Reimar Oltmanns - Keine Zeit für Wut und Tränen

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Acht Stunden sind kein Tag und achtundsechzig Jahre nicht das ganze Leben. Reimar Oltmanns zeichnet seine Autobiografie auf, die sich wie ein Roman liest, um Vergangenes, Verdrängtes, Vergessenes ins Blickfeld zu rücken. So entstand ein subjektives Dokument der Zeitgeschichte von einer Offenheit, auch Gesellschaftskritik. Er traf in Deutschland und anderswo auf Charaktermasken und Karrieristen, deren Bilder sich wie Fratzen tief in sein Gedächtnis eingegraben haben.

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Ich entsinne mich noch sehr gut an diese unverkennbare „Papa“-Figur, weil aus seiner Schlafkammer das Nachtgeschirr den penetrant scharfen Geruch von Altmänner- Urin mit einem Gemisch aus abgestandenem kaltem Zigarren-Rauch Haus und Hof verpestete. Sein Hauptaugenmerk galt dem Pferdekot. Eimerweise sammelte er auf dem Marktplatz die berühmten „Pferdeäpfel“ ein, um damit seinen Garten zu düngen. Bis 1959 musste Schöningen mit dem kalkhaltigsten Wasser Deutschlands (83 Härtegrade) vorliebnehmen. Aus umliegenden Dörfern kamen von Pferden gezogene Weichwasserwagen ins Städtchen. Und mit den Gespannen kam die Scheiße auf den Markt. Das war Hoffs Stunde.

Ansonsten schlichen die Leute zu Schöningen nach dem Zweiten Weltkrieg wie geprügelt durch die Gassen. Man musste nicht lange suchen, es wimmelte überall von deutschen Kleinbürgern. Ihr Lebensziel offenbarte Knauserigkeit mit bornierter Behaglichkeit. Damals, nach dem Krieg, hatten sie alle noch nicht sehr viel. Nur das Wenige galt es sogleich zu schützen, zu verteidigen wie ein Bollwerk zu barrikadieren – gegen das Fremde; Flüchtlinge, Zugereiste.

Dabei hatten sie immer geglaubt, gehofft, sich auf Seiten der Sieger wieder zu finden. Jedes Mal beschied ihnen die Geschichte den Verlierer-Gang. Nicht einmal, nein, immer wieder. Vornehmlich im Südosten Niedersachsens, der Metropole Braunschweig, in Städten Helmstedt, Schöningen, Schöppenstedt und seinem Umland, tritt „kleinbürgerliche Radikalität an die Stelle des ländlichen Konservativismus“, urteilte der Braunschweiger Oberlandesgerichtspräsident Rudolf Wassermann (*1925+2008) . Die Menschen dieser Region ließen sich wetterfühlig schon oft von extremen Bewegungen mitreißen. In der Stadt Heinrich des Löwen zwangen 1918 die Bürger den Welfen-Herzog Ernst August (*1897+1953) zum Thronverzicht.

In der Weimarer Republik (1918/19 bis 1933) liefen sie Fahnen schwenkend erst den Roten nach. Dort, wo dann der sozialdemokratische Krankenkassen-Angestellte und spätere DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl (*1894+1964) zum Justizminister ernannt wurde, marschierten wenige Jahre später 1931 riesige SA-Kolonnen stundenlang durch das Stadt-Zentrum. Im Jahre 1932 wurde der Österreicher Adolf Hitler (*1889+1945) vom Braunschweiger Innenminister – wie von Gott gegeben und gewollt – zum Regierungsrat ernannt, damit er deutscher Staatsbürger wurde und für die Reichstagswahl 1933 kandidieren konnte.

Nach der deutschen Kapitulation – der Befreiung im Jahre 1945 – hissten Schöningens Bürger gleich zweimal zusammengeflickte weiße Tücher ihrer eilfertigen Ergebenheit; erst vor amerikanischen Panzern, sodann vor britischen Haubitzen. Fünf Kilometer oder knappe vier Autominuten von Schöningen entfernt – am Zonenrand – lauerte in Hötensleben fortan die Rote Armee hinter ihrem Rücken. Drohgebärden. Schreie vergewaltigter Frauen … … Schweigen.

Mittlerweile sind Wahnsinns-Zahlen historisch verbrieft, an ihnen gibt es nichts mehr zu deuteln. Mehr als drei Millionen Rotarmisten sind in deutscher Kriegsgefangenschaft gestorben oder gar ermordet worden. Mehr als eine Million deutscher Soldaten sind in sowjetischen Lagern umgekommen.

Eroberungen und Vergewaltigungen von Frauen wohnt ein kausaler, geradezu zwanghafter Automatismus inne. Für Männer hat es offenbar eine Folgerichtigkeit, ihre kriegerische Omnipotenz an Frauen auszuleben. In Zahlen: Im Großraum Berlin wurden 110.000 Frauen und Mädchen Opfer flächendeckender Massenvergewaltigungen; Tür um Tür, Etage um Etage, Keller um Keller. In den Ostgebieten waren es Hunderttausende von Frauen wie Mädchen, denen ihre Kleider heruntergerissen wurden. Sie hatten nicht den Hauch einer Chance zu fliehen oder sich gar zu verstecken. Die in Ostpreußen geborene Publizistin Marion Gräfin Dönhoff (*1909+2002) 14schilderte wenige Jahre vor ihrem Tod, was wirklich geschah: „Tatsächlich waren nackte Frauen in gekreuzigter Stellung ans Scheunentor genagelt, zwölfjährige Mädchen vergewaltigt worden.“

Als kleiner fünf- oder auch sechsjährige Junge plagten mich auf dem Fenstersims mit Blick auf den Markt Ängste vor den Russen, obwohl ich einen Sowjet-Soldaten noch nicht einmal von weitem gesehen hatte. Unter einem Russen stellte ich mir bildlich einen großen Elefanten vor. Ein furchterregendes Mammut-Ungeheuer, das mit Stoßzähnen, seinem langen Rüssel von durchdringenden Trompetenlaute begleitet alles niedermachen, alles zerstören, alles töten konnte.

