Clemens Setz - Die Frequenzen

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Walter und Alexander waren Freunde, als sie noch Kinder waren — nun kreuzen sich ihre Wege wieder
Dies ist die Geschichte von Walter, dem Sohn eines Architekten mit Einfluss. Er will Schauspieler werden — oder will es nur sein Vater? Walter bekommt seine Chance, als ihn Valerie, eine Psychotherapeutin, die bessere Tage gesehen hat, engagiert, um in Gruppensitzungen fiktive Patientenrollen zu spielen. Doch er geht zu sehr in seiner Rolle auf.
Dies ist die Gechichte von Alexander. Er ist Altenpfleger, ein junger Mann mit ausufernder Phantasie, die sich im Schatten einer einsamen Kindheit entwickelt hat. Alexander kündigt seinen Job, und er will seine Freundin loswerden, um mit Valerie zusammenzuleben. Doch die wird eines Tages brutal zusammengeschlagen…
Nach "Söhne und Planeten", seinem Debüt, das ihm einhelliges Lob der Kritik einbrachte, legt Clemens J. Setz ein Werk vor, das alle Erwartungen sprengt: atemberaubend kraftvoll, bunt, sprachgewaltig und zart.

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Das therapeutische Händchenhalten ging automatisch in ein Händeschütteln über, dieses in ein gegenseitiges Bedanken, dem eine Verabschiedung folgte.

Jetzt konnte sie nur mehr an den Metallstab denken, der im Kopf des amerikanischen Bauarbeiters steckte. Metallstab, Metallstab, Metallstab. Absägen. Metallstab. Namen.

Welchen Namen konnte man einem Metallstab geben, der im eigenen Gehirn feststeckt, vielleicht sogar genau in der Region, die für das Erfinden von Namen zuständig ist? Bob the Stick. Heavy Metal Joe . Oder God II .

Das Problem an der ganzen Sache war, dass es gar keine Frequenz mehr war, kein einfacher Dauerton, sondern ein Schwirren von Stimmen, mit einer Hauptstimme, die mit ihrer hellen Degenspitze immer wieder hervorstach (und die Gabi auf ihrer Stirn spüren konnte). Da ihr nun wirklich nichts mehr einfiel, versuchte sie, diese Stimme zu imitieren.

Und siehe da, es war ganz leicht. Sie musste der Lösung all ihrer Probleme auf der Spur sein!

Bald hatte sie das perfekte Abbild der Stimme gefunden. Sie übte es einige Male vor dem Spiegel und spürte, wie sich Aufregung in ihr ausbreitete.

— Schilf, sagte ihr Spiegelbild.

Ähnliche Wortfetzen kannte sie von ihrem Ohrgeräusch. Schilp. Wilk. Zint . Meist hatte das Wort ein kurzes I in der Mitte. Dass sie jetzt ein Wort ausgesprochen hatte, das tatsächlich existierte, fühlte sich an wie der Schlüssel zu einem weiteren Geheimnis, das in dem Ohrgeräusch verborgen war.

— Schild, murmelte sie aufgeregt in den Spiegel. Wild. Zimt.

Ich habe es, dachte sie. Das muss es sein. Ich muss die Dinge geradebiegen, die aus irgendeinem Grund unvollständig durch mein Gehirn geistern. Vielleicht ist gerade das der Grund, warum sie dort feststecken — ihre Sinnlosigkeit.

Den ganzen Morgen sprach sie einsilbige Wörter mit einem I in den Spiegel. Ihr Gesicht war ein wenig fleckig, fand sie. Sie streckte die Zunge heraus und untersuchte sie. Die Zunge zeigte Zahndruckspuren, die sie ein wenig eckig erscheinen ließen.

— Bild. Still. Kinn.

Ein Metallstab. Ein glänzender, feuchter, schwarzer Metallstab quer durch den Kopf. Gabi drehte ihren Kopf, bis sie ihre Schläfe sehen konnte und das zittrige Haar, das darauf wuchs. Ihre Spiegelhand strich über die Stelle. Da durch . Eine glatte Durchdringung. Sie stand ganz kurz vor der Lösung. Natürlich — Wörter mit kurzem I in der Mitte waren wie Schädel, in denen ein dünner Stab steckte. Und die Konsonanten waren das Fleisch, das verdrängt wurde. Gabi, Sie haben einen dicken, fetten I-Träger in Ihrem Schädel stecken, dem Sie einen Namen geben müssen . Ein glänzendes, schwarzes I. Quer durch den Kopf. Ein transkontinentaler Metallstab. Gabi spürte, wie ihr Tränen über das Gesicht rannen. Jetzt sah ihr Spiegelbild aus wie eine wundertätige Madonnenstatue. Ja. Das musste es sein, was Valerie mit ihrer geheimnisvollen Erzählung andeuten hatte wollen. Gabi überlegte, ein Finger wanderte an ihre Oberlippe und begann dort wie eine Biene zu kreisen. Metallstab, Metallstab, Metallstab. Nein, so etwas gab es hier nicht. Oder? Eine Nadel war zumindest ein kleiner Metallstab.

Als ihr Mann aufstand, fand er Gabi über ihr Nähkästchen gebeugt. Er sagte etwas und sie grüßte freundlich zurück. Er wunderte sich über ihre gute Laune und fragte, ob eine nennenswerte Besserung eingetreten sei. Gabi ging nicht näher darauf ein. Wolfgang wiederholte seine Frage, aber er bemerkte, dass Gabi schwitzte. Auch ihre Schminke war ein wenig verschmiert, als hätte sie geweint. Er ergriff ihren Ellbogen und sprach auf sie ein, aber sie entwand sich ihm und deutete nur an, dass sie eine starke Frau sei, viel stärker und zäher, als er bisher in seiner grenzenlosen Ignoranz angenommen hatte. Metallhart.

