Das war ein hartes Gespräch für Theresa und es kostete sie alles. Aber es war notwendig und hilfreich. Zum ersten Mal signalisierte sie gegenüber ihrem Mann, wie sehr sie seine Unterstützung brauchte und dass es ihr damit ernst war. Sie begann, Verantwortung für ihre Situation zu übernehmen. Das darauffolgende Wochenende verbrachte sie zusammen mit ihren Kindern bei einer Freundin. Langsam, aber sicher begann ihr Mann zu verstehen, dass Theresa bereit war, Konsequenzen aus seinem Verhalten zu ziehen. Als sie zurückkam, hatten sie seit Langem das erste Mal wieder ein wirklich ermutigendes Gespräch. Ihr Mann willigte ein, einen Eheberater zu suchen. Das war ein entscheidender Wendepunkt. Heute haben Theresa und Fred einen Weg gefunden, gemeinsam für ihre Ehe, Familie und ihr Haus zu sorgen. Noch immer kennen sie Herausforderungen und Krisen. Aber sie befinden sich auf einem hoffnungsvollen Weg der Erneuerung. Warum? Weil Theresa begonnen hat, Verantwortung für ihre Situation zu übernehmen und konkrete Lösungsschritte in Angriff zu nehmen. In der Folge lernte auch Fred, Verantwortung für seine Ehe und seine Kinder zu übernehmen.
Vor vielen Jahren arbeitete ich in einem Team mit, das verantwortlich war für die Kleingruppenarbeit unserer Kirchgemeinde. Wir waren eine Gruppe von fünf Personen und verstanden uns in der Regel sehr gut. Im Laufe unserer Zusammenarbeit aber bekam ich immer mehr den Eindruck, dass Christian (eine Person aus unserem Team) mit den Ideen, die ich einbrachte, Schwierigkeiten hatte. Mehrmals nacheinander schien es mir, als verfolge er das Ziel, dass meine Vorschläge zur Koordination der Kleingruppenarbeit und zur Betreuung der Leiter abgelehnt würden. Das begann mich zu irritieren und es verletzte mich. In einer Sitzung dann spitzte sich die Lage zu. Christian kam auf einen Beschluss zurück, den wir vor einem Monat gefällt hatten. Ich hatte dort vorgeschlagen, für die gesamte Schulung der Kleingruppenleiter neue Richtlinien und Arbeitsgrundlagen zu definieren. Wir hatten das Konzept verabschiedet und mit den ersten Umsetzungsschritten begonnen. Nun beantragte Christian, dass wir diesen Entschluss rückgängig machen sollten, und schlug vor, das Konzept grundlegend zu überarbeiten. Er empfand es auf einmal als unzureichend, zu detailliert und zu einengend.
Es folgte eine emotionsgeladene Diskussion, die zu keinem Ergebnis führte. Ich fühlte mich von Christian hintergangen. Einmal mehr hatte ich den Eindruck, dass er mir in den Rücken fiel. Ich war dazu geneigt, dieses Team zu verlassen. Offensichtlich wollte Christian mich nicht mehr dabeihaben. Inmitten meiner Gedanken und Selbstgespräche über diese Konfliktsituation wurde mir bewusst, dass mein Ausstieg aus diesem Team ein Fehler wäre. Damit würde ich meiner Verantwortung für unser Team und die Kleingruppenarbeit in unserer Gemeinde nur ausweichen und mich dem schwelenden Konflikt mit Christian nicht stellen. Das Team zu verlassen wäre eine feige Flucht gewesen, bei der ich mich als Opfer angesehen und innerlich an Vorwürfen gegenüber Christian festgehalten hätte. Ich wusste, Verantwortung in einem zwischenmenschlichen Konflikt übernehmen heißt in den meisten Fällen, mit der betroffenen Person ein offenes Gespräch zu führen. Das tat ich.
Ohne ihm Vorwürfe zu machen, versuchte ich zu schildern, wie es mir in den vergangenen Treffen unseres Teams ergangen war. Ich sagte offen, wie ich sein Verhalten empfand und welche Schlussfolgerungen ich daraus bezüglich unserer Beziehung getroffen hatte. Und ich bat ihn, mir zu sagen, wie er diese Situation erlebt hat und wie er mich darin empfand. Unser Gespräch dauerte lange. Es stellte sich heraus, dass die Gründe für Christians Verhalten nicht mit mir, sondern mit einer anderen, belastenden Situation in seinem Leben zu tun hatten. Er versicherte mir seine Unterstützung und bat um Entschuldigung, wo er mich verletzt hatte. Auch ich bat um Entschuldigung dafür, dass ich ihm Motive unterstellt hatte, die gar nicht da waren. Wir gingen an diesem Abend als Versöhnte auseinander. Und wieder einmal wurde ich darin bestärkt, Verantwortung für Schwierigkeiten zu übernehmen und mich nicht vorschnell in die Opferrolle zu begeben. In diesem Fall hieß Verantwortung übernehmen, die Disharmonie in einer Beziehung anzusprechen und offen auf den Tisch zu legen, wie ich mich damit fühlte. Dabei musste ich auch für den Standpunkt des anderen willig und offen sein und versuchen, ihn zu verstehen.
Es gibt in unserem Leben Momente, in denen wir nicht nur für unsere momentanen Gefühle und für bestimmte aktuelle Situationen Verantwortung übernehmen sollen. Manchmal muss man sich auch mit einer länger zurückliegenden Lebensphase auseinandersetzen, in der unsere Gefühle, Gedanken und Schlussfolgerungen geformt wurden. Die Wurzel dessen, was wir heute sind, fühlen, denken und wie wir uns verhalten, liegt in unserer Vergangenheit. Sie reicht zurück in die Zeit, in der wir Kind waren und in unserer Familie aufwuchsen. Um die konstruktive Auseinandersetzung mit unserer eigenen Vergangenheit geht es im nächsten Kapitel. Denn auch für sie tragen wir Verantwortung, damit die Erfahrungen der Vergangenheit uns nicht lähmen und unser Wachstum hin zu einer emotional reifen Persönlichkeit nicht verhindern.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.