Frank Herbert - Der Wüstenplanet

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Herzog Leto Atreides erhält vom Imperator Arrakis zum Lehen, den Wüstenplaneten, eine schreckliche Welt, in der nur die Stärksten überleben können. Aber gleichzeitig ist Arrakis die wertvollste Welt der Galaxis, denn nur in ihren Dünenfeldern ist das Melange zu finden, eine Droge, die den Menschen die Gabe verleiht, in die Zukunft zu blicken. Als der Herzog Arrakis betritt, ist er so gut wie tot. Seine mächtigen Gegner haben längst alles vorbereitet, um die Familie Atreides auszurotten. Doch seinem Sohn gelingt es, in die Wüste zu entkommen und bei den Premen unterzutauchen. Er wird der Anführer, und sie nennen ihn Muad'dib. Er sammelt die Wüstenbeduinen um sich zu einem gnadenlosen Rachefeldzug.

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Leto lächelte. »Wir nehmen den Zehnten ganz offen im Namen Shaddams IV. entgegen und ziehen ihn dann völlig legal von dem Betrag ab, den er zur Aufrechterhaltung der Kampfkraft seiner Legionen zu erhalten pflegt. Die Harkonnens werden schäumen! Und wir werden eine ganze Reihe derjenigen, die in ihrem Sold stehen, damit ruinieren.«

Hallecks Gesicht verzog sich zu einem Grinsen. »Das ist ein ganz hübscher Schlag unter die Gürtellinie, Mylord. Ich würde gerne das Gesicht des Barons sehen, wenn er davon erfährt.«

An Hawat gewandt, sagte der Herzog: »Hast du die Bankauszüge, die man dir zum Kauf angeboten hat, bekommen?«

»Ja, Mylord. Sie werden noch geprüft, aber ich habe sie mir angesehen und kann eine Schätzung abgeben.«

»Bitte.«

»Die Harkonnens haben alle dreihundertdreißig Standardtage auf Arrakis zehn Milliarden Solaris Gewinn gemacht.«

Ein Raunen lief durch das Konferenzzimmer. Selbst die Adjutanten, die bislang in relativer Langeweile zugehört hatten, zeigten nun Interesse.

Halleck murmelte: »Und sie werden den Überfluß des Meeres genießen und den unter dem Sand vergrabenen Schatz.«

»Sie sehen also, meine Herren«, fuhr der Herzog fort, »daß keiner von uns so naiv sein darf, zu glauben, daß die Harkonnens ohne zu murren ihre Sachen packen, nur weil ein kaiserlicher Befehl ihnen das vorschreibt.«

Allgemeines Kopfschütteln. Die Männer murmelten Zustimmung.

»Wir werden uns diesen Planeten erkämpfen müssen«, sagte Leto. Zu Hawat gewandt, sagte er: »Und damit kämen wir zu einem wichtigen Punkt: unsere Ausrüstung. Wie viele Sandkriecher, Gewürzfabriken und Hilfsgeräte haben wir?«

»Eine volle Grundausstattung, das behauptet wenigstens das Verzeichnis der Anlagegüter, bei dessen Aufstellung der Schiedsmann als Zeuge anwesend war, Mylord«, gab Hawat bekannt. Er verlangte nach einem Stück Papier, das er vor sich auf dem Tisch ausbreitete. »Natürlich vergaß man zu erwähnen, daß weniger als die Hälfte aller Kriecher benutzbar sind daß nur ein Drittel über Caryalls verfügen, um sie in die Gewürzgebiete zu fliegen, und daß alles, was die Harkonnens uns zurückließen, sich im Zustand des Verfalls befindet. Wir können also von Glück reden, wenn es uns gelingen sollte, die Hälfte aller Maschinen zum Arbeiten zu kriegen und ein Drittel davon länger funktioniert als sechs Monate, von heute an gerechnet.«

Genau wie wir erwartet haben sagte Leto Wie viele Maschinen sind sofort - фото 7

»Genau wie wir erwartet haben«, sagte Leto. »Wie viele Maschinen sind sofort betriebsbereit?«

Hawat schaute auf seine Liste. »Etwa neunhundertdreißig Erntefabriken, wenn wir noch ein paar Tage mit ihrer Inspektion verbringen. Etwa sechstausendzweihundert Ornithopter für die Erkundung, Beobachtung und Wetterbeobachtung … etwas weniger als tausend Carryalls.«

»Würde es nicht billiger sein, mit der Gilde Verhandlungen aufzunehmen, daß sie uns erlaubt, eine Fregatte als Wettersatellit einzusetzen?« warf Halleck ein.

