»Wo könnte die Maschine nur abgeblieben sein?« ließ sich Halleck vernehmen.
»Möglicherweise ist sie irgendwo notgelandet«, vermutete Kynes.
Der Herzog nahm erneut das Mikrofon an sich, zögerte jedoch, es einzuschalten. »Wie ist es nur möglich, daß die Späher sie aus der Sicht verloren haben?«
»Möglicherweise hat sie das Wurmzeichen zu stark in Anspruch genommen«, meinte Kynes.
Der Herzog betätigte den Aktivator und sprach in das Mikrofon: »Hier spricht der Herzog. Wir gehen hinunter und nehmen die Mannschaft von Delta Ajax Neun auf. Alle Späher werden angewiesen, das gleiche zu tun und auf der Ostseite der Fabrik zu landen. Die Eskorte geht westlich hinunter. Ende.« Er legte das Mikrofon beiseite. Kynes nahm es an sich. Er schaltete erneut die Arbeitsfrequenz ein, aber ehe er dazu kam, etwas zu sagen, brüllte eine Stimme aus dem Lautsprecher: »Aber wir haben eine volle Ladung! Eine volle Ladung, verstehen Sie? Wir können doch wegen eines einzigen verdammten Wurmes nicht den Ernter verlassen! Bitte kommen!«
»Scheißt auf das Gewürz!« brüllte der Herzog zurück. Er riß Kynes das Mikrofon aus der Hand und sagte: »Das Gewürz ist nicht unersetzlich! Wir haben Platz für alle, außer drei Personen. Lost unter euch aus, wer die Fabrik verläßt oder trefft eure eigene Entscheidung. Aber ihr werdet die Maschine verlassen, das ist ein Befehl!« Er gab Kynes das Mikrofon zurück und murmelte: »Verzeihen Sie.«
»Wieviel Zeit haben wir noch?« fragte Paul.
»Neun Minuten«, sagte Kynes.
Der Herzog meinte:
»Unsere Maschine ist stärker als die anderen. Wenn wir vorsichtig zu Werke gehen, könnten wir sogar noch einen weiteren Mann aufnehmen.«
»Der Sand ist sehr weich hier«, bemerkte Kynes.
»Wenn wir noch zusätzlich vier Männer aufnehmen, könnten die Schwingen brechen, Sire«, warf Halleck ein.
»Ach was, nicht bei dieser Maschine.« Der Herzog konzentrierte sich voll auf die Kontrollen und setzte neben der Fabrik zur Landung an. Die Schwingen bewegten sich sanft. Der Thopter landete knapp zwanzig Meter von der Erntefabrik entfernt.
Der Kriecher lag nun völlig still, und es wurde auch kein Sand mehr aus ihm herausgeschleudert. Ein feines, kaum hörbares Summen ging von ihm aus, das sich verstärkte, als der Herzog die Kanzeltür öffnete.
Sofort registrierten ihre Nasen den Zimtgeruch, der sich schwer auf ihre Lungen legte.
Mit klatschenden Schwingen setzte auf der anderen Seite der erste Späher auf. Die Eskorte senkte sich in einer Linie hinter der Maschine des Herzogs dem Boden entgegen.
Paul, der die Fabrik jetzt zum erstenmal aus unmittelbarer Nähe sah, stellte fest, wie klein die Maschinen ihr gegenüber waren. Wie winzige Insekten neben einem urweltlichen Dinosaurier.
»Gurney, du wirfst zusammen mit Paul die Rücksitze hinaus«, ordnete der Herzog an. Er stellte die Schwingen des Thopters auf einem bestimmten Winkel ein und überprüfte die Kontrollen. »Warum, zum Henker, kommen die Leute nicht endlich aus der Maschine heraus?«
»Sie rechnen doch noch damit, daß der Carryall in letzter Minute eintrifft«, vermutete Kynes. »Und einige Minuten Zeit haben sie ja noch.« Er schaute nach Osten.
Sie sahen nun alle in die Richtung, aus der sich der Wurm auf sie zubewegte. Von der Stelle aus, an der sie sich befanden, war natürlich nichts zu sehen, aber das beruhigte freilich niemanden.
Der Herzog nahm das Mikrofon, stellte die Frequenz seiner Eskorte ein und sagte: »Zwei von euch schalten sofort ihre Schildgeneratoren aus. Nacheinander. Ihr könnt dann jeweils einen weiteren Mann aufnehmen. Ich bin nicht bereit, wegen dieses Ungeheuers auch nur einen einzigen Menschen hier zurückzulassen.« Er ging auf die Arbeitsfrequenz zurück und schrie: »Hört zu, ihr Burschen von Delta Ajax Neun! Ihr kommt jetzt auf der Stelle raus! Das ist ein herzoglicher Befehl! Befolgt ihn sofort, oder ich lasse die ganze Fabrik mit einer Lasgun auseinanderschneiden!«
Eine Luke öffnete sich an der Spitze der Fabrik, dann eine weitere in der Heckgegend — schließlich sogar eine auf der Oberseite. Die Männer sprangen heraus, landeten im Sand. Ein großer Arbeiter erschien als letzter. Er sprang zuerst auf die Raupenkette, dann zum Boden hinunter.
