Worum geht es im Forum Sexualmoral?
Unter dem Titel „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualmoral und Partnerschaft“ sollen in diesem Forum Fragen der kirchlichen Sexualmoral behandelt werden. (1)
Hintergrund ist der Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche in Fragen der Sexualmoral in Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen und zweitens die schon länger beklagte Kluft zwischen der kirchlichen Lehre und dem Leben der Gläubigen.
„Der Vorwurf lastet schwer, die Kirche genüge ihren eigenen hohen moralischen Ansprüchen nicht“, heißt es im Arbeitspapier der vorbereitenden Gruppe mit Blick auf die Fälle sexuellen Missbrauchs in der Kirche. Immer weniger Menschen trauten der Kirche nach den Missbrauchsskandalen überhaupt noch ein Urteilsvermögen in Fragen der menschlichen Sexualität zu.
Empfängnisverhütung, außerehelicher Sex, wiederverheiratete Geschiedene und Homosexualität
Eine Kluft zwischen Lehre und Leben zeige sich heute besonders hinsichtlich Fragen der Empfängnisverhütung, des außerehelichen Sex, der wiederverheirateten Geschiedenen und der homosexuellen Partnerschaften, heißt es weiter. Kardinal Reinhard Marx formulierte dazu im Vorfeld des Synodalen Weges: „Die Sexualmoral der Kirche hat entscheidende Erkenntnisse aus Theologie und Humanwissenschaften noch nicht rezipiert. Die personale Bedeutung der Sexualität findet keine hinreichende Beachtung. Wir spüren, wie oft wir nicht sprachfähig sind in den Fragen an das heutige Sexualverhalten“. Die Moralverkündigung gebe der überwiegenden Mehrheit der Getauften keine Orientierung. (2)
Im Umgang mit und der Bewertung von Homosexualität hat Papst Franziskus seit seinem Amtsantritt eine gewisse Offenheit gezeigt. Es wandte sich im Jahr 2013 gegen die Ausgrenzung und Diskriminierung von Homosexuellen. Auf seinem Rückflug vom Weltjugendtag in Brasilien sagte er vor Journalisten: „Wenn einer homosexuell ist und Gott sucht und guten Willen hat – wer bin dann ich, ihn zu verurteilen?“ (3) Gleichwohl lehnt die katholische Kirche auch unter Franziskus eine gelebte Homosexualität und die gleichgeschlechtliche Ehe ab. (4)
Das Vorbereitungsforum zum Thema Sexualmoral war sich bei der Frage, ob es eine neue kirchliche Sexualmoral braucht, nicht ganz einig, wie aus seinem Arbeitspapier hervorgeht. Eine Mehrheit der Teilnehmer hielt es für notwendig, die bisherigen Normen grundsätzlich zu überprüfen. Wogegen ein anderer Teil forderte, sie müssten heute lediglich plausibler erklärt und vermittelt werden. Dementsprechend unterschiedliche Antworten gaben die Teilnehmer hinsichtlich konkreter Fragen der Sexualität und des Umgangs mit Sexualität. Uneins war man sich zum Beispiel bei der Frage der sexuellen Selbstbestimmung und hinsichtlich einer Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.
Evangelii gaudium und Amoris laetitia
Für die Vorbereitung des Gesprächsforums zum Thema Sexualmoral wurden Ergebnisse von Befragungen einbezogen, die Papst Franziskus im Vorfeld der beiden Weltbischofssynoden zum Thema Ehe und Familie von 2014 und 2015 weltweit unter Gläubigen durchführen ließ. Es war das erste Mal, dass der Vatikan auf diese Weise Meinungen der Gläubigen in die Vorbereitung einer Synode einbezog. (5) Auch stützte sich das Vor-Forum zur Sexualmoral auf die beiden Schreiben von Papst Franziskus „Evangelii gaudium“ (2013) und „Amoris laetitia“ (2016). In „Evangelii gaudium“ hatte er dazu ermutigt, das Evangelium nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Frische und Freude zu vermitteln. (6) In „Amoris laetitia“ hatte der Papst betont, dass das Gewissen der Gläubigen bei Fragen der Ehe und Familie ernster genommen werden müsse. (7)
Worum geht es im Priester-Forum?
