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Das Lokal hat eine hippe Bar-Atmosphäre mit Innen- und Außenplätzen an Cafétischen aus poliertem Holz. Ich überfliege die Speisekarte und merke mir all die Dinge, die ich probieren möchte.
»Es gibt diese Holzkohlepfannkuchen, die wirklich lecker sein sollen, wenn man auf süß steht. Sie haben auch French Toast mit Vanille-Orangen-Brioche. Wenn du eher deftige Sachen magst, gibt es auch gebratenen Reis mit Schweinebauch. Hier steht, dass der Avocado-Gartentoast ein beliebtes Frühstück ist.«
Gegenüber von mir lacht Bennett. »Willst du das ganze Menü bestellen?«
Ich zucke mit den Schultern. »Warum nicht? Normalerweise bestelle ich zwei Dinge von der Speisekarte, nur zum Probieren, aber da wir zu zweit sind …«
»Langsam glaube ich, dass du mich nur eingeladen hast, damit du mehr Dinge bestellen kannst.«
Nein, ich habe dich eingeladen, weil ich bei deinem Lachen ein Kribbeln im ganzen Körper spüre.
»Ich habe dich eingeladen, weil du eine gute Gesellschaft bist, und Mahlzeiten sollten immer mit jemand anderes eingenommen werden.«
»Lüg doch nicht«, sagt Bennett mit übertreibendem Tonfall und legt seine Karte auf den Tisch. »Ich bin doch nur ein weiterer hungriger Mund für dich.«
Seine Worte scheinen ihm genau in dem Moment bewusst zu werden, in dem sie mir bewusst werden, denn seine Wangen werden rot und er hustet, dann streckt er die Hand aus, um sein Wasserglas zu greifen, und nimmt einen langen Schluck.
Ich beuge mich vor, senke meine Stimme und grinse ihn anzüglich an. »Wäre das so schlimm? Ich liebe einen hungrigen Mund.«
Er stöhnt und nimmt noch einen Schluck von dem eiskalten Wasser. »Nicht jetzt«, warnt er. Die Hitze in seiner Stimme verrät, dass ihm sein Ausrutscher nicht nur peinlich ist. Er ist genauso erregt wie ich. »Auf diesen Tischen sind keine Tischtücher.«
»Richtig. Und wir müssen herausfinden, was wir bestellen, bevor der Kellner zurückkommt. Wir müssen jetzt essen, um wieder etwas Energie für später zu bekommen.«
»Große Pläne?«
Ich grinse. »Riesige.«
Am Ende überspringen wir den French Toast und bestellen den Schweinebauch mit gebratenem Reis, Avocado-Gartentoast und ein paar der Holzkohlepfannkuchen zum Teilen. Wenn ich nicht schon am Verhungern wäre, hätte mich der Anblick unserer Teller mit dampfenden Speisen dazu gebracht. In Bennetts Augen sehe ich den gleichen Hunger. Ich lächle, mache einen mentalen Screenshot dieses Ausdrucks und hoffe, dass ich ihn dazu bringen kann, ihn mir noch einmal zu zeigen, wenn wir uns weniger auf das Frühstück konzentrieren.
»Mmmh«, stöhnt Bennett, seine Stimme wird tief, leise und orgasmisch. Er schließt die Augen und lächelt, während er kaut. »Das war eine gute Wahl. Das war eine gute Wahl. Wow.«
»Ich muss Devon für den Vorschlag danken.«
Bennett öffnet seine Augen. »Devon?«
»Der Typ, mit dem ich gestern Abend essen war. Wir waren zusammen auf der Kochschule, und er ist der Souschef in einem Restaurant in der Stadt.«
»Ah. Ein Einheimischer. Besuchst du ihn hier?«
Es ist das etwas Vorsichtige an seiner Frage, das mich innehalten lässt. »Oh«, sage ich und bemerke, was er denken muss. Und, ja, ich habe darüber nachgedacht, gestern Abend mit Devon rumzumachen. Aber seinetwegen hierherkommen? Nein. »Ich habe mich aus einer Laune heraus entschieden, nach Hawaii zu fliegen. Ziemlich abrupt. Ich hab es auf Facebook geschrieben, und da wir manchmal miteinander rumgemacht haben, als wir zusammen auf der Schule waren, hat er mich angemacht. Wir waren damals ziemlich eng zusammen, aber nicht …« Ich weiß nicht wirklich, wie ich es erklären soll. Wie sagt man jemandem, dass man im Moment lieber mit ihm als mit jemand anderes zusammen sein möchte, ohne dass es zu viel ist?
