»Es war kostspielig«, schnaufte der Baron. »Dieses verdammte Gildemonopol auf die Raumfahrt hätte uns ruiniert, wenn ich für einen solchen Fall nicht langjährige Vorsorgemaßnahmen ergriffen hätte. Du solltest wissen, Rabban, daß wir Schwierigkeiten zu überwinden hatten, die unvorstellbar für jeden anderen gewesen wären. Wir mußten sogar den Transport der Sardaukar bezahlen.«
Nicht zum erstenmal in seinem Leben fragte sich der Baron, ob eines Tages ein Zeitpunkt kommen würde, an dem jemand die Gilde hereinlegte. Das ganze Unternehmen war betrügerisch durch und durch. Hatten sie einen Kunden einmal in der Hand, preßten sie ihn aus wie eine Zitrone und ließen ihm gerade noch soviel, wie er brauchte, um mit seinem restlichen Geld ausstehende Gelder einzutreiben.
Und was militärische Aktionen anbetraf, so kosteten diese die Höchstbeträge. »Gefahrenzulage«, hatte der ölige Gildenvertreter erklärt. Und für jeden Agent, den man in die Gildenbank einschleuste, schickte die Gilde sofort zwei ihrer Leute in das Unternehmen ihres Kunden.
Unerträglich!
»Also Einkünfte«, nickte Rabban.
Der Baron ließ seinen Arm wieder sinken und ballte die Hand zur Faust. »Du mußt diesen Planeten auswringen!«
»Und ich kann vorgehen, wie ich will?«
»Du hast völlig freie Hand.«
»Die Geschütze, die du mitgebracht hast«, sagte Rabban. »Kann ich die …«
»Ich nehme sie wieder mit«, entgegnete der Baron.
»Aber du …«
»Du wirst Spielzeuge dieser Art nicht brauchen. Sie wurden speziell angefertigt und sind jetzt nutzlos. Wir brauchen das Metall. Du kannst sie nicht gegen einen Schild einsetzen, Rabban. Wir haben sie nur mitgebracht, weil wir sicher waren, daß niemand mit solchen Waffen rechnete. Es war vorhersehbar, daß die Männer des Herzogs sich in den Felsen verbarrikadieren würden. Also haben wir die Chance genutzt und sie dort einschließen lassen.«
»Aber die Fremen benutzen doch gar keine Schilde.«
»Von mir aus kannst du ein paar Lasguns haben, wenn du willst.«
»Jawohl, Mylord. Und ansonsten habe ich freie Hand.«
»Solange du sie dazu benutzt, diesen Planeten auszupressen, ja.«
Rabban lächelte erfreut. »Ich verstehe vollkommen, Mylord.«
»Du verstehst überhaupt nichts«, knurrte der Baron. »Laß uns darüber ganz im klaren sein. Was du wirklich verstehst, ist, wie du meine Befehle auszuführen hast. Ist dir überhaupt schon einmal zu Bewußtsein gekommen, Neffe, daß auf diesem Planeten fünf Millionen Menschen leben?«
»Haben Mylord vergessen«, erwiderte Rabban, »daß ich sein Regenten-Siridar auf diesem Planeten war? Mylord möge mir vergeben, aber ich behaupte, daß seine Schätzung zu niedrig liegt. Wie will man auch die Bevölkerung einer Welt schätzen, wenn man nur einen kleinen Teil von ihr kennt? Wenn man allein die Fremen aus dem …«
»Die Fremen sind nicht wert, daß man sie einbezieht!«
»Verzeihung, Mylord, aber die Sardaukar haben da inzwischen eine andere Ansicht.«
Der Baron zögerte und starrte seinen Neffen an. »Du weißt etwas?«
»Mylord hatten sich bereits zurückgezogen, als ich in der vergangenen Nacht hier ankam. Ich … äh … nahm mir die Freiheit, Kontakt mit zwei Leutnants aufzunehmen, die früher hier unter meinem Kommando standen und den Sardaukar jetzt als Führer dienen. Sie behaupteten, daß eine Bande von Fremen südöstlich von hier auf eine Einheit der Sardaukar stieß und sie völlig vernichtete.«
»Sie haben eine Sardaukar-Einheit vernichtet? «
»Ja, Mylord!«
»Das ist unmöglich!« Rabban zuckte die Achseln.
»Fremen schlugen Sardaukar?« Der Baron schnaufte.
»Ich wiederhole nur, was man mir gesagt hat«, erwiderte Rabban. »Und man behauptet ebenfalls, daß diese Fremen-Bande vor diesem Zwischenfall bereits Thufir Hawat und seine Leute in ihrer Gewalt hatte.«
»Ah!«
Der Baron nickte lächelnd.
