»Und?«
»Sie … äh … flogen zusammen zu einem Ort in der Wüste, wo sich auch der Junge und seine Mutter aufgehalten haben müssen. In der Überraschung des Angriffs wurden mehrere unserer Kampfgruppen in eine Schildexplosion einbezogen.«
»Wie viele Männer haben wir verloren?«
»Darüber … äh … habe ich noch keine verläßlichen Informationen, Mylord.«
Er lügt, dachte der Baron. Es müssen eine ganze Menge gewesen sein.
»Dieser kaiserliche Lakai, dieser Kynes«, begann der Baron. »Er hat ein doppeltes Spiel gespielt, wie?«
»Darauf würde ich sogar meinen guten Ruf verwetten, Mylord.«
Seinen guten Ruf! Du meine Güte!
»Lassen Sie ihn umbringen«, befahl der Baron.
»Mylord! Kynes ist der Planetologe des Imperators! Ein Bediensteter Seiner Majestät!«
»Dann sorgen Sie eben dafür, daß es wie ein Unfall aussieht, verdammt noch mal!«
»Wir konnten das Versteck dieser Leute nur mit der Hilfe der Sardaukar ausheben. Kynes befindet sich derzeit in ihrem Gewahrsam.«
»Dann seht zu, daß ihr ihn in die Finger bekommt. Sagt, daß ich ihn verhören will.«
»Und wenn sie sich weigern?«
»Das werden sie nicht tun, wenn Sie mein Verlangen in einer korrekten Form vorbringen.«
Nefud schluckte. »Jawohl, Mylord.«
»Der Kerl muß sterben«, knurrte der Baron. »Er hat versucht, meinen Gegnern zu helfen.«
Nefud trat von einem Fuß auf den anderen.
»Ist noch was?« fragte der Baron.
»Mylord, die Sardaukar haben … haben zwei Leute festgenommen, die für Sie vielleicht von Interesse sind. Sie haben den Führer der Herzoglichen Assassinen in ihrer Gewalt.«
»Hawat? Thufir Hawat?«
»Ich habe den Gefangenen mit eigenen Augen gesehen, Mylord. Es ist Hawat.«
»Das hätte ich niemals für möglich gehalten!«
»Es heißt, jemand hätte ihn mit einem Stunner gelähmt, Mylord. Draußen, in der Wüste, wo er seinen Schild nicht einsetzen konnte. Er ist dennoch unverletzt. Wenn wir den Mann in die Hände bekommen könnten …«
»Er ist ein Mentat«, erwiderte der Baron. »Und solche Leute vergeudet man nicht. Hat er etwas gesagt? Was sagt er dazu, daß wir ihn geschlagen haben? Weiß er etwas von der Existenz eines … ach, nein.«
»Er hat nur das Nötigste gesagt, Mylord, aber genug, um zu wissen, daß er Lady Jessica für die Verräterin hält.«
»Ach was!«
Der Baron ließ sich zurücksinken und dachte nach. Dann sagte er: »Sind Sie sicher? Ist es wirklich Lady Jessica, gegen die sich seine Wut richtet?«
»Er hat das in meiner Gegenwart verlauten lassen, Mylord.«
»Dann lagt ihn in dem Glauben, daß sie noch lebt.«
»Aber, Mylord …«
»Schweigen Sie. Ich wünsche, daß man Hawat gut behandelt. Er darf keinesfalls etwas vom Schicksal Dr. Yuehs, des wirklichen Verräters, erfahren. Lassen Sie ihm die Nachricht zukommen, daß Yueh starb, als er seinen Herzog verteidigte. In gewissem Sinn ist das ebenso wahr. Wir werden sein Mißtrauen gegen Lady Jessica wachhalten.«
»Mylord, ich verstehe nicht …«
»Die Kunst, einen Mentaten zu kontrollieren, Nefud, besteht darin, ihn zu informieren. Falsche Informationen führen zu falschen Lösungen.«
»Sicher, Mylord, aber …«
»Hat er Hunger? Durst?«
»Mylord — Hawat ist immer noch in den Händen der Sardaukar!«
»Ach ja, tatsächlich. Aber die Sardaukar werden ebenso scharf darauf sein, von ihm Informationen zu erhalten wie ich. Ich habe etwas über unsere Verbündeten herausgefunden, Nefud. Sie sind — politisch gesehen — nicht gerade die hellsten Köpfe. Und ich weiß, daß dahinter eine bestimmte Absicht steckt. Der Imperator kann denkende Soldaten einfach nicht gebrauchen. Ja, genauso ist es. Es wird Ihre Aufgabe sein, dem Legionskommandeur der Sardaukar die Information zu hinterbringen, daß ich mich besonders darauf verstehe, verstockte Schweiger zum Sprechen zu bringen.«
Nefud sah unglücklich aus. »Jawohl, Mylord.«
»Sie werden dem Kommandeur sagen, daß ich Hawat und Kynes zur gleichen Zeit verhören möchte, weil ich angeblich einen gegen den anderen ausspielen will. Soviel wird er gerade noch verstehen, nehme ich an.«
»Jawohl, Mylord.«
»Und wenn wir sie erst einmal in den Händen haben …« Der Baron nickte befriedigt.
