Julia Rothenburg - Mond über Beton

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Zwölf Etagen Stahl umarmen das Kottbusser Tor, wo das Herz aus Beton seit Anfang der Siebziger in unruhigem Takt schlägt. Gefährlich sei der Kotti, schreibt die Presse, ein sozialer Brennpunkt, Drogenumschlagplatz. Hier, im Gebäuderiegel Neues Zentrum Kreuzberg, leben Mutlu, Barış, Aylin, Stanca, Marianne und Günther. Ihre Geschichten, eine Chronik persönlicher Schicksalsschläge, sind eng verwoben mit dem Leben des Viertels. Als Stanca eines Nachts einen schrecklichen Fund macht und Mutlus Söhne ins Drogenmilieu abzurutschen drohen, bildet sich eine Bürgerwehr. Unbemerkt bleibt dabei eine ganz andere, allumfassende Gefahr, die im Verborgenen an einem eigenen Ende schreibt.
Julia Rothenburg erschafft empathische Porträts ihrer Figuren, die jede für sich um eine selbstbestimmte Existenz kämpfen. Ein Bild urbaner Vielstimmigkeit entsteht, das auf Risse hinweist, die einzelne Leben und eine ganze Gemeinschaft auseinanderbrechen lassen können.

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Wo kam denn dieser bittere Gedanke jetzt schon wieder her? Nein, Marianne schneidet weiter, sie nimmt das ja niemandem übel, sie macht es gerne, aber Pause, das sollte sie eben auch mal wieder machen. Ohne ein Innehalten kommt man auch nicht wirklich weiter, aber es hilft schließlich nichts. Im Stadtteilmuseum ist man auf sie angewiesen, und das: nichts Neues eigentlich. Meistens ist es sie, die mehr gibt, das muss man einfach mal so sagen. Was sie ihr ganzes Leben schon gibt, damals für die Bewegung, dann im Ehrenamt im Obdachlosencafé, immer mit Günther, für Günther. Aber jammern, nein, das ist auch nicht ihre Sache. Mit dem Kotti ist es ja dasselbe: Sie erträgt das nicht nur, den Lärm, den Schmutz, ohne Murren, sie kümmert sich auch drum, von Anfang an schon, sie sorgt sich, vielleicht zu viel, aber so ist das eben, wenn man an etwas wirklich hängt.

Marianne schiebt die Brille höher auf die Nase und beugt sich über die Zeitung, schnipselt an der Kante entlang, die Werbung unten, die halbnackte Frau mit geöffnetem Mund, die hat sie weggeschnitten. Den Artikel streicht sie glatt, tut ihn zu den anderen. Lesen will sie ihn lieber nicht noch mal. Sie würde ja gerne sagen: alles Gerede. Und ganz sicher ist auch viel Gerede dabei. Aber dass da so viel kommt, immer wieder. Sie merkt das ja selbst. Merkt, wie die Angst sich einschleicht. Dabei ist sie ja wirklich, nein, ängstlich war sie nie.

Man darf natürlich auch nicht so viel nachdenken über diese Schauermärchen. Und wenn dann das Haus in den Dreck gezogen wird, da wird ihr ganz anders. Wie das schon wieder aussieht auf dem Foto. Ganz schlechter Winkel, das machen die doch extra. Das Kottbusser Tor wirkt irgendwie blutleer darauf. Sie weiß natürlich: Beton hat kein Blut. Aber eine Seele doch schon. Hat sie schließlich gehegt und gepflegt.

Marianne seufzt.

Nicht nachdenken, sonst kommt es zurück, das Unbehagen, leise schon lange nicht mehr. Lieber die nächste Zeitung. Berliner Zeitung, reißerische Überschrift, die Zeitungen werden sich auch immer ähnlicher. Aber vielleicht liegt das auch am Alter, also an ihrem, da wird ja alles ähnlicher über die Jahre, gleicht sich an. Neues muss auch erst mal geschaffen werden. Selbst wenn Günther ein halbes Kilo mehr, oder die Haare auf dem Kopf weniger, nur die auf der Brust nicht, die bleiben und bleiben, die auf dem Rücken werden sogar mehr.

Der Artikel über den Thüringer Wald, der dahinten hervorguckt, den will sie später noch lesen. Eine richtige Erholung ist das, immer wenn sie im Frühjahr die Fahrräder auspacken, raus aus der Stadt, wenigstens kurz. Dass Günther mittlerweile nur halb so viel schafft wie früher – geschenkt. Wenn er bloß nicht, wie letztes Jahr. Dieses Jahr nicht, Marianne, der Rücken, das Geld.

Aber den Berliner Mief wegatmen. Das ist doch auch wichtig. Den liebt sie ja, natürlich, da ist sie zu Hause, aber einmal im Jahr was Grünes, so richtig grün eben, nicht nur Schrebergarten von Freunden, und wenn die Sonne dann durch die Äste. Sie vermisst ja sonst nichts in der Stadt.

Der Küchenwecker klingelt. Herrje, gleich schon sechs?

Marianne faltet die Zeitung zusammen. Den Artikel über den Thüringer Wald legt sie nach links. Da muss Günther ihn gleich sehen, wenn er nach Hause kommt.

