Eugen Ruge - In Zeiten des abnehmenden Lichts

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In Zeiten des abnehmenden Lichts: краткое содержание, описание и аннотация

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Von den Jahren des Exils bis ins Wendejahr '89 und darüber hinaus reicht diese wechselvolle Geschichte einer deutschen Familie. Sie führt von Mexiko über Sibirien bis in die neu gegründete DDR, führt über die Gipfel und durch die Abgründe des 20. Jahrhunderts. So entsteht ein weites Panorama, ein großer Deutschlandroman, der, ungeheuer menschlich und komisch, Geschichte als Familiengeschichte erlebbar macht.

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Das heißt, er hatte versucht, sich Bratkartoffeln zu machen. Dummerweise waren die in Scheiben geschnittenen Kartoffeln am Pfannenboden angebacken und beim Wenden zerbrochen, sodass die am Boden klebenden Inseln nach einer Weile zu rauchen begannen. Um das Ganze zu retten, hatte er zwei Eier dazugetan: Katastrophe mit Ei, so nannte er das Gericht. Und so schmeckte es auch.

Warum machte Irina eigentlich nie Bratkartoffeln? Mit Spiegelei. Mochte er seit seiner Kindheit. War ihr das zu profan? Und wieso, fragte sich Kurt, während er Zeit genug hatte, den Feuerwanzen auf dem buckligen Neuendorfer Gehweg auszuweichen, wieso sprach sie eigentlich, von Belehrungen unbeirrt, seit dreißig Jahren alle langen Vokale im Deutschen kurz und alle kurzen umgekehrt lang aus: Ruhsische Selle

Er wollte mich ja heiraten, sagte Nadjeshda Iwanowna plötzlich.

Kurt wusste nicht gleich, ob sie mit ihm oder sich selbst sprach. Es stellte sich heraus, dass sie Irinas Vater meinte, von dem Irina (die ihn allerdings im Leben nur einmal und nur von weitem gesehen hatte) behauptete, dass er Zigeuner gewesen sei. Was Nadjeshda Iwanowna jedoch abstritt. Zuverlässig war keine der beiden Quellen. Irina neigte dazu, die Welt so zu sehen, wie sie sie sehen wollte, während Nadjeshda Iwanowna, die ja praktisch Analphabetin war, nur ein äußerst fragmentarisches Bewusstsein von den Ereignissen hatte, die rings um sie geschehen waren: Kollektivierung, Bürgerkrieg, Revolution — Kurt hatte Mühe, ihre Berichte nach verlässlichen Anhaltspunkten zu ordnen. Und dass Nadjeshda Iwanowna jetzt, während sie zu Wilhelms Geburtstag schritten, von einer Stadt zu sprechen begann, in die sie gezogen sei, verwirrte ihn sogar für einen Moment:

— In welche Stadt denn, fragte er.

Tatsächlich meinte sie Slawa.

Kurt sah «die Stadt» vor sich: die Schotterstraße, die übermannshohen Bretterzäune links und rechts, hinter denen sich schiefe, eingeschossige Holzbohlenhäuser duckten — eine Siedlung von nicht ganz neuntausend Einwohnern, flach zwischen die Sümpfe gebaut: der Arsch der Welt, dachte Kurt. Es gab wohl kaum einen Ort, der dreckiger, hässlicher, unwirtlicher war als dieses verdammte Nest, in dem er — nach Beendigung seiner Haftstrafe — noch sieben Jahre als sogenannter ewig Verbannter zugebracht hatte. Allerdings, wenn er davon absah, dass er (übrigens ziemlich regelmäßig einmal im Monat) das große Heulen bekommen hatte, wenn er gewahr wurde, wie die Zeit verstrich, ohne dass sich die Aussicht auftat, jemals wieder ein richtiges, ein normales Leben beginnen zu können — wenn er davon absah, musste er zugeben, dass es sogar in dem Drecksnest Gutes gegeben hatte.

Zum Beispiel die erste Suppe, die Irina für ihn gekocht hatte: Erbsensuppe aus der Tüte oder, genauer, aus dem Paket (frische Erbsen hatte es nicht gegeben). Wie köstlich! Auch wenn sie sich später, als Irina noch einmal so ein Paket aus Slawa mitbrachte, als kaum genießbar erwies …

Oder morgens schwimmen im Fluss.

Oder die weißen Nächte, wenn man bis zum Sonnenaufgang zusammen am Feuer saß und allmählich die Zeit zu verlieren begann … Auf ewig verbannt waren sie alle: eine Versammlung der Ewigkeiten. Wie lustig man sein konnte aus lauter Verzweiflung.

