Hermine Wild - Eure Wege sind nicht meine Wege

Здесь есть возможность читать онлайн «Hermine Wild - Eure Wege sind nicht meine Wege» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: foreign_prose, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Eure Wege sind nicht meine Wege: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Eure Wege sind nicht meine Wege»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

Eure Wege sind nicht meine Wege — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Eure Wege sind nicht meine Wege», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Was ist Klugheit? frug sie jetzt wiederum.

Klugheit, erläuterte Fräulein Pertold, ist die Kunst, jeden Menschen nach der ihm eigenen Weise zu behandeln und ihn auf diese Art nach unserem Willen zu lenken. Diese von jener der Pfarrerin sehr verschiedene Erklärung leuchtete Leonie auch viel besser ein.

Und kann man Klugheit lernen? fuhr sie mit plötzlichem Interesse zu fragen fort. Zum Theil kann man sie lernen, zum Theil muß sie freilich eigene Begabung sein; auch gehört ein großer Verstand dazu, immer deutlich zu unterscheiden, was man zu thun und zu lassen hat. Aber anmuthige Manieren und ein feiner, gebildeter Geist erleichtern die Sache sehr und sichern uns überall ein Uebergewicht.

Leonie war nachdenklich geworden und blickte in Gedanken hinaus. Ihr Vater kam so eben in den Hof hereingesprengt..– Da ist mein Vater, dachte sie; wäre ich klug, so thäte er Alles, was ich will. Mit Otto und den anderen Knaben ist es leicht genug; nur mit dem Vater ist es schwer. – Sie stützte den Kopf in die Hand und sah träumerisch vor sich nieder.

Von nun an war es nicht mehr nöthig, Leonie zum Lernen anzuspornen. Sie kam selbst mit Büchern und Zeichenmappe; keine Arbeit war ihr zu schwer oder zu langwierig, und mit einer wunderbaren Begabung ausgestattet, überwand sie leicht jede Schwierigkeit. Sie befliß sich eines ernsten Ganges, und die früheren Vertraulichkeiten mit der Dorfjugend schienen bis auf die letzte Spur aus dem Gedächtniß des kleinen Fräuleins verwischt. Fräulein Pertold hatte sich nicht getäuscht und erntete überall bei den wenigen Nachbarn, die Zeuge von der Umwandlung ihres Zöglings waren, viel Lob und Ehre ein. Nur in dem Grafen selbst brachten die glänzenden Fortschritte seines Töchterchens keine Aenderung hervor; er blieb still und kalt wie immer und verfolgte die rastlose Thätigkeit des Mädchens mit demselben räthselhaft forschenden Blicke, mit dem er einst den Spielen des Kindes zugesehen.

Von Thomas und seinem Hause, so wie von der fremden Frau war nicht mehr die Rede. Leonie war seit jenem Nachmittage nicht mehr hingekommen. Fräulein Pertold wich nicht von ihrer Seite; aber seitdem blinder Gehorsam gegen ihren Vater eine Triebfeder ihrer kleinen, schon so reifen Politik geworden war, schien der ganze Vorgang von ihr vergessen zu sein. Schien, sagen wir; denn wie ein schlummernder Keim lag er in ihrer Seele und wartete des Anstoßes, der ihn zu neuem Leben wecken sollte, und dieser blieb nicht aus.

Sechs Jahre waren auf diese Weise verflossen, Leonie hatte das fünfzehnte Jahr erreicht, und die erste Morgenröthe der Jungfräulichkeit übergoß ihre Stirne mit einem erhöhten Zauber.

Sie saß am Klaviere, über dessen Tasten unter Fräulein Pertoldʼs Leitung ihre feinen Finger in glänzenden Trillern flogen. Von dem frühern Wildfang war nichts mehr an ihr zu sehen. Ihre Kleidung war gewählt, ihre Haltung elegant und fein, und das goldige Haar schmiegte sich in glänzender Fülle um das junge, geistvolle Haupt.

Um dieselbe Stunde des Nachmittags ging es lebhafter als sonst in dem kleinen Hofe am Walde her. Die fremde Frau lag im Sterben. Seit sechs Jahren hatte die Krankheit in ihrer Brust rastlose, wenn auch langsame Fortschritte gemacht, und eigentlich war es ein Wunder, daß sie noch nicht gestorben war. Aber mit eiserner Willensfestigkeit klammerte sie sich an das fliehende Leben; es war, als erwarte sie etwas, als könne sie nicht sterben, bevor es in Erfüllung gegangen, und Tag, für Tag, unausgesetzt, von ihrem Lehnstuhle am Fenster, übersahen die fieberhaften Augen die Wege und Pfade, die nach dem Hause führten.

Allein was sie erwartete, das zeigte sich nicht. Leonie war in guter Aufsicht, und wenn sie auch den kleinen Vorfall aus ihrer Kindheit keineswegs vergessen hatte, so war sie doch viel zu sehr auf ihr eigenes Wohl bedacht, viel zu sehr von andern Wünschen und Plänen erfüllt, um dem ausgesprochenen Befehle ihres Vaters, ohne besondern Anstoß, zu trotzen.