»Mylord, der Kommandeur der Sardaukar wird darauf bestehen, daß einer seiner Leute an dem … Verhör teilnimmt.«
»Ich bin sicher, daß Sie ein Ablenkungsmanöver bei der Hand haben, um jeden etwaigen Beobachter auszuschalten, Nefud.«
»Ich verstehe, Mylord. Dann kann Kynes seinen Unfall … äh … erleben.«
»Kynes und Hawat werden zur gleichen Zeit einen Unfall haben, Nefud. Allerdings wird nur Kynes ihm zum Opfer fallen. Ich will nur Hawat haben. Ja?! Ah, ja!« Der Baron grinste.
Nefud klapperte mit den Lidern und schluckte. Er machte den Eindruck, als wolle er noch eine Frage stellen. Aber er behielt sie für sich.
»Hawat wird bestens versorgt werden«, sagte der Baron. »Und er wird freundlichst behandelt werden. In das Wasser, das er bekommt, geben wir etwas von dem Residualgift, das der verstorbene Piter de Vries entwickelte. Außerdem sorgen wir dafür, daß seine Mahlzeiten regelmäßig das dazugehörige Gegengift enthalten; solange, bis ich anderslautende Anweisungen erteile.«
»Das Gegengift, sicher.« Nefud schüttelte den Kopf. »Aber …«
»Seien Sie nicht so begriffsstutzig, Nefud. Der Herzog hätte mich beinahe mit diesem Gift aus seinem hohlen Zahn getötet. Das Gas, das er ausatmete, hat mich meines besten Mentaten beraubt. Ich brauche einen Ersatz.«
»Hawat?«
»Hawat!«
»Aber …«
»Sie wollen sagen, daß Hawat den Atreides ganz und gar ergeben ist? Das stimmt, aber die Atreides sind tot. Wir werden Hawat ein wenig Honig ums Maul schmieren, Nefud. Er muß zu der Schlußfolgerung gelangen, daß ihn keinerlei Schuld am Tod seines Herzogs trifft, daß alles nur der Verschlagenheit dieser Bene-Gesserit-Hexe zuzuschreiben war. Wir werden ihn zu der Überzeugung gelangen lassen, daß er keiner von denen ist, die sich von Emotionen leiten lassen. Mentaten sind stolz darauf, gefühllose Schlüsse zu ziehen, Nefud. Deshalb werden wir diesem famosen Thufir Hawat schmeicheln.«
»Ihm schmeicheln. Jawohl, Mylord.«
»Der Mentat, der Hawat ausgebildet hat, war ein Mann, der zu sehr von seinen Emotionen abhängig war. Hawat weiß das, und deswegen wird ihn nichts mehr freuen, als wenn wir ihm bestätigen, daß dieser Effekt nicht auch auf ihn übergegriffen hat.« Der Baron starrte Nefud an. »Wir wollen uns nicht selbst täuschen, Nefud. Die Wahrheit ist eine mächtige Waffe. Wir wissen, daß wir es nur unserem Wohlstand zu verdanken haben, daß wir die Atreides besiegten. Hawat weiß das auch. Wir können ihn mit mehr Informationen versorgen, als es sich sein Herzog je hätte leisten können, weil wir die besser bezahlten Spione haben.«
»Jawohl, Mylord.«
»Wir werden ihn umschmeicheln«, wiederholte der Baron. »Und vor den Sardaukar verstecken. Und in der Hinterhand verbergen wir das Gegengift. Es gibt keine Möglichkeit, das Residualgift aus seinem Körper zu entfernen, und Hawat braucht auch nicht zu erfahren, in welcher Gefahr er schwebt. Das Gegengift ist nicht einmal von einem Giftschnüffler aufzuspüren. Hawat kann seine Nahrung überprüfen, wie er will. Er wird trotzdem nichts darin finden.«
Nefuds Augen öffneten sich in plötzlichem Verstehen.
»Das Nichtvorhandensein einer Sache«, fuhr der Baron fort, »kann ebenso gefährlich sein wie das Vorhandensein . Wie etwa das Nichtvorhandensein von Luft, klar? Oder von Wasser. Ja! Ebenso wie das Nichtvorhandensein von allem, von dem wir abhängig sind.« Er nickte. »Verstehen wir uns, Nefud?«
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