Simon Green - Der Eiserne Thron

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Im Jahre des Herrn 22--: Mit eiserner Faust regiert Ihre Majestät Kaiserin Löwenstein XIV. das galaktische Imperium.
Plebejer und Adel leiden gleichermaßen unter ihrer Knute.
Owen Todtsteltzer, Lord von Virimonde, Letzter einer Linie berühmter Krieger, versucht sich der Aufmerksamkeit und den Launen der Herrscherin zu entziehen – und fällt gerade dadurch in Ungnade. Unversehens wird, ein Kopfgeld auf Owen ausgesetzt, und er muß zur zwielichtigen Nebelwelt fliehen, wo er eine Truppe ungleicher Verbündeter um sich schart. Ihr Ziel: den Eisernen Thron zu stürzen…

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»Mußt du eigentlich immer die Kehrseite von allem sehen?«

fragte sie mit funkelnden Augen. »Es kommt doch ganz allein darauf an, daß das Imperium nicht erwartet, uns im Besitz derartiger Waffen zu sehen. Wir schießen ihnen die Scheiße in sechs verschiedenen Farben aus dem Gehirn, bis sie sich eine wirksame Verteidigung ausgedacht haben.«

Owen runzelte die Stirn. »Meint Ihr ernsthaft, daß das Imperium uns bis hierher verfolgt? Mitten in die Dunkelwüste

»Aber sicher. Du etwa nicht?«

»Doch«, gestand Owen unglücklich. »Sie sind uns die ganze Zeit immer dicht auf den Fersen geblieben. Und ich kenne nur einen Grund dafür, der halbwegs Sinn ergibt. Wir haben einen Verräter in unserer Gruppe.«

»Nicht unbedingt«, widersprach Hazel. »Vielleicht hat uns jemand eine Wanze untergeschoben.«

»Unmöglich«, sagte Owen. »Bestimmt hätte das eine oder andere Sicherheitssystem sie längst gefunden. Wanzen sind viel zu offensichtlich.«

»Aber… keiner von uns hätte einen Grund, die Gruppe zu verraten! Im Gegenteil… wir alle haben gute Gründe dafür, hier zu sein, und keiner von uns liebt das Imperium.«

»Und wie steht es mit Angst? Oder Erpressung? Oder Geld? Auf unsere beiden Köpfe ist eine höllische Summe Geldes ausgesetzt! Es gibt Menschen, die schon für weitaus weniger ihre Eltern verkaufen würden!«

Hazel starrte ihn an. »Und wen hast du im Verdacht, Todtsteltzer?«

»Niemanden«, entgegnete Owen fest. »Jedenfalls nicht im Augenblick. Vielleicht täusche ich mich ja auch. Wir haben eine ganze Menge durchgemacht. Manchmal fühle ich mich richtig schuldig, daß ich Euch in all meine Probleme hineingezogen habe.«

»Hör schon auf, Todtsteltzer! Ich amüsiere mich prächtig. Und du hast mich ganz gewiß nicht in etwas hineingezogen. Es war meine freie Entscheidung, deinen Arsch auf Virimonde zu retten, und auf Nebelwelt hast du dafür meinen Arsch gerettet. Wir sind quitt, und du schuldest mir nichts.«

»Ich konnte Euch nicht einfach sterben lassen.«

»Warum nicht?«

»Ihr bedeutet mir etwas«, gestand Owen zögernd. »Ich…

ich habe noch nie einen Menschen wie Euch kennengelernt, Hazel.«

Sie blickte ihn überrascht an und hob eine Augenbraue.

»Komm ja nicht auf dumme Gedanken, Bursche. Das ist eine reine Vernunftehe zwischen uns beiden.«

»Entspannt Euch, Hazel d’Ark. Todtsteltzer heiraten nur aus Statusgründen. Ihr seid vollkommen sicher.«

Hazel entschloß sich, lieber das Thema zu wechseln. »Wie stark sind deiner Meinung nach die Streitkräfte, die die Eiserne Hexe hinter uns hergeschickt hat?«

»Mindestens ein Imperialer Sternenkreuzer, vielleicht auch zwei. Wir haben ihre Leute bisher ziemlich schlecht aussehen lassen, und das ist etwas, das sie überhaupt nicht vertragen kann. Wir sollten mit einem vollen Kontingent an Kampftruppen rechnen. Vielleicht sind sogar Wampyre und Kampfesper darunter. Und gleichgültig, ob sie weiß, daß der Dunkelwüsten-Projektor hier versteckt ist oder nicht – die Angelegenheit ist für die Eiserne Hexe zu einer Frage des Stolzes geworden. Wenn sie uns nicht bald trifft, und zwar richtig hart trifft, wird das Volk denken, daß ihr die Dinge aus der Hand gleiten. Und vielleicht werden dann einige Planeten ihre eigene kleine Rebellion starten, um herauszufinden, was an den Gerüchten dran ist. Nein, Löwenstein wird so viele Truppen schicken, wie nötig sind, um uns unschädlich zu machen.«

»Prima!« sagte Hazel, hob ein Gewehr und grinste Owen an. »Laß sie nur alle kommen!«

»Manchmal macht Ihr mir wirklich angst«, sagte Owen.

