Simon Green - Der Eiserne Thron

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Im Jahre des Herrn 22--: Mit eiserner Faust regiert Ihre Majestät Kaiserin Löwenstein XIV. das galaktische Imperium.
Plebejer und Adel leiden gleichermaßen unter ihrer Knute.
Owen Todtsteltzer, Lord von Virimonde, Letzter einer Linie berühmter Krieger, versucht sich der Aufmerksamkeit und den Launen der Herrscherin zu entziehen – und fällt gerade dadurch in Ungnade. Unversehens wird, ein Kopfgeld auf Owen ausgesetzt, und er muß zur zwielichtigen Nebelwelt fliehen, wo er eine Truppe ungleicher Verbündeter um sich schart. Ihr Ziel: den Eisernen Thron zu stürzen…

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»Er ist zu uns gekommen, weil er in Not ist«, entgegnete der Wasserfall. »Genau wie einst Ihr selbst. Und er hat uns wenigstens sein Gesicht gezeigt und seinen Namen genannt, im Gegensatz zu Euch. Und da sollen wir ihm nicht dieselbe Güte gewähren, die wir Euch gewährten? Die ganze Welt dort oben ist jetzt sein Feind, genau wie der unsere. Sie würden ihn töten, genau wie sie uns töten würden. Wir nehmen ihn auf.

Vorläufig jedenfalls. Beweist Euch, Finlay Feldglöck, und Ihr werdet willkommen sein. Betrügt uns oder versagt, und wir töten Euch.«

»Verfügt über mich«, erwiderte Finlay. »Mein Schwert gehört Euch.«

Das gewaltige Schwein nickte, grunzte laut und wandte seinen massiven Kopf zu Huth. »Ihr sagtet, Ihr hättet eine wichtige Angelegenheit mit uns zu besprechen. Wir sind hier, also fangt an!«

»In seiner Gegenwart?« fragte Huth und deutete mit einer geringschätzigen Geste auf Finlay. »Ich muß schon sagen! Ich protestiere!«

»Er ist jetzt einer von uns. Akzeptiert ihn, wie wir Euch akzeptieren. Und jetzt fangt an!«

»Wie Ihr wünscht. Wir denken nun schon seit geraumer Zeit über einen Weg nach, wie wir die Esper- und Klonkameraden befreien können, die für unsere Sache zum Tode verurteilt wurden und im Gefängnis sitzen. Die meisten von ihnen werden in Silo Neun festgehalten, auch bekannt unter dem Namen Wurmwächterhölle. Ein Hochsicherheitsgefängnis, das von Dutzenden von ESP-Blockern und einer kleinen Armee von Wachen abgeschirmt wird. Es gilt als ausbruchsicher, und keinem unserer Leute gelang jemals die Flucht. Niemand kam je lebend hinein und wieder heraus, um davon zu berichten.

Wir wollten die Wurmwächterhölle schon oft stürmen, aber wir mußten unseren Angriff jedesmal abbrechen. Die voraussichtlichen Verluste waren einfach zu hoch. Jetzt jedoch bin ich in den Besitz zuverlässiger Informationen gekommen, die alles ändern. Heute abend werden die Wachen komplett ausgetauscht, genau um einundzwanzig Uhr, und neue Sicherheitseinrichtungen werden eingebaut. Für kurze Zeit wird das reinste Chaos ausbrechen, überall fremde Gesichter, die alte Apparate auswechseln und neue einbauen. Der perfekte Zeitpunkt für uns, um einen Angriff durchzuführen und all unsere Kameraden zu befreien, die in der Wurmwächterhölle verrotten. Aber wir müssen uns rasch entscheiden. Wir müssendem zuschlagen, wenn wir den Vorteil nutzen wollen. Die Behörden wissen, wie verwundbar sie während dieser Zeit sein werden, und genau aus diesem Grund wurde die Aktion bis zum allerletzten Augenblick vor praktisch jedermann geheimgehalten. Ich bin nur durch einen glücklichen Zufall dahintergekommen. Ich habe mich bereits mit all unseren Leuten in Verbindung gesetzt, die ich in der Kürze der Zeit erreichen konnte, und sie sind bereit zum Handeln, aber ich kann einen solchen Angriff nicht ohne Eure Genehmigung durchführen.

Wir müssen einfach zuschlagen! Wir werden nie wieder eine bessere Gelegenheit bekommen.«

Die Anführer wandten sich einander zu, und obwohl kein Wort zu hören war, konnte Finlay förmlich spüren, wie telepathische Ströme zwischen ihnen knisterten. Er stellte sich zu Evangeline und sprach mit gedämpfter Stimme. »Was hat das alles zu bedeuten, Evie? Ein Hochsicherheitsgefängnis nur für Esper und Klone? Wie kommt es, daß ich davon noch nie etwas gehört habe?«