Auch heute stand der Lehnstuhl der Kranken neben dem Fenster, auch heute starrten ihre Augen in heißer Sehnsucht in die herbstgefärbte Landschaft hinaus. Der Arzt war gekommen und fortgegangen. Diese Nacht werde wohl die letzte sein, hatte er unten zu Thomas gesagt und eben schob dieser die schweren Riegel hinter dem Fortgehenden zu. Da schlich seine Mutter sacht aus dem Krankenzimmer zu ihm herab, um den letzten Ausspruch des Arztes zu vernehmen. Oben bei der Sterbenden blieb nur ein halberwachsenes Kind, eine arme Waise, welche Thomas zu sich genommen, um der Mutter in der Pflege der Kranken beizustehen.

Es war ein eingeschüchtertes, scheues Wesen, das in der unheimlichen Stille des Hauses kaum eine Bewegung zu machen oder ein lautes Wort zu sprechen wagte. Denn die alte Frau hatte die Gemächlichkeit, die sie zu Anfang mitgebracht, in ihrem Wächteramte längst verloren, und Thomas war mürrischer als je. Selbst für ihn war es ein trauriges Schauspiel, die gequälte, noch immer schöne Frau so Zoll für Zoll absterben zu sehen, und es ist kein Wunder, wenn die Zeit ihm lange währte, bis sie die letzte Erlösung fand.

An jenem Kinde nun hatte die Frau in aller Stille sich eine Bundesgenossin gemacht. Wort für Wort, ohne daß Jemand darum wußte, hatte sie von ihr so viel von der deutschen Sprache gelernt, als sie bedurfte, um sich verständlich zu machen, um zu hören, was um sie her gesprochen wurde, obgleich niemals eine Miene in ihrem Gesichte verrieth, daß sie den Inhalt der Gespräche verstand.

Geräuschlos war die Thüre in das Schloß gefallen, und der schleppende Gang der alten Frau war auf der Treppe verhallt. Die Lampe brannte auf dem Tische; in der Ecke saß das Mädchen mit rothgeweinten Augen angstvoll zusammengedrückt und rührte sich nicht. Da erhob sich die Sterbende langsam aus ihrer liegenden Stellung, und mit einer gebieterischen Geberde winkte sie die Kleine herbei.

Jetzt geh! – jetzt ist es Zeit! sagte sie.

Das Mädchen fuhr zitternd in die Höhe.

Hörst du mich, Tine? rief die Kranke ungeduldig.

Das arme Kind sank in die Kniee: Ich kann nicht! hauchte sie in furchtbarer Angst – Ich darf nicht! – Mein Oheim jagt mich fort, wenn ich es thue! —

Dann nimm den Fluch einer Sterbenden auf dich! – Weißt du denn nicht, daß du geschworen hast? – und ich habe Niemand zu schicken, als dich – und ich sterbe – ich sterbe! – Weh dir, wenn ich sterben muß in dieser Todesangst, die mich nicht sterben läßt! —

Sie war aufgestanden und machte eine Bewegung auf das Mädchen zu. Doch dieses war todtenbleich – aufgesprungen.

Ich gehe, sagte sie, mag mein Oheim mit mir thun, was er will. —

Und leise und eilig hatte sie das Zimmer verlassen und schlich durch eine Hinterthüre zum Hause hinaus.

Der Abend war unterdessen angebrochen, der trübe Herbstabend, der sich ohne Sternenlicht in seinem Nebelmantel feucht über die erstarrende Erde legt. Leonie saß noch immer am Klavier in dem verdunkelten Zimmer; aber Fräulein Pertold hatte sie verlassen, und in dieser Stunde der Einsamkeit lag auf der jungen Stirn ein Ausdruck, der von dem ruhiger Heiterkeit, den sie vorhin trug, sehr verschieden war. Es war der Ausdruck tiefster Langeweile und Abgespanntheit. Die zierlichen Hände glitten in nachlässiger Trägheit über die Tasten und lockten Accorde daraus hervor, die ohne Ordnung und Verbindung, wie sie schienen, die oft unterbrochene Begleitung für die unruhigen Gedanken des jungen Mädchens bildeten. – O Gott! dachte sie, wann wird das enden? Wie bin ich müde, müde, müde! – Otto liebt das Landleben – ja freilich – er ist immer in der Stadt! – Wie glücklich sind die Knaben! Sie können fort. – Was gäbe ich darum, ein Knabe zu sein! – Trab – trab – ein Tag wie der andere. Das ewige Einerlei bringt mich noch um. Der Vater und Fräulein Pertold – Fräulein Pertold und der Vater – die Pertold ist langweilig – sie sagt, ich sei schön – das weiß ich ohne sie, aber was nützt es mir hier? Mit dem Vater kann ich einmal nichts machen – ich habe die Hoffnung aufgegeben. – O diese ewige Verstellung – und wozu? Er glaubt mir doch nicht! – Die Pertold schauʼ ich durch und durch, die habʼ ich auswendig gelernt, sie wartet auf eine Pension. – O hätte sie sie doch und ließe mich in Ruhe! – Dann die Frau Pastorin – die ist gut wenigstens – ich glaube auch, sie hat mich lieb – das ist aber Alles alt, und was gehtʼs mich an? – Es ist doch nicht, was ich will – und was ich will, das ist nicht hier in diesem alten Loche – von der Pertold kann ich nichts mehr lernen – was sie weiß, weiß ich jetzt auch – sie sagt, ich sei eine ganze Dame. – O Welt – wann öffnest du dich mir?

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Eure Wege sind nicht meine Wege»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Eure Wege sind nicht meine Wege» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Eure Wege sind nicht meine Wege»

Обсуждение, отзывы о книге «Eure Wege sind nicht meine Wege» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x