Clemens Setz - Die Frequenzen

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Walter und Alexander waren Freunde, als sie noch Kinder waren — nun kreuzen sich ihre Wege wieder
Dies ist die Geschichte von Walter, dem Sohn eines Architekten mit Einfluss. Er will Schauspieler werden — oder will es nur sein Vater? Walter bekommt seine Chance, als ihn Valerie, eine Psychotherapeutin, die bessere Tage gesehen hat, engagiert, um in Gruppensitzungen fiktive Patientenrollen zu spielen. Doch er geht zu sehr in seiner Rolle auf.
Dies ist die Gechichte von Alexander. Er ist Altenpfleger, ein junger Mann mit ausufernder Phantasie, die sich im Schatten einer einsamen Kindheit entwickelt hat. Alexander kündigt seinen Job, und er will seine Freundin loswerden, um mit Valerie zusammenzuleben. Doch die wird eines Tages brutal zusammengeschlagen…
Nach "Söhne und Planeten", seinem Debüt, das ihm einhelliges Lob der Kritik einbrachte, legt Clemens J. Setz ein Werk vor, das alle Erwartungen sprengt: atemberaubend kraftvoll, bunt, sprachgewaltig und zart.

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Valerie trank kurz aus der Colaflasche.

Was sehen wir? Zuerst ist da ein uraltes Muster: Mädchen zieht von Zuhause aus, Mutter weint um ihren Fortgang, dämonisiert den Ehemann, sieht ihn als Räuber und Vergewaltiger. Das ist jedem bekannt . (Überraschendes Gelächter im Publikum.) Die wirklich interessante Gestalt in der ganzen Geschichte ist natürlich Kore Schrägstrich Persephone. Sie ist die Bewohnerin zweier Welten. Sie ist nicht so dumm zu glauben, dass eine Frau auch nur für einen flüchtigen Augenblick die Macht ihres Mannes besitzt. Gleichzeitig nimmt sie jedes Jahr einen langen Urlaub von ihren unterirdischen Machtgefilden. Wenn sie noch selbst entscheiden könnte, wann sie diesen Urlaub antritt, wäre sie ein vollkommenes Beispiel für selbst bestimmtes Leben. Wir können sie im Grunde nur beneiden, die junge Kore, wenn sie mit langsamen Schritten die Treppe zum U-Bahn-Schacht hinuntergeht, ihre dunklen Sonnenbrillen aufsetzt und beobachtet, wie ihr eigener Schatten langsam von der Vielzahl der anderen Schatten verschluckt wird .

Der Kerl neben mir machte mittlerweile kleine Schlaufen in seine Krawatte. Ich machte meinen Mund zu. War er offen gewesen? Warum? Wie lange war ich mit offenem Mund dagesessen?

Valerie schob eine Klarsichtfolie auf den Projektor.

Nach dem Vortrag stand sie schwitzend und glücklich am Ausgang. Es regnete. Ich öffnete meinen Schirm über ihr.

— Kommt, Fräulein, unter meinen Schirm, deklamierte ich.

— Oh, sagte sie. Wie galant.

Sie ließ sich von mir dazu überreden, noch irgendwo was essen zu gehen.

Kurz nachdem wir Platz genommen hatten, läutete Valeries Telefon. Ihr Klingelton war eine Imitation der klassischen analogen Telefonanlagen. Rrrring! Sie blickte auf die Nummer, ihr Mund bewegte sich lautlos, dann legte sie auf.

— Nein, sagte sie.

— Kein Problem, sagte ich. Geh nur ran.

— Nein, sagte sie. Patienten. Sie kommen immer irgendwie an meine Nummer. Wie die Insekten.

— Sicher sehr anstrengend, oder?

Wie konnten Insekten hinter eine Telefonnummer kommen?

— Die sind eben sehr verzweifelt. Die meisten würden eigentlich rund um die Uhr Betreuung benötigen. Schwierig. Aber was reg ich mich auf, ich hab mir diesen Beruf ausgesucht. Wenn jemand ein Problem hat, das ihn in den Wahnsinn treibt, dann kann er sich entweder einweisen lassen oder er kommt zu mir.

— Du hilfst den Leuten, sagte ich. Toller Vortrag übrigens. Diese Geschichte mit der Unterweltfrau, also –

Valerie sagte nichts. Ich schämte mich für meinen dämlichen Satz und versuchte mir zur Strafe ein Haar auf meinem Handrücken auszureißen.

— Manchmal treiben sie mich in den Wahnsinn. Zum Beispiel diese Frau mit dem Ohrgeräusch, das natürlich aus der Tiefe ihres Gehirns kommt und auf einem Ohr sogar alles andere übertönt. Zumindest behauptet sie das. Wie dem auch sei, sie hat so ein Gefühl wie … als würde ihr ein Auto nachfahren und sie gleich überholen, dieser Moment, kurz bevor das Auto vorbeirast.

— Ja.

— Aber das Auto bleibt immer da, wo es ist, bildlich gesprochen. Es überholt sie nie. Das Tosen im Rücken, dieses Geräusch, das immer lauter zu werden scheint, bleibt. Jetzt hört sie es die ganze Zeit. Sie hat einen Suizidversuch hinter sich und war auch schon in Behandlung deswegen. Und jetzt ist sie zu mir gekommen, weil sie — ach, ich sollte dich damit nicht –

— Aber nein, nur zu.

