Meine kurze Erleichterung hielt nicht lange. Sowohl mein Telefon als auch mein Handy lagen im Wohnzimmer und damit auf der anderen Seite der Tür.
Meine gereizten Nerven und die Kopfschmerzen von dem aphrodisierenden Backschnaps ließen meinen Verstand wissen, dass sie einschließen für eine gute Lösung hielten.
Und obwohl ein Teil meiner Logik ihnen Recht gab, bestand der andere darauf, dass es kein Geräusch und keine Gefahr gab oder gegeben hatte.
Also verhielt ich mich genauso leichtsinnig, wie die Frauen in den Horrorfilmen – die, die zu blöde zum Leben sind – und drückte leise die Klinke nach unten und schob die Tür vorsichtig auf. Jederzeit bereit, sie zuzuschlagen und abzuschließen.
Friedlich und genauso wie ich es verlassen hatte, lag mein Wohnzimmer in der Dunkelheit vor mir. Chaotisch, aber eindeutig chaotische Normalität!
Erleichterung strömte wie eine Welle durch meine Adern, vertrieb die Angst und die Kopfschmerzen und mit einem Mal kam ich mir unglaublich blöde vor.
Natürlich würde ich trotzdem das Handy mitnehmen und mich, Geräusch hin oder her, in meinem Schlafzimmer einschließen bis es hell war.
Das plötzliche Poltern aus meiner Küche brachte meinen Herzschlag ins Stolpern. Adrenalin rauschte durch meine Blutbahn und schärfte meine Sinne. Trotz der sommerlichen Hitze trat kalter Schweiß auf meine Stirn.
Mit zitternden Fingern wählte ich die 110.
»Miau!« Ein großer, dunkler Schemen hetzte an mir vorbei und mein Herz setzte endgültig aus, als die verdammte Katze meiner noch verdammteren Nachbarin in meiner Küche verschwand.
Vor Erleichterung drohten meine Knie nachzugeben und ich musste gegen einen Lach- und einen Weinkrampf gleichzeitig kämpfen.
Schon wieder diese Katze!
Wild entschlossen betrat ich die Küche und knipste das Licht an.
Der Mann, der in ihr stand, war genauso erschrocken wie ich.
Und nackt!
Ich vergaß meine Angst, vergaß die grüne Anruftaste zu drücken und vergaß die Katze.
Ich vergaß alles, außer ihn wie gelähmt anzustarren, während sich mein Gehirn und meine Knie in Pudding verwandelten.
Yummy!
Dunkle Augen blitzten mir unter schwarzen Locken entgegen, ein Dreitagebart in einem sehr markanten, attraktiven Gesicht. Die Nase ein wenig schief, so als habe er sie sich als Kind gebrochen und als sei sie dann nicht ganz gerade zusammengewachsen.
Wie von selbst glitt mein Blick weiter und nahm jeden Zentimeter seiner leicht gebräunten Haut wahr. Die kleinen, dunkelbraunen Brustwarzen, der schmale Luststreifen, der sich auf seinem muskulösen Bauch kringelte und der hinab reichte bis zu …
Er verdeckte sich nicht und schien sich seiner Nacktheit nicht einmal wirklich bewusst zu sein!
… seiner leichten Erektion.
Doppelyummi!
Ich griff nach dem Türpfosten.
Eindeutig war ich leicht zu manipulieren! Man gebe mir einen gut aussehenden Kerl und mir war plötzlich egal, ob er ein Mistkerl, ein Einbrecher oder ein Traumprinz war – Hauptsache anwesend!
Mein Blick fiel auf die leere Backform und unwillkürlich dachte ich an meine Auflistung, die ich bei der Zeremonie verlesen hatte.
Kein Grund, an Märchen zu glauben, nur weil Mr. Sex seine Verpackung vergessen hatte!
Unbewusst schüttelte ich den Kopf.
Nicht möglich!
Mr. Supersexy-Doppelyummi trat einen Schritt vor und grinste. Er wirkte eindeutig vertraut und sein Grinsen eindeutig intim.
Ich stoppte ihn mit einer Geste.
»Was machst du hier?«, meine Stimme klang vom Schlaf und vom Schock belegt. Trotzdem beharrte ein Teil von mir weiterhin auf der einfachen Logik von 1 plus 1, registrierte erneut die leere Backform und ließ nur Verwirrung, keine Angst zu.
Er zuckte mit den Achseln und ich kam in den Genuss des Spiels seiner Muskeln. Großer Gott! Wer hatte denn den gebacken?
