Frank Herbert - Der Wüstenplanet

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Herzog Leto Atreides erhält vom Imperator Arrakis zum Lehen, den Wüstenplaneten, eine schreckliche Welt, in der nur die Stärksten überleben können. Aber gleichzeitig ist Arrakis die wertvollste Welt der Galaxis, denn nur in ihren Dünenfeldern ist das Melange zu finden, eine Droge, die den Menschen die Gabe verleiht, in die Zukunft zu blicken. Als der Herzog Arrakis betritt, ist er so gut wie tot. Seine mächtigen Gegner haben längst alles vorbereitet, um die Familie Atreides auszurotten. Doch seinem Sohn gelingt es, in die Wüste zu entkommen und bei den Premen unterzutauchen. Er wird der Anführer, und sie nennen ihn Muad'dib. Er sammelt die Wüstenbeduinen um sich zu einem gnadenlosen Rachefeldzug.

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Zögernd erwiderte Paul: »Ich war zuerst auch ziemlich wütend und habe ihn verflucht. Aber der Angriff erfolgte außerhalb des Hauses. Es war eine einfache Sache, aber clever ausgetüftelt. Und ich wäre dem Ding sicher nicht entgangen, hätte ich nicht die Ausbildung, die du und viele andere mir gegeben habt — einschließlich Hawat.«

»Verteidigst du ihn auch noch?« entgegnete der Herzog.

»Ja.«

»Er wird allmählich alt. Das ist es. Man sollte ihn …«

»Er ist ein weiser Mann mit großen Erfahrungen«, warf Paul ein. »An wie viele Fehler Hawats kannst du dich erinnern?«

»Eigentlich sollte ich derjenige sein, der ihn verteidigt«, gab der Herzog nachdenklich zu. »Und nicht du.« Paul lächelte.

Leto ließ sich am Kopfende des Tisches nieder und legte eine Hand auf die seines Sohnes. »Du bist … so reif geworden, Sohn.« Er zog die Hand wieder zurück. »Das freut mich.« Er registrierte Pauls Lächeln. »Hawat wird durch das Wissen schon gestraft genug sein. Er wird sich selbst mehr Vorwürfe machen, als wir beide zusammen gegen ihn erheben können.«

Paul sah an der Kartentafel vorbei aus dem Fenster. Es war dunkel draußen. Die Lichter des Konferenzraums spiegelten sich in den Scheiben. Aber er sah auch eine Bewegung in seinem Rücken und erkannte die Umrisse eines Mannes in der Uniform der Atreides. Er drehte den Kopf der weißen Wand hinter seinem Vater zu. Seine Hände ballten sich auf der Tischplatte zu Fäusten.

Die dem Herzog gegenüberliegende Tür flog auf. Es war Thufir Hawat, der eintrat. Er sah älter und lederhäutiger aus als jemals zuvor. An der Längsseite des Konferenztisches blieb er stehen und blickte Leto fest an.

»Mylord«, sagte er, als spreche er jemand völlig Fremden an, »mir ist zu Ohren gekommen, daß ich Ihnen gegenüber versagt habe. Ich bitte Sie, meinen Rück…«

»Setz dich hin und benimm dich nicht wie ein Narr«, fiel der Herzog ihm ins Wort. Er deutete auf den Stuhl, auf dem Paul saß. »Wenn du überhaupt einen Fehler gemacht hast, dann den, die Harkonnens zu über schätzen. So simpel ihre Gedankengänge sind, so einfach sind auch ihre Tricks. Und mein Sohn hat mir eben erklärt, daß er dem Anschlag nur entgangen ist, weil er deine Ausbildung genossen hat. Du hast nicht versagt!« Er legte eine Hand auf die Rückenlehne eines unbesetzten Stuhles. »Und jetzt setz dich hin!«

Hawat ließ sich auf den Stuhl sinken. »Aber …«

»Ich will nichts mehr davon hören«, sagte der Herzog. »Die Vergangenheit ist tot. Wir haben jetzt andere Probleme zu bewältigen. Wo sind die anderen?«

»Ich habe sie gebeten, draußen zu warten, bis ich …«

»Rufe sie herein.«

Hawat blickte in Letos Augen. »Sire, ich …«

»Ich weiß sehr gut, wer meine wirklichen Freunde sind, Thufir«, erklärte der Herzog. »Und nun ruf die Männer herein.«

Hawat schluckte. »Sofort, Mylord.« Er drehte seinen Stuhl und rief zur Tür hinüber: »Gurney, bring sie rein.«

Halleck führte die Gruppe an, die grimmig dreinblickte, aber auch ein gewisses Maß an Entschlossenheit zeigte. Es waren die Stabsoffiziere, umgeben von ihren Adjutanten und jüngeren Spezialisten. Als sie ihre Plätze einnahmen, verstummte das übliche Geräusper recht schnell. Leichter Rachagduft erfüllte den Raum. Die Männer hatten also ein Stimulans zu sich genommen.

»Wer Kaffee haben will, soll sich melden«, sagte der Herzog. »Es ist genug da.« Er warf einen Blick über die Männer und dachte: Es sind gute Leute. Ich hätte es viel schlechter treffen können. Er wartete, bis jemand aus dem Nebenraum kam und den Kaffee serviert hatte. Die Männer sahen müde aus.

