Eugen Ruge - In Zeiten des abnehmenden Lichts

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In Zeiten des abnehmenden Lichts: краткое содержание, описание и аннотация

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Von den Jahren des Exils bis ins Wendejahr '89 und darüber hinaus reicht diese wechselvolle Geschichte einer deutschen Familie. Sie führt von Mexiko über Sibirien bis in die neu gegründete DDR, führt über die Gipfel und durch die Abgründe des 20. Jahrhunderts. So entsteht ein weites Panorama, ein großer Deutschlandroman, der, ungeheuer menschlich und komisch, Geschichte als Familiengeschichte erlebbar macht.

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Interessanter waren die Fotos, die in kleinen Stehrahmen auf der halbhohen Vitrine standen: Wilhelm auf einem prähistorischen Motorrad, in Uniform (?) und mit Lederkappe und Brille (nur an der Nase erkannte man ihn), daneben, in einem Beiwagen, ein Mann im Anzug: Karl Liebknecht vielleicht. Doch das Foto war schlecht, und einen Bart hatten damals wohl alle.

Ein Foto von einem Schiff: War es das, auf dem seine Urgroßeltern aus Mexiko zurückgekommen, oder das, mit dem sie hingefahren waren? Wie waren sie eigentlich damals aus Deutschland entkommen?

Außerdem das Foto einer jungen, schönen Frau mit schwarzen, glänzenden Augen, und nur an der Art und Weise, wie sie noch heute die Haare trug, erkannte man, dass es sich um dieselbe Person handelte, die jetzt hereinflatterte und zischend ihre Gäste ermahnte.

— Bitte, Kinder, ich bitte euch!

Und schon klingelte es wieder. Die Urgroßmutter verschwand im Flur, das Palaver der Saurier, das nach der Ermahnung für einen Moment abgeschwollen war, nahm wieder an Lautstärke zu, man redete, trotz Verbots, über die politische Lage und über Ungarn und das ganze Zeug, und Markus registrierte erstaunt, dass die Saurier dieselbe Meinung vertraten wie Pfarrer Klaus in Großkrienitz:

— Mähr Demogradie, schrie der dicke Mann mit dem roten Gesicht, selbstvorständlisch prauchen wir mähr Demogradie!

Aber schon ging die Urgroßmutter dazwischen und klatschte in die Hände:

— Genossen, rief die Urgroßmutter, Genossen, ich bitte um Ruhe!

Ein Mann im braunen Anzug war eingetreten. Er sah aus wie sein Schuldirektor Brietzke und hielt eine rote Mappe in der Hand, jemand ließ ein Glas klingen, eine Rede anscheinend, jetzt kam der offizielle Teil, dachte Markus. Wo blieb eigentlich sein Vater?

— Liebe Genossen, lieber, verehrter Genosse Powileit, begann der Schuldirektor, und sein Tonfall war schon bei diesen ersten Worten so ermüdend, so typisch Rede, dass Markus überlegte, ob er, die letzte Unruhe nutzend, noch rasch versuchen sollte, in den Wintergarten zu entkommen, aber zu spät, ihm blieb nichts übrig, als abzuwarten. Er stand jetzt am Fenster, vor Wilhelms Schreibtisch — auch museumsreif, samt den altertümlichen Utensilien, die darauf lagen: Brieföffner (gleich mehrere), Holzstifte (rot), eine große Lupe — , und erinnerte sich, während der Schuldirektor Wilhelms Lebenslauf ausbreitete, dass auch Wilhelm damals, als er in seiner Klasse gewesen war, vom «Kap-Putsch» erzählt hatte und dass er dabei verwundet worden war, und obwohl er gar nicht wusste, wie es dort aussah, hatte Markus seinen Urgroßvater schon damals am Kap Hoorn gesehen, mit Sombrero und gezücktem Trommelrevolver zum Angriff reitend und — peng! — vom Pferd fallend. So war es garantiert nicht gewesen, dachte Markus, vielleicht hieß einfach ihr Anführer «Kap»? Vielleicht war das der Mann im Beiwagen? Fuhren sie gerade zum Putsch? Oder war das Foto aus der Nazizeit, als Wilhelm, wie der Schuldirektor jetzt berichtete, illegal tätig gewesen war, und Wilhelm hatte sich als SA-Mann verkleidet? Später, sagte der Schuldirektor, musste Wilhelm aus Deutschland fliehen — nur wie er geflohen war, das verriet der Schuldirektor nicht, und Markus fragte sich abermals, ob es denn keine Grenze gegeben hatte in Deutschland? Wurde sie nicht bewacht? Und wo war eigentlich während der ganzen Zeit Urgroßmutter Charlotte?