Und damit musste Wolfgang sich zufriedengeben, denn mehr bekam er den ganzen Tag nicht aus ihr heraus. Er überlegte, ob er die Therapeutin mit dem hübschen Nachnamen anrufen sollte, aber als er sah, wie Gabi fröhlich mit dem Baby spielte und es aus der Wiege hob und herumwirbelte (seit vielen Wochen das erste Mal!), setzte er sich, als sei ihm plötzlich schwindlig geworden, in einen Lehnstuhl und musste dagegen ankämpfen, unartikulierte Tierlaute der Dankbarkeit von sich zu geben. Konnte es sein, dass das schreckliche Leiden seiner Frau wirklich vorbei war? Schwieg sie deshalb, weil sie fürchtete, durch das Sprechen über ihre Fortschritte alles wieder zunichte zu machen? Wolfgang dachte an seinen Onkel Philipp, den Halbbruder seiner Mutter, der zeit seines Lebens an Migräne gelitten hatte und bei dem manchmal schon eine einzige intensive Erinnerung daran Kopfschmerzen oder die mysteriösen Begleitsymptome (ein metallischer Geschmack im Mund, linksseitige Taubheit der Gliedmaßen, Flimmerlichter in der Peripherie) wecken konnte.

Nein, er verstand. Lieber nichts verschreien. Auf Holz klopfen. Sein Knöchel rieb kurz über die Lehne des Sessels.

Am Abend beugte sie sich über das Gitterbett und ließ ihre leicht zitternde Hand eine feine, silberne Nadel neben das schlafende Kind mit diesen sonderbar gebogenen Beinen fallen, die sie an Kneifzangen erinnerten. Über Nacht würde sie sie dort liegen lassen. Denn wenn es eine Gerechtigkeit gab auf Erden, würde sie am nächsten Morgen immer noch dort liegen, das Kind unversehrt und unwissend — und alles wäre wahr, was man ihr über die Bedeutung der Frequenzen gesagt hatte und über den Zusammenhang von Zufall und Ordnung in der Welt; und auch das Kompliment von Walter, für dessen Nachnamen sie ein Vermögen bezahlt hätte, wäre ehrlich gewesen, nicht nur eine Art sozialer Körperfunktion, wie Händeschütteln oder Grinsen, sondern eine helle, strahlende, aufrichtige, ernstzunehmende Aufforderung zum Tanz durch Gott den Allmächtigen und bestimmt würde er auch das was er zu ihr vor der Kirche gesagt hatte zurücknehmen obwohl man das verstehen konnte denn es war schließlich heiliger Boden und alles und bestimmt hatte er das nicht so gemeint sie merkte wie sie wieder zitterte ihre Hand zitterte hatte sie die Nadel schon losgelassen ja das hatte sie ja allerdings.

Als Gabi am nächsten Morgen, ein paar Minuten nachdem Wolfgang zur Arbeit gegangen war, die Nadel neben dem friedlich schlafenden Kind fand (nur dass sie in der Nacht auf unerklärliche Weise auf die andere Seite des Bettes gereist war), stürzte sie unter heftigen Konvulsionen ins Badezimmer und riss sich die Kleider vom Leib. Sie setzte sich in die kalte, leere Wanne, die sich auf ihrer brennenden Haut wie scharfkantiges Glas anfühlte, und gab einen gewaltigen Strahl von sich, eine Mischung aus Urin und der rätselhaften Flüssigkeit ihrer sexuellen Höhepunkte. Sie legte sich die Hand auf den Mund, um nicht unkontrolliert zu schreien. Sie gab halberstickte, seltsam singende Tierlaute von sich.

картинка 11

Walter stand in einer Warteschlange. Er starrte auf einen roten Luftballon, der vor ihm in der Luft schwebte, als wäre es der Hinterkopf eines Mannes. Ein Königreich für eine Nadel. Das kleine Mädchen, das die Schnur des Ballons hielt, wippte auf ihren Fußballen. Die Zeit bewegte sich nur äußerst langsam, wie eine Hand, die im Gras nach einer Kontaktlinse tastet. Walter tippte den Ballon an und das Mädchen sah zu ihm auf. Er lächelte. Hinter ihm stand ein Mann, der hemmungslos schluchzte, die ganze Zeit schon, ohne Unterbrechung. Er weinte in ein großes Taschentuch, schnäuzte sich laut und unappetitlich, und murmelte immer wieder leise ein Wort, das Walter nicht verstand.

— Sie müssen sich nicht jedes Mal anstellen, sagte Valerie, als Walter vor ihrem Schreibtisch Platz genommen hatte.

Sie war unfrisiert wie immer und roch nach Desinfektionsmitteln oder irgendeiner chemischen Seife. Außerdem schien sie wieder übernächtig, die winzigen Äderchen in ihren Augen hatten sich zu einem rötlichen Netz verdichtet. Sie hatte ihre Uhr vom Handgelenk genommen und vor sich auf den Schreibtisch gelegt. Die Zeiger fuhren vorschriftsmäßig im Kreis, und Valerie sah alle paar Sekunden darauf, als wäre das der interessanteste Vorgang, den sie je beobachtet hatte. Oder sie betrachtete ihre Schuhe, die mindestens ebenso interessant schienen.

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