Simon Green - Der Eiserne Thron

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Im Jahre des Herrn 22--: Mit eiserner Faust regiert Ihre Majestät Kaiserin Löwenstein XIV. das galaktische Imperium.
Plebejer und Adel leiden gleichermaßen unter ihrer Knute.
Owen Todtsteltzer, Lord von Virimonde, Letzter einer Linie berühmter Krieger, versucht sich der Aufmerksamkeit und den Launen der Herrscherin zu entziehen – und fällt gerade dadurch in Ungnade. Unversehens wird, ein Kopfgeld auf Owen ausgesetzt, und er muß zur zwielichtigen Nebelwelt fliehen, wo er eine Truppe ungleicher Verbündeter um sich schart. Ihr Ziel: den Eisernen Thron zu stürzen…

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»Ich bin überrascht, daß Ihr nichts davon gehört habt. Zu meiner Zeit war die Geschichte ziemlich bekannt. Aber ich schätze, das ist schon zu lange her, und meine Geschichte ist nicht mehr so bekannt, wie sie es eigentlich verdient hätte. Ich war ein unbedeutender Sohn aus einem noch unbedeutenderen Haus. Ich trank viel, spielte und betätigte mich ein wenig hier und ein wenig dort, und die ganze Zeit über häufte ich nichts als Schulden an. Dann schwängerte ich eine Dienstmagd, und meine Familie schickte mich zu einem Minenplaneten in der Nähe des Abgrunds , um mich von weiteren Dummheiten abzuhalten. Der Planet hieß Trigann . Es war ein entsetzlicher Ort.

Ich hatte vorher noch nie einen Fuß außerhalb meiner wohlbehüteten Welt gesetzt, und ich war entsetzt, wie die anderen achtundneunzig Prozent der Menschheit ihr Leben fristeten.

Die Umstände, unter denen die Minenarbeiter arbeiten mußten, und die Art und Weise, wie man sie und ihre Familien behandelte, waren sogar nach dem offiziellen Standard des Imperiums eine Schande, und als sie schließlich rebellierten, unterstützte ich sie, anstatt ihren Aufstand blutig zu beenden.

Irgendwann war ich dann ihr Anführer, und genau wie Ihr hatte ich etwas gefunden, in dem ich sehr gut war. Also blieb ich dabei.

Ich zog von Planet zu Planet und predigte Ungehorsam, und ich stellte Armeen auf, um die Schwachen und Wehrlosen zu schützen und die Schuldigen zu bestrafen. Die Übermacht war immer auf der Seite unserer Gegner, trotzdem gewannen wir ein paarmal, hin und wieder jedenfalls. Oft genug, um meinen Namen zu einer Legende zu machen. Ich wurde quer durch das gesamte verdammte Imperium gehetzt.«

»Und dann schnappten sie dich.«

»Ja. Ich wurde allmählich alt und langsam, und dann beging ich den Fehler, den ich schon so oft begangen habe. Ich vertraute den falschen Leuten. Ich war immer viel zu leichtgläubig.« Ohnesorg verstummte und starrte eine ganze Zeitlang schweigend auf seinen halbverzehrten Proteinwürfel, als könne er ihm ein Geheimnis entreißen. Schließlich fuhr er fort.

»Sie zerbrachen mich. Ich war so sicher, daß ich vorher sterben würde, aber ich starb nicht. Am Ende hätte ich alles gesagt, was sie von mir hören wollten, hätte jeden verraten, den ich kannte, nur damit die Foltern aufhörten.«

»Aber du hast niemanden verraten.«

»Nein, es kam nicht dazu. Es stellte sich heraus, daß ich noch wirkliche Freunde besaß. Sie befreiten mich, obwohl die meisten von ihnen dabei ihr Leben ließen. Ich kannte nicht einmal ihre Namen.«

Ruby nickte verständnisvoll. »Am Ende zerbrechen sie jeden.«

»Ja, am Ende zerbrechen sie jeden. Selbst Legenden wie Jakob Ohnesorg. Manchmal denke ich, er starb damals in der Zelle, und ich bin nur noch sein Schatten. Meine wirklichen Freunde hatten mich nicht im Stich gelassen, aber ich ließ sie im Stich. Ich wollte ihre neue Rebellion nicht anführen. Ich wollte ihnen nicht in ihrem Kampf helfen. Ich wollte nichts anderes mehr, als mich irgendwo in der Dunkelheit zu verstecken, wo meine Folterknechte mich nicht finden konnten.

Nach einer Weile erkannten meine Freunde, daß ich es ernst meinte und daß ich ihnen weder im Augenblick noch in Zukunft je wieder nützlich sein würde, trotzdem gaben sie mich immer noch nicht auf. Sie schmuggelten mich nach Nebelwelt , dem einzigen Ort in der Galaxis, wohin mir das Imperium nicht folgen würde. Ein Planet, auf dem jeder seine Geheimnisse mit sich herumträgt, aber niemand sich darum kümmert. Ich tauchte unter und verschwand. Ich nahm einen neuen Namen an. Es war überhaupt nicht schwer. Ich sah nicht wie ein legendärer Rebell aus. Ich genoß es, Jobe Eisenhand zu sein. Niemand erwartete etwas von einem Hausmeister.«

»Die ganze Zeit unter den Augen der Öffentlichkeit, und niemand hat dich erkannt«, seufzte Ruby Reise. »Ich hab’ eine Menge Zeit mit der Suche nach dir verbracht. Ich hätte das Geld auf deinen Kopf gut gebrauchen können. Und da warst du, direkt unter meinen Augen!« Sie grinste leicht.