Der Herzog placierte das Mikrofon wieder auf dem Kontrollbord, streckte den Kopf aus der Maschine und donnerte: »Zwei von euch in jeweils einen Späher!«
Der große Arbeiter begann die Leute einzuweisen und schob sie in die Richtungen, in denen die kleineren Maschinen warteten.
»Vier Mann zu uns herüber!« brüllte der Herzog. »Aber ein bißchen plötzlich!« Er deutete mit dem Zeigefinger auf einen der direkt hinter seiner Maschine placierten Eskortenthopter, deren Besatzung eben dabei war, den Schildgenerator über Bord zu werfen. »Vier Mann dort hinüber!« Auch die anderen waren nun soweit, um die Leute aufnehmen zu können. »In jede andere Maschine drei Männer! Lauft, ihr verdammten Sandflöhe, lauft!«
Der große Mann, der jetzt fertig mit der Abzählung seiner Leute zu sein schien, rannte auf die Maschine des Herzogs zu. Drei seiner Leute folgten ihm auf dem Fuße.
»Ich höre den Wurm, aber ich kann ihn nicht sehen«, sagte Kynes.
Auch die anderen hörten jetzt die Geräusche: ein unterirdisches Rumpeln, daß die Erde erbeben ließ. Es wurde von Sekunde zu Sekunde lauter.
»Eine elende Schlamperei«, knurrte der Herzog.
Der Sand in ihrer unmittelbaren Umgebung begann sich leise zu bewegen. Die ganze Situation erinnerte den Herzog an ein Erlebnis, das er einst in den Dschungeln seines Heimatplaneten gehabt hatte: beim Auftauchen seiner Jagdgesellschaft hatte sich ein Geschwader von Aasfresservögeln verschreckt vom Kadaver eines toten Ochsen gelöst und aufgeflattert.
Die Gewürzarbeiter kletterten nun in die Maschine herein. Halleck reichte ihnen nacheinander die Hände, zog sie herauf und schob sie in eine Ecke.
»Rein, Jungs, rein!« keuchte er. »Aber ein bißchen dalli!«
Paul, der sich plötzlich zwischen schwitzenden Männern eingeklemmt fand, roch ihren Angstschweiß und stellte fest, daß zwei der Männer falsch eingestellte Nackenverschlüsse trugen. Automatisch speicherte er diese Information in seinem Gedächtnis. Er würde seinen Vater später darauf hinweisen müssen, daß es unerläßlich war, Anzugkontrollen durchzuführen. Es war kein Wunder, daß die Männer ihre Kleidung verkommen ließen, wenn niemand darauf achtete.
Der letzte, der einstieg, rief: »Der Wurm! Er ist schon da! Starten Sie!«
Der Herzog lehnte sich in seinen Sitz zurück und sagte: »Wir haben noch drei Minuten bis zur Kollision, stimmt's, Kynes?« Er schloß die Luke und prüfte nach, ob das Schloß eingeschnappt war.
»In der Tat, Mylord«, gab Kynes zurück und dachte: Er behält einen kühlen Kopf, dieser Herzog.
»Alles klar hier hinten, Sire«, meldete Halleck.
Der Herzog nickte und wartete, bis die letzte Begleitmaschine gestartet war. Dann stellte er die Zündung ein, warf einen kühlen Blick über die Schwingen und Instrumente und ließ die Motoren aufheulen. Die Startgeschwindigkeit führte dazu, daß der Herzog und Kynes tief in die Sitze gepreßt wurden. Die Leute im hinteren Teil des Thopters klammerten sich aneinander. Kynes musterte aus den Augenwinkeln, wie der Herzog die Kontrollen bediente. Er schien die Ruhe selber zu sein. Die Maschine zog hoch. Die Finger des Herzogs bedienten mechanisch die Instrumente.
»Wir sind zu schwer, Sire«, sagte Halleck besorgt.
»Aber gerade noch tolerabel für die Maschinen, Gurney. Wenn ich mir nicht sicher gewesen wäre … Glaubst du, ich hätte das Risiko dann auf mich genommen?«
Halleck grinste. »Nicht im geringsten, Sire.«
Der Herzog steuerte die Maschine in eine lange Kurve und überflog die Erntefabrik. Paul, der genau an einem Fenster stand, sah auf sie hinunter. Reglos lag die Maschine auf dem Sand. In einer Entfernung von etwa vierhundert Metern davor befand sich das Wurmzeichen. Dann schien der Sand vor der Maschine plötzlich in Bewegung zu geraten.
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