Verzückt starrte ich ihn an. Er hatte nicht gesprochen, oder? Wenn er nicht sprechen konnte, wäre er wirklich ein Mister Perfect!
»Ich weiß es nicht!«
Ich revidierte meine Meinung. Allein von dieser Stimme würde ich schon zum Orgasmus kommen können. Dazu würde es reichen, ihn neben meinem Bett sitzen zu haben.
»Gehören wir zusammen?« Sein Blick glitt über mich und verriet mehr als in der Frage impliziert war. Die Besitzhoffnung darin hatte eine verheerende Wirkung auf meinen Unterleib und meinen Verstand. Feuchtigkeit benetzte die Innenseite meiner Oberschenkel und ließ mich wissen, dass mein Körper mehr als bereit für ein Zusammengehören war.
Was würde passieren, wenn ich »Ja« sagte?
Voller Vorfreude begann meine Klit zu pochen.
Ich brauchte zwei Anläufe, um meine Sprache wiederzufinden. Ein Umstand, den er grinsend zur Kenntnis nahm.
Ich räusperte mich und versuchte mich an meine Logik zu erinnern. »Woher kommst du und wieso bist du nackt?«
»Keine Ahnung und wieder keine Ahnung.« Sein Lächeln wurde noch intimer. Beinahe wie eine körperliche Liebkosung. Eine verheißungsvolle Gänsehaut jagte über meine Haut und ließ mich darüberhinaus nun wissen, dass all meine Sinne nach diesem Mann verlangten.
»Aber war das ein »Ja« oder ein »Nein«?« Er trat einen Schritt näher.
Und ich einen zurück.
Sein Lächeln erlosch jäh. Mein Innerstes zog sich schmerzhaft zusammen. Es war, als hätte jemand alle Wärme aus meiner Küche vertrieben und mich in einem lieblosen Raum allein zurückgelassen.
Es mochte an meinen Hormonen liegen, aber der Verlust seiner Fröhlichkeit und seiner unbeschwerten und auf mich gerichteten Verführungskraft schmerzte beinahe körperlich.
»Bist du böse auf mich?« Seine Stimme klang belegt.
Wieder warf ich einen Blick auf die Backform. Hatten wir den Kuchen aufgegessen? Ich konnte mich nicht erinnern. Aber es konnte ja ohnehin nicht sein, oder?
»Ich kenne dich überhaupt nicht!«, gab ich zu, konnte aber nicht verhindern, dass meine Stimme kleinlaut klang.
Auf seinem Gesicht zeichnete sich Verwirrung ab, die ihn verletzlich wirken ließ. Es machte ihn noch attraktiver – und irgendwie menschlicher.
Mitleid verdrängte meine vehement auf ihrem Recht pochende Libido. Mal abgesehen von unglaublich sexy, wahnsinnig attraktiv und verdammt nackt war er auch noch wirklich süß!
Und ich starrte ihn immer noch an!
»Hast du einen Namen?«, versuchte ich mich mit einer harmlosen Frage.
Interessiert dich das wirklich? Meinem Verstand gelang es in der stillen Kammer meiner Logik ein unschuldiges Pfeifen von sich zu geben, während meine Hormone befahlen: Ran an den Mann!
»Damon!« Die Antwort, wieder gesprochen mit dieser beinahe magischen Stimme, kam wie aus der Pistole geschossen.
Unter meinen Blicken war seine Erektion härter geworden. Beinahe so, als reagiere sein Schwanz bereits auf diese Kleinigkeit. Verführerisch!
Das plötzlich einsetzende Pochen zwischen meinen Beinen verdrängte mein Mitleid.
Wieder benetzte ein kleiner Schwall Feuchtigkeit meinen Slip und die Muskeln in meiner Möse zogen sich probehalber zusammen.
Ein neuer Schauder lief über meine Haut; wie eine unsichtbare Streicheleinheit und versetzte meine Nerven in Aufruhr. Das Pochen wurde vehementer, fordernder.
Mein Körper begann zu kribbeln, als stünde er unter elektrischer Spannung oder als nehme er Dinge jenseits der bewussten Wahrnehmung war.
Pheromone, ganz klar!
Nervös fächelte ich mich Luft zu. »Heiß hier, oder?«
Großer Gott, das habe ich nicht wirklich gesagt! Was Besseres fällt dir nicht ein? Da steht dein Traummann nackt in deiner Küche, du bist spitz wie Nachbars Lumpi und du fächelst dir Luft zu?
Hey, ich habe Anstand!, behauptete mein Verstand. Er schaffte es gerade noch, mich am sabbern zu hindern.
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