ein Übriges zu dieser Währungsunordnung bei. Verfolgen Sie die wichtigsten Währungen und solche, die für Ihre Geldanlage oder für Ihr Unternehmen von Bedeutung sind, und sichern Sie sich als Unternehmer gegen Währungsschwankungen ab.
Geht es um das Thema Währung, ist es bis zur nächsten Eurokrise nicht mehr weit. Wobei immer wieder die Kernfrage hochkocht: Kann der Euro als Gemeinschaftswährung so unterschiedlicher Länder wie Deutschland und Italien, Österreich und Griechenland auf Dauer überleben? Die Antwort hängt in erster Linie von der Kompromissbereitschaft dieser und der anderen Euroländer ab. Soll heißen: Deutschland pampert mit ein paar Milliarden Italien, im Gegenzug kommen von dort ein paar Zugeständnisse, schon ist der Euro wieder mal gerettet. Die Euro-Geburt fand statt, als es keine politische Union gab. Die gibt es auch heute nicht, und wahrscheinlich wird sie nie kommen, weil die ganz unterschiedlichen Kulturen der Euroländer dem widersprechen. Worin besteht die Alternative zum aktuellen Euro? Im Austritt des einen oder anderen schwachen Eurolandes? Oder umgekehrt im Austritt Deutschlands? In einem Nord- und einem Süd-Euro? Oder in der allgemeinen Rückkehr zu Landeswährungen? Niemand kennt die Antwort. Und weil der wirtschaftliche Sachverstand in den meisten europäischen Parlamenten zu wünschen übrig lässt, bleiben die Fragen bis auf Weiteres unbeantwortet.
Falken heißen in Europa die von der deutschen Seite angeführten, in der Minderheit befindlichen Befürworter einer harten EZB-Geldpolitik, Tauben die zur Mehrheit im EZB-Rat gehörenden Anhänger einer weichen. EZB-Präsident Mario Draghi muss sich zwar zwischen beiden Gruppen durchlavieren, tendiert aber zu den Tauben. Anders Draghis Widerpart, Bundesbank-Präsident und EZB-Ratsmitglied Jens Weidmann. Da der Streit zu eskalieren droht, wird es um den Euro unruhig bleiben.
Reichtum besteht nicht nur aus Vermögen, sondern auch aus nicht quantifizierbaren Werten, wie Familie, Kinder, Liebe, Gesundheit, Wohlbefinden, Freundschaften, Glaube, Dankbarkeit, Anerkennung, soziales Engagement und einiges mehr. Wer sich nach Verinnerlichung all dieses Reichtums trotzdem noch arm fühlt, sei mit einem Spruch Multimilliardärs Onassis getröstet: „Ein reicher Mann ist nur ein armer Mann mit viel Geld.“
Manipulation ist eine der Maßnahmen von reichen Leuten und speziell von Lobbyisten, um ihren eigenen Status und den ihrer Auftraggeber abzusichern und zu verbessern. Leider entstehen auf diese Weise sogar Gesetze, für die am Ende die Mehrheit der Bürger die Zeche in Form von Steuern, Abgaben und sogar zulasten ihrer Gesundheit zahlt. Die Manipulation hat in letzter Zeit durch die wachsende Zahl der Internetmedien dramatisch zugenommen. Stichwort: fake news. Derweil machen die Traditionalisten, wie Zeitungen, Zeitschriften und das Fernsehen, seit Jahren eine Radikalkur durch. Alles in allem führt der Wandel der Medien zu einer bunten Vielfalt, aber leider auch zu immer mehr Manipulation: Hinterfragen Sie jede Information, bevor Sie sich für eine bestimmte Geldanlage entscheiden.
Achtung, Provisionsjäger!
Private Finanzplanung ist eine relativ junge Disziplin, auch wenn man beim Durchblättern der Ausbildungsgänge zum Certified Financial Planner, FPSB-Professional und ähnlichen Titeln den Eindruck gewinnt, Finanzplaner seien zu wahren Wundertaten fähig und schon längst über die ganze Republik verteilt. Alternativer Vorschlag: Betreiben Sie die Finanzplanung, ausgehend von Ihren persönlichen Verhältnissen, zunächst für eine längere Zeit selbst. Über Detailfragen können Sie sich anderswo informieren, ohne gleich große und womöglich teure Abschlüsse zu tätigen.
Im Grunde beginnt jegliche private Finanzplanung mit dem Erfassen, Zusammenstellen und Ablegen einschließlich Scannen von Dokumenten. Dazu gehören in erster Linie Geburtsurkunden, Vorsorgevollmachten, Patienten- und Betreuungsverfügungen, Zeugnisse, Versicherungspolicen, Konto- und Depotauszüge, Verträge aller Art, Steuer- und Rentenbescheide. Allzu viele Menschen stapeln solche Dokumente leider unübersichtlich an verschiedenen Stellen, an die sie sich nicht mehr genau erinnern können, oder unsortiert in Schuhkartons. Zugegeben, sie systematisch und leicht auffindbar abzulegen, erfordert einen gewissen Ruck. Aber das Gefühl, nachdem die Arbeit vollbracht ist, wirkt enorm befreiend.
Flexibilität sollte in den kommenden inflationären Jahren bei Ihrer Finanzplanung eine besonders wichtige Rolle spielen. Das bedeutet insbesondere: Jahres- und Mehrjahrespläne mindestens ein Mal pro Quartal auf Stichhaltigkeit prüfen, immer ausreichend Liquidität vorhalten, außerordentliche Ausgaben einkalkulieren, die Folgen von anstehenden Gesetzesänderungen beachten und Alternativrechnungen mit unterschiedlichen Inflationsraten – oder umgekehrt: mit sinkender Kaufkraft des Geldes – möglichst oft anstellen. Allein wenn Sie nur diese Postulate befolgen, sind Sie schon den meisten Bundesbürgern in puncto Geld haushoch überlegen.
Anleger mit starker Neigung zu unordentlichen Verhältnissen werden schnell zu Opfern von angeblichen Helfershelfern, die versprechen, Ordnung in die Dokumente zu bringen, in Wahrheit jedoch Provisionsjäger sind. Diese – auch in Bank-, Sparkassen- und Versicherungskreisen weit verbreitete – Unsitte ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen, also muss man einen weiten Bogen um sie machen. Gelingt das nicht, gibt es noch einen Ausweg: Wer sich als angesprochener Kunde vor der Unsitte schützen will, nutzt am besten in der Gegenrolle einen Trick, den die Mitarbeiter sogenannter Strukturvertriebe (Provisionsjäger) von Beginn an eingebläut bekommen. Er besteht darin, so lange Fragen stellen, bis man sein Ziel erreicht hat, nämlich den Provisionsjäger abgeschüttelt zu haben, weil er immer weniger Fragen beantworten konnte.
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