Zwei Wochen später hatte ich drei Kilo zugenommen und sah um einiges besser aus. Ich war nicht mehr so abgemagert, meine Augen waren wieder normal und meine spröden Lippen hatten sich geschlossen. Persephone hatte einfach begnadete Hände. Sämtliche Fleischwunden waren narbenlos verheilt, sogar die Armbrustwunde. Ich war noch zu schwach zum Aufstehen, deshalb brachten mir Leo und Persephone immer Essen rauf. Leo quatschte unendlich mit mir, wir holten die 14 Jahre wieder auf, in denen wir nur unsere Briefe hatten. Und er war mehr als bestürzt, als er hörte was sie mir alles angetan hatten. Persephone hatte die Wunde gezeigt und wäre sie nicht seine Frau gewesen, hätte er sein Elfenschwert genommen und wäre post wendend zu Alavin gelaufen. Leo war ein Kunstelf. So nannte ich jedenfalls seinen Stamm. Sie waren begnadet in sämtlichen künstlerischen Handwerken, Schnitzen, Töpfern, Malen, Bildhauern. Alles konnte er. Und zur Kunst zählten Elfen auch die Sprache. Überall wo er gewesen war, und das waren viele Länder, konnte er die Sprachen fließend sprechen, als wäre er ein Einheimischer.
„Deine Haare gehören geschnitten.“ bemerkte er, als seine Finger versuchten durch meine widerspenstige, verfilzte Mähne zu gleiten. „Ich weiß, aber ich sehe so aus, weil sie mir nie eine Schere gegeben haben.“ erklärte ich nüchtern. „Persephone will dir das sowieso die ganze Zeit machen. Sie wird dich bald baden und dir die Haare zurechtmachen. Ich hoffe, dass sie nicht allzu viel wegschneiden muss, ich mag diese Farbe.“ sagte er und küsste mich auf die Stirn. Er streichelte meine Hände. „Du bist groß geworden in all den Jahren. Und ich alter Mann sehe immer noch das kleine glückliche Mädchen vor mir sitzen, das du einmal warst.“ „Alter Mann, haha. Du siehst nicht älter aus als 40.“ stellte ich fest. Er seufzte. „Du weißt Elfen altern so gut wie gar nicht.“ „Natürlich.“ Ich lächelte. Dann lehnte ich mich an seine Schulter. Sanft streichelte er mir das Haar. „Es wird jetzt alles gut werden. Du bist dieser Hölle entkommen.“ Ich atmete einige Male tief durch. Dann richtete ich mich auf. „Wieso könnt ihr mich ansehen?“ fragte ich ihn. „Du meinst diesen- Fluch.“ Ich nickte. „Die Wachen haben davon gesprochen. Als ich Cinnamon losgeschickt hatte, um dich zu holen, hörten wir, dass auf deinem Gesicht drei Flüche liegen.“ „Ja, der, der Menschen sich in mich tödlich verlieben lässt, der, der Elfen Höllenqualen zufügt und der, der verhindert, dass ich in die Sonne treten kann.“ Er nickte. „Du weißt, wie gut ich in Magie bin. Deshalb habe ich über uns drei mehrere Schutzzauber gesprochen. Ich wollte nicht, dass du uns durch Brillen oder so etwas ansehen musst und denkst wir würden uns vor dir fürchten.“ „Wer ist Cinnamon? Dein Neffe?“ fragte ich ihn. Er lachte auf. Das Lachen kam aus dem tiefen Inneren seines Brustkorbes, ließ ihn vibrieren, stieg zu seinem Kehlkopf auf, der das Ganze zu einem angenehmen Summen vereinigte. Als sein Lachen abebbte sah ich ihn verwirrt an. Er lächelte. Seine Augen blitzten. „Cinnamon ist mein Sohn.“
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