Das war der Russe – ein baumgroßer Gorilla – mindestens. Der bedrohte mich. Er ließ mich des Nachts nicht ruhig schlafen. Dieser Fantasie-Mensch hielt mich in seinem Bann gefesselt. Unverarbeitete Ängste rissen mich nachts aus meinen Träumen, ließen mich schlafwandelnd das Fenster aufreißen und hilfeschreiend auf den Markt plärren: „Hilfe, Hilfe, die Russen sind da.“ Es ist auch vorgekommen, dass ich im Pyjama direkt auf den Marktplatz in das gegenüberliegende Polizeirevier gerannt bin. Ob jung oder alt – wir hatten ja alle abgründigen Vorahnungen von dem, was sich hinter dem nahezu alles umspannenden Stacheldraht – dem Todesstreifen verbergen mochte.

Es waren jene denkwürdigen Tage um den 4. November 1956, an denen russische Truppen mit Brachialgewalt Ungarn überfielen, um die legitime demokratische Regierung der Ungarischen Volksrepublik zu stürzen. In Schöningen gab es derweil kein anderes Thema. Ich hörte zu. Ich war dabei. Ich erlebte mit. 15.000 Männer und Frauen versuchten die Sowjets mit ihren heranrückenden 16 Divisionen aus der Hauptstadt Budapest zu vertreiben. Vergeblich.

Etwa 200.000 Menschen flohen, 2.500 ließen ihr Leben. Und im weit entfernten Schöningen zitterte die Bevölkerung mit. Ungarn in Schöningen? Es gab wohl niemanden, der eine russische Invasion, etwa in einer militärischen Nacht-und-Nebel-Aktion nicht für möglich, in diesen wirren, angespannten Zeiten des Kalten Krieges für unwahrscheinlich hielt. – Fünf Kilometer oder vier Autominuten zum Krieg – die Rote Armee lauerte in Hötensleben. Todesängste …

Die Menschen strömten schweigend in sich gekehrt in das dreischiffige, gotische Kirchengebäude von St. Vincenz. Sie hatten sich nicht abgesprochen. Aber sie kamen. Der verhaltende Glanz, Stilelemente aus Renaissance und Barock, wirkten wie Balsam auf angekratzte Gemüter. Überfüllt war das Kirchen-Schiff bis hin zum Altar. Angst hatten sie. Eingehakt hockten sie auf den Bänken, sangen und sangen. „Ein feste Burg ist unser Gott …. – „Harre meiner Seele, harre des Herrn. … In allen Stürmen, in aller Not wird er dich beschirmen, der treue Gott.“ Charismatisch war die Ausstrahlung des Pastors Walter Menzel (*1903+1991) . Der Theologe, der in seiner kirchlichen Funktion eigentlich auch ein Psychotherapeut war, erinnerte daran, „dass wir als Menschen immer auch aus der Finsternis eigener Verlorenheit und Hilflosigkeit zu Gott kommen, aus unserer Nacht in sein Licht.“ Linderung für zerrissene Seelen jener fünfziger Jahre im letzten Jahrtausend. – Schöningen.

Verständlich, dass Frauen wie Männer aufgewühlt ihrem Tagwerk – meist im Braunkohle-Tagebau – nachgingen. Nachvollziehbar auch, dass die Gegner von einst, Amerikaner oder auch Engländer, wie Befreier auf dem Marktplatz umjubelt wurden. Wenn auch nur ein Jeep vor dem Rathaus auftauchte – Beifall war ihnen gewiss. Tommys und GIs betrieben oben auf dem Golfplatz eine Spionage-Abhörstation, hörten russische Telefongespräche bis in den Ural ab.

Jedenfalls kannte meine Großmutter, die Mämä, in ihrem Frauenkreis an den Kaffee- Kuchen-Sonntagen unablässig nur ein sie beherrschendes Thema mit ihren Freundinnen, den Damen Wollny, Kassebaum, der Flüchtlings-Frau Zirkler, der Krieger-Witwe Schlichting oder auch der Elle Dittmer. Schreckensberichte, Schreckenserlebnisse, Vergewaltigungen über Vergewaltigungen, Traumata über Traumata angerichtet von Männern, die in diesem Fall aus der Sowjetunion kamen und Hötensleben der Zipfel des Westens bedeutete. Sie saßen einträchtig am Nierentisch neben der obligaten Tütenlampe. Ihre Verlassenheit, aber auch die Verlassenheit des Grenzstädtchens Hötensleben war in der Silhouette des abendlichen Sonnenuntergangs spürbar; Wassertürme, Grenztürme, einstöckige Backsteinhäuser mit Pacoplatt-Verkleidung, vor jedem Haus eine Buche.

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