Valerie schien zu überlegen. Ich hielt es für ein gutes Zeichen, wenn sie mir von suizidgefährdeten Frauen erzählte. Es bedeutete, dass sie Vertrauen hatte. Oder sie hatte vorgehabt, mich zu erschrecken, und war enttäuscht, weil ich immer noch Interesse heuchelte. Ihr Handy läutete ein weiteres Mal. Sie nahm es und schaltete es aus.

— Geh ruhig ran, sagte ich.

— Nein, nicht jetzt.

Ich jubelte. Nicht jetzt !

— Muss schlimm sein, sagte ich fröhlich. Wenn man immer ein Auto hört, das einen verfolgt. Schlimm.

— Natürlich, sagte sie.

Ihre Stimme klang ernst.

— Das ist fast so wie bei Achilles und der Schildkröte, sagte ich. Eigentlich müsste er sie überholen, aber das tut er nicht, weil er immer erst den Weg zurücklegen muss, den die Schildkröte als Vorsprung gehabt hat, und dann so weiter, ad infinitum.

— Aber Achilles überholt die Schildkröte doch, oder?

— Nicht im Gleichnis.

— Ist das überhaupt ein Gleichnis?

— Ein Paradoxon, ein Gleichnis, ich weiß nicht, sagte ich.

Ich versuchte, wieder etwas ernster zu sprechen, aber es funktionierte nicht. Ich war schon froh, wenn ich nicht nach jedem vollendeten Satz wie ein Baby zu glucksen anfing.

— Die Schildkröte ist doch langsamer als der Läufer, sagte Valerie.

— Ja, sicher, sagte ich. Sicher ist sie langsamer. Das ist ja der Witz daran, die Moral von der Geschichte, wenn man so will.

— Welche Moral denn?

— Ach, ich weiß auch nicht. Dass man logisch beweisen kann, dass ein beliebiger Vorsprung immer ausreicht, um einen Läufer zu besiegen. Aber am Ende ist alles Unsinn, weil die Mathematik das letzte Wort hat, weil bestimmte Reihen einfach konvergieren –

— Eben. Die Schildkröte wird am Ende überholt, sagte Valerie. Meine Klientin nicht. Weil das Auto in ihrem Gehirn steckt. Sie wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals ganz los. Aber es wird immerhin leiser, sagt sie, wenn sie sich konzentriert und versucht, den Tag nach gewissen Abläufen durchzugehen. Jeder Handgriff bewusst, Schublade auf, wieder zu, Gabel zum Mund, wieder auf den Teller. Solche Dinge. Das beruhigt sie.

— Klar, sagte ich, das beruhigt.

Das Gewitter, das draußen niederging, ließ die Helligkeit schwanken. Das Stromnetz war müde, die Augen fielen ihm zu.

Mit feierlichen Bewegungen begann Valerie die Autopsie an ihrer Forelle. Als die milchig weiße Wirbelsäule mitsamt dem entsetzten Fischkopf von ihrer Gabel baumelte, fiel ihr ein, was sie hatte erzählen wollen:

— Ah, genau …

Ein ausgestreckter Zeigefinger bereitete die Rede vor. Valerie kaute zu Ende, dann erzählte sie mir, dass sie gerade eine Studie gelesen habe, die Krankengeschichte eines Mannes, der behauptet, dass die Zeit für ein ganzes Monat stehen geblieben sei. Er allein sei davon verschont geblieben. Und genau in der Sekunde des Stillstands sei ein mehrstöckiges Gebäude eingestürzt.

— Das Gebäude ist übrigens wirklich eingestürzt, sagte Valerie kauend. Man vermutet, dass das der Auslöser für sein Trauma gewesen sein könnte.

Die obersten Stockwerke des Gebäudes seien bereits eine Rauchwolke aus Schutt und Zementstaub gewesen, aber im Café im Erdgeschoss habe man noch gefahrlos sitzen und Zeitung lesen können, so der Patient. Jeden Tag in dem Monat, die ganze Zeit (die freilich gar keine Zeit mehr gewesen sei) sei er dort unten gesessen, auf einem ewig unverrückbaren Sonnenplätzchen unterhalb des Damokles-Schwerts der Stockwerke, die in einer großen, majestätisch stillstehenden Pilzwucherung darauf gewartet hätten, endlich auf ihn herabstürzen zu dürfen. Er habe gebetet, dass das Gebäude diesem Drang nachgeben möge, aber nichts geschah. Als man den Mann fand, fiel er jedem um den Hals, berührte alle möglichen Gegenstände, als wären sie Objekte von hoher erotischer Anziehungskraft, und freute sich kindisch über die hin und her pendelnde Krawatte seines auf paranoide Zwangsvorstellungen spezialisierten Psychiaters. Von dem stammte auch der Bericht, der in Fachkreisen einiges Aufsehen erregt hatte.

Wieder läutete ein Telefon. Diesmal meines.

Lydia. Ich wandte mich etwas ab.

— Hallo?

— Bist du noch lange weg? Weil, ich bin bei dir zuhause und wollte nur fragen, wann du –

— Ja, sagte ich mit gedämpfter Stimme, also, wir sitzen hier noch ein wenig.

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