Eigentlich wollte ich vom Nordkap aus via Tromsø und Oslo nach Frankfurt fliegen. Per Zufall erfuhr ich, dass das Radar am Flughafen Nordkap seit einer Woche kaputt wäre. Das Ersatzteil sollte irgendwann aus Oslo kommen, doch bis dahin blieb der Flughafen geschlossen. Die Fluggesellschaft Widerøe, die hier oben mit kleinen Propellermaschinen verkehrte, setzte daher zweimal täglich einen Bus ins dreieinhalb Stunden entfernte Hammerfest ein, wie ich in einem Internetcafé herausbekam. Der Flughafen war, bis auf ein verirrtes japanisches Ehepaar, ausgestorben und es gab niemanden, der uns hätte Auskunft geben können. Eigentlich wollte ich erst am Folgetag die Heimreise antreten, fuhr aber schnurstracks zum Campingplatz, packte meine Sachen und radelte zum Flughafen zurück. Irgendwann kam ein Angestellter in Jeans und T-Shirt und meinte, der Bus käme gleich. Als er schließlich da war, wurde mein Rad eingeladen und, statt zu fliegen, rollten wir los. Weit kamen wir zunächst nicht, da es so heiß war und Rentiere schlaue Tiere sind. Um sich vor der Sonne zu schützen, lungerten sie in großer Zahl am schattigen Tunneleingang herum und blockierten ihn. Auf Hupen reagierten diese Wesen mit vollkommener Ignoranz, so dass der Busfahrer aussteigen musste und, wie von der Tarantel gestochen, laut brüllend in die Herde rannte.
So hatte wohl einmal ein Wikingerüberfall ausgesehen. Das Gebrülle und Herumlaufen verfehlte seine Wirkung am Ende nicht, und weiter ging es zum Flughafen Hammerfest, wo wir direkt, ohne jegliche Sicherheitskontrolle, ins Flugzeug nach Tromsø verfrachtet wurden. Nach einer ungeplanten Übernachtung flog ich von dort am nächsten Nachmittag nach Oslo. Leider hatte mein Rad diesen Flug nicht heil überstanden. Das gesamte Hinterrad war völlig verzogen, so als wäre eine ganze Meute Wikinger mit ihren Booten drüber gerudert, und ich konnte das Rad nicht mehr bewegen. Außerdem war auch der letzte Flug nach Frankfurt gerade gestartet.
Also stellte ich das Rad in der Gepäckaufbewahrung ab und danach schlug ich mich in die Büsche vom Oslo Airport. Denn der Flughafen liegt 50 Kilometer nördlich der norwegischen Hauptstadt, und in Norwegen herrscht ja das „Jedermannsrecht“. Nicht nur in Finnland sondern auch rund um den Oslo Airport gab es genug Wald. Mit meinen Radtaschen beladen, schlug ich hinter dem Frachtgebäude mein Zelt auf. Leider herrschte hier kein Nachtflugverbot, und so verbrachte ich eine mehr oder weniger unruhige Nacht. Morgens packte ich das Zelt ein und ging zu Fuß zum Flughafen zurück. Nach einer erfrischenden Dusche holte ich mein Rad ab, checkte ein und verließ schließlich das wunderschöne Skandinavien. Ein paar Stunden später hielt mein Radhändler in Mainz einen großen Reparaturauftrag in seinen Händen, der wenige Tage später von der Airline ohne zu zögern bezahlt wurde. Und nur wenige Monate später stand schon die nächste Radtour an, dieses Mal in Süd-Ost-Asien…
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