Norman Davies - Verschwundene Reiche

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Zusammengebrochen, verloren, für alle Zeiten von der politischen Landkarte Europas radiert. Die Geschichte Europas ist auch eine Geschichte verschwundener Reiche. Das stolze Alt Clud, heute ein heruntergekommener Landstrich in Schottland, das sagenumwobene Burgund oder das preußische Kernland der Prussen, im 12. Jahrhundert eine terra incognita, aber im Verlauf der Geschichte einer der einflussreichsten Staaten Europas: Norman Davies spürte 15 solcher Reiche vor Ort und in bisher vernachlässigten Quellen nach. In diesem politisch wie historisch aufrüttelnden und sprachlich virtuosen Standardwerk erzählt er ihre Geschichte von der Entstehung bis zum Untergang – und wie wenig von ihrer großen Vergangenheit heute in Erinnerung geblieben ist. Denn das kollektive Gedächtnis ist wichtig, um das heutige Europa zu verstehen.

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Glücklicherweise sind die Karten und die Museen nicht völlig leer. Eine Häufung von Ortsnamen mit der Endung -ens , wie etwa Douzens, Pezens und Sauzens, alle im Département de l‘Aude, soll westgotische Wurzeln verraten. Das Dorf Dieupentale (Tarn-et-Garonne) weist den einzigen Namen rein westgotischer Herkunft auf: diup bedeutet »tief« und dal »Tal«. Auch bestimmte schlichte Bronzewaren, Adlerfibeln und Glaswaren werden aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit Funden in den früheren Donauprovinzen Roms den Westgoten zugeordnet. Und auf der Straße zwischen Narbonne und Carcassonne fährt man am beeindruckenden Walrücken der Montagne d’Alaric entlang. Lokale Quellen erklären den Namen als Erinnerung an Befestigungen aus der Zeit Athaulfs und an einen hartnäckigen Mythos um die letzte Ruhestätte Alarichs II. Auf dem Berg finden sich die Ruinen eines mittelalterlichen Klosters, St. Pierre d’Alaric, und am Nordhang eine anerkannte Weinlage mit Qualitätsweinen des AOC Corbières.31

Die schlagendsten Hinweise einer westgotischen Vergangenheit tauchen heute ganz unerwartet in wilden Legenden auf, in historischen Erzählungen und vor allem in einem kleinen Dorf tief in den Ausläufern der Pyrenäen. Rennes-le-Château ist ein von einer Mauer umgebener Weiler auf der Spitze eines Hügels im Pays de Razès; er besteht aus vielleicht zwanzig Häusern, einer Kirche und einer mittelalterlichen Burg. Man hat von dort, unterhalb des »Heiligen Berges« Pic de Bugarach, Ausgangspunkt von Jules Vernes Reise zum Mittelpunkt der Erde , einen bezaubernden Blick über das Val des Couleurs. Dieser Weiler, der sich an der Stätte der antiken Stadt Rhedae befinden soll, erlangte im 19. Jahrhundert eine gewisse Bekanntheit, weil man ihn mit der unüberwindlichen Festung der Westgoten nach ihrer Vertreibung aus dem nicht allzu fernen Tolosa gleichsetzte. Die Steinpfeiler der Pfarrkirche sollten westgotischen Ursprungs sein, und sagenhafte Gerüchte über vergrabene Schätze waren im Umlauf.32

Im Jahr 1885 übernahm der außergewöhnliche, um nicht zu sagen berüchtigte Pfarrer Bérenger Saunière (1852–1917) die Gemeinde. Zusammen mit seinem Nachbarn und Kollegen, dem Abbé Boudet aus dem nahen Rennes-les-Bains, Autor eines bizarren Bandes über alte keltische Sprachen,33 dilettierte Saunière sowohl in Geschichte wie auch in den okkulten Wissenschaften. Bei der Renovierung seiner Kirche fand er angeblich drei in einem westgotischen Pfeiler versteckte Pergamente mit codierten Botschaften. Kurz darauf protzte er mit einem Reichtum, dessen Herkunft er nicht erklärte; die prächtige Villa und der pseudomittelalterliche Bibliotheksturm, die er bauen ließ, sind noch heute zu bewundern. Seine Beichte auf dem Totenbett schockierte seinen Beichtvater so sehr, dass er dem Geistlichen die letzte Ölung verweigerte. Dessen liebstes Motto war angeblich ein Balzac-Zitat: »Il y a deux histoires: l’histoire officielle, menteuse, et l’histoire secrète, où sont les véritables causes des événements« (»Es gibt zwei Arten von Geschichte: die verlogene offizielle und die geheime, in der man die wahren Ursachen der Ereignisse finden kann«).34

Man muss fairerweise sagen, dass die Westgoten nur eines der vielen Elemente in dem fantastischen Potpourri von Geschichten sind, die seit Saunières Tod kursieren. Sie befinden sich in der Gesellschaft der Katharer, Templer, Rosenkreuzer, der schattenhaften Prieuré de Sion und des Heiligen Grals höchstselbst. Dan Browns Sakrileg ist nur eines von einem Dutzend Bücher, die sich dieser modernen Legende bedienen.35 Je nach Geschmack ist der geheime Schatz von Rhedae als der »Schmuck der Westgoten« beschrieben worden, der angeblich aus Rom oder aus Tolosa stammte, oder als der »Hort von Jerusalem«, den die Westgoten aus Byzanz mitgebracht hätten. Die Verbindung zur sogenannten »Blutlinie Christi« hängt an noch weiter hergeholten Annahmen, vor allem an der Vorstellung, dass Maria Magdalena nach Südgallien gereist sei und ihre Nachkommen in westgotische Familien eingeheiratet hätten.

