Reimar Oltmanns - Keine Zeit für Wut und Tränen

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Acht Stunden sind kein Tag und achtundsechzig Jahre nicht das ganze Leben. Reimar Oltmanns zeichnet seine Autobiografie auf, die sich wie ein Roman liest, um Vergangenes, Verdrängtes, Vergessenes ins Blickfeld zu rücken. So entstand ein subjektives Dokument der Zeitgeschichte von einer Offenheit, auch Gesellschaftskritik. Er traf in Deutschland und anderswo auf Charaktermasken und Karrieristen, deren Bilder sich wie Fratzen tief in sein Gedächtnis eingegraben haben.

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Ich bin nach meinem Fußweg entlang alter und neuer Gräber, vorbei an vom Wetter zerfressenen Steinen, zerborstene Inschriften wieder am Kapellen-Portal des Friedhofs meiner Heimatstadt angekommen. Wieder suchen meine weiten Blicke ein Schäferidyll im Irgendwo. Wieder halte ich Ausschau nach Männern in schwarzen Anzügen mit weißen Handschuhen.

In meiner Fantasie vom Friedhof und Tod muss sich solch ein harmonisch-anheimelndes Bild festgezurrt haben. Klar und bitterkalt ist die Luft. Über allen Wipfeln ist Ruh – an diesem Nachmittag fast menschenleer. Wenn da nicht Spaziergänger mit oder ohne Hund, junge Mütter mit Kinderwagen oder auch junge Pärchen mit Thermoskanne und Brötchentüte zwischen den Grabreihen schlenderten. Dieser Friedhof ist nicht nur für mich ein Stück Heimat geworden. Tempi passati, die Zeit – unsere Zeit, meine Zeit ist vergangen, verrauscht, verhuscht, verpfuscht, verflossen und verweht – wir vergehen mit, bemerkte der österreichische Schriftsteller Jean Améry (*1912+1978) in seinem Büchlein „Über das Altern“ 11.

Der Tod ist gemeinhin der Höhepunkt des Lebens, so heißt es vielerorts. Der Trauer um den Verstorbenen folgte schon immer eine Inszenierung für die Nachwelt. Das wissen wir hinlänglich. Letztendlich bedürfen all die Schwermut, Trübsinn und Kummer eines Platzes der Erinnerung des Gedenkens, Friedhöfe genannt. Vornehmlich auf solch einem Todesacker werden sich die Menschen ihrer Endlichkeit bewusst.

Von der gegenüberliegenden Müller-Mühlenbeinstraße wirbelt leise eine Trommel aus angrenzenden Häusern. Ich schließe meine Augen, sehe mich an einem Hang stehen. Hinter mir mein vorbeigerauschtes Leben. Ja, sicherlich doch – das war schon ein wenig so, wie Winston Spencer Churchill (*1874+1965 ) einst pathetisch formulierte, indem er schrieb: „Das Leben ist wie ein Theaterstück. Zuerst spielt die Hauptrolle. Dann die Nebenrolle. Dann souffliert man den anderen, Und schließlich sieht man zu, wie der Vorhang fällt“.

Natürlich stellte ich mir die Frage, ob sich die junge Generation, für Lebensgefühle und Alltagsbedingungen früheren Jahrzehnte noch interessieren mögen. Augenblicke sind gefragt. Sie gilt es, im zugedröhnten Hier und Jetzt auszukosten.

Ich hingegen machte mich vom Friedhof auf ins Zentrum der Heimatstadt Schöningen am Elm zu meinem Geburtshaus auf dem Marktplatz, den ich nach zwei Jahrzehnten wiedersah. Ich wollte leben, an meiner Autobiografie schreiben, an der vorgefühlten Grenze zum Tod zurück ins Leben finden. Dort in diesem Kleinstädtchen hatte ich in Jahren des Kalten Krieges zwischen Ost und West meine prägende Kindheit verbracht. Ich begann mein Buch zu schreiben: „Reporter-Leben in wilden, zerrissenen Jahren. Keine Zeit für Wut und Tränen Das Fremde wird nah – die Nähe fremd. Kein Ort nirgendwo.“

Aukrug in Schleswig-Holstein, Juli 2017 R.O.

Kein Ort nirgendwo - Ichgrenzen in einem Städtchen

Schöningen am einstigen Zonenrand

In der Heimat vermisst dich niemand, in der Fremde erwartet dich niemand.

György Konrad in einem Essay über das Verschwinden zu Lebzeiten

Als Bub schaute ich vom Fenster oben herab auf Menschen und Geschehen. Meist an den Sonntagnachmittagen durfte ich im gut gepolsterten Sessel meiner Großmutter Platz nehmen und auf den Marktplatz luchsen. Unisono graue Putz-Fassaden galten meinem Blickfang, versteckten seinerzeit filigranes Fachwerk-Gemäuer in gegenüberliegender Häuserfront. Diese Welt war eng, die übertünchten Fassaden noch kleiner, der Marktplatz entsetzlich klein. Es war das Milieu der deutschen Kleinbürger-Gesellschaft aus Einzelhändlern, Handwerkern, Beamten und ehemaligen Parteigenossen der NSDAP.

