Julia Rothenburg - Mond über Beton

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Zwölf Etagen Stahl umarmen das Kottbusser Tor, wo das Herz aus Beton seit Anfang der Siebziger in unruhigem Takt schlägt. Gefährlich sei der Kotti, schreibt die Presse, ein sozialer Brennpunkt, Drogenumschlagplatz. Hier, im Gebäuderiegel Neues Zentrum Kreuzberg, leben Mutlu, Barış, Aylin, Stanca, Marianne und Günther. Ihre Geschichten, eine Chronik persönlicher Schicksalsschläge, sind eng verwoben mit dem Leben des Viertels. Als Stanca eines Nachts einen schrecklichen Fund macht und Mutlus Söhne ins Drogenmilieu abzurutschen drohen, bildet sich eine Bürgerwehr. Unbemerkt bleibt dabei eine ganz andere, allumfassende Gefahr, die im Verborgenen an einem eigenen Ende schreibt.
Julia Rothenburg erschafft empathische Porträts ihrer Figuren, die jede für sich um eine selbstbestimmte Existenz kämpfen. Ein Bild urbaner Vielstimmigkeit entsteht, das auf Risse hinweist, die einzelne Leben und eine ganze Gemeinschaft auseinanderbrechen lassen können.

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Stanca steht im Flur und weiß nicht mehr, welcher Tag heute ist. Ach doch, ein Klopfen geht durchs Haus, langsam wie der Herzschlag. Heute ist Versammlung.

* * *

Heute ist sie ganz merkwürdiger Stimmung. Irgendwie grau, aber nicht mal das richtig, eher unentschlossen, als wäre selbst diese trübe Farbschicht nur oberflächlich aufgetragen, ist doch eh alles egal, so fühlt sich das an, scheiß auf jede Farbe, obwohl doch sonst alles Sonne ist und blau, Schwäne glücklich im Kanal, nicht am Rand. Am Rand dafür viele Touris, halbnackte Typen, irgendwo ein Ghettoblaster. Sogar die Omas, die mittags im Rewe einkaufen, waren besser gelaunt als sonst, minimal zumindest.

Ist vermutlich so, weil sie heute nicht in Onkel Mutlus Laden gearbeitet hat, sondern nur im Rewe. Da piept es ja ganz anders, und andauernd kriegt sie Telefonnummern von irgendwelchen Hipstern zugesteckt, auf Kassenbons geschrieben und einmal sogar auf eine Packung Deutsches Rind. Sonst käme sie ja auch nicht dazu, ab und an mal woanders zu übernachten. Weg von Onkel Mutlu und den vielen Augen, die im Haus aus den Wänden starren. Aber nach den ersten Dates wird es immer schnell langweilig, darum macht sie so was nicht oft.

Aber so: An den Tagen, an denen sie nur im Rewe arbeitet, fehlt einfach was. Und da kriegt sie dann gleich so eine Wut, wenn am Kanal jemand denkt, er müsste mit seinem Ghettoblaster alle im Umkreis von tausend Metern mitbeschallen. Und dann fängt auch noch irgendein Volldepp an, Saxofon zu spielen. Aber selbst ihre Wut ist ja trübe. Irgendwo reinschlagen wäre jetzt gut, aber den Arm dafür heben: keinen Bock.

Wenigstens ist Burak nicht am Kanal, zumindest hört sie nirgendwo seine Stimme, oder sie überhört sie wegen des Saxofons. Dafür kommt ihr schon wieder so ein Milchknabe entgegen, gemächlicher Schritt in seinem Hipster-Parka, bleibt viel zu lange an ihr kleben mit seinem Blick. Dann erst sieht sie den Kinderwagen. Ach nee. Kind haben und dann trotzdem so gucken. Schaut zu ihr hin und dann wieder weg, während die eine Hand den Kinderwagen schiebt, als wäre der nur ganz zufällig da. Aus dem Kinderwagen ragt steil ein Bein heraus, auf dieselbe Art einfarbig und glatt, wie nur Kinderbeine es sein können, oder Schaufensterpuppen.

Der Typ ist fast bei den Stufen, der Fußweg dort ist eng. Aylin geht etwas schneller, will vor ihm da sein, ein paar Äste knacken. Sie kann jetzt als fleischiges, rosa Etwas ein Gesicht hinter dem Netzstoff des Kinderwagens erkennen.

Der Typ bleibt stehen, genau da, wo der Weg am engsten ist. Vorbei kommt sie jetzt nicht mehr.

Bleibt sie eben auch stehen, patt. Die Reifen des Wagens kratzen auf dem Boden herum, kratzen sich bedrohlich ihrem Fuß entgegen.

Hallo, sagt der Typ. Guckt immer noch so komisch. Er lässt sich Zeit beim Gucken, erst ihren langen, offenen Mantel runter, dann hoch. Dann zu seinem Kinderwagen zurück, als fiele ihm der erst jetzt wieder ein. Das Kind schweigt und glubscht daraus hervor wie eine Porzellanfigur.

Süßes Kind, sagt Aylin. Total schnuckelig.

Ja, äh, sagte der Typ, blonde Fussel von Bart sorgsam über das Gesicht verstreut. Das Kind, eigentlich eher Baby, hinter dem Sichtschutz bläst die Backen auf.

Tja, sagt Blondie.

Tja, sagt Aylin. Bisschen eng hier.

Also wenn ich dann –

Der Junge deutet an ihr vorbei.

Aha, na klar. Als ob sie jetzt zur Seite treten würde. Nee. Aylin rammt die Beine in den Boden.