Der Herzog musterte Hawat. »Auf diesem Gebiet nichts Neues, was, Thufir?«

»Wir müssen uns vorläufig mit anderen Möglichkeiten zufriedengeben«, erklärte Hawat. »Der Vertreter der Gilde erweckte in mir nicht gerade den Eindruck, als verhandele er wirklich mit uns. Er hat mir durch die Blume — sozusagen von einem Mentaten zum anderen — erklärt, daß uns dies eine Summe kosten würde, die wir uns nicht mal im Traum vorstellen könnten. Wir können nichts anderes tun, als etwas zu improvisieren, ehe wir uns der Gilde mit Haut und Haaren ausliefern.«

Einer von Hallecks Adjutanten fauchte: »Das ist eine verdammte Ungerechtigkeit!«

»Wer«, warf Leto ein, den Mann ansehend, »verlangt nach Gerechtigkeit? Wir haben unsere eigenen Gesetze zu machen. Für uns geht es hier auf Arrakis jetzt nur um eins: gewinnen oder sterben. Bedauern Sie es schon, daß Sie Ihr Schicksal mit dem unseren verknüpft haben, Sir?«

Der Mann starrte Leto an und erwiderte dann: »Nein, Sire. Es ist mir klar, daß Sie überhaupt keine andere Wahl hatten, als Arrakis zu übernehmen. Und ich konnte nichts anderes tun, als Ihnen zu folgen. Vergeben Sie mir bitte meinen Gefühlsausbruch aber …« Er zuckte die Achseln. »… manchmal fühlen wir uns eben alle verbittert.«

»Dafür habe ich Verständnis«, sagte der Herzog. »Aber laßt uns nicht über Gerechtigkeit debattieren, solange wir noch über Waffen verfügen — und die Freiheit, sie einzusetzen. Fühlt sich noch jemand aus Ihren Reihen verbittert? Wenn dem so ist, sprechen Sie darüber. Dies hier ist eine Versammlung unter Freunden, bei der jeder sagen kann, was ihn bedrückt.«

Halleck hob den Kopf und sagte: »Was ich bedenklich finde, Sire, ist daß uns die anderen Hohen Häuser nicht mit Freiwilligen unterstützen. Sie nennen Sie ›Leto, den Gerechten‹, versprechen Ihnen ewige Freundschaft — aber wenn es darauf ankommt, dafür etwas zu bezahlen, ziehen sie sich zurück.«

»Das tun sie, weil sie noch daran zweifeln, wer aus diesem Kampf als Sieger hervorgeht. Die meisten Häuser sind nur deshalb so groß geworden, weil sie zu keiner Zeit Risiken auf sich luden. Man kann sie deswegen nicht tadeln, sondern nur verachten.« Er wandte sich wieder Hawat zu. »Bleiben wir noch bei unserer Ausrüstung. Könntest du anhand einiger Beispiele verdeutlichen, wie die Maschinerie arbeitet? Die Leute hier sind darin noch völlig unerfahren.«

Hawat nickte und gab einem Adjutanten, der neben dem Projektor stand, einen Wink.

Eine Solido-3-D-Projektion erschien mitten über dem Tisch. Mehrere Männer, die an den äußeren Enden saßen, standen auf und kamen näher heran, um eine bessere Aussicht zu haben.

Auch Paul beugte sich vor und starrte auf die Maschine.

Nahm man die winzigen, im Vordergrund der Maschine stehenden Menschlein als Maßstab, mußte die Maschine etwa einhundertzwanzig Meter lang und vierzig Meter breit sein. Sie erschien ihm wie eine riesige Raupe, die sich auf Ketten fortbewegte.

»Dies ist eine Erntefabrik«, erklärte Hawat. »Für diese Einweisung haben wir eine ausgewählt, die in relativ gutem Zustand ist. Es handelt sich um eine Maschine, die bereits mit dem ersten Team imperialer Ökologen ankam und immer noch arbeitet … auch wenn das kaum zu glauben ist.«

»Wenn es der Ernter ist, der den Namen Alte Maria trägt, gehört er ins Museum. Ich nehme an, die Harkonnens haben ihn als Strafe für aufmüpfige Arbeiter zurückbehalten. Benimm dich anständig oder du arbeitest auf der Alten Maria. «

Ein leises Lachen klang auf.

Paul, der in dieser Minute nicht den geringsten Humor zu empfinden in der Lage war, schenkte der Projektion seine ganze Aufmerksamkeit. Eine Frage beschäftigte ihn. Er deutete auf das Abbild der Projektion und fragte: »Gibt es wirklich Sandwürmer, die so groß sind, daß sie eine solche Maschine mit einem Bissen verschlucken können?«

Sofort herrschte Stille. Der Herzog hielt den Atem an und dachte: Nein — sie müssen den Realitäten einfach ins Auge sehen.

»Es gibt tief in der Wüste tatsächlich solche großen Würmer«, führte Hawat aus. »Und sogar hier, in der Nähe des Schildwalls, wo die meisten Abbauarbeiten stattfinden, gibt es Würmer, die groß genug sind, eine Maschine aus purem Vergnügen schwer zu beschädigen.«

»Warum schützen wir die Fabriken dann nicht mit Schilden?« fragte Paul interessiert.

»Idaho hat herausgefunden«, fuhr Hawat fort, »daß das Tragen von Schilden in der Wüste eine große Gefahr darstellt. Allein ein Körperschirm erweckt die Aufmerksamkeit eines jeden Wurms in einer Entfernung von mehreren hundert Metern. Offenbar ist es die Ausstrahlung, die sie verrückt macht und in mörderische Bestien verwandelt. Auch die Fremen sind dieser Meinung, und wir haben keinen Grund, ihnen das nicht zu glauben. Idaho hat keinen einzigen Schild in ihrem Sietch zu Gesicht bekommen.«

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