Bei der Suche nach Reformwegen für die Kirche in Deutschland liegt der Akzent gewollt auf „gemeinsam“: Das Wort „synodal“ leitet sich vom griechischen Begriff „synodos“ ab und bedeutet „gemeinsamer Weg“. Papst Franziskus hat sich im Juni 2019 in einem Brief an Deutschlands Kirche grundsätzlich offen gegenüber dem Projekt gezeigt. (8)
Wer verantwortet den Synodalen Weg?
Der Synodale Weg wird von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) gemeinsam verantwortet und partnerschaftlich gestaltet.
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und seine Kernforderungen
Das ZdK ist der Zusammenschluss von Vertretern der Diözesanräte, der katholischen Verbände und von Institutionen des Laienapostolates sowie weiterer Persönlichkeiten aus Kirche und Gesellschaft. Es nahm die Einladung zur Reformdebatte im Mai 2019 unter der Bedingung an, dass bei den Bischöfen „der Wille zu wirklicher Veränderung erkennbar“ sein müsse. Der Synodale Weg dürfe keine „Besänftigungs- und Beschäftigungstherapie“ für das Volk Gottes sein. (1)
Er sei eine logische Folge der „tiefen Krise der katholischen Kirche in Folge des in den letzten Jahren bekanntgewordenen Ausmaßes sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch katholische Geistliche“. (2) Kernforderungen des ZdK sind: eine Trennung von Exekutive und Judikative im Kirchenrecht im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz, Transparenz und eine gleichberechtigte Teilhabe von Laien an der Kirchenleitung, der Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern, Einsatz für die Abschaffung des Pflichtzölibates, ein Wandel in der kirchlichen Sexualmoral und einheitliche Standards für die Priesterausbildung. (3)
Deutsche Bischofskonferenz
Trotz unterschiedlicher Präferenzen innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz zur Ausrichtung des Synodalen Weges erklärten sich bei ihrer Vollversammlung im September 2019 letztlich alle Bischöfe dazu bereit, das Projekt mitzutragen. (4) Sie begründen den Synodalen Weg vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals: „Erschütterungen verlangen besondere Vorgehensweisen. Die Missbrauchsstudie und in ihrer Folge die Forderung Vieler nach Reformen zeigen: Die Kirche in Deutschland erlebt eine Zäsur. Der Glaube kann nur wachsen und tiefer werden, wenn wir frei werden von Blockierungen des Denkens, der freien und offenen Debatte und der Fähigkeit, neue Positionen zu beziehen und neue Wege zu gehen.“ (5)
Die Themenschwerpunkte des Synodalen Weges haben die Bischöfe gemeinsam mit den Laienvertretern festgelegt. (6) Sie lauten „Macht und Gewaltenteilung: Gemeinsame Teilhabe und Teilnahme am Sendungsauftrag“, „Leben in gelingenden Beziehungen: Liebe leben in Sexualmoral und Partnerschaft“, „Priesterliche Existenz heute“. Auf Anregung des Zentralkomitees kam in der Vorbereitungsphase noch ein viertes Thema dazu, das behandelt werden soll: „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“.
Satzung des Synodalen Weges
Gemeinsames Organ der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist die Gemeinsame Konferenz, in der Kleriker wie Laienvertreter sitzen. Für die Vorbereitung des Synodalen Weges wurde diese Konferenz, die im Zuge der Würzburger Synode (1971–1975) als ständiges Organ mit je zehn Vertretern der DBK und des ZdK errichtet worden war, auf rund 50 Personen erweitert. (7) Das Gremium klärte zum Beispiel Fragen zu den einzelnen Foren und zur Satzung ab.
In der Satzung des Synodalen Weges sind die Ausrichtung und Regeln des Reformweges festgeschrieben. (8) Sie definiert, was der Weg ist, was er soll und wer am Ende entscheidet. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte die letzte Fassung dieser Verfahrensordnung einschließlich einer Präambel auf ihrer Herbstvollversammlung im September 2019 in Fulda mit einer großen Mehrheit gutgeheißen, das Zentralkomitee gab Ende November grünes Licht. (9)
Geplanter Verlauf des Synodalen Weges
Nach dem Start des Synodalen Weges am 1. Dezember 2019 soll der Dialog für zunächst zwei Jahre laufen. Meilensteine sind die zwei mehrtägigen Plenarversammlungen Ende Januar und Anfang September 2020. Weitere Synodalversammlungen sind für das Jahr 2021 geplant. Als Ort für den Austausch wurde der Frankfurter Bartholomäus-Dom gewählt, in dessen Vorgängerbau im Jahr 794 auf Einladung Karl des Großen die Synode von Frankfurt zusammentrat, um diverse theologische und politische Fragen zu erörtern.