»Aber ich bin froh, dich damals nicht gefunden zu haben. Ich wäre so enttäuscht gewesen. Jetzt bist du anders.«

Ohnesorg hob die Augenbrauen. »So, bin ich?«

»Sicher. Du wachst langsam auf, Jakob Ohnesorg. Du bist noch nicht wieder der alte, aber du bist auf dem besten Weg dorthin. Wie kommt’s, Ohnesorg? Was hat dich hinter deinem Ofen hervor und zurück ins Rampenlicht gelockt?«

»Ihr wollt die Wahrheit hören? Ich habe mich gelangweilt.

So einfach ist das. Ich mache mir die meiste Zeit über noch immer vor Angst fast in die Hosen, und meine Hände fangen an zu zittern, wenn sie denken, daß ich nicht hinsehe, aber alles ist besser, als einen verdammten Besen durch die Gegend zu schieben. Es gab eine ganze Reihe von Tagen, an denen mir sogar der Tod besser schien. Und jetzt bin ich hier, zum letzten Kampf des alten Champions, der seine beste Zeit schon lange hinter sich hat.«

»Du hast dich im Dschungel von Shandrakor verdammt gut gehalten«, sagte Ruby. »Ich kenne massenhaft Leute, die nicht lange genug überlebt hätten, um die Todtsteltzer-Fluchtburg zu erreichen. Mach dich nicht schlechter als du bist, Ohnesorg. Ich hatte nie viel übrig für Legenden, weißt du? Ich habe zu viele von ihnen getötet, immer auf der Suche nach einer richtigen. Sie starben alle genauso leicht wie jeder andere Mensch auch. Du beeindruckst mich ein gutes Stück mehr als die meisten von ihnen.«

»Oh, danke«, entgegnete Ohnesorg. »Gut, daß Ihr mich auf Nebelwelt nicht gefunden habt, was? Es wäre eine Schande gewesen, wenn ich Euch hätte töten müssen, bevor wir uns kennenlernen konnten.«

Ruby grinste und bot ihm ihre Flasche an. »Magst du einen Schluck?«

»Ich wünschte, ich könnte. Aber mein Körper kommt nicht mehr damit klar. Die Nieren haben ein paar Schläge zuviel abgekriegt. Ihr trinkt, und ich sehe Euch zu. Ich genieße es indirekt.«

»Geht dir das mit all deinen Vergnügungen so?«

»Nicht unbedingt«, erwiderte Ohnesorg. »Wenn ich zwanzig Jahre jünger wäre, dann würde ich Euch jetzt um diesen Tisch herum jagen.«

»Großartig«, brummte Hazel an der Tür. »Genau das, was uns noch gefehlt hat. Eine betrunkene Kopfgeldjägerin und eine geile Legende. Die Imperialen Truppen werden einen Blick auf uns werfen und sich vor lauter Entsetzen in die Hosen pissen.«

»Ich bewundere den Mut des Mannes«, sagte Owen, der neben Hazel getreten war. »Ich für meinen Teil würde nicht freiwillig näher als drei Meter an Ruby Reise herantreten, wenn ich nicht mindestens einen Stuhl und eine Peitsche in den Händen hätte.«

»Ich wußte immer, daß ihr Aristos pervers seid«, entgegnete Ruby schnippisch. »Ich würde Euch ja einen Schluck anbieten, aber ich hab’ nur diese eine Flasche.«

»Gib mir einen Schluck«, sagte Hazel. »Ich könnte einen halbwegs vernünftigen Drink gut gebrauchen.«

»Ja, ja«, sagte Ohnesorg. »Ihr hattet immer schon eine Schwäche für Drinks, wenn ich mich recht erinnere.«

Hazel warf ihm einen scharfen Blick zu. »Du erinnerst dich? Ich wußte gar nicht, daß wir uns schon einmal über den Weg gelaufen sind.«

»Ist schon eine Zeitlang her, auf Nebelwelt . Jemand erkannte mich und lud mich zu einem Essen ein. Ich ging hin, weil ich hungrig war und kein Geld hatte. Ihr habt für meine Gastgeberin als Dienerin gearbeitet. Sie war gerade knapp an Personal, und so hat man Euch gezwungen, das Essen zu servieren.«

Rubys Kopf ruckte herum, und sie blickte Hazel mit einem sich verbreiternden Grinsen an. »Du warst eine Dienerin, Hazel?«

»Wie zur Hölle kommt es, daß du dich an mich erinnerst?«

fragte Hazel und starrte Ohnesorg wütend an.

»Ich habe ein hervorragendes Gedächtnis für Gesichter.

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