Frank Herbert - Der Wüstenplanet

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Herzog Leto Atreides erhält vom Imperator Arrakis zum Lehen, den Wüstenplaneten, eine schreckliche Welt, in der nur die Stärksten überleben können. Aber gleichzeitig ist Arrakis die wertvollste Welt der Galaxis, denn nur in ihren Dünenfeldern ist das Melange zu finden, eine Droge, die den Menschen die Gabe verleiht, in die Zukunft zu blicken. Als der Herzog Arrakis betritt, ist er so gut wie tot. Seine mächtigen Gegner haben längst alles vorbereitet, um die Familie Atreides auszurotten. Doch seinem Sohn gelingt es, in die Wüste zu entkommen und bei den Premen unterzutauchen. Er wird der Anführer, und sie nennen ihn Muad'dib. Er sammelt die Wüstenbeduinen um sich zu einem gnadenlosen Rachefeldzug.

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Nefud schluckte. »Jawohl, Mylord.«

»Dann machen Sie sich an die Arbeit. Stöbern Sie den Kommandeur der Sardaukar auf und sehen Sie zu, daß die Dinge in Bewegung kommen.«

»Sofort, Mylord.« Nefud verbeugte sich und verschwand.

Hawat auf meiner Seite! dachte der Baron. Die Sardaukar werden ihn mir überlassen. Selbst wenn sie mißtrauisch werden, können sie nur annehmen, ich wollte ihn beseitigen lassen. Und diesen Verdacht werde ich fördern. Diese Narren! Einer der berühmtesten Mentaten aller Zeiten, und sie überlassen ihn mir wie ein zerbrochenes Spielzeug. Ich werde ihnen zeigen, was man aus einem solchen Spielzeug noch herausholen kann!

Der Baron streckte die Hand aus und tastete nach einem verborgenen Knopf hinter dem Suspensorbett. Er drückte ihn und rief damit nach seinem älteren Neffen. Rabban. Dann lehnte er sich zurück und lächelte.

Und alle Atreides sind tot!

Er sah den Weg, der sich vor ihm auftat. Eines Tages würde ein Harkonnen Imperator werden. Nicht er selbst natürlich, aber ein Harkonnen. Und auch nicht Rabban, das war klar. Aber Rabbans jüngerer Bruder, der junge Feyd-Rautha. Etwas an dem Jungen gefiel ihm außerordentlich … seine Grausamkeit.

Ein herrlicher Junge, dachte der Baron. In einem Jahr oder zwei, ungefähr dann, wenn er siebzehn ist. Ich weiß genau, daß die Harkonnens über kein besseres Werkzeug verfügen, das uns den Weg zum Thron ebnet.

»Mylord?«

Der Mann, der vor der Prudenztür auf dem Gang stand, war von gedrungener Statur, hatte ein dickliches Gesicht und einen fetten Körper. Seine tief in den Fleischwülsten verborgenen Augen und die breiten Schultern kennzeichneten ihn als typischen Harkonnen. Die Schwerfälligkeit, mit der er sich bewegte, deutete schon jetzt an, daß auch er eines Tages würde Suspensoren tragen müssen, um seines Gewichts Herr zu werden.

Ein Muskelpaket ohne Gehirn, dachte der Baron. Er ist nicht gerade der Mann des Geistes, dieser Neffe. Kein Piter de Vries, wahrlich nicht, aber vielleicht genau das, was wir jetzt hier brauchen können. Wenn ich ihm freie Hand gebe, walzt er alles nieder, was sich in seinen Weg stellt. Oh, er wird dafür sorgen, daß wir wie niemand anderes auf Arrakis gehaßt werden!

»Mein lieber Neffe«, begrüßte ihn der Baron. Er ließ den Pentaschild zusammenbrechen, der die Tür verschloß und schaltete gleichzeitig den Schildgürtel auf höchste Intensität. Er wußte, daß der ihn umgebende Schimmer im Licht des über dem Bett angebrachten Glanzglobus' jetzt deutlich zu sehen war.

»Du hast mich gerufen?« fragte Rabban. Er schritt in den Raum hinein, schaute kurz auf den leuchtenden Schild und suchte erfolglos nach einer Sitzgelegenheit.

»Komm näher, damit ich dich besser sehen kann«, forderte der Baron ihn auf.

Rabban kam näher. Innerlich verfluchte er die Gemeinheit dieses alten Mannes, der alle Sitzgelegenheiten hatte entfernen lassen, bloß um in den Genuß zu gelangen, alle Besucher vor sich stehen zu sehen.

»Die Atreides sind tot«, eröffnete ihm der Baron. »Es gibt nun keinen mehr. Deswegen habe ich dich nach Arrakis gerufen. Der Planet gehört jetzt wieder dir.«

Rabban blinzelte. »Aber ich dachte, du hättest Piter de Vries dazu ausersehen, deine Geschäfte …«

»Piter ist ebenfalls tot.«

»Piter?«

»Piter.«

Der Baron reaktivierte den Pentaschild in der Tür und versiegelte es gegen jeglichen Versuch, ihn mit Energie zu durchdringen.

