Eugen Ruge - In Zeiten des abnehmenden Lichts

Здесь есть возможность читать онлайн «Eugen Ruge - In Zeiten des abnehmenden Lichts» весь текст электронной книги совершенно бесплатно (целиком полную версию без сокращений). В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Год выпуска: 2012, Издательство: Rowohlt, Жанр: Современная проза, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

In Zeiten des abnehmenden Lichts: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «In Zeiten des abnehmenden Lichts»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

Von den Jahren des Exils bis ins Wendejahr '89 und darüber hinaus reicht diese wechselvolle Geschichte einer deutschen Familie. Sie führt von Mexiko über Sibirien bis in die neu gegründete DDR, führt über die Gipfel und durch die Abgründe des 20. Jahrhunderts. So entsteht ein weites Panorama, ein großer Deutschlandroman, der, ungeheuer menschlich und komisch, Geschichte als Familiengeschichte erlebbar macht.

In Zeiten des abnehmenden Lichts — читать онлайн бесплатно полную книгу (весь текст) целиком

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «In Zeiten des abnehmenden Lichts», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Alexander bezahlt, verstaut umständlich seine Geldbörse, bis der Taxifahrer außer Sichtweite ist. Direkt neben dem Imperial steht ein kleineres, bescheideneres Hotel. Die Übernachtung kostet hier zweihundert Pesos. Er bezahlt eine Woche im Voraus und bekommt ein Zimmer im ersten Stock mit Blick auf einen hübschen Platz, mit einem Campanile und Palmen, das Ganze von pastellfarbenen Gebäuden umgeben, die Alexander für Kolonialstil hält, vielleicht wegen der Arkaden, in deren Schatten sich zahlreiche Cafés und Kneipen eingenistet haben. Dann überkommt ihn die Befürchtung, der Lärm aus den Kneipen, besonders aus dem Hotelrestaurant, dessen Tische und Stühle sich direkt unter seinem Fenster ausbreiten, könnte ihm in der Nacht den Schlaf rauben, und er bittet die beiden Mädchen an der Rezeption um ein stilleres, abgelegenes Zimmer. Zwar versichern die beiden einhellig und mit mathematischem Ernst, dass der Platz in der Nacht ruhig sei, aber Alexander besteht auf dem Tausch. Anstelle des hellen, geräumigen Zimmers mit Blick auf den Platz bekommt er ein kleines, fensterloses, das sein spärliches Tageslicht aus einem Glasbausteinschlitz bezieht und seine Atemluft aus einer Klimaanlage. Wahrscheinlich ist das Zimmer zu teuer bezahlt, aber sein Schlaf ist ihm wichtiger als eine schöne Aussicht.

Er isst in einem restaurante familiar , was immer das bedeutet. Der Kellner, ein vielleicht fünfundzwanzigjähriger Mann in einem babyblauen Polohemd, legt ihm seinen Notizblock auf den Tisch, damit er die Nummer des von ihm bestellten Gerichts selbst hinschreibt, und geht anschließend damit zu einem Tresen, wo die Bestellung von einer jungen, geschäftigen Frau entziffert und an zwei ältere Frauen weitergegeben wird, welche flink und vor aller Augen die Gerichte zubereiten. Der Salat aus Garnelen und Kräutern, den Alexander bekommt, ist frisch und schmeckt wunderbar, und trotz der bunten Igelit-Tischdecken, trotz der weißen Plastikstühle und der sperrangelweit offenen Türen und sogar trotz der Neonröhren an der Decke, die ungeachtet der Tageszeit eingeschaltet sind, strahlt das Restaurant beinahe so etwas wie Gemütlichkeit aus, etwas Häusliches, Warmes, und vielleicht ist es gerade das, was Alexander für eine Sekunde innehalten lässt, was ihm für einen Augenblick Schluckbeschwerden bereitet. Vielleicht ist es die betriebsame Eintracht hinter dem Tresen, wo die beiden Frauen, eine mittleren Alters und eine Uralte, jetzt den Fisch für ihn zubereiten. Oder ist es die winzige Geste des Kellners, der ihm, nachdem er den Garnelensalat auf einem flachen Teller vorsichtig durch den Raum balanciert und ihn, ohne mit dem Daumen in die Soße zu dippen, auf seinem Platz abgestellt hat, ermutigend zunickt und ihm — fast zärtlich — die Hand auf die Schulter legt.

Die Dunkelheit kommt übergangslos und ziemlich genau um sechs. Alexander macht noch einen Abstecher zur hellerleuchteten Hafenpromenade. Die Temperaturen sind jetzt erträglich, der Ozean atmet ihn an, aber auch hier scheint die Luft wie mit Wehmut getränkt. Alexander atmet vorsichtig und flach, um nicht zu viel davon in seinen Körper eindringen zu lassen.

