Er hob den Becher wohl an den Mund,
Er trank den Wein auf ihre Minne,
Er trank ihn aus bis auf den Grund
Und ließ keinen Tropfen darinne.
Da ritt er hinaus in die Mitternacht
Und stach das schnelle Roß mit den Sporen,
Er hatte sich keiner Weile bedacht:
„Es ist doch nun allzumal verloren.“
Und als ihn der böse Feind ersah,
Der wich zurück vor ihm mit Zagen:
„Nehmt Euern Brief! kommt nicht so nah!
Ich will Euch los und ledig sagen.
Sie sitzt dahinten auf Euerm Pferd,
Deren Minne zuletzt Ihr getrunken:
Sie hat es mir allzu streng verwehrt,
Da ist mir alle Macht entsunken.“
Der euch das Lied von neuem sang,
Dem braucht St. Gertrud nur zu winken,
Ihm währt der Tag oft viel zu lang',
Am Abend ihre Minne zu trinken.
Nach dem Volkslied
Kleve
5. Der Schwanenritter
Die junge Gräfin weinte vom Kleverlande,
Der sie beschützen sollte, warf sie in Bande,
Der Dienstmann will der Herrin Verlobter sein,
Und kommt ihr nicht ein Kämpfer, sie muß den Falschen frein.
Kein Kämpfer wollt' ihr kommen mit dem Verwegnen,
Sie scheuen sich gewaffnet ihm zu begegnen:
Er schnellt das Schwert so kräftig und schießt den Schaft,
Ohnmächtig zuckt die Achseln des Landes Ritterschaft.
Zum Himmel ruft die Gräfin und fleht sich heiser:
„Laß dich die Not erbarmen, o Himmelskaiser,
Du bist nicht unerbittlich wie Menschen sind,
Dich rührt ein Herz voll Jammer, ein hartbedrängtes Kind.“
An ihrem Rosenkranze hing eine Schelle,
Und schlug sie sich die Brüste, so klang sie helle,
Und raufte sie im Leide das schöne Haar,
So klang das kleine Glöcklein und tönte wunderbar.
Und klang es in der Nähe nur leise, leise,
Durch alle Fernen brach es in Donnersweise:
Wohl über tausend Meilen vernahm den Schall,
Wo er dem Grale diente, der König Parzival.
Da mußten die Templeisen in Sorgen leben,
Die Erde schien im Grunde dem Ton zu beben,
Der schlanke Turm erzittert, die Mauer kracht,
Und Tor und Türen rasseln von des Geläutes Macht.
„Und wieder stürmt die Glocke, die Haare sträuben,
Es will uns gar die Ohren der Klang betäuben:
Wohin ist unser Friede, der Nächte Schlaf?
Was haben wir begangen, daß Gottes Zorn uns traf?
Was er gebiete, laßt uns den Gral befragen,
Das wird an seinem Rande die Inschrift sagen.“
Da war es klar zu lesen an Kelchesrand:
„Der Jungfrau sei vom Grale der Kämpfer ausgesandt.
Das Abenteuer ziemet dem Königssohne.
Ihm ist die Magd beschieden und ihre Krone;
Doch berg' er sein Geheimnis in tiefer Brust;
So soll auch sie nicht fragen: die Neugier straft Verlust.“
Der Jüngling hört es freudig und will's vollbringen,
Schon denkt er in den Stegreif den Fuß zu schwingen:
Da kommt herbeigeschwommen ein Silberschwan,
Und zieht an goldner Ketten ein kleines Schiff heran.
„Bringt mir zurück, ihr Knappen, das Roß zur Krippe!
Mich führt wohl dieser Vogel vorbei der Klippe,
Vorbei dem Wellenstrudel ans schöne Ziel.“
So trat er in die Barke, dem Blick entschwand der Kiel.
Nun war indes zu Kleve der Tag erschienen,
Vom Söller sah die Gräfin mit Trauermienen.
Der falsche Dienstmann spottet: „Du lockst ihn nicht
Mit Seufzen und mit Weinen herbei, der für dich ficht.
Die Seufzer, die du schicktest, entführten Winde,
Die Tränen trug die Welle dahin geschwinde;
So werben deine Boten in aller Welt,
Die Menge gafft und staunet, und nicht erscheint der Held.“
Da hörte man ein Singen mit Flötenstimmen,
Und auf dem Wasser schien es einherzuschwimmen,
Das Ohr berauschen Wonnen, das Aug' erschrickt
Ungläubig vor dem Wunder, das es doch klar erblickt.
