Clemens Setz - Die Frequenzen

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Die Frequenzen: краткое содержание, описание и аннотация

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Walter und Alexander waren Freunde, als sie noch Kinder waren — nun kreuzen sich ihre Wege wieder
Dies ist die Geschichte von Walter, dem Sohn eines Architekten mit Einfluss. Er will Schauspieler werden — oder will es nur sein Vater? Walter bekommt seine Chance, als ihn Valerie, eine Psychotherapeutin, die bessere Tage gesehen hat, engagiert, um in Gruppensitzungen fiktive Patientenrollen zu spielen. Doch er geht zu sehr in seiner Rolle auf.
Dies ist die Gechichte von Alexander. Er ist Altenpfleger, ein junger Mann mit ausufernder Phantasie, die sich im Schatten einer einsamen Kindheit entwickelt hat. Alexander kündigt seinen Job, und er will seine Freundin loswerden, um mit Valerie zusammenzuleben. Doch die wird eines Tages brutal zusammengeschlagen…
Nach "Söhne und Planeten", seinem Debüt, das ihm einhelliges Lob der Kritik einbrachte, legt Clemens J. Setz ein Werk vor, das alle Erwartungen sprengt: atemberaubend kraftvoll, bunt, sprachgewaltig und zart.

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— Ich kann nicht schlafen.

— Ah, du auch nicht? sagte sie. Mmmh …

Durch das schmutzige Glas der Balkontür fiel Licht. Es konnte Mondschein sein, oder auch der Widerschein der Reklametafel auf dem Baukran, der seit einigen Wochen in unserer Siedlung stand.

— Mmmh … mmmh …

— Was?

— Ach, nichts. Ich singe nur so vor mich hin.

Sie wischte etwas Unsichtbares von der Tischplatte, hielt einen Finger an die Nase.

— So staubig, sagte sie. Überall.

— Ja, hab ich gemerkt.

— Was?

— Dass du gesungen hast. Ich bin davon wach geworden.

Sie wischte noch einmal über die Tischplatte.

— Ja, sicher, sagte sie, warum nicht. Warum eigentlich nicht?

Sie nickte.

— Du hast mich aufgeweckt mit deinem Gesumme, sagte ich etwas lauter.

— Oh, wirklich? Das tut mir leid. Ich hab nur so ein Klingeln im Ohr. Das wird in der Nacht immer lauter.

— Druckausgleich?

— Ja. Sicher. Wahrscheinlich. Es pfeift so, ganz fern … ganz, ganz leise. Man muss sich höllisch konzentrieren, damit man es hören kann. Tagsüber ist es einfach nicht da.

Ich setzte mich zu ihr, streckte einen Fuß aus und tauchte ihn in den schmalen Lichtstreifen, der vor uns auf dem Teppich lag. Das Licht war gelblich und warm, also vermutlich nicht der Mond.

— Mmmh … mmh …

— Wie lange hast du das schon? fragte ich.

Sie sah auf.

— Was?

— Wie lange ist das schon so?

— Ach, jetzt mach dir doch nicht gleich Sorgen. Geh ruhig wieder ins Bett. Ich bin schon still. Ich wollte nur, ich hab nur versucht –

— Die Tonhöhe zu finden, sagte ich.

— Ja, sagte Valerie. Das versuchen sie alle.

Sie schien begeistert, dass ich dieses Thema angeschnitten hatte. Glücklich bearbeitete sie das Gemüse, das auf ihrem Teller lag. Eine kleine Karotte versuchte zu entkommen, wurde aber mit einem gezielten Stich in den Rücken zur Strecke gebracht.

— Das Ohrgeräusch ist allerdings gleich wieder verschwunden, sagte ich. War wahrscheinlich nur ein vorübergehendes Symptom. Oder sie hat es einfach nicht mehr erwähnt und es hinuntergeschluckt, durch beide Ohren in ihren Hals, hinunter in ihren Brustkorb, wo es sich verdichtet hat zu einem kleinen, bösen Ball.

Wir lachten. Valerie hatte hinreißende Falten um den Mund.

Sie holte Luft, wie um etwas zu sagen. Immer noch kauend bereitete sie eine Frage vor, kündigte die Frage durch die üblichen Laute an, die glänzende Gabel hob sich währenddessen in ihrer Hand und wies auf einen wichtigen, noch ungenannten Aspekt der ganzen Sache hin –

Da explodierte plötzlich das Gebäude ringsum, die Decke wurde aus ihrer Verankerung gerissen und in den Weltraum fortgeweht, der Himmel gefährlich rot, Wind trat ein, überall Wind, scharf und übel riechend. Ich packte Valerie am Arm und rannte mit ihr aus den Trümmern — in die Trümmer. Die ganze Stadt zerstört! Ein Meteor? Ein Atomangriff? Eine göttliche Intervention in das schiefgegangene Menschheitsexperiment, das nichts bewiesen hatte? Ich zerrte Valerie hinter mir her durch herabfallende Ziegelsteine und brennenden Schutt. Sie jammerte, sie hatte Staub und Asche im Gesicht. Ich zog sie in die ausgebrannte Höhle eines Schaufensters. Plastikköpfe, brennende Fetzen und Tausende, Millionen Kleiderhaken lagen auf dem Boden verstreut. Wir rollten uns in einen Winkel, der mir einigermaßen sicher schien. Ich hab Angst , flüsterte Valerie. Ich legte einen Arm um sie. Hier müssen wir wohl einige Tage aushalten , sagte ich, um einen beruhigenden, väterlichen Tonfall bemüht. Ich bemerkte, dass Valeries Streifenpullover durch die Explosion zerrissen worden war –

— Wie bist du eigentlich zu deiner Arbeit gekommen, ich meine …

Ihre Gabel blieb kurz noch, wo sie war, dann kehrte sie zu ihrem Essen zurück.