Zum Glück rettet mich Bennett vor mir selbst. »Ich war nur neugierig. Er schien sich ziemlich gut mit dem Barkeeper zu verstehen und da hab ich mich das gefragt.«
»Ich hoffe, er hat den Kerl mit nach Hause genommen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich ihn im Stich gelassen habe, aber ich wollte unbedingt mit dir reden.« So. Hab es gesagt. Jetzt kann ich es nicht mehr zurücknehmen.
Das Lächeln, das Bennett mir schenkt, ist beruhigend. »Ich drücke ihm die Daumen.«
Nach dem Frühstück lassen wir uns Zeit, um zum Hotel zurückzukehren. Die Straßen von Waikiki sind zu dieser Tageszeit überfüllt und Jake und ich müssen ziemlich nahe beieinander gehen, damit wir nicht getrennt werden.
»Lass uns nachsehen, was es dort gibt«, sagt Jake und zeigt auf einen kleinen Stand am Straßenrand, der offenbar ausschließlich Blumenkränze verkauft. Da es nur noch eine Woche bis Weihnachten ist, sind ein paar von ihnen mit etwas geschmückt, das aussieht wie Weihnachtssterne aus Plastik. Als wir näher kommen, sehe ich auch ein paar Weihnachtskränze an der Seite. »Diese Kränze sind wunderschön«, meint Jake und grinst. »Ich werde einen kaufen.«
»Du bist ein impulsiver Kerl, was?«
»Wie kann man nicht total auf einen Kranz stehen, auf dem kleine Plastikananas drauf sind?« Er dreht ihn um, damit ich ihn sehen kann, und ich muss zugeben, dass er unglaublich niedlich ist.
»Nimmst du ihn mit nach Hause und hängst ihn auf?«
»Ja, in meinem Hotelzimmer. Willst du auch einen? Sagtest du nicht, du bleibst bis Weihnachten hier?«
»Das weiß ich noch nicht«, erwidere ich. »Ich wollte bis nach Weihnachten bleiben, als ich noch dachte, dass ich mit Pearl hier sein werde, aber ich habe Weihnachten immer mit der Familie verbracht. Dieses Jahr wird es ohne sie hier einsam sein.«
»Du könntest deinen Rückflug umbuchen«, schlägt Jake vor. Bilde ich mir das nur ein oder sieht Jake ein wenig enttäuscht bei der Aussicht auf meine vorzeitige Abreise aus?
»Wie lange bleibst du denn?«
»Ich habe keinen konkreten Plan. Ich habe ein einfaches Flugticket gekauft und bin einfach losgeflogen. So reise ich normalerweise, wenn ich mich auf ein Food-Adventure begebe.«
Ich lächle. »Food-Adventure, was? Wird das nicht teuer? Unbestimmte Lebensmittelsuchmissionen?«
Er lacht. »Ja. Aber ich habe etwas Geld für so was gespart. Das ist schon in Ordnung. Also, soll ich dir einen Kranz kaufen? Die Hotelzimmer sind nicht gerade festlich.«
Ich denke an den riesigen, leeren Raum der Honeymoon-Suite und daran, dass es sich anfühlt, als ob alles widerhallt, wenn ich herumlaufe. »Ich werde einen kaufen.« Ich möchte den gleichen Kranz wie Jake, aber es gibt keinen mehr mit den kleinen goldenen Ananas. Alle anderen Kränze sind gewöhnliche mit roten Stechpalmenbeeren und Schleifen. Wir gehen weiter zum nächsten Laden und dann zum nächsten, und schon bald haben wir die Geschäfte in drei Straßen erkundet.
»Wir sollten wahrscheinlich zurückgehen, wenn wir zu Mittag essen wollen. Oder vielleicht einfach irgendwo hier in der Gegend. Falls du keine Pläne fürs Mittagessen hast.«
»Jake. Ich sollte zusammen mit meiner Ex hier sein, die immer noch zu Hause in Bellingham ist. Ich habe keine Pläne.«
Er grinst und legt mir schwungvoll einen Arm um die Schultern. »Dann bleib einfach bei mir, Bennie. Ich werde dafür sorgen, dass du gut genährt bist und in Freude schwimmst.«
***
Wir sind immer noch zu satt für eine große Mahlzeit, also beschließen wir, den Rückweg zum Hotel anzutreten und leere Nebenstraßen zu nehmen, damit es einfacher ist, während des Spaziergangs ein Gespräch zu führen.
»Wolltest du schon immer Koch werden?«
Jakes Tempo verlangsamt sich für einen Moment, sein Kopf neigt sich zum Himmel, als er über seine Antwort nachdenkt. »Ich weiß es nicht. Es ist schwierig, den genauen Moment zu benennen, in dem ich wusste, dass ich mit Lebensmitteln arbeiten will. Mein Vater ist ein ziemlich berühmter Chefkoch und mein Großvater ebenso vor ihm, also fand ich irgendwie ganz natürlich auf diesen Weg.«
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