Ich konnte spüren, wie immer mehr Flüssigkeit aus mir herauslief, Damons Finger benetzte, seine Hand. Immer fester stieß er zu, immer fester saugte sein Mund. Es dauerte eine Sekunde, bis ich begriff, dass das animalische Geräusch aus meinem Mund kam. Es war zu viel. Zu schnell und zu viel und …
Ich kam und kam und kam auch noch, als ich aufs Bett gedrückt wurde und Damon mit einem tiefen, erleichternden Stoß in mich glitt. Instinktiv klammerte ich mich an ihn, umschlang ihn mit Armen und Beinen und kam ihm trotzdem Stoß für Stoß entgegen. Es gab kein Denken mehr, keine Ratio, nur noch ein Verlangen, heiß und glühend und alles andere überflutend. Es wollte erfüllt werden. Erfüllend und tief und immer tiefer ritt mich mein Liebhaber, trieb mich von Gipfel zu Gipfel, Höhepunkt zu Höhepunkt, bis er sich schließlich ebenfalls in einem finalen Augenblick in mir ergoss.
Erst nach Minuten gelang es mir, in die Wirklichkeit zu kommen – und dann noch einmal eine weitere, um genug Luft zu sammeln, um Damon auf den Rücken zu klopfen. Er war mindestens so verschwitzt, wie ich mich fühlte und sein Besitzer begann unter dem Trommeln meiner Handflächen zu kichern. Erleichtert, euphorisch und immer noch leicht ekstatisch.
»Runter von mir!«, befahl ich trotzdem und gab ein Husten vor. In einer einzigen, eleganten Bewegung drehte sich Damon von mir und mich auf sich.
»So herum besser?«, erkundigt er sich durch meine langen Haare hindurch.
»Luft!«, stöhnte ich. »Endlich.«
Dann prustete ich los. War das geil! Meine Güte!
Damon scheint etwas Ähnliches zu denken oder zu empfinden, denn seine Arme schlangen sich einen Moment lang um mich. Wieder sehr besitzergreifend, dann sanfter und schließlich strich er mir mit den Handflächen sanft über den Körper.
Mir meine blonden Haare aus dem Gesicht pustend, erkannte ich endlich das glückselige Strahlen auf seinem Gesicht. Er wirkte sehr stolz. Auf mich, auf sich, auf die Gesamtsituation. Noch vor seinen Worten: »Wow, du bist Multiorgasmus-fähig!«
»Ja, das sollte unbedingt in meine Charakterbeschreibung hinein«, lachte ich, »Ist leichtsinnig, leidenschaftlich und fähig einen multiplen Orgasmus zu bekommen.«
»Hey!« Damon rollte mich mit sich und endete in der dominanten Position, mir abermals die Luft nehmend. »Werte das nicht so ab!«
»Tue ich nicht«, grollte ich leicht. Nicht wegen akuten Luftmangels, sondern weil Damons Gewicht meine Libido zum Klingen brachte. Schon wieder. Musste an ihm liegen. Normalerweise war ich zwar geil, aber nicht dauergeil und genau in solch einem Moment müsste ich eigentlich total glücklich und befriedigt sein statt angeturned.
Damon gab mir einen kleinen, neckischen Kuss, dann strich er sanft meine Gesichtskonturen nach und das Funkeln in seinen dunklen Augen wurde tiefer, liebevoller. Eine Sekunde lang hatte ich die widersinnige Idee, dass es wirklich schön wäre, ihn zu behalten. Aber nein, was dachte ich denn da? Ich war Single und froh darum. Meine drei Haupteigenschaften wollten ja schließlich ausgelebt und nicht mit dem erstbesten dahergelaufenen Traummann befriedigt werden. Egal, wie frischgebacken er war.
Damon schien zumindest den ersten Teil meiner Gedanken aufgeschnappt zu haben, denn aus dem neckenden Zusammenspiel unserer Lippen wurde etwas ungleich tieferes, intimeres und Sekunden nachdem ich über meine Aversion einer festen Beziehung gegenüber nachgedacht hatte, hörte ich auf zu denken. Für sehr, sehr lange Zeit.