»Du bist seiner schließlich doch müde geworden, wie?« fragte Rabban. Seine Stimme klang in dem völlig abgeschirmten Raum flach und leblos.

»Ich will dir mal etwas sagen«, erwiderte der Baron mit tiefer Stimme. »Du spielst darauf an, daß ich ihn mir vom Halse geschafft haben könnte, wie man sich etwas Unnützes vom Halse schafft.« Er schnippte mit den Fingern. »Ganz einfach so, nicht? Ich bin kein Idiot, Neffe. Und ich werde es dir sehr übel nehmen wenn du so etwas noch einmal unterschwellig behauptest.«

Rabbans Blick wurde ängstlich. Er wußte, wieweit der alte Baron sogar innerhalb seiner Familie zu gehen bereit war. Das führte zwar selten zum Tode eines Mitglieds — außer daraus ließ sich ein ansehnlicher Profit erwirtschaften -, aber er hatte eine Reihe anderer Möglichkeiten, jeden kleinzukriegen.

»Verzeihung, Mylord«, sagte Rabban. Er senkte den Blick; weniger um seine Wut zu verbergen, als Untertänigkeit zu demonstrieren.

»Mich legst du nicht herein, Rabban«, sagte der Baron.

Die Augen niedergeschlagen, schluckte Rabban.

»Ich werde dir eine Maxime setzen«, sagte der Baron. »Serviere niemals einen Mann ohne Vorbedacht ab, außer vielleicht ein profitables Lehen macht das erforderlich. Wenn du so etwas tust, dann für ein handfestes Ziel — und dein Ziel kennst du ja wohl.«

Ärgerlich sagte Rabban: »Das sagst du, wo du diesen Verräter Yueh umbringen ließest? Als ich letzte Nacht ankam, sah ich, wie man seine Leiche von Bord schaffte.«

Rabban starrte seinen Onkel an, als sei er selbst über den Klang seiner Worte entsetzt.

Der Baron lächelte. »Mit gefährlichen Waffen pflege ich in der Regel vorsichtig umzugehen«, erwiderte er. »Dr. Yueh war ein Verräter. Wir verdankten es ihm, daß wir den Herzog in die Finger bekamen.« Seine Stimme troff vor Zynismus. »Ich habe einen Mediziner der Suk-Schule dazu angestiftet! Verstehst du das, mein Junge? Daß ich mir den vom Halse geschafft habe, war wirklich kein Zufall!«

»Weiß der Imperator davon, daß du Yueh dazu gekriegt hast, seinen Eid zu vergessen?«

Das ist eine Frage, die ich von ihm gar nicht erwartet hätte, dachte der Baron überrascht. Habe ich diesen Neffen etwa unterschätzt?

»Er weiß noch nichts davon«, gab er zurück. »Aber die Sardaukar werden es ihm mit ziemlicher Sicherheit berichten. Bevor das geschieht, wird er jedoch einen von mir aufgesetzten Report in den Händen halten, den ich ihm durch die Kanäle der MAFEA-Gesellschaft zuspiele. Ich werde ihm mitteilen, daß ich glücklicherweise einen Arzt fand, dessen Konditionierung zerbrechlich war. Ein falscher Arzt, verstehst du? Da jedermann weiß, daß die Konditionierung der Suk-Schule nicht durchbrechbar ist, wird man diese Erklärung schon akzeptieren müssen.«

»Ah, ich verstehe«, murmelte Rabban.

Der Baron dachte: Ich hoffe für dich, daß du das verstehst. Und ich hoffe, daß du einsiehst, wie wichtig es ist, daß diese Geschichte nicht an die Öffentlichkeit dringt. Plötzlich wunderte er sich über sich selbst. Warum habe ich das getan? Warum lasse ich mich dazu hinreißen, vor diesem Narren von einem Neffen zu prahlen? Wut stieg in ihm auf. Er wurde den Verdacht nicht los, damit einen Fehler gemacht zu haben.

»Das muß natürlich geheim bleiben«, sagte Rabban. »Ganz klare Sache.«

Der Baron seufzte. »Ich möchte dir noch eine Anweisung für Arrakis geben, Neffe. Während der letzten Zeit, die du auf dieser Welt verbrachtest, habe ich dich ziemlich in den Zügeln gehalten. Diesmal sieht die Sache anders aus. Du wirst nur für eine Sache sorgen.«

»Mylord?«

»Einkünfte.«

»Einkünfte?«

»Kannst du dir vorstellen, Rabban, wie teuer es gewesen ist, all die Schiffe und Leute hierherzubringen, um die Atreides zu verjagen? Hast du auch nur die kleinsten Informationen darüber, wieviel die Gilde für einen Transport wie diesen verlangt?«

»Ziemlich viel, wie?«

»Ziemlich viel!« Der Baron streckte einen seiner fetten Arme nach Rabban aus. »Wenn du Arrakis so ausquetschst, daß der Planet uns jeden Pfennig gibt, den er in sechzig Jahren erwirtschaftet, haben wir gerade unsere Schulden bezahlt und noch nicht das geringste verdient!«

Rabbans Mund öffnete sich, aber er sagte keinen Ton.

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