Es waren Menschen, die den Zusammenbruch Deutschlands 1945 seelisch nicht verkraftet hatten, flüsternd versteht sich; die nunmehr ungewohnten Zeitläufte fortlaufend beklagten. Auf diesem Kopfsteinpflaster im Kleinstädtchen Schöningen mit seinen 15.000 Bewohnern im Braunschweigischen Land, ganz nah der Zonengrenze, brodelte freilich nur auf wenigen Hunderten Quadratmetern Leben, Flüchtlingsleben, Schwarzmarkt-Leben, Besatzer-Leben in den frühen fünfziger Nachkriegs-Jahren. Ansonsten wurde geschwiegen. Betretene, auffällige Ruhe.

Heute kommt es mir vor, als habe meine Kindheit nur Schwarz-Weiß-Farbtöne gekannt. Meine Welt, das war seinerzeit der äußerste Zipfel des alten Westens. Am Sonntag kletterten wir unter Obhut der Zöllner auf die Hochstände hinauf und sahen „rüber“; schauten neugierig, was hinter dem Todesstreifen zwischen BRD und DDR passieren mochte. Verminte Stille, Grenz-Schäferhunde. Es war noch immer irgendwie Krieg – Nachkriegs-Zeit. Männer ohne Beine, Frauen mit großen Kopftüchern.

Irgendwie schien die Zeit stehen geblieben zu sein; zumindest lebten viele Menschen in diesem Städtchen zu Schöningen wieder so unbedacht wie einst zur Jahrhundertwende. Dabei war Aufbruch angesagt, am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz in Kraft; die liberalste Verfassung, die sich die Deutschen jemals gegeben hatte – die Bundesrepublik Deutschland als ein Garant der Meinungsfreiheit, der Menschenrechte war damit gegründet worden.

Nur in Schöningen fuhren sie noch mit Pferdewagen über Pflastersteine; einmal in der Woche kam der Jauchewagen, um die Plumpsklos abzuholen. Die Frauen schrubbten ihre Wäsche in Zuber, und jeder Fünfte lebt von seinem erarbeiteten Geld auf dem Bauernhof. Trotz aller Niederlagen, Entsagungen, Entbehrungen, Tod wie Leid – den im Braunschweigischen Land fällt der mentale Abschied vom Kaiserreich, Diktatur wie Unmündigkeit schwer, sehr schwer.

Dieses Schöningen in seiner duldsamen Normalität, im Volksmund geringschätzig als „schiet Scheinig“ abgetan, war ein unfreiwilliges Sittengemälde deutscher Kleinbürger und Bauern. Von weither hatten sich Kind und Kegel mit ihren Kutschen- und Handkarren bis ins Braunschweiger Land durchgeschleppt; aus den Masuren, Schlesien, aus dem Pommern Land. – „Maikäfer flieg. Der Vater ist im Krieg. Die Mutter ist in Pommerland, Pommerland ist abgebrannt. Maikäfer flieg.“ Wohl kein anderer Refrain umschrieb lebensnaher die Flüchtlings-Ohnmacht jener Jahre als das besungene Volkslied aus dem Dreißigjährigen Krieg um 1618. Wiederholungszwänge. Zeitlupen-Beobachtungen, die sich in meinem jungen Gedächtnis festzusetzen vermochten. Vielleicht auch deshalb, weil mich offenkundig diese sonderbar verzerrten, verlausten Köpfe Zeit meines Lebens nicht mehr loslassen sollten, mich wohl auch prägten.

Es sind Augen-Blicke von verängstigten, ausgemergelten Menschen, von gefurchten, abgerichteten Gesichtern, die auf dem durch Pferdekot und Pferdejauche verdreckten Kopfsteinpflaster Tage um Tage ausharrten. Augen der Angst, des Elends. Sie waren auf der Flucht. Und dieser besagte Marktplatz zu Schöningen vor meinem Elternhaus war nun einmal der hastige Umschlagsplatz gestrauchelter, entwurzelter Familien. Lebensschicksale auf dem Weg in die Ungewissheit, nach irgendwo in Deutschland, egal wohin; nur weg vom Russen, weit weg. Sie baten um Obdach, um warme Decken, Milch, Brot.

Dieser nach Fäulnis und Leichen riechende kleinstädtische Knotenpunkt war für zig Frauen ein Eldorado – ihre Rettung vor weiterer Männer-Gewalt, Soldaten-Gewalt. Historiker schätzen, dass allein von Januar bis Juni 1945 bis zu 1,9 Millionen Frauen missbraucht und geschändet wurden. Schweigen. Genaue, überprüfbare Zahlen gibt es nicht. Monat für Monat passierten durchschnittlich 200 aus den Ostgebieten von langen Fußmärschen ausgemergelte, versprengte Familien aus den einstigen Ostgebieten die Kontrollstation Hötensleben. Der Marktplatz in Schöningen bekam unablässigen Nachschub, füllte sich mit 20.000 hungrigen Mäulern wie von selbst. Insgesamt waren bis 1950 etwa 7,8 Millionen Deutsche gen Westen unterwegs.

Ich erinnere mich an meinen ersten Klassenlehrer Grunwald in der Wallschule. Ich war in diesem roten Backsteinbau am 17. April 1956 eingeschult worden. Grunwald war ein vom Kriege gezeichneter Pädagoge, der uns zuallererst beibrachte, den anderen ausreden zu lassen und nicht ständig ins Wort zu fallen. Toleranz war gefragt, auch wenn wir das nicht so nannten. Nachsicht hatte ich vor allem bitter nötig.

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