»Nicht viele wissen es. Die Eiserne Hexe will verheimlichen, daß die berühmte Konditionierung genauso oft versagt, wie sie gelingt. Die meisten Esper oder Klone sterben bei dem Versuch, sich von ihrer Konditionierung zu befreien, aber eine ständig wachsende Anzahl überlebt. Man hat versucht, die mentalen Blocks und Kontrollen mit Hilfe von technischen Implantaten oder Chemikalien zu verstärken, sie richten mehr Schaden an, als sie nutzen, und es gibt einen dringenden Bedarf an Espern. Wir sind so nützlich, weißt du? Die ›Versager‹ werden in Gefängnisse gesteckt, bis man sich ihrer entledigen kann. Man macht sich nicht die Mühe, Gerichte anzurufen. Klone und Esper sind schließlich keine Personen, sondern Besitz. Silo Neun ist der Ort, wohin die hartnäckigen Fälle geschickt werden. Diejenigen, welche die Kühnheit besessen haben, ihre Befehle in Frage zu stellen, oder die es wagten, eigene Gedanken zu äußern. Und natürlich auch diejenigen, die verdächtig und für schuldig befunden wurden, für den Untergrund gearbeitet zu haben. Offiziell existiert Silo Neun überhaupt nicht. Was bedeutet, daß man mit seinen Insassen tun und lassen kann, was man will. Die Gefangenen sind nichts weiter als lebendiges Fleisch, das man ungestraft für alle Arten von Experimenten mißbrauchen kann. Das Imperium besitzt großes Interesse daran, seine Vorräte an Espern ständig zu vergrößern oder die Methoden zu verfeinern, mit denen man sie kontrollieren und disziplinieren kann. Wir reden hier von Gedankenwäsche, genetischer Manipulation und allen möglichen Arten von mentaler oder körperlicher Folter, die man sich nur denken kann. Manche Methoden funktionieren, manche nicht, aber es gibt immer genügend Lebendfleisch, mit dem man experimentieren kann. Manchmal führt das Imperium auch sogenannte wissenschaftliche Versuche mit ihnen durch. Einige von uns wurden in Silo Neun in wahre Monster verwandelt.«

»Und wer ist der Wurmwächter?« fragte Finlay.

»Er leitet Silo Neun. Er war einmal ein Mensch, aber das ist lange her. Der Wurmwächter besitzt künstlich verstärkte Esperfähigkeiten, die weit über alles hinausgehen, was je ein natürlicher Esper entwickelt hat. Er macht das Gefängnis erst zu der Hölle, die es ist, und er empfindet dabei richtiges Vergnügen. Das Leid und die Verzweiflung anderer machen ihn stark. Er ist der Grund, aus dem noch nie jemand lebend aus Silo Neun entkommen konnte.«

Finlay schüttelte langsam den Kopf. »Davon wußte ich nichts.«

»Du hast nie danach gefragt. Solange es immer ausreichend Klone und Esper für dich zum freien Gebrauch gab, hast du das System nicht in Frage gestellt, das sie hervorgebracht hat.

Und du hast dich auch nie gefragt, was mit dem Abfall geschah, den du weggeworfen hast, oder?«

»Ja, ja, schon gut! Es gibt eine ganze Menge Fragen, die ich mir nie gestellt habe, aber jetzt frage ich! Ich will alles wissen. Hat jemals jemand versucht, in dieses Gefängnis einzubrechen?«

»Niemand, der überlebt hätte, um davon zu berichten. Silo Neun besitzt Sicherheitseinrichtungen auf dem neuesten Stand der Technik. Immer. Wir waren noch nie imstande, an ihnen vorbeizukommen, doch das hier könnte die Gelegenheit sein, für die wir gebetet haben. Eine ganze Menge von uns wären ohne Zögern bereit, ihr Leben für eine Chance zu opfern, den Wurmwächter mitsamt seiner Hölle zu vernichten.«

Finlay blickte Evangeline fest in die Augen. Ich dachte immer , ich wäre dein Leben? »Du hast jemanden in Silo Neun verloren, stimmt’s? Jemanden, der dir nahestand.«

»Ja. Wir alle haben jemanden verloren. Sie war meine Freundin, bevor ich als Klon lebte, und später auch noch. Sie half mir, in meine Rolle als Evangeline zu schlüpfen. Der einzige Mensch, mit dem ich je über alles reden konnte. Sie holten sie eines Tages mitten in der Nacht ab, und ich sah sie nie wieder. Papa hat alles versucht, um herauszufinden, was mit ihr geschehen ist – aus Furcht, sie könnte reden –, aber selbst er hat nicht erfahren, was mit denen geschieht, die in der Hölle des Wurmwächters landen.«

Evangeline verstummte, und Finlay wußte nicht, was er auf ihre Worte erwidern sollte. Sie blickten zu Huth, der noch immer eifrig versuchte, die Anführer von seinem Plan zu überzeugen.

»Ich habe einige meiner eigenen Leute in die Reihen der neuen Sicherheitskräfte einschleusen können, und ich habe ein paar tapfere Kyberratten dazu bewegen können, ein elektronisches Störfeuer zu entfachen, das mit unserem Angriff einhergeht. Sie werden die Sicherheitsanlagen sabotieren, während wir unsere Leute befreien, und damit die Wachen daran hindern, Hilfe von außen herbeizurufen.«

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