Jetzt aber schnell, heute ist sie dran mit Abendessen machen, Günther und sie wechseln sich ab, Gleichberechtigung, das war ihnen immer wichtig, und sie will heute Moussaka machen, das dauert so lange. Rasch noch die Kaffeekanne zurück in die Küche gebracht, ausgewaschen, ins Abtropfgitter gestellt. Die Schere ordentlich an den Haken und dann zurück ins Wohnzimmer, den Tisch abräumen.

Und noch einmal bleibt ihr Blick an dem Zeitungsstapel hängen, der Artikel liegt obenauf, der mit der Schreck-Überschrift.

Sie überlegt, dann lässt sie den Stapel liegen. Sie wird Günther später vorlesen, was sie schon wieder über den Kotti schreiben, dann hat sie das wenigstens nicht alleine im Kopf. Man muss nämlich aufpassen, dass der Kopf nicht zu voll ist mit so was: Sonst fehlt einem am Ende der Blick für die Wirklichkeit.

Dienstag

»Das Ergebnis ist ein städtebaulich reizvolles ›Mischprojekt‹, das bis 1974 verwirklicht sein soll. ›Wir wollen keinen Gewerbeklotz hinstellen, sondern planten nach dem Motto wohnen und arbeiten‹, erklärten gestern die für das Objekt verantwortlichen Geschäftsleiter. Angrenzend an die Skalitzer/Gitschiner Straße sollen – zum Teil in Hochhäusern – 300 familiengerechte Wohnungen, ferner 15000 Quadratmeter Gewerbefläche als ›Beletage‹ der Kreuzberger Industrie geschaffen werden.«

Der Abend, 3.12.1970

Mutlu steht im Flur, und die Jungs sind in der Schule. Wenn die Wohnung leer ist, flüstert sie. Der Wasserkocher geht manchmal von alleine an, ein Rauschen. Gaukelt eine Stimme dazwischen.

Mutlu steht im Flur, und am liebsten würde er das Licht gar nicht erst anmachen, aber dann findet er die Schuhe nicht. Als Ladenbetreiber muss er ordentlich aussehen. Aber dieser Spiegel, den sie damals im Flur hängen haben wollte. Ein riesiger Spiegel. Jetzt ist da der Spiegel, immer noch, und schaut zu, manchmal sieht man Aylin darin oder die Jungs. Früher standen sie nebeneinander vor dem Spiegel, und sie richtete seine Sachen. Sie wusste immer ganz genau, wie das aussehen sollte. Sie: Hier muss das Hemd rein, da raus, hier hochgeschlagen, da runter. Er: Wie du willst. Alles, wie du willst.

Was sieht der Spiegel jetzt? Einen Mann, einen Schatten, der sich selbst im Spiegel nicht mehr findet.

Am besten wäre, er würde den Spiegel zuhängen. Er tut es nicht, der Jungs wegen. Zwei Jungs sind es, keine Mädchen. Zum Glück keine Mädchen. Mädchen ohne Mutter sind wie Jungs ohne Mutter, nur noch komplizierter.

Mutlu weiß: So geht es nicht weiter. Es ist schon wieder ein Anruf aus der Schule gekommen. Burak geht nicht hin. Barış geht hin, aber, sagt die Lehrerin, er schläft. Der Junge schläft. Sie als Vater, Sie müssen.

Er muss zur Arbeit. Er muss die Planen, den Schlüssel. Die Bestellung. Seine Schuhe sind dreckig, aber außer Yussuf fällt das nie jemandem auf. Frühjahrsdreck, Schlamm, der wenige, der am Kottbusser Tor durch die Steine dringt. Anders kann er sich nicht erklären, wo jetzt schon wieder Dreck herkommt. Wenn es regnet, schwimmt der Platz.

Mutlu macht doch kurz das Licht an, zum Schuhebinden. Der Spiegel glotzt. Spiegel: Wo willst du hin, Mutlu? Mit solch einem verknitterten Gesicht? Zu vielen Nasenhaaren? So genau willst du nicht hinschauen, was?

Mutlu, den Schlüssel schon in der Hand:

Deine Augen, Hilal, sind wunderschön in diesem Licht.

Meine Geschichte hat zwei Väter.

Meine Väter: zwei weiße Männer. Saßen nachts in einem Zimmer, saßen tags in einem Zimmer, zwei Freunde vielleicht, es spielt keine Rolle. Wer gemeinsam so ein Kind zeugt, ist bald schon nicht mehr befreundet.

Ich war ein Wunschkind. Die Zeitungen schreiben heute etwas anderes, schreiben, ich sei schon hässlich zur Welt gekommen, oder tot, meine Väter: zwei Männer, die mit Bauklötzen spielten wie stumpfsinnige Kinder, die ihre Allmachtsfantasien in Papier gossen und dann in Beton, die sich dachten, sie wüssten, wie man Häuser schafft. Wie Menschen leben.

Aber zu Beginn: Man wollte mich, man lobte mich, man liebte mich. Man applaudierte, als sie mich präsentierten. Es waren viele Zuschauer gekommen, im Dezember 1970 in die Kneipe »Die kleine Weltlaterne«. Es wurde noch geraucht damals, die Luft war trübe, dazwischen glimmende Augen und Zigarettenenden. Man schrieb Artikel, in denen meine Geburt verkündet wurde. Man wartete auf mich, freudig. So war das.

So war das wirklich.

Aber das Happy End blieb aus. Die Vorfreude hat sich selbst gegessen und ist am Beton erstickt.

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