— … dir, lieber Genosse Powileit, den Vaterländischen Verdienstorden in Gold zu verleihen, hörte Markus den Schuldirektor sagen. Das hörte sich bombastisch an, Vaterländischer Verdienstorden, ein bisschen nach Kaiser und Krieg, und auch noch in Gold, alle klatschten jetzt, der Schuldirektor ging auf Wilhelm zu, den Vaterländischen Verdienstorden in der Hand, aber Wilhelm stand nicht mal auf, sondern hob nur die Hand und sagte:

— Ich hab genug Blech im Karton.

Alle lachten, nur die Urgroßmutter schüttelte den Kopf, dann steckte der Schuldirektor Wilhelm den Orden an, und alle klatschten wieder und standen auf und wussten auf einmal nicht, wie sie aufhören sollten zu klatschen, und klatschten immer noch, als die Urgroßmutter endlich mit schriller Stimme dazwischenrief:

Das Buffet ist eröffnet!

Das Buffet stand im Nebenzimmer. Markus angelte sich rasch ein Würstchen und marschierte in Richtung Wintergarten. Schon hatte er den typischen Geruch in der Nase, schon spürte er an den Fingerspitzen die schmirgelige Rauheit des Katzenhais, dessen Haut, wie die Haut aller Haifische, aus winzigen, sich ständig regenerierenden Zähnen bestand, er hatte sogar schon, vorsorglich, darauf zu achten begonnen, das Würstchen in der einen, der rechten Hand zu behalten, damit die Linke für die Berührung mit dem Katzenhai sauber blieb — als er feststellte, dass der Wintergarten verschlossen war. An der Schiebetür klebte, wie ein Siegel über die Ritze zwischen den Flügeln hinweg, ein Zettel: Nicht betreten! Markus lugte durch die Glasscheibe. Es war alles, wie er es in Erinnerung hatte, dort die Kobrahaut und die Säge, der Katzenhai zwischen den Blättern des Gummibaums, nur der kleine Springbrunnen war außer Betrieb, und wenn man sich ganz herüberlehnte, sah man, dass das Parkett vor der Tür, die auf die Terrasse hinausführte, von einem Wasserschaden aufgequollen war, ja dass sogar Bretter fehlten. Schade, dachte Markus, nicht um den Fußboden, sondern um die schönen Sachen, die ihm plötzlich ziemlich vernachlässigt und verwaist vorkamen — und er fragte sich, einmal auf den Gedanken gebracht, ob er die Kobrahaut und die Sägerochensäge und den Katzenhai nicht auch erben könnte, doch wahrscheinlich war, wenn die Urgroßmutter starb, erst einmal Opa Kurt dran, und wenn Opa Kurt starb, sein Vater — eine lange, zu lange Folge, und die einzige Hoffnung bestand wohl darin, dies oder jenes vorzeitig geschenkt zu bekommen: Vielleicht war mit seinem Vater ja zu verhandeln? Wo blieb der eigentlich? Markus schaute sich um, aber natürlich war sein Vater nicht da. Immer wenn man ihn brauchte, war er nicht da: jetzt, zum Beispiel, um die durchgeknallte Urgroßmutter zu fragen, ob man mal in den Wintergarten durfte. Zum Kotzen, einen Vater zu haben, der nie da war. Andere Väter waren da, nur er, Markus Umnitzer, hatte so einen Scheißvater, der immer nicht da war. Der Arsch.