Vom Singeschwan gezogen die kleine Barke,
Da schläft auf seinem Schilde der Jugendstarke,
Schon naht sie dem Gestade, sie hält und gleich
An schöner Augen Schimmer erwacht er freudenreich:
„Du bist's, du allen Wünschen zum Ziel geschaffen,
Dich soll ich mir gewinnen im Schmuck der Waffen:
Für dich das Kampfspiel wagen ist Heldenlust,
Den Feind für dich zu schlagen, wie schwillt mir hoch die Brust!
Schön sah ich dich im Traume, doch gleicher fließen
Die Locken, vollre Strahlen die Augen schießen,
Ein sel'ger Lächeln spielet um Wang' und Mund,
Beredter lädt die Lippe zu Kuß und Minnebund.“
So neigt' er sich der Schönen und gab dem Schwane
Das Zeichen heimzuschwimmen mit seinem Kahne:
Der trieb schon lange wieder den Rhein hinab,
Sein engelweiß Gefieder noch fernen Schimmer gab.
„Wohlauf, wer mir die Jungfrau will abgewinnen!
Der muß beherzter fechten und heißer minnen.“
Da kam der falsche Dienstmann, im Streit bewährt,
Sein Wuchs hat Riesenlänge und schrecklich tönt sein Schwert.
Und wie der Kampf entbrannte, die Funken stoben,
Des zarten Jünglings Kühnheit muß jeder loben;
Zwar scheint er jetzt erlegen, doch wieder klingt
Sein Stahl und trifft den Gegner, daß rotes Blut entspringt.
So schwanken hin und wieder des Kampfs Geschicke,
Doch immer kühner strahlen des Fürsten Blicke,
Verwegen zuckt er jetzo das Schwert und taucht
In des Feindes Brust die Spitze, der keinen Beicht'ger braucht.
Frohlockend schaut die Menge den Sieg gelungen,
Den Heldenmüt'gen preisen viel tausend Zungen,
Der Gräfin liegt zu Füßen der Königssohn;
Die zieht ihn an die Lippen und beut ihm süßern Lohn.
„Hier gönne mir zu knien, mir soll's genügen,
Und laß mich deinem Fuße den Goldschuh fügen:
Hier stehen deine Mannen, es braucht ein Wort,
So sind wir Braut und Bräutigam, verbunden hier und dort.“
Das Wort ist gern gegeben so liebem Freier,
Beginne denn, beginne die Hochzeitfeier!
Girrt zärtlicher ihr Flöten, Drommeten rauscht
Und überschallt die Küsse, die dort ein Pärchen tauscht.
„Um eins muß ich dich bitten, du meine Minne,
Damit uns stets so selig das Leben rinne:
Uns webt ein zarter Faden den Liebesbund,
Ein wunderbar Geheimnis versiegelt mir den Mund.
Du sollst der Stunden Süße genießend schlürfen,
Woher der Schwan mich brachte nicht forschen dürfen.
Ich kann dir nichts verweigern; doch heisch es nie,
Denn ach, wir sind geschieden, die Frage, tust du sie.“
„Woher du kamst, was kümmert es mich zu wissen?
Wirst dieser Arme Schranken du nicht entrissen,
Darf ich dem Morgen fröhlich entgegenschaun,
Wie früg' ich wohl nach Gestern? Da kennst du nicht die Fraun.“
Er kannte nicht die Frauen, daß er vertraute,
Auf losen Sand der Dünen sein Haus erbaute;
Es daucht' ihn unzerstörlich, er wohnte drin:
Daß es zusammenbräche, es kam ihm nicht in Sinn.
Bald wuchsen in dem Hause drei Heldensöhne:
Wie weidete sein Auge der Knaben Schöne!
Sein Schwert gab er dem einen, den Edelstein
Dem andern, gab dem dritten sein Horn von Elfenbein.
„Du hast sie ausgestattet mit reichen Gaben,
An diese Schätze knüpft sich das Glück der Knaben.
Es kann ihm nie gebrechen, der sie bewahrt,
Dem Eigner ist die Fülle des Reichtums aufgespart.
Doch eins gebricht, das haben des Dienstmanns Kinder,
Und die von Bauern stammen sogar nicht minder:
Des Vaters Namen erbet sein jung Geschlecht,
Der Sohn des Vaters Ehre, sonst gilt er nicht für echt.“ –
„Laß ab, du willst die Zarten zu früh verwaisen,
Zu früh aus deinen Armen mich hinnen weisen.
Wohin du zielst, empfind' ich nur allzu gut;
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