„Du kannst nichts dafür, dass wir so schlecht bezahlt werden.“
„Aber ich hätte einen besseren Job kriegen können.“
„Das hätte ich auch.“
„Und? Warum hast du es nicht?“
„Keine Ahnung. Wahrscheinlich nicht genügend Praktika gemacht, ein schlechtes Bewerbungsschreiben aufgesetzt, keine Kontakte. Was weiß ich.“
„Eben. Dasselbe bei mir. Keine Ahnung, aber hier sitzen wir nun.“
„2015 hätte besser laufen können.“
„Da sagst du was“, und tatsächlich lachte sie, wenn auch nur kurz. Er schenkte sich selbst Kaffee ein, die kurze Stille genießend, während ihm bewusst war, von ihren Augen verfolgt zu werden, ein wenig belustigt. Vielleicht sogar etwas interessiert.
„Was machst du an Silvester?“
Sie zuckte die Achseln. „Nichts besonderes, mit ein paar Freunden treffen, Raclette essen, trinken, viel trinken.“
„Danach in einen Club?“
„Nein, auf keinen Fall.“
„Wieso?“
„Zu teuer. Und irgendwie hab ich Angst, es könnte etwas passieren. Viele Menschen, alle am Feiern, niemand wird kontrolliert. Manche Plätze vollgepackt mit Leuten. Wenn jemand da einen Anschlag plant, wie sollte er aufgehalten werden? Naja, und abgesehen davon sind Silvesterpartys meistens schlecht oder zumindest viel schlechter, als man sie erwartet. Vor allem, wenn man richtig feiern geht. Alle denken, es müsse so eine supertolle Party sein, aber gerade die hohen Ansprüche sorgen dafür, dass man am Ende nur enttäuscht wird, dann besäuft man sich und landet mit irgendeinem ekelhaften Typ im Bett, nur weil man das neue Jahr nicht allein beginnen möchte.“
Also war sie single.
Er versuchte gar nicht zu überlegen, wann und ob er jemals ein neues Jahr mit einem One-Night-Stand hatte eröffnen können. Wahrscheinlich nicht, erschien ihm die spontane Antwort, noch bevor er seine Gedanken von dieser glücklosen Frage losreißen konnte.
„Und du, was sind deine Pläne?“
Für einen Moment wollte er erzählen zu einer guten Freundin zu gehen, vielleicht so etwas, wie ein Date zu haben, oder etwas, was darauf hinauslief oder darauf hinauslaufen konnte, bevor ihm einfiel, dass es nicht stimmte und das es in diesem Kontext sicher auch nicht hilfreich gewesen wäre, es zu erwähnen.
„Im Prinzip dasselbe. Ein paar Kollegen von hier machen eine WG-Party.“
„Achso? Wer denn?“
Er nannte die Namen, worauf sie nur mit den Schultern zuckte. „Ich bin noch nicht so lange hier. Die Namen sagen mir nichts. Aber klingt doch gut,“ und wie sie es sagte, ließ ihn sofort daran zweifeln, dass sie es glaubte. „Danach noch irgendwohin?“
„Keine Ahnung. Weiß nicht, was die anderen geplant haben. Wahrscheinlich irgendwo das Feuerwerk ansehen, aber auf Clubs habe ich auch keine Lust. Also, an Silvester mein ich. Sonst geh ich eigentlich ganz gerne. Aber an Silvester ist es eben so teuer und die Parissache hat mir auch etwas Angst gemacht.“
„Ja, es ist echt furchtbar. Manchmal verlasse ich auch spontan die U-Bahn, einfach nur, weil sie voll ist und mir der Gedanke kommt, was für ein einfaches Anschlagsziel das wäre. Ich muss nicht einmal etwas Verdächtiges sehen. Einfach der Gedanke daran reicht oft schon. Hoffentlich ist dieser ganze Spuk bald vorbei.“
„Hoffe ich auch. Aber woher sollen wir wissen, wann es vorbei ist?“
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