Julia Rothenburg - Mond über Beton

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Zwölf Etagen Stahl umarmen das Kottbusser Tor, wo das Herz aus Beton seit Anfang der Siebziger in unruhigem Takt schlägt. Gefährlich sei der Kotti, schreibt die Presse, ein sozialer Brennpunkt, Drogenumschlagplatz. Hier, im Gebäuderiegel Neues Zentrum Kreuzberg, leben Mutlu, Barış, Aylin, Stanca, Marianne und Günther. Ihre Geschichten, eine Chronik persönlicher Schicksalsschläge, sind eng verwoben mit dem Leben des Viertels. Als Stanca eines Nachts einen schrecklichen Fund macht und Mutlus Söhne ins Drogenmilieu abzurutschen drohen, bildet sich eine Bürgerwehr. Unbemerkt bleibt dabei eine ganz andere, allumfassende Gefahr, die im Verborgenen an einem eigenen Ende schreibt.
Julia Rothenburg erschafft empathische Porträts ihrer Figuren, die jede für sich um eine selbstbestimmte Existenz kämpfen. Ein Bild urbaner Vielstimmigkeit entsteht, das auf Risse hinweist, die einzelne Leben und eine ganze Gemeinschaft auseinanderbrechen lassen können.

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Das Jüngelchen nickt. Super, ich rauche auch nicht oder so.

Ach, denkt Stanca, du kleiner Junge. Was ich von Männern schon alles gesehen habe. Da kannst du rauchen, so viel du willst.

* * *

Es ist März oder es ist April, und Ario liegt unter der Brücke. Zumindest: über ihm Streben. Tauben gurren. Autos brausen an ihm vorbei. Sein Schlafsack riecht nach Kotze. Sein Schlafsack riecht immer nach irgendwas, aber wenn es so penetrant riecht, muss es frisch sein. Sein Kopf dröhnt. Kann sich nicht erinnern, wie er hierhergekommen ist. Kann sich nicht erinnern, wessen Anziehsachen er da trägt. Ist auch egal. Es riecht, und er hat höllische Schmerzen.

Verpiss dich, sagt er zu einer Taube, die neben seinem Kopf nach ihrer eigenen Scheiße pickt. Kommt irgendwie komisch aus seinem Mund raus. Ist aber auch egal. Er braucht was zu trinken. Die Wasserflasche ist leer. Wieso ist Taubenscheiße eigentlich weiß? Soll ihm mal einer erklären. Immerhin hat er kein Problem mit –, ist sie halt weiß. Schlimmer ist der Gestank. Wenn das Wolfgang war. Vermutlich war das Wolfgang. Der alte Penner. Wenn er kotzt, dann als berste der dicke Körper, dann kann er meistens nicht kontrollieren, wohin. Nur manchmal zielt er ganz bewusst. Am liebsten auf Autos. Ist sogar ganz lustig ab und zu. Müssten mal einen Ausflug nach Zehlendorf machen, hat er neulich zu Wolfgang gesagt. Wolfgang hat gelacht. Oder so ähnlich. Weiß man bei Wolfgang manchmal nicht so genau, was das ist, was da aus seinem Gesicht herausbricht.

Nein, jetzt erinnert er sich wieder. Gestern war Wolfgang weggeblieben. War nicht im Café, war nirgendwo. Dann halt nicht, dachte Ario. Liest er Zeitung. Hauptsache nur, es quatscht ihn sonst keiner an. Dass er überhaupt mit Wolfgang, dass er sich dessen Zeug anhört. Lange Geschichte.

Aber Piotr. Haben sich vor dem Café getroffen. Wollte ihm nichts Neues zum Verticken geben. Aber Bier und Selbstgebrannten. Hatte gesagt, er hat Geburtstag. Als wär das wichtig. Hat ewig rumerzählt, Geburtstag in Russland, ganz große Sache. Ario hatte keine Lust zu nicken oder sonst was zu sagen. Wozu auch. Natürlich erinnert er sich an Geburtstage, Kuchen aus dem Supermarkt, eingedellt, Kuchen in Alufolie, Kuchen mit Serviettenfetzen dran. Kuchen, Kuchen und Kerzen. Er erinnert sich an ganz viele Geburtstage, klebrige Kindergesichter als Fratzen. Aber nicht an seinen.

Piotr hatte gelacht. Nicht dein Ernst, Junge, nicht dein Ernst. Wie alt bist du überhaupt?

Ario hatte die Schultern gezuckt, oder so, vielleicht hatte er Piotr auch eine reingehauen. Nee, hat er nicht, er bewegt die Hände, fühlen sich gut an, die Fingerknöchel.

Die kleine Ehrenamtliche war wieder da, im Café. Macht immer so ein Gesicht, wenn er sagt, dass er Hunger hat. Muss nur nett lächeln. Er weiß noch, wie man das macht mit den blitzenden Augen. Wenn das alles ist, was man braucht, blitzende Augen. Seine Oma hatte das mal gesagt. Hast so schöne Augen, Junge. Da werden die Mädchen –

Hat die kleine Ehrenamtliche gelacht und sich die Haare hinter die Ohren gestrichen. Wie lange ist es eigentlich her, dass er – Muss er wohl mal wieder Sabine besuchen gehen oder Saskia oder wie die alle heißen. Auch egal. Jetzt gerade ist ihm eh zu schlecht. Alles fühlt sich dumpf an, auch der Schwanz. Aber ist noch da, kann er tasten, weich und biegsam.