Dann erhob er sich, legte die Maske absoluter Ruhe an und lenkte die Aufmerksamkeit auf sich, indem er einmal leicht auf den Tisch klopfte.

»Nun, meine Herren«, begann er, »unsere Zivilisation scheint sich so an Invasionen gewöhnt zu haben, daß sie nicht einmal in der Lage sind, einem simplen Befehl des Imperators zu gehorchen, ohne dabei in die alten Unsitten zu verfallen.«

Das trockene Grinsen der Offiziere zeigte Paul, daß sein Vater genau den richtigen Ton zur rechten Zeit getroffen hatte. Die Stimmung war sehr wichtig, und sie hing zu einem Großteil davon ab, in welchem Tonfall der Herzog sich äußerte.

»Ich glaube, es ist momentan sicher am wichtigsten, zu erfahren, ob Thufir seinem Bericht über die Fremen etwas Neues hinzuzufügen hat.« Leto sah Hawat an. »Thufir?«

Hawat blickte auf. »Es gibt einige wirtschaftliche Schwierigkeiten, die aber zu weitschweifig sind, um sie jetzt zu erörtern, Sire. Was ich aber jetzt schon sagen kann, ist folgendes: Die Fremen scheinen für uns die idealen Verbündeten zu sein. Sie stehen zur Zeit noch in einer abwartenden, beobachtenden Position, weil sie noch nicht sicher sind, ob sie uns trauen können. Aber sie geben sich ehrliche Mühe, uns nicht als Gegner zu sehen. Sie haben uns eine Reihe von Geschenken übergeben … Destillanzüge ihrer eigenen Produktion, aber auch Karten bestimmter Wüstengebiete, in denen sich ehemalige Stützpunkte der Harkonnens befinden.« Er machte eine Pause. »Ihre Informationen waren bisher sehr zuverlässig und haben uns auch bei den Verhandlungen mit dem imperialen Schiedsmann sehr genützt. Sie haben außerdem noch einige Kleinigkeiten mitgebracht: Juwelen für Lady Jessica, Gewürzlikör, Süßigkeiten und Heilmittel. Meine Leute sind derzeit damit beschäftigt, all diese Dinge einer Prüfung zu unterziehen. Bis jetzt haben sich nicht die geringsten Hinweise irgendeiner Hinterlist dabei ergeben.«

»Du magst diese Leute, Thufir?« fragte einer der Offiziere.

Hawat wandte sich dem Mann zu. »Duncan Idaho meint sogar, sie seien nur zu bewundern.«

Paul sah zu seinem Vater, dann zu Hawat und fragte: »Gibt es neue Informationen darüber, wie viele Fremen hier leben?«

Hawat erwiderte: »Idaho schätzt den von ihm besuchten Höhlenkomplex auf rund zehntausend Bewohner. Der Führer erklärte ihm, er herrsche über zweitausend Feuerstellen, und wir haben guten Grund, anzunehmen, daß es noch viele solcher Sietch-Gemeinschaften gibt. Sie alle scheinen die Untertanen eines gewissen Liet zu sein.«

»Das ist mir wirklich neu«, sagte Leto.

»Möglicherweise liegt hier meinerseits aber auch ein Interpretationsfehler vor, Sire. Es ist nicht auszuschließen, daß es sich bei diesem Liet um eine Gottheit handelt.«

Ein weiterer Offizier fragte: »Kann man davon ausgehen, daß sie mit den Schmugglern unter einer Decke stecken?«

»Zur gleichen Zeit, als sich Idaho in diesem Sietch befand, brach von dort aus eine Schmugglerkarawane auf, die eine ziemliche Menge Gewürz mit sich führte. Sie verfügten über Lasttiere und rechneten mit einer achtzehntägigen Reise.«

»Es scheint«, warf Leto ein, »daß die Schmuggler während der hier herrschenden Unruhe der letzten Zeit ihre Anstrengungen verdoppelt haben. Das erfordert von unserer Seite ein vorsichtiges Handeln. Wir sollten uns nicht zu viele Sorgen wegen illegaler Fregatten machen, die auf Arrakis operieren. Das ist immer so gewesen. Aber wir können auf keinen Fall zulassen, daß sie völlig unserer Kontrolle entgleiten.«

»Haben Sie einen bestimmten Plan, Sire?« fragte Hawat.

Der Herzog sah ihn an. »Ich möchte, daß du, Gurney, eine Delegation anführst, die versuchen soll, mit diesen romantischen Geschäftsleuten einen Kontakt herzustellen. Bringe ihnen bei, daß ich ihr Geschäft so lange ignorieren werde, wie sie den herzoglichen Zehnten abliefern. Hawat schätzt, daß die Leute, die sie zu ihrem eigenen Schutz einstellten, sie das Vierfache kosten.«

»Und was geschieht, wenn der Imperator Wind von der ganzen Sache bekommt?« fragte Halleck. »Er legt auf seinen Anteil am Profit der MAFEA großen Wert, Mylord.«

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