»Hallo Jakob! Ist schon eine Weile her, was? Wenn Ihr dies hier seht, bin ich bereits tot, und der junge Owen hat sich auf die Suche nach Euch gemacht. Achtet mir gut auf ihn. Er ist mutig, aber kein Krieger. Verbringt seine ganze Zeit damit, über Büchern und Geschichten zu brüten. Fragt mich nicht, von wem er das hat. Nicht ganz das, was ich für meinen Sohn und Erben im Sinn hatte, aber ich hoffe, daß ihn die Distanz zu mir wenigstens schützt, wenn die Dinge schieflaufen. Ich würde gerne glauben, daß alles am Ende zu etwas gut war.
Jakob, laßt unsere Sache nicht fallen, nur weil ich tot bin.
Kämpft weiter. Ich will nicht umsonst gestorben sein.
Owen, mein Sohn. Wenn alles nach Plan verlaufen ist, dann befindest du dich im Besitz des Todtsteltzer-Rings. Achte gut auf ihn. In ihm sind die Koordinaten des Planeten Shandrakor verborgen, wohin der Erste Todtsteltzer, der Gründer unseres Clans, vor vielen Jahrhunderten fliehen mußte, als er am Hof in Ungnade gefallen war. Lerne nun das große Geheimnis unserer Familie, mein Sohn: Er ist nicht tot. Der Erste Todtsteltzer liegt in seiner Fluchtburg auf Shandrakor in einem Stasisfeld, und dort befindet sich auch eine große Waffenkammer, in der uralte und verbotene Waffen lagern. Du mußt nach Shandrakor gehen und ihn wecken. Er weiß viele geheime Dinge, einschließlich des Orts, an dem der
Dunkelwüsten-Projektor verborgen ist. Mit dieser Waffe, die seit vielen Jahrhunderten verschollen ist, werden deine Kräfte allem ebenbürtig sein, was das Imperium gegen dich aufzubieten vermag.
In meinem Ring verborgen findest du auch die Koordinaten der verlorenen Welt Haden , der Heimat der aufgerüsteten Krieger. In der Gruft von Haden findest du eine ganze Armee von ihnen. Sie liegen in Stasis und warten darauf, erweckt zu werden. Unsere Familie hat in der Vergangenheit Geschäfte mit ihnen gemacht, und sie schulden uns etwas. Sie werden deinen Namen respektieren und an deiner Seite kämpfen. Wie weit du ihnen vertraust, liegt an dir.
Es tut mir leid, daß ich dir all das aufbürden mußte, mein Sohn. Es war nie beabsichtigt, daß du eines Tages eine solche Last tragen solltest. Aber mir scheint, wir haben einen Verräter in unserer Mitte. Einer nach dem anderen wurden alle Schlüsselfiguren in unserer geplanten Rebellion enttarnt und getötet. Ich kann nur annehmen, daß auch meine Zeit bald gekommen ist. Ich habe die KI mit allem beladen, von dem ich glaube, es könnte dir vielleicht nützlich sein, und die Dateien so tief in ihr versteckt, wie es nur möglich war. Dies ist meine letzte Botschaft; es wird keine weitere geben. Du bist jetzt auf dich alleine gestellt, Owen, mein Sohn. Ich wünschte… ich wünschte, wir hätten mehr miteinander geredet. Ich weiß, daß du meine Intrigen nie gutgeheißen hast, oder unsere Sache, aber ich hoffe, du hast in der Zwischenzeit erkannt, warum es so wichtig für mich war. Ich hoffe, du hast unsere Sache inzwischen zu deiner eigenen gemacht. Sei stark, mein Sohn. Tu, was du tun mußt.
Ich war kein wirklich schlechter Vater, oder? Ich weiß, daß ich nicht so oft für dich da war, wie ich eigentlich hätte da sein sollen, doch es gab immer so viele dringende Angelegenheiten zu erledigen. Denke nie, ich hätte dich nicht geliebt. Du kannst Jakob Ohnesorg vertrauen. Er ist ein guter Mann. Ich denke dauernd, daß ich noch etwas sagen müßte, aber mir fällt nichts mehr ein. Lebewohl, Owen. Lebewohl.«
Das Hologramm schaltete sich ab, und Owens Vater verschwand. Lange Zeit herrschte Schweigen in der Lounge der Sonnenschreiter . Jakob Ohnesorg seufzte schwer.
»Noch ein Kamerad, der nicht mehr bei uns ist. Ich hätte nie für möglich gehalten, daß ich so viele gute Freunde überleben würde.«
»Bist du in Ordnung, Owen?« fragte Hazel.