Die kleine Ehrenamtliche hatte ihm einen Extrateller gemacht. Erst Kekse. Dann Brot von gestern. Gott, er erinnert sich, verschimmelte Paprika. Hat sie gegessen. Hat ausgespuckt auf die Straße.

Jetzt doch das Gesicht von Wolfgang: das blutunterlaufene. Der Bart, die spärlichen Haare, das Halstuch, das ihn aussehen lässt wie einen Seemann. Seemänner trinken die ganze Nacht. Wolfgang schrie rum, war schon dunkel. Die Stimme hallte, wo hallte sie? Ach genau, Kottbusser Tor. Das Tor, das keines ist. Oder wo ist hier ein Tor? Hier gibt es die U-Bahn-Brücken, da liegt er drunter, jetzt erkennt er das. Oben die Streben, die Tauben, daneben die Autos. Dahinter dann die Betonfassade des Häuserblocks, riesige Insektenaugen. Satellitenschüsseln statt Fühler.

Ario liegt unter diesem Tor. Und alles dreht sich, hin und her. Aber zwischen den Drehungen erkennt er trotzdem alles ganz genau.

Die Frühlingsluft ist anders als die Winterluft, anders als vor ein paar Tagen, frischer, trotz der Abgase. Gegenüber werden die Bäume bald grün. Darunter klumpt die Junkietraube. Schauen ab und zu rüber. Gott, ist ihm schlecht, aber woher, das bisschen verschimmelte Aubergine oder Paprika, das bisschen Selbstgebrannter.

Die Junkies kommen nicht rüber. Will er dem Pack auch nicht geraten haben. Die Äste mit den Knospen sind schon so schwer, dass sie beinahe auf die Junkies herabsinken. Aber denen ist’s ja eh egal, sitzen in matschigen Blättern, sitzen unter den grünen Blättern, lassen sich von den kahlen Ästen die letzten Haare wegkämmen.

Der türkische Laden hat schon auf. Er kann genau sehen, wenn er den Kopf dreht zumindest, verdammt, ist ihm schlecht, wie die türkischen Männer an der Plane hantieren, wie sie die Obstkisten nach draußen stellen, das Gemüse, kein verschimmeltes. Vorne die Tüten für einen Euro, auch nicht verschimmelt, aber meistens zu viel Grünzeug. Ario isst lieber Fleisch. Hat er vielleicht Hunger, und ist ihm deswegen so schlecht?

Sehen alle gleich für ihn aus, die Türken. Aber das würde er fast über alle Menschen sagen. Dunkelhaarige insgesamt. Liegt vielleicht daran, dass er nicht so oft in den Spiegel schaut. Erinnert sich an sein eigenes Gesicht im Spiegel nur vage, Uni-Toilette Freiburg. Blaues Licht, damit man die Venen nicht trifft. Er ist doch nicht doof, man kann ja auch mit dem Kugelschreiber.

Er kann seine Füße nicht mehr spüren. Ist nichts Neues, ist ja noch kalt. Aber Gott, wie er diese Sammelunterkünfte leid ist. Hatte sich hinten in der Halle seinen Platz erkämpft. Trotzdem immer jemand, der ihm den streitig machte. Und dann gestern: kein Platz mehr. Wie, zu spät gekommen? Er weiß, dass die Marken um acht verteilt werden. Er hatte halt noch mit Piotr. Also Wolfgang gesucht. Aber jetzt kein Wolfgang hier, natürlich nicht, der hat ja seine Bude, betreutes Wohnen, so was macht Ario nicht mehr mit, nur die Junkies gegenüber, lallen, Stielaugen, eine Frau macht kts kts, als sie ihren Trolley an ihm vorbeizieht. Scheiß Tauben, kacken überall hin.

Ario schiebt die Füße tiefer in den Schlafsack, fühlt am Boden das Geld zwischen den Zehen. Vielleicht später noch was besorgen. Eine der Tauben kackt direkt neben seinen Kopf. Drecksviecher. Berlin ist voll von denen. Gab’s in Freiburg nicht, so viele. Gab’s das Plätschern der Dreisam. War viel wärmer dort im März, April. Aber der Beton ist ihm trotzdem lieber.

Die Taube gurrt und kackt schon wieder. Ario greift nach einer Flasche und wirft, wird ihm ganz anders dabei. Er sinkt zurück, fällt, knallt mit dem Kopf auf seine zusammengerollte Jacke. Ein Flügelschlagen, aufgeregtes Gezeter. Aus den Augenwinkeln sieht er die Taube in den blauen Himmel flattern. Es ist schon April, daher der blaue Himmel. Das war die acht Cent wert.

Bist du total bescheuert, sagt eine Stimme.

Ich hätte das fast abgekriegt, du Wichser.

Da steht ein Schatten in seinem Sichtfeld, eine junge Frau. Jetzt mit den Augen blitzen, aber sie guckt nur böse. Sie sieht aus wie ein Engel. Andererseits: alles Einbildung, gibt keine türkischen Engel. Hat er noch nie ein Bild von gesehen zumindest. Und gibt keine Engel für ihn, Ario, sowieso nicht.

Was lachst du so bescheuert? Hallo, bist du total zu, oder was?

Der Engel schiebt ihm die Schuhspitze in die Seite, nein, tritt vermutlich, bei ihm ist gerade alles in Zeitlupe. Und dreht sich auch schon wieder, nein, schwankt, hin und her. Als würde der Engel mit den Flügeln schlagen.

Jetzt muss er doch gleich – macht er ungern vor hübschen Mädchen. Vielleicht hat sie ja ihr Smartphone dabei. Aber nein, keine Tasche, nur eine Plastiktüte. Schade. Hätte er später im Mauerpark.

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