Wolfgang Herrndorf - Sand

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Sand: краткое содержание, описание и аннотация

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"Er aß und trank, bürstete seine Kleider ab, leerte den Sand aus seinen Taschen und überprüfte noch einmal die Innentasche des Blazers. Er wusch sich unter dem Tisch die Hände mit ein wenig Trinkwasser, goß den Rest über seine geplagten Füße und schaute die Straße entlang. Sandfarbene Kinder spielten mit einem sandfarbenen Fußball zwischen sandfarbenen Hütten. Dreck und zerlumpte Gestalten, und ihm fiel ein, wie gefährlich es im Grunde war, eine weiße, blonde, ortsunkundige Frau in einem Auto hierherzubestellen."
Während in München Palästinenser des "Schwarzen September" das Olympische Dorf überfallen, geschehen in der Sahara mysteriöse Dinge. In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen ermordet, ein Geldkoffer verschwindet, und ein unterbelichteter Kommissar versucht sich an der Aufklärung des Falles. Ein verwirrter Atomspion, eine platinblonde Amerikanerin, ein Mann ohne Gedächtnis — Nordafrika 1972.
Ein mitreißender Agententhriller — und noch viel mehr: ein literarisches Abenteuer, ein außerordentlicher Roman. (rowohlt)

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«Hey, hey, hey», sagte der strahlende Risa und hielt Carl ein Schlüsselbund vors Gesicht. «Kannst du Auto fahren, Hobbyterrorist? Ich brauch einen, der mich nach Tindirma fährt. Zehn Dollar oder Mine mit Riesenwums. Oder beides. Okay?»

52. TUAREG

Nichts in der Stimme der Zikade sagt, wie bald sie sterben wird.

Basho

Carl lehnte das Angebot zuerst ab, aber dann fiel ihm der gelbe Mercedes ein, den er in Tindirma zurückgelassen hatte, und er griff nach dem Schlüssel.

Fast den ganzen Weg durch die Wüste döste Risa mit dem Kopf ans Beifahrerfenster gelehnt. Im Licht der Scheinwerfer tauchte das Salzviertel auf, die Piste, die Ziegelkamele, die Tankstelle, Tindirma.

In den Straßen um die Kommune herum standen Brandruinen. Familien saßen bei ihren Möbeln auf der Straße und schliefen. Carl fand den Mercedes bis auf ein paar Ascheflocken auf der Windschutzscheibe unbeschadet vor, und Risa, der vergeblich versuchte, ihn zum Dank noch in ein Bordell einzuladen, drückte ihm zum Abschied zu den zehn Dollar noch weitere zehn in die Hand und sagte: «Wenn du’s dir anders überlegst. Das Leben ist kurz.»

Das Leben ist kurz. Der Satz, der nur eine Floskel war, ging Carl nicht mehr aus dem Kopf. Während der ganzen Fahrt zurück nahm er nicht einmal den Fuß vom Gaspedal. Er raste. Die Tankstelle, die Ziegelkamele, die Piste, das Salzviertel. Ein oder zwei Kilometer vor dem Suq und schon in Sichtweite des über dem Häusermeer weithin aufragenden Sheraton schoss er in eine sandige, steinige Straße hinein. Der Mercedes schleppte eine meterhohe, von der frühen Morgensonne phantastisch angestrahlte Staubwolke hinter sich her, und als die Staubwolke sich über den kleinen Handwerkerläden, den Obstständen, dem Suq und dem Dampfbad der Ville Nouvelle wieder gelegt hatte, parkte dort zwischen Dampfbad und Kriegerdenkmal ein weißes Cabrio, in dem vier Männer saßen. Ein bemerkenswert schönes Auto, es war ein Alfa Spider mit roten Ledersitzen.

Der Fahrer des Spider hatte einen Pappteller mit einem Fleischgericht auf das Armaturenbrett hinter dem Steuer gestellt und griff mit zehn Fingern zu. Er war klein, schlank und drahtig. Seine Bewegungen hatten etwas Cholerisches an sich, selbst bei einer so harmlosen Tätigkeit wie Essen. Mit beiden Händen schob er sich tropfende Fleischstückchen in den Mund. Dann — mit vollgestopften Backen und wie eine beim Grasen gestörte Kuh — hielt er plötzlich im Kauen inne, als die Staubwolke ihn einhüllte, spuckte Teile seines Essens auf das Tachometer und drehte sich, als die Sicht wieder klarer wurde, aufgeregt nach den anderen Wageninsassen um.

Neben ihm auf dem Beifahrersitz saß ein stämmiger Schwarzer mit fast kahl geschorenem Schädel, der fluchend Soße von seinem Knie wischte. Hinter dem Schwarzen auf der Rückbank ein ebenso stämmiger, aber hellhäutiger Mann, der beim Anblick des Mercedes einen Arm in die Luft riss, und neben dem Hellhäutigen ein etwas älterer Weißhaariger, der nicht weniger erregt, aber etwas entschlossener als die anderen wirkte und eine Pistole durchlud. Adil Bassir.

Schwer zu sagen, warum sie dort parkten, worauf sie warteten und was sie überhaupt wollten. Vielleicht war es nur einer jener Zufälle, die man in Romanen nicht überstrapazieren sollte und die im richtigen Leben zur Erfindung des Begriffs Schicksal beigetragen haben.