Wer hat die Debatten vorbereitet?
Für die Vorbereitung und Durchführung der Debatten greift ein Prozess, der in der Satzung des Synodalen Weges genau festgelegt ist. (1)
Grundsätzlich werden Themen und Debatten von der Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) gemeinsam aufbereitet und gestaltet.
Für die inhaltliche Vorbereitung der Debatten sind die sogenannten „Synodalforen“ zuständig, die jeweils unter der Leitung eines Mitgliedes der Deutschen Bischofskonferenz und eines Mitgliedes des Zentralkomitees der deutschen Katholiken arbeiten sollen. Über die Zusammensetzung dieser Foren wird auf der konstituierenden Sitzung der ersten Synodalversammlung Ende Januar 2020 entschieden. (2) Wie die Ausrichter des Synodalen Weges im Vorfeld bekanntgaben, sollen die jeweils 30 Mitglieder umfassenden Synodalforen ein breites Spektrum an Hintergründen, Fähigkeiten und Perspektiven abbilden. Verschiedene Altersgruppen sollen repräsentiert sein, ebenso Bischöfe, Ordens- und Gemeindepriester sowie Gemeindereferenten, Professoren, Vertreter des ZdK sowie anderer Organisationen. (3)
Stimmrecht in den Synodalforen
Die Mitglieder der Synodalforen haben in ihrem Synodalforum gleiches Stimmrecht und sind an keine Weisungen aus den Gremien, die sie entsandt haben, gebunden. (4) Inhaltlich knüpfen die Synodalforen an die Vorarbeit von vier Vorbereitungsgruppen beziehungsweise VorForen an, die bis September 2019 zu den vier Themenschwerpunkten des Synodalen Weges gearbeitet haben. Ihre Arbeitspapiere sind auf den Internetseiten der DBK nachzulesen. (5) Aufgabe der Synodalforen ist, Vorlagen für die Sitzungen der Synodalversammlung zu erarbeiten. Die Synodalversammlung ist das Beschlussgremium des Synodalen Weges. (6)
Bereits bei der inhaltlichen Vorarbeit zum Synodalen Weg fiel die heterogene Zusammensetzung der Arbeitsgruppen auf, die sich der vier Themenbereiche annahmen. (7) Die Standpunkte und Erfahrungen der Teilnehmer lagen bisweilen weit auseinander, so dass in den jeweiligen Arbeitspapieren Tabellen aufgeführt wurden, um die unterschiedlichen Standpunkte zu dokumentieren.
Forum „Macht, Partizipation, Gewaltenteilung“
Das Forum „Macht, Partizipation, Gewaltenteilung“ leiteten Bischof Karl-Heinz Wiesemann aus Speyer und ZdK-Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel. In diesem Vorbereitungsforum waren neben Wiesemann die Bischöfe Gregor Maria Hanke, Gebhard Fürst und Franz-Josef Overbeck beteiligt. Sie saßen mit ZdK-Vertretern, mehreren Diözesanvertretern und vielen Hochschulprofessoren in der Runde. Mit Andrea Fischer, die als unabhängige Missbrauchsbeauftrage des Bistums Hildesheim teilnahm, war auch eine Ex-Ministerin vertreten.
An der Spitze des Forums „Sexualmoral“ standen die Vizepräsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB), Birgit Mock, und der Limburger Bischof Georg Bätzing. Mit in der Runde saßen zudem die Bischöfe Heiner Koch und Franz-Josef Bode. Mit den beiden Vertretern des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Lisi Maier und Thomas Andonie waren zwei Repräsentanten der jüngeren Generation vertreten. Weitere Teilnehmer kamen aus den Bereichen katholische Frauenarbeit und Familienpolitik, Seelsorge und Moraltheologie.
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