»Ja ja. Mir fehlt nichts. Er tut es noch immer. Er versucht noch immer, mir mein Leben vorzuschreiben.« Owen versuchte, wütend auf seinen Vater zu sein, aber zum ersten Mal in seinem Leben wollte es ihm nicht gelingen. »Es macht mich ganz verrückt, daß mir wirklich keine andere Wahl bleibt, als seinen Plänen zu folgen und seine kostbare Sache aufzunehmen, ob ich daran glaube oder nicht. Allein schon um zu überleben. Er zieht immer noch die Fäden, selbst nach seinem Tod.«
»Ich dachte immer, der Erste Todtsteltzer sei tot«, sagte Hazel. »Ich meine, ich habe auf Golgatha das Holo seiner Gruft gesehen.«
Owen nickte geistesabwesend. »Die Geschichte besagt, daß er gejagt und gestellt wurde und daß die Schattenmänner ihn schließlich vor neunhundertdreiundvierzig Jahren getötet haben. Vierhundert Jahre später wurde seine Unschuld festgestellt, und er wurde rehabilitiert. Sie haben ihm sogar ein Denkmal errichtet. Ich frage mich, wessen Körper sie in die Gruft gelegt haben…
Nun, jedenfalls haben wir jetzt wenigstens eine Wahl, wohin wir als nächstes gehen, oder? Nach Shandrakor , um meinen Urahnen zu suchen, oder nach Haden , um eine Armee aufzuwecken.«
Tobias Mond fixierte Owen mit seinen beunruhigenden goldenen Augen. »Ich warte seit langer Zeit darauf, wieder bei meinem Volk zu sein.«
»Nun, Ihr werdet wohl noch etwas länger warten müssen«, sagte Ohnesorg. »Wenn es auf Shandrakor wirklich eine geheime Waffenkammer gibt, dann müssen wir zuerst dorthin.
Ganz besonders, wenn der Dunkelwüsten-Projektor dort verborgen liegt.«
»Das hier ist immer noch mein Schiff«, sagte Owen. »Ich entscheide, wohin wir fliegen.«
»Dann fang mal an, Todtsteltzer«, brummte Ruby Reise, die während der ganzen Zeit mit einem bösartig aussehenden Dolch ihre Fingernägel bearbeitet hatte. »Eine Menge Leute suchen nach dir, und ich schätze, wir sollten besser nicht mehr hiersein, wenn sie eintreffen.«
»Da hat sie recht«, stimmte Hazel zu.
Owen nickte. »Wir gehen nach Shandrakor . Wenn mein werter Vorfahre dort ist, dann kann er zusammen mit Jakob die Rebellion übernehmen, und vielleicht kann ich mich dann aus dem Geschehen zurückziehen und endlich wieder Ruhe finden. Oz, fahr die Maschinen hoch. Wir starten.«
»Jawohl, Owen. Ich habe eine neue Nachricht vom Kontrollturm.«
»Stell sie durch.«
» Sonnenschreiter , hier spricht die Sicherheitsbehörde von Nebelhafen «, meldete sich eine barsche Stimme. »Ihr habt keine Starterlaubnis. Ich wiederhole, keine Starterlaubnis.
Schaltet Eure Maschinen ab; unsere Leute werden in Kürze an Bord kommen.«
»Da würde ich aber kein Geld drauf verwetten« brummte Owen. »Oz, wie weit sind wir?«
»Sag nur das Wort, Owen.«
»Dann los.«
Die KI unterbrach mitten im Gespräch die Verbindung zum Kontrollturm, und die Sonnenschreiter sprang förmlich von der Landeplattform in den Himmel. Rasch nahmen ein paar Schiffe die Verfolgung auf, aber sie hatten keine Chance, die Sonnenschreiter einzuholen. Owens Schiff schoß durch die Atmosphäre und begab sich in einen Orbit, bereit, jederzeit in den Hyperraum zu springen. Und genau in diesem Augenblick liefen die Dinge erst richtig aus dem Ruder.
»Ah, Owen«, meldete sich Ozymandius. »Wir haben ein Problem. Zwei Imperiale Sternenkreuzer haben Kurs auf uns genommen. Sie scheinen bereits im Orbit auf uns gewartet zu haben. Sie eröffnen das Feuer! «
»Schilde hoch!« gellte Owens Stimme durch die Lounge.
»Ich dachte, wir hätten diese Bastarde auf Virimonde abgehängt! Was zur Hölle tun sie hier?«
»Aus allen Rohren auf uns feuern«, erwiderte Ozymandius leidenschaftslos. »Die Schilde halten noch, aber ich weiß nicht, für wie lange. Sie sind nicht dazu geschaffen, soviel auszuhalten.«
»Zwei Sternenkreuzer?« fragte Jakob Ohnesorg ungläubig.
»Zwei verdammte Sternenkreuzer?«
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