Frank Herbert - Der Wüstenplanet

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Herzog Leto Atreides erhält vom Imperator Arrakis zum Lehen, den Wüstenplaneten, eine schreckliche Welt, in der nur die Stärksten überleben können. Aber gleichzeitig ist Arrakis die wertvollste Welt der Galaxis, denn nur in ihren Dünenfeldern ist das Melange zu finden, eine Droge, die den Menschen die Gabe verleiht, in die Zukunft zu blicken. Als der Herzog Arrakis betritt, ist er so gut wie tot. Seine mächtigen Gegner haben längst alles vorbereitet, um die Familie Atreides auszurotten. Doch seinem Sohn gelingt es, in die Wüste zu entkommen und bei den Premen unterzutauchen. Er wird der Anführer, und sie nennen ihn Muad'dib. Er sammelt die Wüstenbeduinen um sich zu einem gnadenlosen Rachefeldzug.

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Feyd-Rautha warf den beiden Wachen, die an der rechten Wand standen, einen Blick zu und nickte. Die beiden setzten sich sofort in Bewegung, eilten aus der Tür und machten sich auf den Weg zu den Räumen des Barons.

Diese beiden also, wie? dachte der Baron. Oh, dieses kleine Ungeheuer hat noch viel zu lernen, bevor es die Konspiration perfekt beherrscht!

»Ich nehme an, du hast das Sklavenquartier nicht in Aufregung versetzt, Feyd«, sagte der Baron.

»Ich habe mit dem Sklavenmeister Cheops gespielt«, erwiderte Feyd-Rautha und dachte: Was ist schiefgegangen? Der Junge, den wir ihm geschickt haben, ist offensichtlich umgebracht worden. Und das, obwohl er wie kein anderer für diese Aufgabe prädestiniert war. Selbst Hawat hätte keine bessere Wahl treffen können. Der Junge war perfekt!

»Du hast also Pyramidenschach gespielt«, sagte der Baron. »Wie hübsch. Hast du gewonnen?«

»Ich … äh, ja, Onkel.« Er bemühte sich, ruhig zu bleiben.

Der Baron schnippte mit den Fingern. »Nefud, sind Sie daran interessiert, meine Gunst zurückzugewinnen?«

»Sire«, stammelte Nefud, »was habe ich getan?«

»Das ist jetzt unwichtig«, entgegnete der Baron. »Feyd hat den Sklavenmeister beim Cheops-Spiel geschlagen. Haben Sie das mitbekommen?«

»Jawohl … Sire.«

»Ich wünsche, daß Sie sich drei Männer nehmen und mit ihnen zum Sklavenmeister gehen. Sie stecken ihn in die Garotte und bringen mir seine Leiche, damit ich sehen kann, ob Sie es auch richtig gemacht haben. Wir können solche unfähigen Schachspieler an unserem Hof nicht dulden.«

Feyd-Rautha, plötzlich erblassend, tat einen Schritt nach vorn. »Aber, Onkel … ich …«

»Später, Feyd«, erwiderte der Baron und winkte ab. »Später.«

Die beiden Wächter, die die Räume des Barons aufgesucht hatten, um den Leichnam des Sklavenjungen zu entfernen, kehrten nun zurück. Sie gingen am Freizeitraum vorbei und trugen den toten Jungen zwischen sich. Seine Arme baumelten herab. Der Baron schaute den Wächtern nach, bis sie sich außer Sichtweite befanden.

Nefud stellte sich neben seinen Herrn und fragte: »Sie wünschen, daß ich den Sklavenmeister auf der Stelle umbringe, Mylord?«

»Genau das«, bekräftigte der Baron. »Und wenn Sie damit fertig sind, geschieht das gleiche mit den beiden Männern, die gerade an uns vorbeigegangen sind. Ich mag die Art nicht, in der sie eine Leiche transportieren. Man sollte bei solchen Dinge etwas pietätvoller zu Werke gehen. Auch ihre Kadaver möchte ich mit meinen eigenen Augen sehen.«

Nefud sagte: »Mylord, ist es etwas, das ich …«

»Tun Sie, was Ihr Herr Ihnen befohlen hat«, warf Feyd-Rautha ein. Und er dachte: Ich muß jetzt zuallererst daran denken, meine eigene Haut zu retten.

Gut! dachte der Baron. Zumindest weiß er jetzt, wie man alle Brücken hinter sich abbricht. Er lächelte, ohne daß es jemand zu Gesicht bekam. Der Bursche weiß genau, was mich freut und wie er es verhindern kann, daß meine Wut auf ihn fällt. Und er weiß, daß ich ihn vor etwas bewahren muß. Wer sollte sonst all das übernehmen, wenn ich einmal nicht mehr bin? Ich habe niemanden, der ihm gleichwertig ist. Aber er muß lernen! Und ich muß mich während dieser Zeit auch ein wenig mehr zurückhalten.

Nefud gab einigen Männern ein Zeichen und verließ an ihrer Spitze den Raum.

»Würdest du mich in meine Räume zurückbegleiten, Feyd?« fragte der Baron.