Eine Sekunde später flog der Pappteller über Bord, und mit aufheulendem V6-Motor rutschte der Spider auf die Piste, driftete seitlich auf eine gegenüberliegende Wand aus Lehmziegeln zu und schoss der Staubwolke hinterher.

Der Alfa Spider hat eine Spitzengeschwindigkeit von über zweihundert Stundenkilometern, aber in den engen Gassen, auf den schlaglochübersäten Pisten und mit den dichten Staubwolken vor sich fuhr er nicht mehr als sechzig. Der Abstand zum gelben Mercedes wurde größer und verkleinerte sich wieder, Fußgänger spritzten zur Seite, und als sich zwischen den Baracken der Vororte die Staubwolke vor der Kühlerhaube des Spider plötzlich auflöste, war auch der Mercedes verschwunden.

Der Fahrer machte eine Vollbremsung, raste im Rückwärtsgang zur letzten Kreuzung zurück und drehte den Kopf ruckartig um neunzig, neunzig, zweihundertsiebzig Grad: vier ratlose Männer in einem italienischen Sportwagen voller Essensreste.

Auf einem kleinen Türmchen aus Autoreifen standen zwei Kinder. Bassir verbarg die Waffe zwischen seinen Knien und schrie: «Wo ist der lang?»

Die Kinder glotzten. Sie waren vielleicht acht und neun Jahre alt. Ihre Füße und ihre Zähne waren schwarz, die Kleidung zerschlissen. Im Gesicht des Kleineren saßen Fliegen in den Mundwinkeln, unter den Nasenlöchern, auf Augen und Stirn. Der Größere hielt einen breiigen Klumpen in der Hand, der aussah wie Gerstenbrot, das er zerkaut und wieder aus dem Mund genommen hatte. Die Haut seiner Arme schimmerte kindlich rein und schokoladenfarben, aber die Hände beider Kinder waren von Ekzemen gerötet, als würden sie regelmäßig in Säure gebadet. Aus den Hinterhöfen wehte der Gestank einer Gerberei herüber.

«Der gelbe Mercedes!», brüllte Bassir und zeigte auf die verschwundene Staubwolke. «Wo lang!»

Keine Antwort.

«Julius», sagte Bassir und gab dem Hellhäutigen die Pistole. Der sprang aus dem Wagen und stand mit einem Satz vor den Kindern.

«Wo lang!», fragte nun auch er.

Kohlenschwarze Augen, die in den Lauf der Pistole starrten.

«Der gelbe Mercedes!»

Er hielt dem Kleineren die Waffe ans Ohr. Der Junge stammelte Unverständliches. Eine Fliege flog aus seinem Augenwinkel auf, setzte sich auf den Pistolenlauf und krabbelte aufgeregt darauf herum.

Julius wiederholte seine Frage zweimal, riss dann einen Arm des Jungen in die Luft und schoss ihm durchs Ellenbogengelenk. Das Kind kippte sofort um, geräuschlos, schlackerte auf der Erde liegend mit den Beinen. Dem anderen stand der Mund offen.

«Wo lang?»

Der Größere schluchzte, gab aber ebenso wenig eine Antwort.

«Ich glaube, der versteht dich nicht», sagte der Schwarze vom Beifahrersitz aus. «Das sind Scheißtuareg.»

Er rief dem Kind eine Frage auf Tamahaq zu. Unverzüglich hob sich das zitternde Ärmchen und zeigte in einen Seitenweg hinter den Männern. Dort reihte sich Baracke an Baracke, und hinter der letzten glänzte im Sonnenlicht das gelbe, kastenförmige Heck eines parkenden Mercedes 280 SE.

53. DIE FÜNF SÄULEN

Wenn ein Hase, eine Ziege oder ein anderes Tier sich vor einem Betenden bewegen, bleibt das Gebet gültig. Die Rechtsgelehrten sind sich darüber einig, dass nur drei Wesen das Gebet ungültig machen: eine erwachsene Frau, ein schwarzer Hund und ein Esel.

Abdul-Aziz Ibn Baz

Carl, der seit einer Ewigkeit nichts Richtiges gegessen hatte, sah den kleinen Suq zur Rechten, tastete nach dem Geld in seiner Tasche und parkte den Wagen. Er war erst ein paar Meter weit zwischen den ersten Ständen hindurchspaziert und stand vor einer Auslage mit frischen Broten, als er hinter sich Geschrei hörte. Ein Schuss krachte. Über die Köpfe der Marktbesucher hinweg sah er den fast kahlen Schädel eines riesigen Schwarzen, der mit den Armbewegungen eines Freistilschwimmers auf ihn zukraulte. Hinter ihm zwei weitere Männer, die sich durch die Menge drängten. Eine hochgereckte Uzi in den Händen des Kleinen und im Gesicht des Weißhaarigen ein Lächeln. Carl wusste sofort, wer sie waren, und er musste nicht lange überlegen, was sie von ihm wollten. Das Ultimatum war abgelaufen. Er flüchtete sich in eine Traube von Menschen, in der Hoffnung, dass sie dann nicht auf ihn schießen würden. Tatsächlich schossen sie nicht, aber die Menschen stoben kreischend auseinander. Alles rannte in die Häuser. Augenblicklich war Carl mit seinen Verfolgern allein auf der Straße. Er sprintete in eine schmale Straße und sah zu spät, dass es eine Sackgasse war. Eine Tür wurde ihm vor der Nase zugeschlagen. Im selben Moment krachte der zweite Schuss.

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