Weißt du, sagt sie. Ich bin ja selbst, nun ja. Sie fasst sich an den Bauch, streicht einmal darüber, wie man das so macht. Der Typ checkt das natürlich nicht, muss mit seinem Blick erst ein paarmal ihrer streichelnden Hand folgen, hoch und runter, jedes Mal glotzen seine Augen etwas mehr heraus.

Ah, sagt er dann. Oh.

Ich überlege, ob ich – na ja. Ist ja schon schwer, eine Entscheidung. Man könnte es bereuen, wenn man das jetzt. Ist ja schon süß, also so ein – haaach, ich weiß doch auch nicht, was ich –

Ich wusste gar nicht, dass –, sagt der Junge und schaut zu ihrem Bauch unter dem Mantel, dann hoch bis zum Hals, wo der Mantel eine Naht zu ihrem Gesicht bildet, dann wieder zurück auf ihren Bauch.

Also, dass man das bei euch. Dass das erlaubt –

Ja, sagt Aylin. Ihr Bauchstreicheln hat wohl etwas Hypnotisches. Selbst das Baby stiert ohne Wimpernschlag durch den Netzstoff.

Dürfte ich vielleicht mal, fragt Aylin und deutet auf das Netz.

Oh, sagt der Junge. Äh.

Nur um zu schauen, wie –

Ja, sagt er. Ja klar.

Das königliche Baby trägt einen Baumwollstrampler und ein kleines Mützchen, das ihm wie eine Bratpfanne auf dem Kopf sitzt, und sabbert ganz unköniglich. Der Junge hält es ihr hin mit ausgestreckten Armen. Das Baby baumelt daran und sagt nichts. Lässt nur die Beine hängen. Dann sperrt es doch den Mund auf, gähnt.

Aylin stopft sich das Baby in die Armbeuge, wiegt es hin und her. Wow, sagt sie. Was da alles dran ist!

Stimmt aber auch wirklich. Und schwer ist das Ding. Dabei aber irgendwie leblos, wie ein Fleischsack, warm zwar und mit beweglichen Knochen, aber ohne Sinn.

Ja, haha, sagt der Typ und streicht sich über den Bart. Nicht mal ein Knistern macht das wie bei einem richtigen Bart. Er kratzt sich hinter den Ohren. Noch blitzen seine Augen.

So mit allem Drum und Dran, sagt sie. Fantastisch!

Der Typ hat sich an ihr festgesaugt mit den Augen, oder an dem Baby, wer weiß das schon.

Aber braucht man das alles?, fragt Aylin.

Wie, äh?, sagt der Typ.

Na ja, gehen kann es ja ohnehin nicht oder, da sind doch die Beine im Großen und Ganzen. Kann man die abschrauben, ich meine, bis sie gebraucht werden?

Ah, haha, sehr witzig, sagt Blondie und lacht hysterisch. Ja, also ausprobiert hab ich’s nicht, aber meine Freundin, also vielleicht, haha, abschrauben, witzig.

Sehr süß, sagt Aylin.

Die Augen vom Baby sind groß und viel zu farblos.

Und jetzt mach mal Ah, sagt sie zu dem Baby. Ah! Aylin bleckt die Zähne.

Das Baby spielt mit und sperrt den Schlund auf.

Äh, sagt der Typ.

Jetzt ist er also da, der Punkt, auf den Aylin gewartet hat. An dem die Stimmung kippt.

Die Augen fallen dem Typ fast heraus aus dem weißen Gesicht. Also ich muss dann, sagt er, tritt unbehaglich einen Schritt nach vorne.

Ja, du hast aber einen Riiiesenmund, sagt Aylin zum Baby. Was da alles reeeinpassen würde.

Das Baby lacht keckernd. Im Babyschlund sind keine Zähne. Fleischig ragt nur ein Vorsprung hinein, wo die mal rauswachsen sollen, eine fleischige Düne vor schwarzem Abgrund. Baby strampelt im Arm, will näher ran an sie mit seinem Schlund. Aylin lässt das Baby in ihren Armen wackeln. Das Baby kreischt vor Vergnügen.

Der Blonde guckt wie ein Fisch.

Aylin lässt ihn noch kurz zappeln. Dann sagt sie:

Hier hast du’s wieder, und drückt dem Typen das Baby in den Arm. Muss los.

Sie lässt sich Zeit, sie spürt genau, wie sein erschrockener Blick ihr folgt. Der Dramatik wegen lässt sie ihre Haare ein wenig im Wind flattern. Sonne auf offenen Haaren, mit diesem Blick dran.

Mehmet sagt ja immer: Wenn du so was machst, Aylin, kriegst du das früher oder später zurück. Aber wenn sie Mehmet das von grad eben erzählt, der lacht sich tot.

Sie muss sich nicht umdrehen, sie weiß auch so, dass Bübchen glotzt, bis sie hinter dem nächsten Busch verschwunden ist. Gleich schon viel besser so ein Tag.

Aylin atmet Straßenluft und lacht.

* * *

Barış zoomt. Ist gar nicht so einfach durch das Fenster. Über die Balustrade hinweg. Vielleicht sollte er rausgehen, sich direkt dort hinstellen. Andererseits, am Ende kommt noch irgendein Spacko auf die Idee, ihm die Kamera abzuziehen. Für die hat er lange genug gespart. Okay, war nicht alles gespart. Er weiß ja, wo Aylin ihr Geld versteckt. Wird er natürlich zurückzahlen, Ehrensache. Wenn das YouTube-Geld kommt, das erste. Wenn er Anzeigen schalten kann, Product Placement. Wenn er 100 000 Klicks hat, oder so, so wie Kaan. Wenn er ein Eightpack hat. Ein bisschen was sehen kann man ja schon.

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