Dieser schnaubte. „Damit sie in meinen Unterlagen herum wühlen kann?“
„Du brauchst ein Arbeitszimmer.“
„Nein, ich brauche ein Zimmer zum Pokern und Billard spielen.“
„Typisch Junggeselle.“ Dale grunzte. „Dann schaff dir eine Frau an, die das für dich erledigt.“
Tate schüttelte den Kopf. „Nein, danke.“
„Lass dich jetzt von dem Theater mit Blanche nicht unter kriegen. Die bekommt sich schon wieder ein.“
„Glaubst du allen Ernstes, sie wäre die typische Hausfrau, die einem die Sachen hinterher räumt?“ Tate warf ihm einen ironischen Blick zu.
Dale begann zu lachen. „Nein, stimmt. Sie würde sie dir nach werfen und schimpfen, bis du es selbst tust. Aber vielleicht brauchst du das ja auch.“
„Sicher“, grunzte Tate und holte Getränke aus der Küche, ehe er sich dazu setzte. „Wie dem auch sei. Das ist vorbei.“
Dale nickte. Als er Tate nun wieder ansah, hatte er einen seltsamen Ausdruck im Gesicht. „Hör mal, ich weiß, wie das ist. Bei mir ist das damals auch schief gegangen. Aber ich war ein Idiot, weißt du? Sie war eine tolle Frau.“
„Willst du mir grade eine Beziehung mit Blanche schmackhaft machen?“ Tate sah ihn schief an.
Dale seufzte schwer. „Blanche hat wirklich viel für dich übrig und ich weiß, dass sie dir auch nicht gänzlich egal ist. Du magst die Kleine, aber du hast Angst davor.“
„Dale, nicht wieder diese Leier.“ Tate winkte genervt ab.
„Tate.“ Dale stützte sich mit den Ellenbogen auf seine Knie. „Ich weiß, du willst nicht drüber reden, aber meinst du nicht, du müsstest die Vergangenheit mal ruhen lassen und dem Ganzen eine neue Chance geben?“
„Mit Blanche? Schlechte Idee.“
„Ich sehe doch, wie mies du drauf bist, wenn sie mit anderen Männern ausgeht. Und ich sehe, dass es dir nicht gefällt, wenn sie mit Siljan Quatsch macht.“
Tate brummte. Da hatte Dale leider recht. Tate würde es nie offen zugeben und hatte sich immer bemüht, sich genau das nicht anmerken zu lassen. Doch Dale war ein guter Beobachter, er konnte es vor ihm nicht verheimlichen. Tate schüttelte den Kopf. „Ich würde ihr bloß das Herz brechen.“
So wie er es schon Mal getan hatte. Nicht nur ihr, sondern auch sich selbst. Es war acht Jahre her, seit Carly verschwunden war. Tate hatte seit dem nie wieder etwas von ihr gehört. Er wusste, dass Avery überall nach ihr suchte, diese Suche jedoch erfolglos war. Und das hatte ihn zur Verzweiflung getrieben. Ebenso wie Tate.
Tate war viele Jahre wütend auf sich selbst gewesen. Als sie ihn damals anrief, während sie auf der Flucht war, war das für Tate völlig unerwartet gewesen. Und er wünschte sich, das Gespräch wäre anders verlaufen. Hätte er ihr bloß nicht gesagt, dass sie warten sollte. Dass sie zurückgehen sollte. Nun war sie seit acht Jahren verschwunden. Und Tate war das Gefühl nie losgeworden, mit Schuld daran zu sein. Er hatte sie im Stich gelassen, so wie er es schon mal getan hatte. Alles was er mitbekommen hatte war, dass Carly mit einer Frau unterwegs war, die als Gefährlich eingestuft wurde, weil man sie eines Mordes verdächtigte.
Carly musste ordentlich in der Scheiße gesteckt haben. Er fluchte innerlich. Hätte er doch damals seine verfluchte Klappe gehalten. Avery hatte sich danach zurückgezogen, selbst von seinem Vater Conleth, der viele Jahre sein bester Freund war. Auch dafür gab sich Tate die Schuld. Dale sah Tate seufzend an. „Tate, du musst das los lassen. Ich weiß, du willst auch nicht drüber reden...“
„Dann lassen wir das auch, ja?“ Tate stand auf.
