Sie schüttelte angewidert den Kopf und fasste sich an die Schultern, als wäre ihr kalt geworden.
Auf einem Schrank voller Bücher entdeckte ich ein paar eigenartige Puppenfiguren, die in einer Ecke so etwas wie eine kleine Krippe bildeten.
— Was sind denn das für –
— Ah, das … Jizo.
— Was?
— Jizo.
— Und was –
— Buddhistische Figuren.
— Nein, ich meine, was bedeuten sie?
— Ach, die sollen Glück bringen.
Der Schrank war voll mit einschlägiger Literatur. Gleich zwei Ausgaben des Tibetanischen Totenbuchs .
— Du hast ja ziemlich viel davon, sagte ich (ich meinte die Anzahl der Puppen und die Bücher).
— Oh, das entscheidet wohl jeder selbst, sagte Valerie.
Dann nahm sie eine der seltsam gesichtslosen Jizo-Figuren in die Hand und deutete damit auf mich.
— Hast du nicht auch manchmal so ein komisches Gefühl … ich meine, das hat doch jeder … so ein Gefühl … ach, ich weiß nicht, wie ich das sagen soll.
— Nein, kenne ich nicht, sagte ich.
— Du glaubst nicht an Geister?
Das also hatte sie gemeint.
— Nur weil ich etwas nicht sehe, heißt das noch nicht, dass es existiert.
— Ein vernünftiger Standpunkt.
Sie stellte die Puppe zurück.
— Allerdings könnte es sein, dass in unserem Haus gerade ein Poltergeist umgeht, sagte ich lachend.
— Tatsächlich? Drehen sich deine Bilder im Kreis? Oder fliegen Gegenstände herum?
— Nein, manchmal … ach, das ist albern. Irgendjemand macht nachts Geräusche im Treppenhaus. Kein Geist. Irgendjemand aus dem Haus. Und die Post wird andauernd gestohlen. Aber wahrscheinlich ist es nur der Hausbesitzer selber. Ha, der wäre ein Patient für dich. Der läuft immer im Pyjama durchs Stiegenhaus und sogar auf die Straße hinaus.
— Es ist alles eine Frage des Glaubens, sagte Valerie etwas zerstreut, dann hellte sich ihr Blick auf und wurde verschmitzt. Weißt du, was ich getan habe, als mir jemand einmal eine Bibel geschenkt hat? Ich … ich hab einfach eine Widmung hineingeschrieben. Mit der linken Hand, obwohl ich Rechtshänderin bin. Liebe Valerie, viel Glück für die Zukunft, Gott . Verrückt, oder?
— Ja, lachte ich, verrückt. Übrigens, apropos Geschenk, ich hab da was für dich.
Ich holte das Geschenk aus meinem Mantel, der im Vorzimmer hing. Ich rollte es vor Valerie auf. Als sie sah, was das Bild zeigte, verzog sich ihr Gesicht zu dem eines überraschten Mädchens.
— Witzig, sagte sie. Hast du das –
— Nein, das ist von einem alten Film. Mein Lieblings-film. Méliès .
— Wirklich schön. Dieses Mondgesicht strahlt ein besonderes Licht aus. Ich glaub, ich hab einen passenden Platz dafür.
Ein paar Minuten später hatte sich mein Geschenk auf dem Tisch wieder zusammengerollt. Valerie streckte und rekelte sich unter mir, wickelte ihre Beine um mich, als ich mich mit meiner feucht glänzenden Erektion auf sie legte. Ein dünner, beinahe unsichtbarer roter Ring unterhalb der Eichel war von der Operation noch zu sehen. Ich drang genau bis zu dieser Markierung in sie ein, und sie gab ein Geräusch von sich, das halb Gurren, halb Fauchen war.
Ich verlor den Verstand. Er wurde mir vom Kopf geweht wie ein Hut von einem starken Windstoß.
Mein Penis hatte es eilig, er tauchte in sie ein, um zu sehen, wie weit er gehen konnte — manchmal berührte er dabei etwas Kleines, Rundes, tief in ihr, in ihrem Gebärmutterhals , wie ich mir vorstellte — und kam wieder hervor, mit hellrotem, nassem Kopf.
Valerie reckte mir ihr breites Becken entgegen, dadurch erhöhte sich der Druck auf mich. Ihr Bauchnabel war wie Schmuck, eine würdevoll zerknitterte Rosine. Ich bewegte mich etwas langsamer und vorsichtiger, aber nach einer gewissen Zeit veränderte sich das Gefühl, der Widerstand schmolz, alles wurde gleitender und nasser, mein Schwanz bewegte sich leicht und glatt vor und zurück. Valerie hatte sich nun vollständig entspannt, und ich merkte, dass sie erregt war. Ihre Hände begannen unruhig auf mir zu wandern, berührten mich an verschiedenen Stellen, wussten nicht wohin, kehrten wieder zu ihr zurück und gingen erneut auf Erkundungsreise.