Jakob Ohnesorg und Ruby Reise hatten sich bereits eine großzügige Ausrüstung in der Waffenkammer zusammengesucht und hantierten im Augenblick ohne großen Erfolg in der Küche an den Nahrungsmaschinen herum, um sie zur Produktion von etwas anderem als Proteinwürfeln zu bewegen. Sie hatten jede nur erdenkliche Kombination von Befehlen ausprobiert, einschließlich Schreien und Drohen und einiger wütender Tritte gegen den Sockel des Apparates, aber all ihre Mühen brachten immer nur weitere Proteinwürfel zum Vorschein. Sie kannten Geschichten von gestrandeten Raumfahrern, die sich lieber gegenseitig aufgefressen hatten, als weiter von Proteinwürfeln zu leben, und allmählich verstand Jakob auch, warum. Aber er war hungrig, und in seinem Alter benötigte der Körper allen Treibstoff, den er bekommen konnte, also hatte er sich dazu gezwungen, einen ganzen Würfel zu essen. Im Augenblick nagte er lustlos an einem zweiten.

Männer waren schon für weniger mit Medaillen ausgezeichnet worden.

Ruby hatte sich glatt geweigert, die Würfel auch nur anzurühren, doch ihre Stimmung hellte sich merklich auf, als sie entdeckte, daß die verdammte Maschine wenigstens einen halbwegs vernünftigen Wein zustande brachte. Die Kopfgeldjägerin leerte eine halbe Flasche, während Jakob noch immer mit seinen Würfeln kämpfte, und für ihre Verhältnisse wurde sie richtig geschwätzig. Normalerweise war es anstrengender als Zähne zu ziehen, mit der Kopfgeldjägerin eine Konversation zu führen. Aber um fair zu bleiben: Ruby war ein Mensch, der lieber handelte, als Reden zu schwingen, und die meiste Zeit über hatte sie wirklich nicht viel zu sagen. Jakob hielt es trotzdem in ihrer Gesellschaft aus. Alles, was ihn von dem ablenkte, was er im Augenblick aß, mußte eine gute Sache sein. Und so redeten sie eine ganze Weile über Gott und die Welt; meist Anekdoten über den einen oder anderen Kampf oder die besten Methoden, wie man Menschen umbrachte.

»Warum seid Ihr eigentlich Kopfgeldjägerin geworden?« wollte Ohnesorg von ihr wissen. »Es erscheint mir nicht gerade als erstrebenswerte Beschäftigung, jedenfalls nicht für die meisten Menschen.«

»Ich war gut darin, das ist alles«, erwiderte Ruby. »Und die Alternativen waren schlimmer. Kannst du dir vorstellen, wie ich in schicken Kleidern hinter einem Schreibtisch sitze und Akten staple? Oder mit einem dreckigen Bauern verheiratet bin und ein Dutzend Kinder an meinem Rockzipfel hängen?«

»Ehrlich gesagt – nein.«

»Verdammt richtig. Aber sie verheirateten mich trotzdem, als ich gerade vierzehn war. Mit dem lokalen Eintreiber der Wassergelder. Er war groß und schwer und hatte feuchte kalte Hände, und er fand es wahrscheinlich lustig, mich dauernd zu verprügeln. Er stellte auch noch andere Dinge mit mir an. Und so wartete ich eines Nachts, bis er schlief, und schnitt ihm mit einem Küchenmesser die Kehle durch. Ich sah zu, wie er starb. Es dauerte verdammt lang, und damals erkannte ich zum ersten Mal, daß ich wirklich Spaß an dieser Art von Nervenkitzel hatte. Ich raffte alles Wertvolle zusammen, das nicht gerade angenagelt war, und machte mich auf den Weg zum Raumflughafen. Seitdem bin ich allein, und ich mag es so. Es ist weniger kompliziert.«

»Habt Ihr viele Aufträge für das Imperium erledigt?«

»Sicher. Was glaubst du denn, wer die Kopfgelder bezahlt?

Aber ich bin nicht voreingenommen. Ich arbeite für jeden, der mich bezahlen kann.«

»Und was macht Ihr dann bei uns?«

»Ich konnte noch nie einer Herausforderung widerstehen.

Außerdem hat mir der Todtsteltzer soviel Beute versprochen, wie ich nur tragen kann. Nicht, daß ich bis jetzt auch nur einen Penny davon gesehen hätte.«

»Wie kommt es, daß Ihr mit Hazel befreundet seid?«

»Du stellst vielleicht Fragen, weißt du das?« Ruby nahm einen tiefen Schluck aus ihrer Flasche. »Wir haben uns in Nebelhafen kennengelernt. Wir hatten gerade beide eine Pechsträhne. Sie hat mir aus der Klemme geholfen und mich hinterher für sich vereinnahmt. Ich hatte bei der Sache nichts mitzureden. Ich hätte sie schon vor Jahren fallengelassen, aber manchmal ist es gut, Freunde zu besitzen, denen man vertrauen kann und die einem den Rücken freihalten. Doch jetzt wird es Zeit, daß du auch ein paar Fragen beantwortest. Wie bist du zu einem Berufsrevolutionär geworden?«

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