Ich räusperte mich, sammelte Speichel.

— Na ja, sagte ich … also ich hab mir vor allem vorgestellt …

Was hätte ich sagen sollen? Nun ja, warum ausgerechnet das Altersheim? Weil es das ist, was uns alle erwartet, vorausgesetzt, wir leben lange genug. Eine Art Grundwehrdienst in der Hölle. In der Hölle der Narrenfreiheit, wo man alles sagen darf, aber nichts ernst genommen wird, in der Hölle der Hilflosigkeit und der obszönen Verwandlungen des eigenen Körpers. Manchmal werden auch die Pfleger von dieser Hölle erfasst und schalten in einen grausamen Überlebens-Modus, werden zu Raubtieren, die abstrakte Hindernisse aus Fleisch und Blut überwinden müssen. Ich hätte von den zwei brutalen Pflegern erzählen können, die mit mir, dem Neuen, zu einem apathischen, gelähmten Mann gegangen sind: Schau, den kannst du ohrfeigen … Probier mal, das befreit , total … Du kannst ihn auch kitzeln. Kein Schwein weiß, ob er wirklich kitzlig ist. Habt ihr eigentlich gewusst, dass man daran sterben kann? Ja, irgendwann bleibt dir einfach die Luft weg und du krepierst

Junge Pfleger drehen im Nachtdienst regelmäßig durch und bestrafen die Alten, die sich von oben bis unten vollgeschissen haben. Sie ziehen zwei Lagen Krankenhaushandschuhe an und greifen in die Scheiße, um sie auf dem alten, entsetzten, nur manchmal um Hilfe schreienden Gesicht zu verschmieren. Max hat das einmal gemacht und ist nicht einmal rausgeflogen. Jeder weiß, dass er verrückt ist. Oft kommt er am Morgen mit einem Haufen kleiner Heftpflaster am Unterarm zur Arbeit. Er sagt dann, er habe sich wieder mit Öl verbrannt, aber jeder weiß, dass er sich selbst in den Unterarm schneidet, wenn er mit seinen Dämonen allein ist.

Ich hatte den Faden verloren, starrte dumm auf meine Gabelspitze und die drei Babykarotten, die darauf aufgespießt waren.

— Was hast du dir vorgestellt?

— Hm? Entschuldigung, ich hab kurz nicht aufgepasst.

— Was hast du dir vorgestellt? wiederholte sie sanfter.

Was?

— Ich, ich weiß nicht, ich hab den Faden verloren.

Gott sei Dank lachte sie darüber. Sie machte kein besorgtes Gesicht, sie fragte mich nicht danach. Sie wurde auch nicht wütend über den Mangel an Aufmerksamkeit, den ich ihr bei unserem ersten gemeinsamen Mittagessen entgegenbrachte. Sie sprang nicht augenblicklich von ihrem Sessel auf, riss ihre Handtasche an sich und verließ den Raum mit schnellen Stöckelschuhschritten, deren Takt ich nicht würde vergessen können.

— Ah, ich weiß schon wieder, sagte ich, sicher, meine Arbeit. Ja. Ich hab mir einfach vorgestellt … wie sich das anfühlen wird, alt zu sein, irgendwann einmal. Ich meine, noch bin ich jung und kann mich bewegen und alles …

— Ja, das ist sicher wichtig.

— Findest du?

Sie lächelte. Ich lächelte zurück. Es war so einfach wie Pingpong. Als nächstes würden wir uns gegenseitig beschnüffeln und auf telepathische Weise zu der gemeinsamen Überzeugung kommen, dass es das Beste wäre, wenn wir –

— Man sollte sich zumindest einmal mit diesem Problem auseinandergesetzt haben, sagte sie.

Sie nahm einen Bissen von ihrer Gabel und kaute. Wir kauten, sahen woanders hin.

— Mein Vater war für kurze Zeit in einem Altersheim. Dann haben wir eine Privatpflegerin gefunden.

— Ah, gut.

Kauen, kauen. Unsere Blicke streunten über den Tisch.

— Ich hab jetzt nur mehr wenig Kontakt zu meinen Eltern, sagte sie. Aber ich kümmer mich um den Hund meines Vaters.

— Ah, das ist das Geräusch, das ich gehört habe?

— Wahrscheinlich. Es ist eine Sie . Sie heißt Uljana.

— Ach so. Und sie mag keine Fremden. Ist sie deshalb –

— Ich hab sie nicht eingesperrt, Gott behüte, sagte Valerie und legte sich eine Hand auf die Brust. Aber es stimmt, sie verkriecht sich, wenn sie fremde Stimmen hört. Sie ist scheu und schreckhaft. Sie ist mir schon drei- oder viermal weggerannt, einfach so.

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