Während ich sie fickte, sah sie mir direkt in die Augen. Selbst wenn ich wegsah oder kurz die Augen schloss, um an etwas Verrücktes, Verbotenes zu denken, spürte ich ihren Blick.
Während ich meinem Höhepunkt näher und näher kam, veränderte sich das Gefühl in ihrer Möse ein weiteres Mal, es wurde ein wenig rauer, beinahe sandig. Man hörte jetzt auch meine Bewegungen in ihr, kein vakuumartiges Schmatzen mehr, sondern ein aufregendes, lässiges, schmutziges Reiben.
Ich kam in ihr, zitternd und heftig, und es wurde heiß, als hätte ich Funken in sie abgefeuert. Ich zog mich aus ihr zurück und betrachtete sie: Sie war herrlich weit geöffnet, ein feuchter Tunneleingang, der mich an den Milchkrug in dem Gemälde von Vermeer denken ließ. Sie setzte sich ein wenig auf, und es rann aus ihr heraus, weiß und zäh. Sie stöhnte kurz auf — Presste sie? War sie erschöpft? War es angenehm? — , und es lief auf die Tischplatte, in drei kleinen Wellen. Dann bildeten sich kleine Blasen aus Sperma an ihren Schamlippen und machten ein hell blubberndes Geräusch, wie das Knistern von Badeschaum.
Ich kniete mich vor sie auf den Boden und umschloss ihr ganzes Geschlecht mit meinem Mund. Ich saugte an ihr und spürte, wie ihre Schamlippen an meine Zähne drangen. Valerie kam schnell und krampfartig, eine Mischung aus Schluchzen und Niesen.
Als sie sich hinterher nackt an mich drückte, murmelte sie:
— Danke noch mal für das Plakat.
Sie stand auf und suchte irgendetwas in einer Schublade. Als sie es gefunden hatte, machte sie Ha! und versteckte es hinter ihrem Rücken, während sie auf mich zuging.
— Was hast du da? Ein Geschenk?
— So ähnlich, sagte sie.
Ihre Hand tauchte auf. Eine Zigarette, nur dicker als gewöhnlich. Wie eine in Papier gerollte Hornisse.
— Magst du?
— Du musst den Rauch versuchen dri –
Aber mehr brachte Valerie nicht heraus, ein starker Husten überkam sie. Sie krümmte sich auf dem Bett, als müsste sie sich übergeben, dann hielt sie mir den Joint hin. Ich probierte, schaffte es, den Rauch in der Lunge zu halten, dann würgte es auch mich.
— Ich weiß nicht, sagte ich. Ich spüre nichts.
— Funktioniert auch nicht bei allen, sagte Valerie und nahm wieder einen Zug. Nur so und so viel Prozent der Bevölkerung können wirklich high werden … eine Dunkelziffer … ist wahrscheinlich alles eine Frage der Bewölkerung …
— Was?
Sie gab mir den Joint und ich nahm einen weiteren Zug. Das Zeug brannte fürchterlich im Hals.
— Bewölkerung, sagte Valerie. So wie Bewölkung. Hast du kapiert?
— Bevölerung, Bewölkung, sagte ich. Ist mir noch nie aufgefallen. Wow.
Valerie drehte sich zufrieden auf den Bauch.
— Mmh, machte sie und streckte sich aus.
Ihre Gelenke knackten leise. Benebelt von den zwei Atemzügen aus dem Joint hypnotisierte ich mich selbst, indem ich zwei Finger über ihren Rücken spazieren ließ. Ein kleiner Kobold, der nur aus einem Unterleib bestand. Ich starrte fasziniert auf meine eigene, unerwartet bedeutungsschwangere Hand, die lässig über diese hellweiße Frauenlandschaft schlenderte, der Daumen und die anderen Finger auf dem Rücken verschränkt. Ich konnte jede Pore auf Valeries Haut erkennen. Mein Gott, das waren ja richtige kleine Höhlen! Hohlräume, aus denen Schweißtropfen wie gläserne Ameisen schlüpften, die ihre durchsichtigen Köpfe ins Freie steckten.
— Du kitzelst mich, sagte Valerie.
— Ja, sagte ich begeistert.
Sie stand auf, nackt und überwältigend schön. Ihre Brüste bewegten sich gegen die Schwerkraft nach oben, als sie ihre Arme über den Kopf streckte, sodass man ihre Achseln sehen konnte, die mit schwarzen Haarpunkten gepfeffert waren. Ich hatte plötzlich Lust, meine Zunge in diese Achselhöhlen zu drücken, sie in den Hals zu beißen. Ich stand auf und ging zu ihr. Als ich hinter ihr stand und den Geruch ihres Nackens einatmete, bekam ich sofort wieder eine halbe Erektion. Mein Penis pendelte hilflos gegen Valeries Schenkel und brachte sie zum Lachen, weil er so verloren und dumm aussah.
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