Dale sah ihm eine Weile dabei zu, wie er begann seinen Schreibtisch zu sortieren. „Du musst sie echt gerne gehabt haben.“
„Dale.“ „Tate, es bringt nichts, sich daran fest zu klammern.“
„Ich will dir jetzt mal was sagen.“ Tate fuhr zu ihm herum, er haderte mit sich, dann schnaubte er. „Vielleicht verteilst du deine neunmalklugen Ratschläge erst dann, wenn du dein eigenes Liebesleben auf die Reihe bekommst.“
Dale schnaubte. Dann stand er nickend auf. „Ja, da hast du vielleicht recht.“
Tate fuhr mit einer Hand über seine Stirn, dann seufzte er. „Mann... scheiße, so hab ich...“
„Doch, genauso hast du das gemeint.“ Dale klopfte ihm auf die gesunde Schulter. „Ruh dich aus, Junge. Übermorgen musst du wieder fit sein.“
Tate grunzte. Nun hatte er ein schlechtes Gewissen. „Tut mir leid“, stieß er schließlich hervor.
Dale nickte. „Schon in Ordnung. Du hast recht.“ Dale zuckte die Schultern und grinste.
Tate kannte ihn lange genug, um zu wissen, dass Dale irgendetwas vorhatte. Dale verabschiedete sich. Doch ehe er ganz zur Tür hinaus war, sah er Tate noch mal an. „Steht der Pokerabend noch?“
„Klar.“
„Dann bis heute Abend.“
Tate nickte und sah Dale dabei zu, wie er zu seinem Wagen ging. Wieder schämte er sich dafür, dass er Dale so angefahren hatte. Es war nicht fair, ihm sein eigenes Unglück, in Sachen Liebe, vorzuhalten. Dale hatte bereits eine Scheidung hinter sich, und seine Ex Frau ließ ihn seine Kinder nur ein Wochenende im Monat sehen, da Dale einen zu gefährlichen Job ausübte, was totaler Quatsch war. Tate hatte Dale mit seinen Kindern gesehen. Er war ein großartiger Vater.
Seine spätere Freundin hatte ihn völlig über den Tisch gezogen. Und fortan führte Dale nur lockere Beziehungen, was Tate gut nachvollziehen konnte. Und genau so hatte Tate ihn kennen gelernt, als er vor drei Jahren zum FBI gekommen war. Wenn sie am Abend Poker spielten, würde er noch mal in Ruhe das Gespräch zu ihm suchen und hoffen, dass er seine aufrichtige Entschuldigung annahm.
8 Jahre zuvor
Als sich die Tür zu dem dunklen Kellerraum öffnete, bekam Carly einen trockenen Mund. Sie würden mit der Folter weiter machen, da war sie sich sicher. Es sei denn, sie hatten ihre Familie bereits ausfindig gemacht. Hoffentlich war ihr Vater im Ausland unterwegs. Hoffentlich würden sie ihn nicht finden. Carly stieß ein Gebet zum Himmel, obwohl sie zuvor nie gläubig gewesen war.
Drei maskierte Männer traten ein. Einer von ihnen, er trug eine blaue Ski Maske, ging auf Amber zu und riss ihren Kopf an den Haaren zurück. „War eine ziemlich schlechte Idee von dir, dich abzusetzen.“
„Lasst sie gehen“, keuchte Amber und kämpfte sichtlich gegen den Schmerz an.
Er schlug ihr ins Gesicht und lachte. „Ich finde deine Freundin ziemlich amüsant. Außerdem scheinen die Bosse noch was mit ihr vorzuhaben.“
Nun nickte er einem der anderen beiden zu, der bedeutend breiter war, als der andere. Dieser ging nun auf Carly zu und schlug ihr heftig in den Bauch. Amber rotze dem Mann mit der blauen Maske ins Gesicht. „Lasst sie gehen!“
„Du stellst hier nicht die Forderungen.“ Er schlug ihr mit der Faust ins Gesicht.
Dann holte er etwas aus seiner Tasche, ein Tuch, und stopfte es Amber in den Mund.
„Wie ist dein Name?“ fragte der Breitere Carly nun wieder. Calry runzelte keuchend die Stirn. „Das habe ich euch schon gesagt.“
„Es war aber falsch.“
„Nein! Mein Name ist Carly Havering...“
Er schlug ihr wieder ins Gesicht. Amber brüllte wütend, doch durch den Stoff, der in ihrem Mund war, konnte man sie nicht verstehen. Sie versuchte gegen ihre Ketten anzukämpfen und kassierte ebenfalls wieder einen Schlag. „Wie ist dein Name?“
„Carly!“ Carly trat ihm gegen die Brust.
Diesmal schlug er ihr so feste ins Gesicht, dass ihr Kiefer knackte. Amber stieß einen Schrei aus. Dann schlug er erneut zu. Plötzlich hob der Dritte die Hand.
„Das reicht.“
„Der Boss...“
„Es reicht, habe ich gesagt.“ Langsam kam er auf Carly zu. Carly konnte seine Augen nicht sehen, auch er trug eine getönte Brille.
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