An der Kaimauer, wo eine Gruppe schwerbewaffneter Polizisten herumlungert wie eine Jugendbande, dreht er sich um, schaut zurück auf die Stadt Veracruz, betrachtet sie von der Seeseite aus: so etwa — abgesehen von dem vielstöckigen Neubau direkt am Kai — muss sie sich den aus Europa Ankommenden dargeboten haben. So haben sie möglicherweise Nacht für Nacht vom Schiffsdeck aus in die Tiefe der Hafenpromenade geschaut, hinein in das Land, das für viele die letzte Hoffnung bedeutete. Jahrelang, so reimt Alexander sich die Vorgeschichte jener Geschichte zusammen, die seine Großmutter ihm einmal erzählt hat — jahrelang waren diese Menschen auf der Flucht gewesen, waren in höchster Not aus französischen Internierungslagern entwischt, waren den nach Marseille vorrückenden deutschen Truppen entkommen, hatten in enervierenden Behördengängen Transitvisa oder Aufenthaltsverlängerungen ergattert, hatten Wochen oder Monate mittellos in einer trostlosen nordafrikanischen Stadt ausgeharrt, bis sich ein Schiff fand, das sie als Passagiere dritter Klasse über den Ozean brachte, und hatten dann, bei der Ankunft in Veracruz, nicht an Land gehen dürfen, weil noch nicht alle Formalitäten geklärt, nicht alle Genehmigungen erteilt waren. In dieser Lage waren einem der Wartenden die Nerven durchgegangen, und er war eines Nachts ins Hafenbecken gesprungen, um Mexiko schwimmend zu erreichen. Der Mann, so seine Großmutter, sei im Wasser verschwunden und nicht wieder aufgetaucht. Schon bald zogen über der Stelle, wo der Mann eingetaucht war, die Spitzen schwarzer, das Wasser sanft zerteilender Rückenflossen gleichmäßig ihre Kreise.

Der Platz vor dem Hotel ist, als er zurückkommt, mäßig belebt, nicht so stark, wie er befürchtet hat, aber gerade noch so, dass der Tausch des Zimmers nachträglich gerechtfertigt erscheint. Allerdings bleibt ihm in dem stickigen, fensterlosen Raum nichts anderes übrig, als die Klimaanlage einzuschalten, die aber, wie sich jetzt herausstellt, an einen Lichtschacht montiert ist, der Schwaden ausgestoßenen Zigarettenrauchs mit sich führt. Obendrein rasselt die Anlage, es dauert lange, bis er begreift, woran ihn dieses Rasseln erinnert — aber dann überfällt ihn die Erinnerung wie ein Déjà-vu, und er muss das Licht einschalten, um sich zu vergewissern, dass er nicht wieder im Krankenhaus ist.

Am Morgen hat er Kopfschmerzen, fühlt sich schlecht. Er vermeidet es, nach den Lymphknoten zu tasten, er vermeidet alles, was ihn ankratzen, was ihn aus der Bahn werfen könnte. Er verzichtet aufs Kaltduschen, das ihm seit Jahren Gewohnheit ist, steigt mit leichtem Schwindelgefühl die Treppe hinab. Als er auf den Platz hinaustritt, ist der mexikanische Himmel, der bis jetzt jeden Tag blau gewesen war, plötzlich bedeckt. Wenn er nicht wüsste, dass die Regenzeit in Mexiko erst im Mai beginnt, würde er sagen, dass es nach Regen aussieht.

Er findet rasch eine farmacia , genießt einen gewissenlosen Augenblick lang die Allgegenwart multinationaler Konzerne, infolge deren es ausreicht, das Wort Aspirin auszuhauchen, um das gewünschte Produkt zu erhalten. Als schwierig erweist es sich jedoch, dem Apotheker auch seinen zweiten Wunsch verständlich zu machen. Er versucht es mit:

— Quiero algo para tapar las orejas.

Der Apotheker wiegt bedeutsam den Kopf hin und her beginnt dann, Alexander insistierende, aber unverständliche Fragen zu stellen, auf deren Beantwortung er aber zu bestehen scheint, bis er schließlich, obwohl Alexander kaum artikulierte Laute hervorbringt, eine Erleuchtung hat, die sich in der emphatischen Wiederholung des Wortes ferretería niederschlägt, und nun muss Alexander auch noch eine schwierige Wegbeschreibung über sich ergehen lassen, obwohl er inzwischen sicher ist, missverstanden worden zu sein: Auf keinen Fall will er sich etwas aus Eisen in seine Ohren stecken.

Er findet ein großes Kaffeehaus am Platz. Hier gibt es eine Unzahl von Kellnern in schokoladenbraunen Anzügen, aber aufgrund der komplizierten Zuständigkeitsbereiche, die Alexander nicht sofort durchschaut, dauert es eine Ewigkeit, bis er — jeweils bei einem anderen Kellner — einen Kaffee, ein Glas Wasser und ein Croissant bestellen kann, eine weitere Ewigkeit, bis er alles bekommen hat, und am Ende dauert es noch einmal unendlich lange, bis er den fürs Bezahlen zuständigen Kellner identifiziert hat und schließlich an seinen Tisch dirigieren kann. Sein Kopf droht zu platzen, als er das Kaffeehaus verlässt. Noch draußen auf dem Platz hat er das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Er geht los, ohne zu überlegen, ohne sich über die Richtung im Klaren zu sein, findet sich nach wenigen Minuten auf der Hafenpromenade wieder und atmet jetzt tief und durch geblähte Nasenflügel den über das Meer kommenden Wind ein, obwohl er noch immer so schwer, so feucht, so gefährlich duftet wie gestern.

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «In Zeiten des abnehmenden Lichts»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «In Zeiten des abnehmenden Lichts» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «In Zeiten des abnehmenden Lichts»

Обсуждение, отзывы о книге «In Zeiten des abnehmenden Lichts» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.