Er ging zurück zum kalten Buffet, holte sich noch ein Würstchen. Muddel saß drüben im anderen Zimmer neben Opa Kurt, und da sie es nicht unbedingt gern sah, wenn er Würstchen aß, drückte er sich noch ein bisschen im «Buffet-Zimmer» herum, betrachtete gelangweilt die überall herumstehende und herumhängende Indianerkunst, von der die Urgroßmutter immer schwärmte, und schaute, als es wieder klingelte, unauffällig nach, ob sein Vater endlich gekommen war. Und als er sein Würstchen aufgegessen hatte und der Arsch noch immer nicht gekommen war, entschloss er sich, die Urgroßmutter selbst zu fragen, ob ausnahmsweise eine Besichtigung des Wintergartens möglich war — aber als er sich die Finger an der Hose abgewischt hatte und sich nach seiner Urgroßmutter umsah, wurde es im anderen Zimmer plötzlich still, und einen Augenblick später war eine Stimme zu hören, eine leise, hohe Singstimme, fast zu hoch für einen Mann und fast zu rein für ein so gut wie ausgestorbenes Exemplar, doch die Stimme gehörte tatsächlich Wilhelm, der in seiner dunklen Ecke saß, mit geschlossenen Augen, und sang , einfach so vor sich hin sang, irgendeinen gerade ausgedachten Blödsinnstext, konnte man glauben: war es aber nicht, sondern irgendwas mit Lenin und Stalin, jemand versuchte sogar mitzusingen, konnte aber den Text nicht richtig, und Wilhelm sang allein zu Ende, solo, der Pterodactylus, kaum mehr als ein Haufen Knochen, den Orden an der Brust wie ein Olympiasieger.

Wieder klatschten alle. Wilhelm winkte ab, doch es half nichts, die Leute klatschten, als wäre das sonst wie toll gewesen. Nur die Urgroßmutter zog ein Gesicht: Wilhelm war ihr peinlich, man sah es, und Markus überlegte noch, ob es der richtige Moment war, sie nach dem Wintergarten zu fragen, als — kaum zu glauben — der Nächste anfing zu singen. Besser gesagt die Nächste. Baba Nadja war es, die sich plötzlich im Takt hin und her zu wiegen begann und mit tiefer, rauer Stimme russische Laute hervorbrachte, welche sofort die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zogen, Psst-psst, hieß es, sogar Urgroßmutter wurde niedergepsst, man warf Baba Nadja aufmunternde Blicke zu, schon fingen die ersten Köpfe an, sich im Takt zu wiegen, und nachdem Baba Nadja zum zweiten oder dritten Mal bei einer Art Refrain angekommen war, in dem das wohl einzige Wort vorkam, was alle verstanden, nämlich Wodka, Wodka , fingen die Ersten an mitzusingen, immer an der Stelle Wodka, Wodka , während Baba Nadja ernst und stur eine Strophe nach der anderen ableierte, bis schließlich alle, am lautesten der Dicke mit dem Pavianarschgesicht, mitbrüllten: Wodka, Wodka , und sogar in die Hände klatschten bei Wodka, Wodka . Unglaublich, was hier abging. Die Saurier-Party. Da verpasste sein Vater was, dachte Markus und schaute sich um, ob er nicht doch inzwischen gekommen war, aber statt seines Vaters sah er inmitten all dieser überschnappenden Fröhlichkeit, zwischen den gackernden, zähnebleckenden und betrunkenen Gesichtern ein ernstes, ein abwesendes, ein von alldem vollkommen unberührtes Gesicht, ganz schmal und ganz schief und von kleinen, entzündeten Schmerzstellen unter den Augenbrauen gezeichnet.

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