Sendung aller Gläubigen
Die Aufgaben, das Amt und die Lebensform der Priester in der heutigen Zeit sind ein Schwerpunkt des Forums „Priesterliche Existenz heute“. Allerdings legte das vorbereitende Forum Wert darauf, die priesterliche Existenz „nicht als Stand, sondern nach den Kriterien der Evangelisierung“ zu behandeln und grundsätzlich über die Sendung aller Gläubigen in einer säkularer werdenden Gesellschaft zu sprechen. (1)
Der Ansatz ist hier, dass Priester ebenso wie nicht geweihte Gläubige Wege finden müssen, um auf den Glaubensschwund und die Krise der Kirche zu reagieren.
Gleichwohl waren im Kontext des Missbrauchsskandals gerade klerikale Lebensformen und Ämter problematisiert worden. Mit Blick auf die katholischen Geistlichen war von Schwierigkeiten mit der eigenen Sexualität und dem Zölibat sowie Amtsmissbrauch die Rede gewesen. (2) „Wir wissen, dass die Lebensform der Bischöfe und Priester Änderungen fordert, um die innere Freiheit aus dem Glauben und die Orientierung am Vorbild Jesu Christi zu zeigen“, formulierte Kardinal Marx im Vorfeld des Synodalen Weges: „Den Zölibat schätzen wir als Ausdruck der religiösen Bindung an Gott. Wie weit er zum Zeugnis des Priesters in unserer Kirche gehören muss, werden wir herausfinden.“ (3) Im Vor-Forum zur priesterlichen Existenz wurde dann unter anderem die Frage formuliert, ob der Zölibat die allein angemessene Lebensform der Priester sei.
Ausbildung und Rollenbild
Weitere Fragen, die beim Synodalen Weg mit Blick auf die Priester zur Sprache kommen sollen, beziehen sich auf die Ausbildung und Eignung, persönliche Reife und Identität sowie den Umgang mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen. Zudem soll es um das Rollenbild der Priester und das Verhältnis von Sakramentalität und Macht gehen. Dabei soll überlegt werden, wie einer Selbstüberhöhung und einem Machtmissbrauch im Priesteramt vorgebeugt werden kann.
Heutiges Berufsbild der Priester
Alltag und Berufsbild der Priester haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Priester müssen heute nicht nur Seelsorger sein, sondern in ihrem Alltag oft auch als Manager und Vermittler auftreten. Sie sind selten nur noch für einzelne Gemeinden zuständig, sondern müssen sich um Großpfarreien kümmern, die vielfältige Herausforderungen mit sich bringen. Für die Priester bedeutet dies oft eine Zerreißprobe, Frust und Erschöpfung. Hinzu kommt, dass die Strukturreformen bei vielen Gläubigen umstritten sind, die damit ein Ende der Seelsorge und die Abschaffung der Kirche vor Ort vorhersehen. (4) Eine weitere Frage, die deshalb beim Synodalen Weg thematisiert werden soll, ist die Amtsfrustration: Wie und wo ließe sich das priesterliche Leben besser gestalten? Hier ließe sich etwa über gemeinschaftliche Lebensformen von Geistlichen sowie neue Formen der Gemeindeleitung sprechen.
Frauenpriestertum kein Thema
Die Teilnehmer des Vor-Forums waren im Grundsatz uneins darüber, ob das Priesteramt auch für Frauen gedacht werden kann. Deshalb verweisen sie bei dieser Frage auf das Frauen-Forum beim Synodalen Weg, wo dieses Thema zur Sprache kommen soll.
Worum geht es im Frauen-Forum?
Rolle der Frau in der Kirche
Das Forum „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ stellt die Frage nach der Rolle der Frau in der Kirche. (1)
Dazu sollen auf dem Synodalen Weg konkrete Vorschläge erarbeitet werden, wie Frauen stärker an der Kirchenleitung beteiligt werden können. Bereits existierende Gestaltungsmöglichkeiten im Rahmen des Kirchenrechtes müssten sichtbarer gemacht und verbindliche Verabredungen dazu getroffen werden, heißt es im Arbeitspapier der vorbereitenden Arbeitsgruppe.
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