Oder die ersten Fotos, die Irina und er gemacht hatten. Den Fotoapparat hatte ihnen Sobakin aus Swerdlowsk mitgebracht, Entwickler hatten sie sich aus Pottasche und, wie hieß das Zeug, Natriumsulfit gemischt, und zwar, da die Verhältnisse genau stimmen mussten, unter Zuhilfenahme einer selbstgebastelten Balkenwaage sowie einiger als Gewichte dienender russischer Kopeken — und Kurt, der bei den «ersten Fotos» vor allem an bestimmte erste Fotos dachte, an die ersten, wie soll man es nennen, nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Fotos, erinnerte sich jetzt, während er mit Nadjeshda Iwanowna am Arm zu Wilhelms Geburtstag schritt, ziemlich genau an den Moment, als auf dem Blatt, das im selbstgemischten Entwickler schwamm, die Konturen heraustraten, zaghaft zuerst, kaum deutbar, kaum wusste man, wo oben und unten war, bis vor dem dunkler werdenden Hintergrund plötzlich — weiß und mächtig — Irinas Hüften hervorsprangen: So aufregend, dieser Moment, dass sie vergaßen, das Blatt ins Fixierbad zu legen, und stehend in der Dunkelkammer übereinander herfielen … Schade, dachte Kurt, dass sie die Fotos vor der Ausreise aus der Sowjetunion hatten vernichten müssen.

Andererseits: Wer weiß, vielleicht war es wie mit der ersten Tütensuppe nach zehn Jahren Lager. Ohnehin mochte Irina von solchen Dingen (wie sie es neuerdings nannte) nicht mehr viel wissen. Ja, sie begann sogar alles, was sie einmal als erotisch und lustvoll empfunden hatte, mehr und mehr abstoßend und niedrig zu finden: eine Art rückwärtsgewandte Schwarzseherei. War das auch ihre ruhsische Selle ? Oder war es die Eierstockoperation? Wie dem auch sei — das Leben mit Irina war auf einmal schwierig geworden. Und die Tatsache, dass Sascha im Westen war, würde es kaum leichter machen.

Was sagte er eigentlich Charlotte und Wilhelm?

Das Haus kam allmählich näher. Man sah schon, hoch oben zwischen den herbstlichten Baumkronen, das Turmzimmer mit seinen halbrunden Fenstern und seinen Zinnen. Dort hatte er einst seine Dissertation getippt, und auch wenn der Turm im Grunde den Gipfel einer gewaltigen Geschmacksverirrung darstellte (das ganze Haus war ein ziemlich übler, eklektizistischer Bau — ein neureicher Nazi hatte sich hier noch in den letzten Kriegstagen einen Traum verwirklicht), konnte Kurt nicht leugnen, dass er das kleine Turmzimmerchen immer gemocht hatte. Hier hatte sein zweites — oder sein drittes? — Leben begonnen, und er erinnerte sich gern an die Stille über Neuendorf, wenn er morgens um halb sieben das Fenster aufgerissen und seine Schreibmaschine aufgestellt hatte, an die prickelnde Luft, an die gelben Blätter vorm Fenster, obwohl es ja, dachte Kurt, nicht immerzu Herbst gewesen sein konnte — aber anstatt sich jetzt mit der Frage zu befassen, warum die Platanen in seiner Erinnerung stets gelb waren, sollte er sich, dachte er, lieber allmählich Gedanken darüber machen, wie er die Fragen, die ihm gleich gestellt werden würden, beantworten wollte.

Obwohl es eigentlich nichts zum Nachdenken gab. Was hatte es für einen Sinn, heute, an Wilhelms Geburtstag, einen Eklat zu provozieren: Wozu? Wem nützte das? Wilhelm war ein starrsinniger alter Idiot, und eigentlich, dachte Kurt, hätte er die Wahrheit verdient, als Strafe für seinen Starrsinn. Eigentlich, dachte er, während zwischen gescheckten Baumstämmen jetzt die graue Fassade zum Vorschein kam, die massive Tür, die vergitterten kleinen Flurfenster, die das Haus endgültig zu einer Festung machten — eigentlich müsste man es ihm sagen, dachte Kurt und versuchte, sich Wilhelms Gesicht vorzustellen: Heute, an deinem Geburtstag, müsste man sagen, hat dein Enkel entschieden, dass er die Schnauze voll hat von euch, herzlichen Glückwunsch! dachte Kurt und unterdrückte das Bedürfnis, einen der dämlichen Türklopfer zu betätigen: Schon lange ärgerte ihn dieses Nicht klopfen! Dass man schon mit einem Verbot empfangen wurde! Zumal man ja, wenn das Schild nicht da klebte, überhaupt nicht auf die Idee käme zu klopfen, ja, wahrscheinlich käme man noch nicht einmal auf die Idee, dass es sich bei diesen dämlichen Löwenköpfen um Türklopfer handelte!

Kurt holte tief Luft, so tief, als müsste er mit der eingeatmeten Luft für einige Stunden auskommen, und drückte die Klingel.

Die Tür öffnete sich, ein Gesicht erschien: ein rundes, ein dummes Gesicht — es gab kaum jemanden, fand Kurt, dem man schon auf den ersten Blick so deutlich ansah, was er war, nämlich ein Funktionärr — eines von Irinas beliebtesten Schimpfwörtern. Kurt versuchte, sich rasch an Schlinger vorbeizuschieben, aber Schlinger, einmal im Besitz seiner Hand, wollte sie nicht wieder loslassen, schüttelte sie, nickte Kurt zu auf seine typische, unangenehm vertrauliche Art, und bedauerlicherweise ertappte Kurt sich dabei, wie er, und sei es bloß, um die Sache abzukürzen, zurücknickte.

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