»Ich glaube diesem Bericht«, fuhr Rabban fort. »Du machst dir keine Vorstellung davon, wie gefährlich die Fremen wirklich sind, Onkel.«
»Vielleicht. Aber die Leute, die diese Leutnants sahen, können keine Fremen gewesen sein. Es waren Atreides, die Hawat ausgebildet und als Fremen verkleidet hat. Das ist die einzige mögliche Antwort.«
Erneut zuckte Rabban die Achseln. »Nun, die Sardaukar nehmen jedenfalls an, daß es sich um Fremen handelte. Sie beabsichtigen, ein Pogrom zu veranstalten und alle Fremen auszurotten.«
»Gut!«
»Aber …«
»Das wird sie für eine Weile beschäftigt halten. Und bald haben wir Hawat. Ich weiß es! Ich kann es fühlen! Ah, das ist wirklich ein Tag gewesen! Die Sardaukar jagen ein paar nutzlosen Wüstenbanditen nach, während uns der Preis auf einem Silberteller serviert wird!«
»Mylord …«, sagte Rabban unentschlossen. Sein Blick war finster. »Ich habe immer schon das Gefühl gehabt, daß wir die Fremen unterschätzen. Das betrifft sowohl ihre Zahl als auch …«
»Vergiß sie, Junge! Sie sind Pöbel! Uns interessieren nur die bevölkerungsdichten Dörfer, Städte und Niederlassungen. Nur sie gehen uns etwas an. Dort leben eine Menge Leute, nicht wahr?«
»Sehr viele, Mylord.«
»Das besorgt mich, Rabban.«
»Das besorgt dich?«
»Oh … neunzig Prozent dieser Leute sind natürlich völlig unwichtig. Aber es gibt immer noch ein paar … Kleinere Häuser und so weiter, ambitionierte Leute, die vielleicht versuchen werden das eine oder andere gefährliche Spiel zu starten. Wenn nun der eine oder andere Arrakis verläßt und draußen Geschichten über das verbreitet, was hier geschehen ist, würde mich das schon sehr ärgerlich machen. Kannst du dir vorstellen, wie ärgerlich ich werden kann, Rabban?«
Rabban schluckte.
»Du solltest sofort die notwendigen Schritte einleiten, und anordnen, daß jedes Kleine Haus einen Vertreter herschickt, dem wir klarmachen, daß dies ein gewöhnlicher Kampf zwischen zwei Häusern war«, fuhr der Baron fort. »Jeder auf Arrakis muß erfahren, daß keine Sardaukar im Spiel waren, verstehst du? Weiterhin muß verbreitet werden, daß man dem Herzog die übliche Chance, ins Exil zu gehen, gegeben hat, daß er jedoch leider einem Unfall zum Opfer fiel, bevor er dieses Angebot annehmen konnte. Natürlich sei er bereit gewesen, das Angebot zu akzeptieren. So wird die Geschichte lauten. Und falls Gerüchte auftauchen, die von einer Beteiligung der Sardaukar sprechen, soll darüber gelacht werden.«
»Wie der Imperator es wünscht«, sagte Rabban.
»Wie der Imperator es wünscht.«
»Und was ist mit den Schmugglern?«
»Niemand wird denen Glauben schenken, Rabban. Die Schmuggler werden zwar toleriert, aber glauben tut ihnen niemand. Zur Sicherheit solltest du einige Bestechungsgelder verteilen. Und wenn das nichts nützt, kannst du Maßnahmen ergreifen, die ich dir selbst überlasse.«
»Jawohl, Mylord.«
»Zwei Dinge hast du auf Arrakis zu tun, Rabban: für Einkünfte sorgen und gnadenlos die Faust zu schwingen. Du darfst nicht die geringste Gnade zeigen. Vergiß nicht, mit welcher Sorte von Mensch du es hier zu tun hast mit Sklaven, die ihre Herren hassen und jede Gelegenheit nutzen werden, gegen sie zu rebellieren. Du darfst ihnen nicht den kleinsten Finger reichen.«
»Kann man denn einen ganzen Planeten ausrotten?« fragte Rabban.
»Ausrotten?« Der Baron hob überrascht die Augen. »Wer hat denn von Ausrottung gesprochen?«
»Nun, ich nehme an, du hast vor, eine ganz neue Mannschaft zur Arbeit einzu…«
»Ich sprach von auspressen, Neffe, nicht von ausrotten. Du darfst die Bevölkerung natürlich nicht sinnlos verschwenden, sondern sollst sie zur höchstmöglichen Produktion antreiben. Du sollst wie ein Bluthund hinter ihnen stehen, Junge.« Der Baron lächelte. Er sah wie ein zufriedenes, gesättigtes Baby aus. »Ein Bluthund gibt niemals auf. Sei gnadenlos. Bleibe am Ball. Gnade ist nichts als eine Chimäre. Man kann einen Bluthund nur damit abwehren, indem man ihm zu fressen und zu saufen gibt. Sorge dafür, daß du ewig hungrig und durstig bleibst.« Er deutete auf die Ausbuchtungen, die den Standort seiner Suspensoren andeuteten. »Wie ich.«
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