»Ganz zu deinen Diensten«, erwiderte Feyd-Rautha. Er verbeugte sich und dachte: Er hat mich ertappt.

»Nach dir«, sagte der Baron und deutete auf die Tür.

Lediglich an einem kleinen Zögern konnte Feyd-Rautha seine Angst verbergen. Habe ich völlig versagt? fragte er sich. Wird er mir jetzt ein vergiftetes Messer in den Rücken stoßen? Gibt es für ihn doch noch einen alternativen Favoriten?

Er muß diesen Moment schrecklicher Ungewißheit durchstehen, dachte der Baron, als er sich anschickte, hinter seinem Neffen herzugehen. Eines Tages wird er mich überflügeln — aber erst dann, wenn ich es will. Ich werde nicht zulassen, daß er das wegwirft, was ich aufgebaut habe.

Feyd-Rautha gab sich die größte Mühe, nicht zu schnell zu gehen. Er fühlte, wie sich auf seinem Rücken eine Gänsehaut bildete, und fragte sich, wann der tödliche Stoß erfolgen würde. Er spürte, wie sich seine Muskeln abwechselnd spannten und erschlafften.

»Hast du das Neueste von Arrakis schon gehört?« fragte der Baron.

»Nein, Onkel.«

Feyd-Rautha zwang sich dazu, nach vorne zu blicken, verließ den Bedienstetenflügel und bog in die Halle ein.

»Unter den Fremen soll es einen neuen Propheten geben, der irgendeine Führungsrolle übernommen hat«, erklärte der Baron. »Sie nennen ihn Muad'dib. Und das ist wirklich lustig. Es bedeutet ›die Maus‹. Ich habe Rabban gesagt, er soll sie in der Ausübung ihrer Religion nicht behindern. Das wird sie beschäftigt halten.«

»Das ist wirklich interessant, Onkel«, sagte Feyd-Rautha. Er bog in den Korridor ein, der zu den Privatquartieren seines Onkels führte und fragte sich: Warum redet er nur über Religion? Soll das ein versteckter Fingerzeig für mich sein?

»Ja, nicht wahr?« meinte der Baron.

Durch den Empfangssalon betraten sie das Apartment des Barons und gingen in den Schlafraum. Es waren verschiedene kleine Anzeichen eines Kampfes zu sehen: eine verschobene Suspensorlampe, ein auf dem Boden liegendes Bettuch, eine Tablettenhülse, die offen auf dem Bett lag und deren Inhalt verstreut war.

»Es war ein intelligenter Plan«, sagte der Baron. Er hatte seinen Körperschild noch immer auf Maximalleistung geschaltet, als er stehenblieb und seinen Neffen fixierte. »Aber leider nicht intelligent genug. Sag mir, Feyd, warum hast du mich nicht selbst niedergestreckt? Gelegenheiten dazu hattest du doch genug.«

Feyd-Rautha fand einen Suspensorensessel und unterdrückte ein Schaudern, als ihm bewußt wurde, daß er sich hingesetzt hatte, ohne danach zu fragen.

Am besten ist es, wenn ich mich ihm frech zeige, dachte er.

»Du hast mir selbst beigebracht, daß meine Hände auf jeden Fall sauber bleiben müssen«, erwiderte er.

»Ach ja«, meinte der Baron. »Wenn du dem Imperator gegenüberstehst, mußt du die Kraft haben, jede Beschuldigung zu bestreiten. Die Hexe, die neben ihm sitzt, wird jedes deiner Worte genau analysieren. Und sie ist in der Lage, die Wahrheit von der Lüge genauestens zu unterscheiden. Tatsächlich, ich war es selbst, der dir das beigebracht hat.«

»Warum hast du dir nie eine Bene Gesserit gekauft, Onkel?« fragte Feyd-Rautha. »Mit einer Wahrsagerin an der Seite …«

»Du weißt, wie ich darüber denke!« schnappte der Baron.

Feyd-Rautha musterte ihn und sagte: »Und dennoch, eine wäre vielleicht …«

»Ich traue ihnen nicht!« schnaufte der Baron. »Und hör jetzt damit auf, das Thema zu wechseln!«

Sanft erwiderte Feyd-Rautha: »Ganz wie du es wünschst, Onkel.«

»Ich erinnere mich an einen Tag«, fuhr der Baron fort, »als es so aussah, als beabsichtigte jemand, dich durch einen Sklaven umbringen zu lassen. In der Arena. Es ist mehrere Jahre her. Ist es wirklich so gewesen damals?«

»Es ist wirklich ziemlich lange her, Onkel. Nach allem, was in der Zwischenzeit …«

»Keine Ausreden, wenn ich bitten darf!« Die Schärfe, mit der er diese Worte hervorstieß, zeigte deutlich, wie verärgert er war.

Feyd-Rautha schaute ihn an und dachte: Er weiß es, sonst würde er nicht danach fragen.

»Es war eine Täuschung, Onkel. Ich arrangierte die Sache, um deinen Sklavenmeister zu diskreditieren.«

»Wirklich clever«, meinte der Baron. »Und mutig. Dieser Sklavenmeister hat dich hart herangenommen, nicht wahr?«

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