»Was meinst du mit: Ich hab nichts anzuziehen?«
»Genau das, was ich gesagt habe.« Damon schüttelte den Kopf. »Ich habe nichts anzuziehen. Nichts, nada.«
Ich starrte den gut gebauten Kerl vor mir an und nickte schließlich einsichtig. Klar hatte er nicht ein einziges Kleidungsteil. Er war ja auch splitterfasernackt in meiner Küche aufgetaucht. Das kommt davon, wenn man schamloserweise seinen Traumprinzen ohne Klamotten backt – wenigstens ein Königsmantel und eine Krone hätten doch nun wirklich drin sein können. Wie von selbst wanderte mein Blick über meinen neuen Liebhaber und nahm jede noch so kleine Kleinigkeit war – über die nicht vorhandenen Socken, bis hin zur genauso nicht anwesenden Unterhose. Ich hätte ihn schon wieder anfallen können.
Aber er hatte Recht. Wenn ich irgendwann einmal etwas anderes mit ihm machen wollte, dann würde er Kleidung benötigen. Ich seufzte, als ich mir vorstellte, diese Sahneschnitte unter Stoff zu verstecken. Doch was moralisch Recht war, sollte auch moralisch Recht bleiben und nur weil ich ihn gebacken hatte, konnte ich ihn nicht nackt in die Öffentlichkeit zerren. Schade eigentlich.
»Welche Größe hast du?«
»Größe?«, fragte Damon unschuldig und klimperte dermaßen mit seinen langen Wimpern, dass ich versucht war, ihm sein Unwissen abzukaufen.
»Ach vergiss es!« Ich riss mich von seinem Anblick los und marschierte Richtung Ausgang. »Bin in ein paar Minuten wieder da.«
Leise öffnete ich die Tür, schlich hindurch und schloss sie hinter mir wieder leise, um meiner Nachbarin keinen Grund zu geben, ihre Tür ebenfalls zu öffnen und mich in ein Gespräch zu verwickeln. Vorzugsweise darüber, wie laut ich gewesen war.
Ich seufzte; in den paar Minuten würde ich zwar nichts für die Ewigkeit kaufen können, aber es würde reichen, ihn soweit einzukleiden, um anschließend mit Damon vernünftig shoppen gehen zu können.
Zehn Minuten und einen Woolworthbesuch später war ich stolze Besitzerin einer schwarzen Männertrainingshose mit elastischem Bund, einem schwarzen T-Shirt in XL, schwarzen Socken und schwarzen Slippern in Größe 43. Mit schwarz machte man generell nie etwas falsch. Mit Größen leider schon. Gott sei Dank war das Elastikbändchen regulierbar, und Größe L … nun ja … Damon hätte auch in einem Kartoffelsack toll ausgesehen, nur dass dieser Kartoffelsack eben schwarz war und deutlich mehr Geld gekostet hatte.
»Und jetzt gehen wir einkaufen!«, befahl ich nicht nur aus diesem Grund. Wenn er schon angezogen war, dann doch bitte hübsch angezogen. Hübsch genug, um mit ihm anzugeben.
Ich verkniff mir ein Kichern, weil ich daran dachte, dass sich normalerweise nur Kerle Betthäschen hielten. Und jetzt hatte ich meinen eigenen nacktgebackenen Bett-boy. Prima!
»Hör auf so blöde zu grinsen«, muffelte Damon und sah an sich herab, als könne er einen Grund für meine gute Laune finden.
»Sorry, ich musste nur gerade daran denken, dass du jetzt so etwas wie mein Lustknabe bist.« Ich konnte spüren, wie mein Grinsen noch breiter wurde, war aber außerstande etwas daran zu ändern.
Damon runzelte die Stirn und beäugte mich misstrauisch. »Ist das gut oder schlecht?«
»Für dich oder für mich?«, hakte ich nach.
»Hey?!«, protestierte er gespielt empört und warf ein Kissen nach mir. »Wenn du frech wirst, zeig ich dir gleich, was ein Lustknabe mit dir macht!«
»Das, was du meinst, ist aber ein Lust molch !«, kicherte ich und wich einem zweiten Kissen aus. Leider traf mich das dritte direkt und mit dem vierten stand Damon bereits vor mir, um mich an die Wand zu drücken und seinen Mund auf meinen zu pressen, als hinge sein Leben von meinem Kuss ab. Und wer weiß? Vielleicht stimmte es sogar.
Meinen Widerstand aufgebend schlang ich meine Arme um ihn und zog ihn näher, versuchte gleichzeitig zu zerfließen und mit ihm zu verschmelzen – bis ich ihm das Kissen unauffällig entwunden hatte und gleichzeitig zur Seite sprang und ihn mit meinem weichen Schlagmaterial traf.
»Oh!«, japste er. »Wie unfair!«
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