Und dennoch ist die moderne französische Nation trotz aller Bemühungen der Vouglaisiens und der Rennains – nicht zu verwechseln mit den Rennois aus Rennes-les-Bains – mit den Westgoten nie richtig warm geworden. In Spanien ist ihre Präsenz viel stärker zu spüren als in dem Land, in dem ihre Existenz als Staat begann. Und das war auch so zu erwarten. Nach dem Rückzug aus Aquitanien setzten sich die Westgoten als beherrschendes Element auf der Iberischen Halbinsel fest. Ihr zweites Reich, das Königreich von Toledo, hatte doppelt so lange Bestand wie das von Tolosa und ist tief im modernen spanischen Bewusstsein verankert.36 Die westgotischen Könige einschheßlich der Herrscher von Tolosa werden in Madrid mit Statuen geehrt, Dnicht aber in Toulouse.

Man muss deshalb die Fantasie spielen lassen, um die verlorene westgotische Kultur der aquitanischen Zeit zurückzuholen. Es wäre zum Beispiel möglich, sich von den bekannten Realien des westgotischen Spaniens aus in der Zeit zurückzuarbeiten. Schließlich dominierten die religiösen und künstlerischen Praktiken, die die Westgoten wohl aus Aquitanien mitgebracht hatten, in Teilen der Iberischen Halbinsel bis ins späte 6. Jahrhundert; die gotische Sprache, die Sidonius in Tolosa hörte, hielt sich in Toledo bis zum 7. Jahrhundert; und die politische Kultur der Westgoten, wie sie Eurich als Erster definierte, entwickelte sich bis ins 8. Jahrhundert hinein weiter. Natürlich muss man sehr vorsichtig vorgehen. Nicht alle Dinge, die das westgotische Etikett tragen, wie etwa der westgotische Kirchengesang oder die westgotische Schrift, stammen wirklich von den Westgoten. Und der iberische Kulturboden, in den die westgotischen Bräuche hineinverpflanzt wurden, war zwar ähnlich romanisiert, aber dennoch nicht mit dem des gallischen Aquitanien identisch.

Dennoch gibt es verschiedene Hinweise, bei denen man ansetzen könnte. In der Kirchenarchitektur könnte die ausgesuchte Schlichtheit der westgotischen Kirche San Pedro de la Nava in Zamora durchaus Parallelen im nachrömischen Gallien gehabt haben. Ihre erhaltenen Hufeisenrundbögen und Tunnelgewölbe waren eindeutig von einer früheren Tradition inspiriert. Der Symbolismus und Stil der westgotischen Kirchenkunst hatte byzantinische Wurzeln und fand ganz sicher auch in Tolosa seinen Ausdruck. Der Einfluss der gotischen Sprache auf die einheimische Bevölkerung war zwar begrenzt, aber sicher auf beiden Seiten der Pyrenäen ziemlich ähnlich. Worte wie suppa (Suppe) oder bank (Bank) gehören zu der langen Liste von Germanismen, die die neulateinischen Mundarten übernommen haben.37 Und da in der Kindheit gelernte Gebete am besten sitzen, können wir mit einiger Berechtigung davon ausgehen, dass die gotische Form des Vaterunsers, wie sie auf jeder Etappe der Reise der Westgoten von der Donau bis an den Douro rezitiert wurde, auch in Nostra Domina Daurata fromm gebetet wurde:

Atta unsar þu in himinam weihnai namo þein qimai þiudinassus þeins wairþai wilja þeins swe in himina jah ana airþai. Hlaif unsarana þana sinteinan gif uns himma daga jah aflet uns þatei skulans sijaima swaswe jah weis afletam þaim skulam unsaraim jah ni briggais uns in fraistubnjai ak lausei uns af þamma ubilin Unte þeina ist þiudangardi jah mahts jah wulþus in aiwins. Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, Wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, Und vergib uns unsere Schuld, Wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, Sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.38

∗∗∗

Das Schicksal des Tolosanischen Reiches provoziert natürlich auch zum Nachdenken über »kontrafaktische Geschichte«. Was wäre, wenn die Westgoten Chlodwig geschlagen hätten? Die Möglichkeit dazu bestand durchaus, und sie eröffnet Ausblicke auf eine nicht realisierte Zukunft. Kurz vor der Schlacht von Vouillé kontrollierten die Franken vielleicht ein Drittel des nachrömischen Gallien. Die Westgoten, arianische Christen, stiegen zu den Herren der Iberischen Halbinsel und Südgalliens auf und waren mit den Ostgoten in Italien verbandelt. Der Bischof von Rom nahm keine herausgehobene Position unter den fünf Patriarchen der Christenheit ein, und der weitaus größte Teil Europas war nach wie vor heidnisch. Wenn Alarich II. Chlodwig abgewehrt hätte, wäre die Vorstellung eines Westeuropa unter pangotischer Hegemonie durchaus realistisch gewesen, während sich eine geschwächte römische Kirche vor dem doppelten Ansturm des Arianismus und der byzantinischen Orthodoxie hätte zurückziehen müssen. In diesem Fall hätte es Frankreich wohl nie gegeben, oder es hätte sich vielleicht anderswo oder auf andere Art entwickelt. Die zukünftige Macht des Papstums, die die Franken fördern sollten, wäre vielleicht nie zustande gekommen. Nichts ist unausweichlich. Nichts ist hundertprozentig vorhersagbar.

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